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König Heinrich der Fünfte

William Shakespeare: König Heinrich der Fünfte - Kapitel 26
Quellenangabe
typetragedy
booktitleHeinrich der Fünfte, Heinrich der Achte, Titus Andronicus
authorWilliam Shakespeare
translatorAugust Wilhelm von Schlegel
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20640-2
titleKönig Heinrich der Fünfte
pages1-4
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Achte Szene

Vor König Heinrichs Zelte

Gower und Williams treten auf

Williams.
Glaubt mir, es geschieht, um Euch zum Ritter zu schlagen, Kapitän.

Fluellen kommt.

Fluellen.
Gottes Willen und Wohlgefallen, Kapitän! Ich ersuche Euch nun, kommt schleunig zum Könige; es steht Euch vielleicht mehr Gutes bevor, als in Eurer Wissenschaft ist, Euch träumen zu lassen.

Williams.
Herr, kennt Ihr diesen Handschuh?

Fluellen.
Ob ich ihn kenne? Ich weiß, daß der Handschuh ein Handschuh ist.

Williams.
Den da kenne ich, und so fordre ich ihn zurück.

(Schlägt ihn)

Fluellen.
Plitz! ein Erzverräter, wie irgendeiner in der sämtlichen Welt, oder in Frankreich, oder in England.

Gower.
Nun, was soll das, du Schurke?

Williams.
Denkt Ihr, daß ich meinen Eid brechen will?

Fluellen.
Tretet zurück, Kapitän Gower, ich will der Verräterei seinen Lohn in Schlägen erteilen, das versichre ich Euch.

Williams.
Ich bin kein Verräter.

Fluellen.
Das lügst du in deinen Hals hinein. – Ich mahne Euch im Namen Seiner Majestät, greift ihn, er ist ein Freund des Herzogs von Alençon.

Warwick und Gloster treten auf.

Warwick.
Nun, nun, was geht hier vor?

Fluellen.
Mylord von Warwick, hier ist, Gott sei Lob und Dank! eine höchst giftige Verräterei ans Licht gekommen, seht Ihr, wie man sie nur an hohen Festtagen verlangen kann. Da kommt Seine Majestät.

König Heinrich und Exeter treten auf.

König Heinrich.
Nun, was gibts hier?

Fluellen.
Mein König, hier ist ein Pösewicht und Verräter, der, schaut Euer Gnaden, den Handschuh weggeschlagen hat, den Euer Majestät von Alençons Helm gerissen.

Williams.
Gnädigster Herr, es war mein Handschuh, hier ist der andre dazu, und der, mit dem ich ihn eingetauscht hatte, versprach, ihn an seiner Mütze zu tragen; ich versprach, ihn zu schlagen, wenn er es täte; ich traf diesen Mann mit meinem Handschuh an seiner Mütze, und ich habe mein Wort gehalten.

Fluellen.
Euer Majestät hören nun, mit allem Respekt vor Dero Mannhaftigkeit, was für ein erzschuftiger, lumpiger, lausiger Spitzbube es ist. Ich hoffe, Eure Majestät werden mir bezeugen, als auch verbürgen und beurkunden, daß dies der Handschuh vom Alençon ist, den Eure Majestät mir geben tat, nach Eurem besten Gewissen.

König Heinrich.
Gib mir deinen Handschuh, Soldat; sieh, hier ist der andre dazu. Ich war es eigentlich, den du zu schlagen versprachest, und du hast mir sehr schnöde Reden gegeben.

Fluellen.
Eure Majestät belieben ihn mit seinem Halse dafür einstehen zu lassen, wo es irgendein militärisches Gesetz in der Welt gibt.

König Heinrich.
Wie kannst du mir Genugtuung schaffen?

Williams.
Alle Beleidigungen, gnädigster Herr, kommen vom Herzen; aus dem meinigen kam nie etwas, das Eure Majestät hätte beleidigen können.

König Heinrich.
Wir waren es, dem du übel begegnetest.

Williams.
Eure Majestät kam nicht in eigner Gestalt, Ihr erschient mir nur wie ein gemeiner Mensch: die Nacht, Eure Kleidung, Euer schlichtes Betragen kann es bezeugen; und was Eure Hoheit unter der Gestalt erlitten, das ersuche ich Euch Eurer eignen Schuld, nicht der meinigen, zuzuschreiben: denn wäret Ihr das gewesen, wofür ich Euch nahm, so hätte ich keinen Fehler begangen; darum bitt ich Eure Hoheit, verzeiht mir!

König Heinrich.
Hier, Oheim, füllt den Handschuh mir mit Kronen
Und gebt dem Burschen ihn. – Behalt ihn, Bursch,
Trag ihn als Ehrenzeichen an der Mütze,
Bis ich ihn fordre. – Gebt die Kronen ihm!
Und, Hauptmann, Ihr müßt Euch mit ihm versöhnen.

Fluellen.
Bei diesem Tageslicht, der Kerl hat Herz genug in seinem Bauche. – Hier, da habt Ihr einen Schilling, und ich bitte Euch, seid gottesfürchtig und hütet Euch vor Lärm und Gezänk und Palgereien und Zwistigkeiten, und ich versichre Euch, es wird um desto besser für Euch sein.

Williams.
Ich will Euer Geld nicht.

Fluellen.
Es geschieht mit gutem Willen; ich sage Euch, Ihr könnt Eure Schuh damit flicken lassen. Geht, weshalb wollt Ihr so plöde sein? Eure Schuh sein nicht gar zu gut; es ist ein guter Schilling, ich versichre Euch, sonst will ich ihn Euch wechseln.

Ein englischer Herold tritt auf.

König Heinrich.
Nun, Herold, sind die Toten gezählt?

Herold.
Hier ist die Anzahl der erschlagnen Franken.

(Übergibt ein Papier.)

König Heinrich.
Was für Gefangne hohen Ranges, Oheim?

Exeter.
Des Königs Neffe Karl von Orleans,
Johann von Bourbon, Herr von Bouciquault,
Von andern Herrn, Baronen, Rittern, Knappen
An fünfzehnhundert, außer den Gemeinen.

König Heinrich.
Der Zettel sagt mir von zehntausend Franken
Erschlagen auf dem Platz; in dieser Zahl von Prinzen
Und Herrn, die Fahnen führen, liegen tot
An hundertsechsundzwanzig; außer diesen
Von Rittern, Knappen, wackern Edelleuten
Achttausendundvierhundert, und davon
Schlug man fünfhundert gestern erst zu Rittern;
So daß von den zehntausend Umgekommnen
Nur sechzehnhundert Söldner sind; der Rest
Sind Prinzen, Herrn, Barone, Ritter, Knappen
Und Edelleute von Geburt und Rang.
Die Namen der gebliebnen Großen sind:
Karl de la Bret, Groß-Connétable Frankreichs,
Jacques Chatillon, des Reiches Admiral,
Der Schützen Oberhauptmann, Herr Rambures,
Großmeister Frankreichs, Ritter Guichard Dauphin,
Die Herzög Alençon und von Brabant,
Der Bruder von dem Herzog von Burgund,
Und Eduard von Bar; von tapfern Grafen
Grandpré und Roussi, Fauconberg und Foix,
Beaumont und Marle, Vaudemont und Lestrale.
O fürstliche Genossenschaft des Todes! –
Wo ist von unsern Toten das Verzeichnis?

(Der Herold überreicht einen andern Zettel.)

Eduard, Herzog von York, der Graf von Suffolk,
Sir Richard Ketly, David Gam Esquire;
Von Namen keine sonst, und von den andern
Nur fünfundzwanzig. O Gott, dein Arm war hier,
Und nicht uns selbst, nur deinem Arme schreiben
Wir alles zu. – Wann sah man, ohne Kriegslist,
Im offnen Stoß und gleichem Spiel der Schlacht
Wohl je sowenig und soviel Verlust
Auf ein und andrer Seite? – Nimm es, Gott!
Denn dein ists einzig.

Exeter.
Es ist wundervoll.

König Heinrich.
Kommt, ziehen wir in Prozession zum Dorf,
Und Tod sei ausgerufen durch das Heer,
Wenn jemand prahlt und Gott die Ehre nimmt,
Die einzig sein ist!

Fluellen.
Ist es nicht rechtmäßig, mit Euer Majestät Erlaubnis, zu sagen, wie viele geblieben sein?

König Heinrich.
Ja, Hauptmann, doch mit dieser Anerkennung, daß Gott für uns gefochten.

Fluellen.
Ja, auf mein Gewissen, er hat uns gut geholfen.

König Heinrich.
Begehn wir alle heiligen Gebräuche,
Man singe das Non nobis und Te Deum.
Und sind die Toten christlich eingescharrt,
Fort nach Calais, und dann in unser Land,
Wo Frankreich nie Beglücktre heimgesandt! (Alle ab.)

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