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König Heinrich der Fünfte

William Shakespeare: König Heinrich der Fünfte - Kapitel 22
Quellenangabe
typetragedy
booktitleHeinrich der Fünfte, Heinrich der Achte, Titus Andronicus
authorWilliam Shakespeare
translatorAugust Wilhelm von Schlegel
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20640-2
titleKönig Heinrich der Fünfte
pages1-4
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Vierte Szene

Das Schlachtfeld

Getümmel. Angriffe. Ein französischer Soldat, Pistol und der Bursch kommen

Pistol.
Ergib dich, Hund!

Französischer Soldat.
Je pense que vous êtes un gentil-homme de bonne qualité.

Pistol.
Qualität nennst du mich? Erläutre mir: bist du ein Edelmann? Was ist dein Nam? Erkläre!

Französischer Soldat.
O Seigneur Dieu!

Pistol.
Oh, Signor Djö muß wohl von Adel sein.
Erwäg mein Wort, o Signor Djö, und merk:
Signor Djö, du mußt die Klinge springen,
Wofern du, o Signor, nicht große Lösung
Mir geben willst.

Französischer Soldat.
Miséricorde! Prenez pitié de moi! Ne me tuez point!

Pistol.
Ein Pfund? Ich will der Pfunde vierzig haben.
Das Zwerchfell hol ich dir zur Kehl heraus
In Tropfen roten Bluts.

Französischer Soldat.
Est-il impossible d'échapper à la force de votre bras? Ah, dégagez-le de ma gorge! N'allez pas me la couper!

Pistol.
Was? Kupfer, Hund?
Verdammte geile Gemse, bietest du
Mir Kupfer an?

Französischer Soldat.
Point de pardon?

Pistol.
Das laß ich gelten; ein paar Tonnen Pfunde.
Hieher komm, Bursch, befrag den Sklaven da
Mir auf Französisch, wie sein Name heißt.

Bursch.
Ecoutez! comment vous appelez-vous?

Französischer Soldat.
Monsieur le Fer.

Bursch.
Er sagt, sein Name sei Herr Fer.

Pistol.
Herr Fer! Ich will ihn beferren und pferchen und ferkeln: erkläre ihm selbiges auf Französisch.

Bursch.
Ich weiß das Französische nicht für beferren und pferchen und ferkeln.

Pistol.
Heiß ihn bereit sein, weil ich ihm die Kehle
Abschneiden will.

Französischer Soldat.
Que dit-il, monsieur?

Bursch.
Il m'ordonne de vous dire, que vous vous teniez prêt, car ce soldat ici est disposé tout à l'heure à vous couper la gorge.

Pistol.
Oui, couper gorge, par ma foi, du Knecht;
Wo du nicht Kronen, brave Kronen gibst,
So soll mein Schwert dich in die Pfanne haun.

Französischer Soldat.
Oh, je vous supplie pour l'amour de Dieu, pardonnez-moi! Je suis gentilhomme d'une bonne maison; épargnez ma vie, et je vous donnerai deux cents écus.

Pistol.
Was ist sein Wort?

Bursch.
Er bittet Euch, ihm das Leben zu schenken; er sei ein Edelmann von guter Herkunft und wolle Euch als sein Lösegeld zweihundert Kronen geben.

Pistol.
Sag ihm, daß nachläßt meine Wut
Und ich die Kronen nehmen will.

Französischer Soldat.
Petit monsieur, que dit-il?

Bursch.
Quoique ce soit contre son serment de donner quartier à aucun prisonnier, néanmoins, pour les écus que vous lui avez promis, il est content de vous mettre en liberté.

Französischer Soldat.
Sur mes genoux je vous rends mille remerciments, et je m'estime heureux d'être tombé entre les mains d'un chevalier, qui est, je pense, le seigneur de l'Angleterre le plus distingué pour sa valeur.

Pistol.
Erklär mir, Bursch.

Bursch.
Er dankt Euch tausendmal auf seinen Knien und schätzt sich glücklich, in die Hände eines Kavaliers gefallen zu sein, der, wie er denkt, der ausgezeichnetste Herr in England von seiten der Tapferkeit ist.

Pistol.
Bei meinem Blut, ich will barmherzig sein.
Folg mir, du Hund. (Ab.)

Bursch.
Suivez le grand capitaine! (Französischer Soldat ab.)

Noch nie habe ich gesehen, daß eine so volle Stimme aus einem so leeren Herzen gekommen wäre; aber der Spruch ist wahr: hohle Töpfe haben den lautesten Klang. Bardolph und Nym hatten zehnmal mehr Herz als dieser brüllende Teufel aus der alten Komödie, dem jedermann die Nägel mit einer hölzernen Pritsche verschneiden könnte, und doch sind sie beide aufgehängt: und das widerführe ihm auch, wenn er irgend was dreist zu stehlen wagte. Ich muß bei den Troßbuben, beim Gepäck unsers Lagers bleiben; der Franzose könnte eine gute Beute haben, wenn er es wüßte: es sind nichts wie Jungen da, um es zu bewachen. (Ab.)

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