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König Heinrich der Fünfte

William Shakespeare: König Heinrich der Fünfte - Kapitel 21
Quellenangabe
typetragedy
booktitleHeinrich der Fünfte, Heinrich der Achte, Titus Andronicus
authorWilliam Shakespeare
translatorAugust Wilhelm von Schlegel
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20640-2
titleKönig Heinrich der Fünfte
pages1-4
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dritte Szene

Das englische Lager

Englische Truppen, Gloster, Bedford, Exeter, Salisbury und Westmoreland

Gloster.
Wo ist der König?

Bedford.
Er ritt hinaus, die Schlachtordnung zu sehn.

Westmoreland.
Sie haben volle sechzigtausend Streiter.

Exeter.
Fünf gegen einen, auch sind alle frisch.

Salisbury.
Gott sei mit uns! Die Übermacht ist schrecklich.
Lebt, Prinzen, wohl! Ich will an meinen Posten.
Wenn wir im Himmel erst uns wiedertreffen,
Dann freudevoll! – Mein edler Herr von Bedford,
Ihr teuren Herrn von Gloster und von Exeter
Und liebster Vetter – lebt, ihr Krieger, wohl!

Bedford.
Fahr wohl, mein guter Salisbury! und Heil
Begleite dich!

Exeter.
Leb wohl, du biedrer Lord, ficht heute tapfer!
Doch tu ich Schmach dir, dich daran zu mahnen:
Du hegst den echten Kern der Tapferkeit. (Salisbury ab.)

Bedford.
Er ist so voll von Tapferkeit als Güte,
In beiden fürstlich.

König Heinrich tritt auf.

Westmoreland.
O hätten wir nun hier
Nur ein Zehntausend von dem Volk in England,
Das heut ohn Arbeit ist!

König Heinrich.
Wer wünschte so?
Mein Vetter Westmoreland? – Nein, bester Vetter:
Zum Tode ausersehn, sind wir genug
Zu unsers Lands Verlust; und wenn wir leben,
Je kleinre Zahl, je größres Ehrenteil.
Wie Gott will! Wünsche nur nicht einen mehr!
Beim Zeus, ich habe keine Gier nach Gold
Noch frag ich, wer auf meine Kosten lebt;
Mich kränkts nicht, wenn sie meine Kleider tragen;
Mein Sinn steht nicht auf solche äußre Dinge:
Doch wenn es Sünde ist, nach Ehre geizen,
Bin ich das schuldigste Gemüt, das lebt.
Nein, Vetter, wünsche keinen Mann von England;
Bei Gott! ich geb um meine beste Hoffnung
Nicht soviel Ehre weg, als ein Mann mehr
Mir würd entziehn. O wünsch nicht einen mehr!
Ruf lieber aus im Heere, Westmoreland,
Daß jeder, der nicht Lust zu fechten hat,
Nur hinziehn mag; man stell ihm seinen Paß
Und stecke Reisegeld in seinen Beutel:
Wir wollen nicht in des Gesellschaft sterben,
Der die Gemeinschaft scheut mit unserm Tode.
Der heutge Tag heißt Crispianus' Fest:
Der, so ihn überlebt und heim gelangt,
Wird auf den Sprung stehn, nennt man diesen Tag,
Und sich beim Namen Crispianus rühren.
Wer heut am Leben bleibt und kommt zu Jahren,
Der gibt ein Fest am heilgen Abend jährlich
Und sagt: «Auf morgen ist Sankt Krispian!»
Streift dann den Ärmel auf, zeigt seine Narben
Und sagt: «Am Krispinstag empfing ich die.»
Die Alten sind vergeßlich; doch wenn alles
Vergessen ist, wird er sich noch erinnern
Mit manchem Zusatz, was er an dem Tag
Für Stücke tat: dann werden unsre Namen,
Geläufig seinem Mund wie Alltagsworte:
Heinrich der König, Bedford, Exeter,
Warwick und Talbot, Salisbury und Gloster,
Bei ihren vollen Schalen frisch bedacht!
Der wackre Mann lehrt seinem Sohn die Märe,
Und nie von heute bis zum Schluß der Welt
Wird Krispin-Krispian vorübergehn,
Daß man nicht uns dabei erwähnen sollte,
Uns wen'ge, uns beglücktes Häuflein Brüder:
Denn welcher heut sein Blut mit mir vergießt,
Der wird mein Bruder; sei er noch so niedrig,
Der heutge Tag wird adeln seinen Stand.
Und Edelleut in England, jetzt im Bett,
Verfluchen einst, daß sie nicht hier gewesen,
Und werden kleinlaut, wenn nur jemand spricht,
Der mit uns focht am Sankt Crispinustag.

Salisbury tritt auf.

Salisbury.
Mein gnädger Fürst, bereitet Euch in Eil!
Schon stehn die Franken stattlich in den Reihen.
Und werden schleunigst ihren Angriff tun.

König Heinrich.
Ist unser Mut bereit, so ist es alles.

Westmoreland.
Verderbe der, des Mut dahinten bleibt!

König Heinrich.
Ihr wünscht von England nicht mehr Hilfe, Vetter?

Westmoreland.
Herr, wollte Gott, daß Ihr und ich allein
Ohn andre Hilfe föchten diese Schlacht.

König Heinrich.
Du hast fünftausend nun hinweggewünscht,
Was besser mir gefällt, als einen wünschen –
Gott mit euch allen! Eure Posten kennt ihr.

Trompeten. Montjoye tritt auf.

Montjoye.
Noch einmal soll ich hören, König Heinrich,
Ob du dich willst vergleichen um die Lösung
Vor deinem höchst unzweifelbaren Fall.
Denn sicherlich, du bist dem Schlund so nah,
Du mußt verschlungen werden. Überdies
Ersucht aus Mitleid dich der Connétable,
Dein Volk an Reu zu mahnen, daß die Seelen
In Frieden mögen scheiden und zum Heil
Von diesen Feldern, wo die armen Leiber
Verwesen müssen.

König Heinrich.
Wer sendet dich?

Montjoye.
Der Connétable Frankreichs.

König Heinrich.
Ich bitt dich, nimm den vorigen Bescheid
Mit dir zurück: heiß sie mich erst bezwingen,
Dann mein Gebein verhandeln. Guter Gott!
Warum sie arme Leute doch so höhnen?
Der Mann, der einst des Löwen Haut verkauft,
Da er noch lebte, kam beim Jagen um.
Es finden sicher unsrer Leiber viel
Ein Grab im Heimatboden, drauf, so hoff ich,
In Erz ein Zeugnis dieses Tags wird leben.
Und die ihr stark Gebein in Frankreich lassen,
Wie Männer sterbend, werden doch berühmt,
Obschon in euren Haufen Kot begraben.
Denn grüßen wird die Sonne nun sie dort
Und ihre Ehren dampfend ziehn zum Himmel,
Indes ihr irdisch Teil die Luft erstickt,
Und sein Geruch in Frankreich Pest erzeugt.
Merkt denn das Übermaß der Tapferkeit
An unsern Englischen, daß sie, schon tot,
So wie das Streifen der Kanonenkugel,
Ausbrechen zu des Unheils zweitem Lauf,
Im Rücksprung ihrer Sterblichkeit noch tötend.
Laßt Stolz mich reden: Sagt dem Connétable,
Wir sind nur Krieger für den Werkeltag,
All unsre Festlichkeit und Zier beschmutzt
Mit nassen Märschen im mühselgen Feld.
Kein Stückchen Feder ist in unserm Heer
(Beweis genug, daß wir euch nicht entfliegen),
Die Zeit hat unsre Sauberkeit vernutzt;
Doch unsre Herzen sind, beim Himmel, schmuck,
Und meine armen Leute sagen mir,
Sie sei'n vor nachts gewiß in frischen Kleidern,
Sonst wollen sie den fränkischen Soldaten
Kopfüber ziehn die neuen bunten Röcke
Und aus dem Dienst sie jagen. Tun sie das
(Ich hoffs zu Gott), so ist auch meine Lösung
Bald aufgebracht. Herold, spar deine Müh;
Komm du nicht mehr um Lösung, lieber Herold!
Ich gebe, schwör ich keine andre nicht
Als alle diese meine Glieder, die ich ihnen
Erst so zu lassen denke, daß sie wenig
Dran haben: sag dem Connétable das!

Montjoye.
Das werd ich, König Heinrich. So leb wohl!
Du hörest nimmer nun den Herold mehr. (Ab.)

König Heinrich.
Du kommst, besorg ich, noch um Lösung wieder.

Herzog von York tritt auf.

York.
Herr, untertänig bitt ich auf den Knien.
Um Anführung des Vortrabs.

König Heinrich.
Wohl, braver York! Soldaten, auf ins Feld!
Und ordne, Gott, den Tag, wie dirs gefällt! (Alle ab.)

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