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König Heinrich der Fünfte

William Shakespeare: König Heinrich der Fünfte - Kapitel 20
Quellenangabe
typetragedy
booktitleHeinrich der Fünfte, Heinrich der Achte, Titus Andronicus
authorWilliam Shakespeare
translatorAugust Wilhelm von Schlegel
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20640-2
titleKönig Heinrich der Fünfte
pages1-4
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zweite Szene

Das französische Lager

Der Dauphin, Orleans, Rambures und andre treten auf

Orleans.
Der Sonnenschein vergoldet unsre Waffen:
Wohlauf, ihr Herrn!

Dauphin.
Montez à cheval! Mein Pferd! valet! laquai! ha!

Orleans.
O wackrer Mut!

Dauphin.
Via! – les eaux et la terre –

Orleans.
Et puis? l'air et le feu –

Dauphin.
Ciel! Vetter Orleans!

Der Connétable tritt auf.

Nun, Herr Connétable?

Connétable.
Horcht, wie die Rosse wiehern auf den Sprung!

Dauphin.
Besteigt sie und zerschneidet ihre Haut,
Daß ihr heiß Blut in Feindes Augen spritze
Und lösche sie mit überflüßgem Mut!

Rambures.
Wie? soll er Blut von unsern Pferden weinen?
Wie säh man seine eignen Tränen denn?

Ein Bote tritt auf.

Bote.
Die Feinde stehn in Reihn, ihr fränkschen Pairs.

Connétable.
Zu Pferd, ihr wackern Prinzen! Flugs zu Pferd!
Seht nur die hungrige und arme Schar,
Eur schöner Schein saugt ihre Seelen weg
Und läßt von Männern ihnen nur die Hülsen.
Für unsre Händ ist nicht genug zu tun,
Kaum Blut genug in ihren kranken Adern,
Um jeden nackten Säbel zu beflecken,
Die unsre fränkschen Braven heute ziehn
Und, weils an Beute fehlt, einstecken werden.
Laß uns nur auf sie hauchen, und es stürzt
Der Dunst von unserer Tapferkeit sie um.
's ist ausgemacht ohn alle Frage, Herrn,
Daß unser überflüßger Troß und Bauern,
Die, unnütz tätig, unsre Schlachtgeschwader
Umschwärmen, gnügen würden, dieses Feld
Von solchem jämmerlichen Feind zu säubern,
Wenn wir auch auf des Berges Grund bei an
Zu müßgem Zuschaun Posten fassen wollten,
Was Ehre nicht erlaubt. Was soll ich sagen?
Ein kleines, kleines Wenig laßt uns tun,
Und alles ist getan. Laßt die Trompeten,
Daß aufgesessen werde, lustig blasen;
Denn unser Nahn soll so das Feld erschrecken,
Daß England sich in Furcht soll niederstrecken.

Grandpré tritt auf.

Grandpré.
Was wartet ihr so lang, ihr fränkschen Edlen?
Die Insel-Äser dort, an ihrer Haut
Verzweifelnd, stehn dem Felde scheußlich an;
Die lumpgen Fahnen hängen ärmlich los,
Und höhnend schüttelt unsre Luft sie durch.
Mars scheint bankrott in ihrem Bettelheer
Und blickt nur matt durch rostige Visiere.
Die Reiter scheinen aufgesteckte Leuchter
Mit Kerzen in der Hand; es hängt der Kopf,
Und schlottert Hüft und Haut den armen Mähren;
Aus den erstorbnen Augen tränt der Schleim,
Und in den bleichen, schlaffen Mäulern liegt
Das Kettgebiß, von dem zerkäuten Grase
Beschmutzet, ruhig und bewegungslos.
Und ihre Henker fliegen über ihnen,
Die frechen Krähn, die Stunde kaum erwartend.
Beschreibung kann sich nicht in Worte fügen,
Das Leben solcher Schlachtordnung zu schildern,
Im Leben leblos, wie sie selbst sich zeigt.

Connétable.
Sie haben ihr Gebet schon hergesagt.
Und sind zum Tod bereit.

Dauphin.
Sagt, solln wir ihnen Kost und frische Kleider
Und Füttrung für die magern Pferde senden
Und dann mit ihnen fechten?

Connétable.
Ich wart auf meine Wacht nur; fort, ins Feld!
Ich nehme 'ner Trompet ihr Fähnlein ab
Und brauchs in meiner Eil. Kommt, macht euch auf!
Die Sonn ist hoch, versäumt nicht ihren Lauf! (Alle ab.)

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