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König Heinrich der Fünfte

William Shakespeare: König Heinrich der Fünfte - Kapitel 18
Quellenangabe
typetragedy
booktitleHeinrich der Fünfte, Heinrich der Achte, Titus Andronicus
authorWilliam Shakespeare
translatorAugust Wilhelm von Schlegel
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20640-2
titleKönig Heinrich der Fünfte
pages1-4
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Vierter Aufzug

Chorus tritt auf

Chorus.
Nun lasset euch gemahnen eine Zeit,
Wo schleichend Murmeln und das spähnde Dunkel
Des Weltgebäudes weite Wölbung füllt.
Von Lager hallt zu Lager, durch der Nacht
Unsaubern Schoß, der Heere Summen leise,
Daß die gestellten Posten fast vernehmen
Der gegenseitgen Wacht geheimes Flüstern.
Die Feur entsprechen Feuern, und es sieht
Durch ihre bleichen Flammen ein Geschwader
Des andern bräunlich überfärbt Gesicht.
Roß droht dem Roß, ihr stolzes Wiehern dringt
Ins dumpfe Ohr der Nacht, und von den Zelten,
Den Rittern helfend, geben Waffenschmiede,
Die Rüstung nietend mit geschäftgem Hammer,
Der Vorbereitung grauenvollen Ton.
Des Dorfes Hähne krähn, die Glocken schlagen
Des schlafbetäubten Morgens dritte Stunde.
Stolz auf die Zahl und sichern Muts verspielen
Die muntern, selbstvertrauenden Franzosen
Die nichtsgeacht'ten Englischen in Würfeln
Und schmähn den krüppelhaften Gang der Nacht,
Die, einer schnöden, garstgen Hexe gleich,
Hinweg so zögernd hinkt. Die armen Englischen,
Wie Opfer sitzen sie bei wachen Feuern,
Geduldig, und erwägen innerlich
Die morgende Gefahr; die trübe Miene
Auf hohlen Wangen und vom Krieg vernutzt
Die Röcke stellen sie dem schaun'den Mond
Wie grause Geister dar. O, wer nun sehen mag
Den hohen Feldherrn der verlornen Schar
Von Wacht zu Wacht, von Zelt zu Zelte wandeln,
Der rufe: «Preis und Ruhm sei seinem Haupt!»
Denn er geht aus, besucht sein ganzes Heer,
Beut mit bescheidnem Lächeln guten Morgen
Und nennt sie Brüder, Freunde, Landesleute.
Auf seinem königlichen Antlitz ist
Kein Merkmal, welch ein furchtbar Heer ihn drängt,
Noch widmet er ein Tüttelchen von Farbe
Der schläfrigen und ganz durchwachten Nacht;
Nein, er sieht frisch und übermannt die Schwäche
Mit frohem Schein und holder Majestät,
Daß jeder Arme, bleich gehärmt zuvor,
Ihn sehend, Trost aus seinen Blicken schöpft;
Und allgemeine Gaben, wie die Sonne,
Erteilet jedem sein freigebig Auge,
Auftauend kalte Furcht. Drum, Hoh' und Niedre,
Seht, wie Unwürdigkeit ihn zeichnen mag,
Den leichten Abriß Heinrichs in der Nacht.
So muß zum Treffen unsre Szene fliegen,
Wo wir (o Schmach!) gar sehr entstellen werden
Mit vier bis fünf zerfetzten schnöden Klingen,
Zu lächerlichem Balgen schlecht geordnet,
Den Namen Azincourt. Doch sitzt und seht,
Das Wahre denkend, wo sein Scheinbild steht! (Ab.)

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