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König Heinrich der Fünfte

William Shakespeare: König Heinrich der Fünfte - Kapitel 15
Quellenangabe
typetragedy
booktitleHeinrich der Fünfte, Heinrich der Achte, Titus Andronicus
authorWilliam Shakespeare
translatorAugust Wilhelm von Schlegel
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20640-2
titleKönig Heinrich der Fünfte
pages1-4
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Fünfte Szene

Ein andres Zimmer im Palast

König Karl, der Dauphin, Herzog von Bourbon, der Connétable von Frankreich und andre treten auf

König Karl.
Man weiß, er ist die Somme schon herüber.

Connétable.
Und ficht man nicht mit ihm, Herr, laßt uns nicht
In Frankreich leben; stehn wir ab von allem
Und geben unser Weinland den Barbaren

Dauphin.
O Dieu vivant! Daß ein paar unsrer Sprossen,
Der Auswurf von den Lüsten unsrer Väter,
Propfreiser, in den wilden Stamm gesetzt,
So plötzlich in die Wolken konnten schießen,
Um ihre Impfer nun zu übersehn!

Bourbon.
Normannen nur! Bastarde von Normannen!
Mort de ma vie! wenn sie unbestritten
Einherziehn, biet ich feil mein Herzogtum
Und kaufe einen kleinen Meierhof
In der gezackten Insel Albions.

Connétable.
Dieu des batailles! woher käm ihr Feuer?
Ist nicht ihr Klima neblicht, rauh und dumpf,
Worauf die Sonne bleich sieht, wie zum Hohn,
Mit finstern Blicken ihre Früchte tötend?
Kann ihre Gerstenbrüh, gesottnes Wasser,
Ein Trank für überrittne Mähren nur,
Ihr kaltes Blut zu tapfrer Hitze kochen?
Und unser reges Blut, vom Wein begeistert,
Scheint frostig? Oh, zu unsers Landes Ehre,
Laßt uns nicht hängen, zäh wie Eises Zacken,
An unsrer Häuser Dach, indes ein frostger Volk
Die Tropfen aufgeweckter Jugend schwitzt
In unsern reichen Feldern, arm allein
In ihren angebornen Herrn zu nennen.

Dauphin.
Bei Treu und Glauben! Unsre Damen haben
Zum besten uns und sagen grad heraus,
Dahin sei unser Feuer, und sie wollen
Der Jugend Englands ihre Leiber bieten,
Mit Bastardkriegern Frankreich zu bevölkern.

Bourbon.
Sie weisen uns auf die Tanzböden Englands,
Dort hurtge Volten und Couranten lehren;
Sie sagen, unser Ruhm sei in den Fersen,
Und wir sei'n Läufer von der ersten Größe.

König Karl.
Wo ist Montjoye, der Herold? Schickt ihn fort!
Mit unserm scharfen Trotze grüß er England.
Auf, Prinzen, und ins Feld, mit einem Geist,
Den Ehre schärfer wetzt als eure Degen!
Karl De la Bret, Groß-Connétable Frankreichs,
Ihr Herrn von Orleans, Bourbon und Berry,
Alençon, Brabant, Bar und von Burgund,
Jacques Chatillon, Rambures, Vaudemont,
Beaumont, Grandpré, Roussi und Fauconberg,
Foix, Lestrale, Bouciquault und Charolois,
Herzöge, große Prinzen und Barone
Und Herrn und Ritter! für die großen Lehn
Befreit euch nun von solcher großen Schmach!
Hemmt Heinrich England, der durch unser Land
Mit Fähnlein zieht, mit Harfleurs Blut bemalt;
Stürzt auf sein Heer, wie der geschmolzne Schnee
Ins Tal, auf dessen niedern Dienersitz
Die Alpen ihre Feuchtigkeiten spein.
Fallt – ihr habt Macht genug – mit Wucht ihn an
Und bringt auf einen Wagen ihn gebunden,
Gefangen nach Rouen!

Connétable.
So ziemt es Großen.
Mir tuts nur leid, daß seine Zahl so klein,
Sein Volk vom Marsch verhungert ist und krank.
Denn ich bin sicher, sieht er unser Heer,
So sinkt sein Herz in bodenlose Furcht,
Statt Taten wird er seine Lösung bieten.

König Karl.
Drum eilet den Montjoye, Herr Connétable,
Laßt ihn an England sagen, daß wir senden,
Zu sehn, was er für willge Lösung gibt. –
Prinz Dauphin, Ihr bleibt bei uns in Rouen.

Dauphin.
Nicht so, ich bitt Eur Majestät darum.

König Karl.
Seid ruhig, denn Ihr bleibt zurück mit uns. –
Auf, Connétable, und ihr Prinzen all!
Und bringt uns Nachricht bald von Englands Fall!

(Alle ab.)

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