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König Heinrich der Fünfte

William Shakespeare: König Heinrich der Fünfte - Kapitel 13
Quellenangabe
typetragedy
booktitleHeinrich der Fünfte, Heinrich der Achte, Titus Andronicus
authorWilliam Shakespeare
translatorAugust Wilhelm von Schlegel
year1979
publisherDiogenes Verlag
addressZürich
isbn3-257-20640-2
titleKönig Heinrich der Fünfte
pages1-4
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dritte Szene

Ebendaselbst

Der Befehlshaber und einige Bürger auf den Mauern, die englischen Truppen unter König Heinrich und sein Zug treten auf

König Heinrich.
Was hat der Hauptmann dieser Stadt beschlossen?
Wir lassen kein Gespräch nach diesem zu;
Darum ergebt euch unsrer besten Gnade,
Sonst ruft, wie Menschen, auf Vernichtung stolz,
Uns auf zum Ärgsten; denn, so wahr ich ein Soldat
(Ein Nam, der, denk ich, mir am besten ziemt):
Fang ich noch einmal das Beschießen an,
So laß ich nicht das halbzerstörte Harfleur,
Bis es in seiner Asche liegt begraben.
Der Gnade Pforten will ich alle schließen,
Der mordgewohnte Krieger, rauhen Herzens,
Soll schwärmen, sein Gewissen höllenweit,
In Freiheit blutger Hand und mähn wie Gras
Die holden Jungfraun und die blühnden Kinder.
Was ist es mir denn, wenn ruchloser Krieg
Im Flammenschmucke, wie der Bösen Fürst,
Beschmiert im Antlitz, alle grausen Taten
Der Plünderung und der Verheerung übt?
Was ist es mir, wenn ihr es selbst verschuldet,
Daß eure reinen Jungfraun in die Hand
Der zwingenden und glühnden Notzucht fallen?
Was für ein Zügel hält die freche Bosheit,
Wenn sie bergab in wildem Laufe stürmt?
So fruchtlos wendet unser eitles Wort
Beim Plündern sich an die ergrimmten Krieger,
Als man dem Leviathan anbeföhle,
Ans Land zu kommen. Darum, ihr von Harfleur,
Habt Mitleid mit der Stadt und eurem Volk,
Weil noch mein Heer mir zu Gebote steht,
Weil noch der kühle, sanfte Wind der Gnade
Das ekle, giftige Gewölk verweht
Von jähem Morde, Raub und Büberei.
Wo nicht, erwartet Augenblicks besudelt
Zu sehn vom blinden blutigen Soldaten
Die Locken eurer gellend schreinden Töchter;
Am Silberbart ergriffen eure Väter,
Ihr würdig Haupt geschmettert an die Wand;
Gespießt auf Piken eure nackten Kinder,
Indes der Mütter rasendes Geheul
Die Wolken teilt, wie das der jüdschen Weiber
Bei der Herodes Knechte blutger Jagd.
Was sagt ihr? Gebt ihr nach und wollt dies meiden?
Wo nicht, durch Widerstand das Ärgste leiden?

Befehlshaber.
An diesem Tage endet unsre Hoffnung.
Der Dauphin, den um Hilfe wir ersucht,
Erwidert, zu so mächtigem Entsatz
Sei er noch nicht bereit. Drum, großer König,
Ergeben wir die Stadt und unser Leben
In deine milde Gnade; zieh herein,
Schalt über uns und was nur unser ist,
Denn wir sind nun nicht länger haltbar mehr.

König Heinrich.
Öffnet die Tore! – Oheim Exeter,
Geht und besetzet Harfleur; bleibt daselbst,
Befestigt stark es gegen die Franzosen,
Seid allen gnädig. – Wir, mein teurer Oheim,
Da sich der Winter naht, und Krankheit zunimmt
In unserm Heer, ziehn nach Calais zurück.
Heut nacht sind wir in Harfleur Euer Gast,
Auf morgen schon sind wir zum Marsch gefaßt.

(Trompetenstoß. Der König, sein Gefolge und Truppen ziehn in die Stadt.)

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