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König Bob, der Elefant

Theodor Volbehr: König Bob, der Elefant - Kapitel 14
Quellenangabe
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typefairy
authorTheodor Volbehr
titleKönig Bob, der Elefant
illustratorPaul Neuenborn
publisherHermann & Friedrich Schaffstein
seriesBlaue Bändchen
volumeZweiundzwanzigstes der Blauen Bändchen
editorI. von Harten und K. Henniger
year
firstpub1908
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090529
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Ein großer Entschluß

Bob hob bereits den Rüssel, um den Kriegsruf auszustoßen und alles Volk des Waldes zusammenzublasen, da knackte es über ihm in den Zweigen, und plötzlich hing an einem langen Aste Rackertüg dicht vor den Augen Bobs. Mit einem großen Satze sprang der Affe auf den Rücken seines Königs; aber er zitterte so sehr am ganzen Leibe, daß er sich mit allen Vieren festklammerte und kein vernünftiges Wort sagen konnte.

Da fand Bob den Gleichmut seiner Seele wieder. Er war doch schließlich der König seines Reiches. Und Königen ziemt ein ruhiges Gleichmaß in allen Lagen des Lebens. Und er fragte mit einer gelassenen Stimme, in der nur noch leise der Groll nachzitterte: »Weißt du Neues, Rackertüg? Wenn du nur von den Schwarzen auf der Lichtung berichten willst, dann schweig nur. Ich weiß genug; und ehe die Sonne sich senkt, wird der letzte Schwarze in den Strom gejagt sein!«

»O, Herr, Herr!« hub Rackertüg mit bebender Stimme an. »Ich weiß nicht, von welchen Schwarzen du sprichst. Aber – Bußemann – weißt du, oben auf der Höhe – der redet auch von den Schwarzen und erzählt dem kleinen Bob, daß wir alle sterben müssen, und sagt, Bob, ich meine den kleinen Bob, solle mit ihm ins Wasser springen oder hinunter auf die Klippen, das – das wäre ein besserer Tod!«

König Bob drehte mit einem Ruck seinen Kopf nach hinten. »Was? Bußemann? Meinem Jungen?! Da soll doch – -« Und ohne sich einen Augenblick zu besinnen, raste Bob den wohlbekannten Weg zum Schimpansen hinan.

Frau Knieptang sah ihm mit angstvollen Augen nach; Rackertüg aber hielt sich krampfhaft an Bobs Nacken fest, um bei dem tollen Jagen nicht hinabzustürzen. Eine Weile noch horchte Mutter Knieptang auf das Krachen und Brechen der Äste, bis sie nichts mehr hören konnte; dann hüpfte sie nach Hause, und das Herz klopfte ihr zum Zerspringen. -

Als König Bob auf der Felsenlichtung ankam, hemmte er den raschen Lauf, schnell liefen seine Augen am Rande des Abgrunds hin. Richtig, da standen die beiden! Bußemann stand unmittelbar neben dem Absturz und zerrte den kleinen Bob überredend am Rüssel und redete mit lauter Stimme auf ihn ein. In wenigen Sätzen stand Bob neben seinem Sohne, und sein Rüssel fiel mit scharfem Schlage auf den haarigen Arm Bußemanns, daß der entsetzt den Rüssel des Jungen losließ und sich mit fletschenden Zähnen umwandte.

Als er aber König Bob erkannte, senkte er sein Haupt und grollte: »Dann nicht! Ich hab' es gut mit euch gemeint!«

Bob hatte seinen Sohn so weit wie möglich vom Felsrand zurückgedrängt. Nun wandte er sich um, und sein Auge sprühte Blitze. »Gut gemeint? So! Wenn du meinen Sohn in den Tod schickst?!«

Bußemann rieb sich langsam den geschlagenen Arm. »Bob, welcher Tod ist besser, der in der Gefangenschaft oder der in der Freiheit?« Und ehe Bob antworten konnte, zeigte der Schimpanse hinunter auf den Strom. Unwillkürlich folgten die Augen Bobs dem zeigenden Finger. Und wie von Entsetzen gepackt, prallte er zurück. Da drunten in der Tiefe lagen wunderliche Bäume dicht beieinander, und auf ihnen kribbelte es von lauter schwarzen Gestalten wie in einem Haufen von Ameisen.

Bußemann sah mit finstern Augen auf Bob und nickte schweigend. Der kleine Bob aber trat neben seinen Vater und rieb still seinen Kopf an dessen schweren Beinen. Rackertüg hatte vor Angst und Schrecken die Augen geschlossen und hing wie ein hingeworfenes Bündel auf Bobs Nacken.

Endlich sagte Bußemann: »Siehst du, Bob, du kennst sie ja auch, die Neger. Ein Dutzend davon kann uns gefährlich werden, denn sie halten den Blitz in ihren Waffen gefangen. Aber hier ist es kein Dutzend, hier sind es Hunderte.«

»Und auf der Waldlichtung sind schon andere und bauen Werke, uns zu fangen und zu verderben,« antwortete Bob dumpf.

»Siehst du wohl, Bob! Vor Monaten kam das erste Boot mit ein paar Negern. Es fuhr gleich wieder fort; aber ich wußte gleich, daß viele, viele Neger folgen würden. Und ich wußte, daß es dann dem kleinen Bob gerade so gehen würde, wie es uns einst gegangen ist. Und deshalb ist es das beste, mutig zu sterben. Denn die Gefangenschaft ist doch schlimmer als der Tod? Nicht, Bob?«

»Ja, Bußemann,« sagte Bob und knirschte mit den Zähnen, »die Gefangenschaft ist allerdings schlimmer als der Tod!« Aber plötzlich reckte sich König Bob auf, und er rief mit lauter Stimme: »Aber feig ist es, vom Tode zu sprechen, solange man Kraft hat, zu kämpfen!«

Erstaunt blickte ihn Bußemann an. »Kraft zum Kämpfen? Kann man gegen das Feuer kämpfen?«

Bob stand stolz und ruhig da und sah fest in die Ferne. Langsam kam es von seinen Lippen: »Man kann viel, wenn man will. Und wenn wir einig sind -« Er löste den Blick von der Ferne und sah Bußemann ins Gesicht. »Bußemann, ich danke dir viel; aber ich möchte dir noch mehr danken, willst du mir noch treu dienen bis morgen abend, mir und meinem Hause? Ich will mit dir vereint in den Tod gehen, wenn ich bis morgen abend die Insel nicht von diesem schwarzen Schrecken befreit habe, ich und die Meinen; denn lieber sterben, als den Negern dienen. Aber heute noch hüte mir den Jungen; sorg, daß ihm kein Leides geschieht, und wenn es Nacht wird, führe ihn zur Mutter. Willst du das noch für mich tun?«

Bußemann nickte mit bekümmertem Gesicht, als wollte er sagen: Wozu die Qual nach verlängern? Aber er sagte: »Gut denn, bis morgen abend!«

König Bob strich seinem Sohn zärtlich über den Nacken, dann schob er ihn Bußemann hin. Und wie ein Sturm sauste er in den Wald hinein.

Plötzlich hielt er an, nahm mit seinem Rüssel Rackertüg vom Nacken und sagte: »Rackertüg, du warst immer ein tüchtiger Kerl. Ich muß mich auch heute auf dich verlassen. Laß deine Leute sich in weitem Rund als Posten um unsere Waldlichtung aufstellen. Sie dürfen keins unserer Tiere zur Waldlichtung durchlassen, kein einziges, hörst du wohl! Sag's auch den Papageien und wem du sonst willst. Sag jedem Tier, das zur Tränke gehen will, es ginge in den sicheren Tod. Und morgen früh sollen alle meines Kriegsrufs gewärtig sein.«

Rackertüg saß auf einem Ast und schaute mit großen Augen dem dahineilenden Bob nach. In ihn war eine merkwürdige Ruhe hineingekommen, seit Bob wieder sich selbst gefunden hatte, wenn er auch noch nicht recht begriff, was eigentlich vorging, so hatte er doch das beruhigende Gefühl, daß er und die ganze Insel in der besten Hut seien.

Während er noch so saß und über die Ereignisse des Tages nachdachte, hörte er in weiter Ferne Bobs Königsruf, wie stolz der klang! Nicht so fürchterlich durch Mark und Bein gehend wie damals der Kriegsruf vor der Königswahl, aber herrlich stark und mächtig.

In Gedanken sah Rackertüg, wie nun von links und rechts die Tiere herangetrabt kamen, um Bob zu begrüßen und nach seinen Befehlen zu fragen, was König Bob ihnen wohl sagen würde? Sicherlich auch, daß sie morgen der Kriegsruf wecken würde zu neuen, unerhörten Taten. Da klang wieder der Königsruf. Aber jetzt von einer ganz andern Seite, wie Bob rennen mußte! Warum er wohl nicht die Vögel zu seinen Boten machte? Wagte er es nicht, ihnen Geheimnisse anzuvertrauen? Oder war ihr Wort nicht gewichtig genug für so große Kunde?

Rackertüg ließ das Grübeln und schwang sich in großen Sätzen durch die Baumwipfel bis in die Nähe der Waldlichtung. Langsamer kroch er bis an den Waldsaum heran. Er konnte der Versuchung nicht widerstehen, auf den Platz hinabzuschauen, von dem Bob so unheimlich gesprochen hatte.

Vor Erstaunen wäre er fast vom Baume herabgefallen. Über dem Flusse saßen große schwarze Affen zu ganzen Haufen, und mitten auf dem Platze brannte eine große Glut, geradeso wie damals, als der Affenbrotbaum vom Blitz entzündet worden war. Eiligst sprang Rackertüg wieder in den Wald zurück.

Als er weit genug entfernt war, pfiff er leise. Und bald hörte man rechts und links in den Bäumen, in der Nähe und in der Ferne dasselbe leise Pfeifen. Und dann ein Springen und Schwingen durch die Äste und Zweige. Das ganze Volk der Meerkatzen kam herbei.

Neugierig saßen sie im Kreise. Rackertüg legte den Finger aufs Maul und gebot ihnen, nicht zu erschrecken und kein Geräusch zu machen. Er habe ihnen Wichtiges mitzuteilen. – Schweigend lauschten die Meerkatzen; aber ein Frösteln ging über ihre Glieder, als sie hörten, daß jeder sich den Tod holen würde, der heute abend auf die Waldwiese wolle.

Als die Nacht anbrach, saßen in einer weiten Postenkette die Meerkatzen rund um den verwunschenen Platz, und die Vögel flogen aufgeregt von einem zum andern, damit kein Tier zufällig durch den Ring hindurchschlüpfe, viele Tiere aber kamen gar nicht in die Nähe. So gut hatte Bob bereits für die Bekanntmachung des Negereinbruchs gesorgt.

Auf der Lichtung aber spazierten die Neger die halbe Nacht umher und begriffen nicht, warum kein einziges Tier zur Tränke kam. Die frischen Spuren zeigten doch deutlich, daß in der Nacht vorher Elefanten und Büffel und Pinselschweine in hellen Haufen dagewesen waren. Und da sie nichts Besseres zu tun fanden, tranken sie fleißig Palmwein, so fleißig, daß sie schließlich fast übereinanderfielen und in schwerem Schlafe liegen blieben, wohin sie gerade gefallen waren.

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