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Komischer Volkskalender für 1849

Adolf Glaßbrenner: Komischer Volkskalender für 1849 - Kapitel 1
Quellenangabe
typesatire
booktitleWelt im Guckkasten II
authorAdolf Glaßbrenner
year1985
publisherUllstein Verlag
addressFrankfurt/M - Berlin - Wien
isbn3-548-37037-3
titleKomischer Volkskalender für 1849
pages30-36
created20010504
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Adolf Glaßbrenner

Komischer Volkskalender für 1849

 

Dieses Jahr
ist

seit dem Anfang der Ewigkeit
(Perizonius, die morgenländischen Kirchen, die Bibel, die Hypsomenconstellation der alten Völker, die jüdischen Chronologen, die alten Parsen und die jungen Gelehrten Deutschlands stimmen zwar hierin nicht mit mir überein, doch hoffe ich, daß wir uns darüber noch verständigen werden.)
das 00000000000 ste
" der Erschaffung der Welt, wobei gar kein Irrthum möglich ist " 7816535 "
" Gott sprach: Es werde Licht! was indessen nicht sogleich bewerkstelligt werden konnte " 5872 "
" Erbauung des Salomonischen Tempels " 2835 "
" der Geburt des Herrn Christus " 1849 "
" Erfindung der Buchdruckerkunst durch Guttenberg " 409 "
" Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus " 358 "
" Erfindung der Censur " 334 "
" der Hinrichtung Ludwig's XVI " 56 "
" Beendigung des sogenannten deutschen Freiheits-Krieges " 34 "
" Einführung des verbesserten Kalenders " 150 "
" Einführung des Komischen Volkskalenders von Ad. Brennglas " 4 "
" der französischen Republik: »Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit« " 2 "
" Erhebung des deutschen Volkes " 2 "


Die 12 himmlischen Zeichen.

Widder Weisheit       Wage Muth
Stier Milde Skorpion Gerechtigkeit
Zwillinge Liebe Schütze Mitleid
Krebs Fortschritt Steinbock Aufklärung
Löwe Geduld Wassermann Hoffnung
Jungfrau Kraft Fische Freiheit


Die 25 irdischen Zeichen.

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Sonne und Planeten.

Sonne Geist. Freiheit. Auge Gottes
Mond Liebe. Sinnlichkeit. Verwandlung
Merkur Habsucht. Geiz. Reaction
Venus Schönheit. Humor. Kunst
Mars Kampf. Haß. Rohheit
Jupiter Gewalt. Willkühr. Tyrannei
Satum Egoismus. Eitelkeit. Schwäche
Uranus Dummheit. Vorurtheil. Knechtsinn


Abkürzungen

lassen wir uns keine andre mehr gefallen als: Abkürzung der Arbeitszeit, Abkürzung der Militair-Dienstzeit, Abkürzung der zu hohen Gehalte und Pensionen, Abkürzung des Hofgesindels, Abkürzung der Bureaukratie, Abkürzung der stehenden Heere, Abkürzung der Prozesse, Abkürzung der Predigten, Abkürzung der Steuern und Abkürzung der Deputirtenreden.


Die vier Jahreszeiten.

Ob Hochdieselben in diesem Jahre, bei dem gänzlich veränderten Zustand der Dinge und bei dem Möglichgewordensein des Unmöglichen eintreffen werden, ist noch nicht mit Bestimmtheit anzugeben. Man vermuthet indeß am 20. März ein Ministerium Frühling-Neugrün-Blum, das Ministerium des Friedens; am 21. Juni ein Ministerium Sommer-Frucht-Eichhorn, das Ministerium der That; am 23. September ein Ministerium Herbst-Wein-Kühlwetter, das Ministerium des Glückes, und am 21. December..... den Präsidenten Winter.

 


Kurze deutsche Verfassung.

Die Deutschen sind freie Brüder. Jeder Deutsche kann thun, was er vernünftig will. Der vernünftige Wille des Einzelnen ist die Freiheit und Gleichheit Aller. In der Despotie wurden wir regiert, in der Constitution werden wir beherrscht, in der Republik muß sich das Volk selbst beherrschen. – Das Gesetz der Gesellschaft ist ihr Richter. Die Religion des Staats ist die schöne Freiheit; sein Zweck nach innen ist das gleiche Glück der Bürger, nach außen die Verbrüderung der Nationen. – Jede Verlängerung dieser Verfassung ist ein Eingriff in die Rechte der Nation.


Der Prophet dieses Kalenders

spricht zu dem Volke. Er erhebt seine melodische Stimme und redet also:

Wisse, mein deutsches Volk, Das, so folget, ist das Gesicht und die Verkündigung Brennglasii, des Sohnes Glaßbrennerii, der sich nennet mit dem Vornamen Adolf und erzeuget ist zu Berlin, der Stadt des Ruhmes.

Das, so er redet zu Euch mit weissagender Zunge, ist ihm geworden durch die allerhöchste Eingabe, zur Zeit als da herrscheten die Könige und Fürsten und die Völker sich empörten gegen die Tyrannei und erfüllet werde das Geheiß des Himmels. Denn der Herr hat geschaffen den Menschen zu seinem Ebenbilde, und der Herr ist Herr.

Und was gerufen und verkündet hat der Prophet in den Stunden und Tagen der Knechtschaft, das hat erfüllet die Zeit nach seinem Spruche, und hat getragen sein Lob und seinen Ruhm durch ganz Europa und die angrenzenden Gegenden. Man hat zusammengeschlagen die Hände vor Erstaunen und hat gerufen: Siehe, es ist gekommen, wie es hat verkündet Brennglas, der Sohn Glasbrennerii, mit dem Vornamen Adolf, und selber ist ein wahrhafter Prophet!

Und nun trete ich wieder unter Euch, und weissage Euch Großes und Kleines als woraus bestehet das Leben. Aber die Zeit ist schwer geworden und ernst, und die That widerspricht dem Wort und das Wort der That. Also müsset Ihr deuten mein Wort nach der Wahrheit, welche darinnen lieget, und nicht nach der Form, in welcher ich es rufe. Denn die Lüge ist noch mächtig und schleichet im Finstern, und so die Wahrheit nicht wird auch schleichen und suchen im Finstern, wird sie nicht begegnen der Lüge. Und so ist mir befohlen: du sollst weissagen, so da wird geschehen und gleichermaßen sollst du weissagen, so da nicht geschehen soll. Denn dies ist der Wille dessen, der dir gegeben hat dein Gesicht und die Verkündigung zum Frommen deines Volkes. Gehe hin und thue also!

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