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Kleine Schriften

Carl von Clausewitz: Kleine Schriften - Kapitel 13
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authorCarl von Clausewitz
titleKleine Schriften
booktitleGeist und Tat
publisherAlfred Kröner Verlag
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editorWalther Malmsten Schering
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Über den Zustand der Theorie der Kriegskunst

Die Kriegskunst ist ihrer Vollkommenheit nicht so nahe.

Es gibt Schriftsteller, welche behauptet haben, die Kriegskunst habe nun bald ihren höchsten Grad der Vollkommenheit erreicht. Eine solche Behauptung ist in sich schon ziemlich gehaltlos, weil (wie man wohl weiß) Wissenschaften, die nicht wie die Logik in sich geschlossen sind, auch einer steten Erweiterung, eines immer neuen Anbaues fähig sein müssen, und weil überhaupt der menschliche Verstand sich nicht so leicht Grenzen setzen läßt. Richtet man aber seine Aufmerksamkeit auf den gerühmten Grad der Vollkommenheit in der Kriegskunst selbst, so muß man billig jene Behauptung noch weit auffallender finden und sie für eine von jenen Prahlereien halten, womit jedes Zeitalter die Begebenheiten seiner Tage hin und wieder herauszuschmücken gesucht hat.

Es entsteht die Frage: finden jene Schriftsteller den genannten Grad der Vollkommenheit in den Begebenheiten – also in dem, was hier eigentlich die Kunstwerke sind – oder in den Büchern, d.h. in der theoretischen Bearbeitung der Kunst? Wenn einzelne schöne Feldzüge und kriegerische Begebenheiten von der Vollkommenheit der Kunst zeugen, so ist die Kunst immer vollkommen gewesen, weil es an dieser nie gefehlt hat. Denn wenn man unter Vollkommenheit hier bloß die beste Benutzung der vorhandenen Mittel im Kriege selbst versteht, so hat es immer einzelne Feldherren gegeben, welche diese Kunst im hohen Grade besessen haben. Versteht man aber auch noch darunter die vollkommenste Zubereitung und Organisation dieser Mittel, die also dem Kriege vorhergehen muß, so kann man doch wahrlich nicht sagen, daß jetzt irgendeiner der bedeutenden Staaten hierin den höchsten Grad der Vollkommenheit erreicht habe – wir nehmen selbst die Franzosen nicht aus, die im ganzen darin nicht viel weiter sind als die übrigen Armeen.

Was die theoretische Bearbeitung der Kriegskunst betrifft, so ist noch viel weniger an Vollkommenheit zu denken, da man noch weit entfernt ist, sich untereinander auch nur über die ersten Begriffe gehörig zu verstehen; und wir fühlen uns durch unsere Überzeugung sehr stark aufgefordert, im Gegenteil zu behaupten, daß die Theorie der Kriegskunst im Verhältnis der Ausbildung anderer Theorien noch sehr weit zurück ist.

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