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Klein Käthchen

Frances Hodgson Burnett: Klein Käthchen - Kapitel 3
Quellenangabe
typenovelette
authorFrances Hodgson Burnett
titleKlein Käthchen
publisherGreßner & Schramm
printrunSechste Auflage
yearo.J.
translatorWalter Eichner
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20160302
projectid41761adc
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Zweites Kapitel

Liebe hat Dornen.

Auf einem eleganten kleinen Ständer in einem reizenden Toilettenzimmer stand ein Strauß von scharlachroten und weißen Blumen, die mit Federgras umrahmt waren: und gegenüber vor dem Ständer, in einem üppigen Armsessel ruhte Käthe Davenant.

Käthe Davenant! Es konnte niemand andres sein. Seht sie doch nur an! Zierliche runde Formen; ein Gesicht wie Schnee so weiß mit einem weichen, rosenroten Hauch auf jeder Wange; dunkle strahlende Augen, große Mengen von braunem, seidigem Haar, das in allerhand Beleuchtung fast schwarz aussah. Sie trug ein weißes Morgengewand mit offenen Ärmeln, die einen schön gerundeten Arm zeigten, und in dem Busen des Kleides steckten ein paar frische Blumen. Ihre Haltung war sinnend, und doch vermutete man kaum, daß ein so lustiges und vergnügtes Gesicht, wenn auch nur auf einen Augenblick, nachdenklich werden könnte. Das künstliche Licht, das auf ihr edles Antlitz fiel; die kleinen, gewölbten Füße, die in den niedlichen Pantoffeln staken; die leichten, anmutigen Linien der halb hingestreckten Gestalt – was für ein Bild war das!

Plötzlich sprang sie von dem Stuhl auf und trat zu dem hohen Spiegel. Sie betrachtete sich selbst, von dem gewölbten Fuße an bis hinauf zu dem schimmernden, zierlichen Haupte, genau so, wie ein kritischer Beobachter ein schönes Bild betrachten dürfte. In ihren Augen lag etwas, das halb wie ein Zauber zu wirken schien, je näher sie herantrat, bis der helle Schein der Morgensonne, der sich voll über sie ergoß, den ganzen Glanz der rosigen Röte und des blendenden Weiß auf ihrer Haut heraushob.

Ein paar Augenblicke lang hielt sie den Blick auf dies alles geheftet, und dann teilten sich ihre Lippen, um einem seltsam erregten Lachen, das gar nichts Mädchenhaftes an sich hatte, den Weg frei zu machen. »Was ist das alles wert?« sagte sie. »Die Kontour ist anmutig, die Färbung reich und zart. Was es mir wohl bringen wird? Das möcht' ich gern wissen. Aber das Bild geht natürlich an den fort, der das höchste Gebot dafür macht!«

Das wurde mit so bitterem Tone gesprochen, daß die Kraft, die in ihrer Rede lag, sie aus ihrer schmerzlichen Stimmung gleichsam aufzurütteln schien.

Sie klingelte nach ihrem Mädchen.

»Lotte,« sagte sie, als das junge Ding hereintrat: »woher sind denn diese Blumen gekommen?«

Sie deutete bei diesen Worten auf den Strauß, der auf dem Ständer stand.

»Mr. Griffith hat sie geschickt. Heut Morgen in aller Frühe sind sie abgegeben worden.«

Miß Davenant zuckte die Achseln.

»Wo ist Mrs. Montgomery?«

»In ihrem Zimmer. Zusammen mit den Blumen, Mademoiselle, ist ein Billet abgegeben worden.«

»Es ist gut.«

Als das Mädchen fort war, nahm sie das Billet in die Hand und las es mit dem schwachen, eigentümlich sarkastischen Lächeln, das ihre Lippen kräuselte.

»Sehr nett, Mr. Griffith!« und hierbei zuckte sie abermals mit den Achseln. »Wirklich sehr nett – aber ist es klug? Wissen Sie, wieviel Leute Bouketts übersenden und solche berückende Worte machen? Immerhin indessen, da Sie es wünschen«. – Sie hielt in ihrer Rede inne, nahm eine wachsfarbige Kamelie aus dem Strauße und setzte sie für sich allein in ein Glas. »So! Da wird sie frischer bleiben, und heute Abend will ich sie tragen,« sagte sie.

Drei Jahre früher als jetzt würde sich in ihrem Herzen ein kleiner Gewissensbiß geregt haben: denn dieser arme Tom Griffith, welcher die Blume sandte, war ein biederer junger Mann und liebte sie, wie ein rechtschaffen fühlender Tropf ein Weib lieben kann, das ein solches Weib war wie Käthe Davenant. »Die Circe« nannte sie die Männerwelt. »Ja, ja! wenn ein Weib den Glauben an die Welt verliert, dann steh ihr Gott bei und die Menschheit schenke ihr Mitleid, das sage ich!« Käthe Davenant hatte ihren Glauben schon längst verloren. Vielleicht daß man im Verlauf meiner Erzählung begreifen wird, wie sie desselben verlustig gegangen; aber jetzt kann ich sie dem Leser nur zeigen als ein Weib, dessen wunderbare Grazie und Schönheit das große Herzensspiel in ihre Hände hinein drehte und ihrem halb verwichenen Leben neue Erregung zuführte.

»Was hat die Welt für mich gethan?« fragte sie sich bitter an die tausend male. »Es mag ja Liebe und Wahrheit auf ihr walten; aber ich habe sie bislang nicht gesehen, so wahr der Himmel mir helfe!«

Daher kam es, daß sie Tom Griffiths Blume an jenem Abend mit einer schwachen, sarkastischen Erinnerung davon trug, wieviel Blumen sie vordem getragen, und wieviel Blumen sie fortgeworfen hatte, sobald sie ihrer überdrüssig geworden.

Sie begab sich zu Frau Montgomery hinunter, sobald sie angekleidet war, und traf diese aristokratische Matrone in einer Laune an, die durchaus nicht von bester Beschaffenheit war.

»Es ist wirklich recht albern!« sagte ihre Tante. »Ich bin hierher gekommen, um Brown, Jones und Robinson zu entgehen, und kaum finde ich ein behagliches Zimmer in einem Hotel, als auch schon Brown, Jones und Robinson hereinstürmen. Ich dachte, Newport wäre ein auserlesener Platz, aber in dem gegenwärtigen Stande gesellschaftlichen Lebens ist von erlesenen Plätzen nicht mehr die Rede. Man rennt gegen Brown in Paris, trifft Jones in voller Gala auf dem Montblanc, und wenn man vor den Tuilerieen steht, starrt einem Robinson ins Gesicht. Ich will Dir sagen, was meine Gedanken hierüber gewesen sind, Käthe. Gestern habe ich auf unserer Fahrt gesehen, daß ein hübsches Haus unten auf der Avenüe zu vermieten war. Weshalb sollten wir es nicht für die Saison mieten?«

»Das sollten wir,« sagte Miß Davenant. »Ich meinesteils bin des Hotel-Lebens müde.«

Mrs. Mortimer Montgomery sah einen Augenblick lang sinnend drein.

»Das wollen wir auch,« sagte sie dann. »In einem Privathause fühlt man sich weit behaglicher und gemütlicher.«

Mrs. Montgomery war eine bestimmte, geschäftliche Dame, und ihr »das wollen wir« war entscheidend. Demgemäß wendete sie, als dieser Punkt hiermit abgethan war, ihre Aufmerksamkeit einem anderen Punkte zu.

»Wo hast Du denn die Blumen her?« fragte sie.

Käthe blickte gleichgültig auf die in dem Stehspiegel reflektierten Blumen und lächelte matt.

»Von Herrn Griffith.«

Ihre Tante hielt das Glas vor das Auge und hustete – was halb und halb ein Zeichen ihres Tadels war.

»Sehr gut, meine Liebe. Und Mr. – Mr. – dieser junge Mensch, gleichviel wie er heißt, hat sie im Blumenladen gekauft und für die Freude, sie Dich tragen zu sehen, ein rasendes Stück Geld bezahlt. Du bist eine sehr hübsche Dame, Käthe – aber meinst Du nicht, daß dergleichen zu weit führen dürfte?«

Käthe zuckte mit einer Miene, die halb auf Hochmut, halb auf Gleichgültigkeit deutete, die Achseln. Sie liebte es nicht, daß man sich in ihre persönlichen Angelegenheiten mischte, auch nicht von seiten ihrer Tante.

»Liebe Tante,« sagte sie, »ich trage noch immer das grüne Schild, und als Trägerin des grünen Schildes habe ich Anspruch auf ein bißchen Belustigung. Ich bin ja freilich eine recht schlimme Person, und das, was Sie mit dem Worte ›dergleichen‹ bezeichnen, ist ja sehr anstößig: aber, ich bitte Sie, würde denn Leben ohne dergleichen nicht eine Sache sein, des Mühens nicht wert? Unser Leben, meine ich. Wir bringen häuslichem Glück keine Erwartungen entgegen, und die Tage arkadischen Schäferlebens liegen etwelche Jahrhunderte hinter uns.«

Die Erwiderung, die ihre Tante gab, war sehr lakonisch. Sie ließ sich niemals in Diskussionen ein.

»Du sprichst natürlich im Scherz,« sagte sie. »Meine Bemerkung war eine bloße Andeutung. Ich glaube wenigstens nicht, daß irgendwie zu befürchten steht, daß Du in romantische Ideen verfallen könntest.«

Am anderen Tage traf Mrs. Montgomery Anordnungen, die zu ihrem neuen Domizil in Beziehung standen, und nach Verlauf von acht Tagen ergriff sie von demselben Besitz in der vollen Absicht, sich an ihm nach Kräften zu erfreuen.

»Wenn mir der Ort nach Ablauf der Saison noch ebenso gut gefüllt, dann werde ich das Haus käuflich erstehen,« sagte sie zu Käthe.

Ein paar Tage später, als Miß Davenant am Piano saß, kehrte ihre Tante von einigen Besuchen heim.

»Du erinnerst Dich des schottischen Herrn, den wir in Deutschland trafen, Käthe?« fragte sie. »Coyne war sein Name.«

Käthes Hände sanken von den Tasten, und über ihr Gesicht glitt ein Ausdruck matten Interesses.

»Ja. Was hat Sie an ihn erinnert?«

»Ich habe ihn heute bei den Farnhams getroffen. Er kam mit einem Freunde hin, um Alice seine Aufwartung zu machen. Der Freund war ein Mann von imponierendem Aussehen. Karl Seymour heißt er. Er ist Maler.«

»Karl Seymour? Sagten Sie Karl Seymour?«

»Ja. Wie schade, daß solche Leute an solche Orte geworfen werden müssen! Ich habe ihnen gesagt, sie möchten uns einmal besuchen. Wo ist Lotte? Ich brauche sie.«

Als ihre Tante hinausgegangen war, um sich nach Lotten umzusehen, stand Käthe Davenant vom Piano auf und schritt zu dem Herde hinüber. Dort stand sie nun, mit beiden Ellbogen auf den Sims gestützt, und betrachtete sich. Es war eine kurze Zeit nur, daß das von dem hohen Spiegel reflektierte schöne Gesicht ihrem Blicke ganz deutlich sichtbar war; dann aber trübte etwas, das aussah wie Thränen, mit seinem Nebel den Wiederschein des Glases, und schließlich ließ sie das Gesicht hängen, während ein schwaches Zittern in ihrer Kehle heraufstieg. Thränen traten nicht so leicht in Käthe Davenants Augen; jetzt aber mischte sich der frische Hauch der Seeluft, der durch das offene Fenster hereinwehte, mit einer alten Erinnerung aus ihrer Kinderzeit, die um so vieles lauterer und besser gewesen war als ihr Frauenleben, daß sich ihre Augen allem ungeachtet mit Thränen füllten.

»Wissen möchte ich wohl, ob er vergessen hat? Männer vergessen so etwas viel leichter als Frauen. Aber, ach! über mich! neun Jahre – neun Jahre! und ›Käthchen Mavourneen‹ ist eine Weltdame!«

Als Coyne und Seymour von ihrem Besuche bei Alice Farnham nach Hause zurückkehrten, plauderten sie über Mrs. Montgomery und ihre Nichte.

»Ich soll ein Narr sein!« rief Coyne, während seine grauen Augen blitzten. »Ein Narr will ich sein, wenn ich sie vergesse – ich kann's im ganzen Leben nicht.«

In ihrem Wohnzimmer trafen sie Tom Griffith an, der auf sie wartete, augenscheinlich in einem Gemütszustande höchster Erregtheit.

»Ich bin bei Mrs. Mortimer Montgomery gewesen,« sagte er. »Käthe – Miß Davenant – hat versprochen, heut Abend mit mir auszufahren.« Bei diesen Worten blickte er ziemlich einfältig auf eine Rose in seinem Knopfloch.

Karl setzte sich vor seine Staffelei und fing an zu arbeiten, während er leise vor sich hinpfiff. Hatte denn noch niemals ein Mann gelebt, der Käthe Davenants Zauberkünsten widerstanden hätte? Ihm war von keinem der Name zu Ohren gekommen, und in einem von Verdruß nicht freien Erstaunen über die Fähigkeit dieses Weibes, alles in den Bereich ihres Zaubers zu ziehen, fühlte er sein Herz von einer gewissen stolzen Macht erfüllt, für seine Person diesen Widerstand zu leisten.

Es waren Wochen verstrichen, ehe er sie sah. Newport wurde mit jedem Tage lustiger, und die Unterhaltungen, die von Mrs. Montgomery insceniert wurden, bildeten die Hauptanziehungspunkte in den Vergnügungen, die Newport bot. Käthe ritt Tag für Tag an dem Hotel vorbei, manchmal mit diesem, manchmal mit jenem Verehrer, manchmal auch bloß mit einem Groom; aber Seymour gab sich nicht die Mühe, von seiner Arbeit aufzuschauen. Seine Kameraden wußten allerhand von ihr zu erzählen, und das bewundernde Lob, das sie ihrem Liebreiz zollten, wurde mit jedem Tage lauter und eindringlicher. Ein jeder, der von ihr sprach, war eine Ziffer mehr in der Liste der Opfer, welche die Gesellschaft von Newport der Schönen darbrachte.

Schließlich aber kam man auf den Einfall, eine Reihe von Croquet-Partieen zu veranstalten, und bei der ersten dieser geselligen Zusammenkünfte traf Karl die Sirene. Die Partie war von den Farnhams arrangiert worden; und sobald er den Fuß in den Garten dieser Familie setzte, bemächtigte sich seiner die niedliche, gutherzige Alice und widmete sich der Aufgabe, ihn über verschiedene Teilnehmer an der Partie aufzuklären.

»Der Herr mit dem dunkeln Gesicht ist der neue Nabob, Mr. Collier; und jener große, schlanke Herr dort ist unser litterarischer Löwe, Herald Colycinth. Der neben ihm steht ist ein Senator. Um eine Croquet-Partie zu stande zu bringen, nimmt man allerhand Leute – es gilt aber, wissen Sie, einen Kranz von Celebritäten zusammenzubringen. Ich möchte Ihnen aber nun noch eine sehr große Berühmtheit zeigen. Erlauben Sie doch mal: wo ist sie denn? Aber selbstverständlich haben Sie doch Miß Davenant schon gesehen – die Circe, wie man sie allgemein nennt?«

»Das ›selbstverständlich‹ trifft hier nicht zu,« meinte Karl, »weil ich bislang dies Vergnügen noch nicht gehabt habe.«

Alices blaue Augen weiteten sich.

»Ist das möglich? Aber es ist ja doch alles, was Mann heißt, wie närrisch nach ihr.«

»Mich bitte gefälligst auszunehmen,« versetzte Karl mit erheuchelter Würde. »Ich bin ängstlich darauf bedacht, mir den Besitz meiner gesunden fünf Sinne zu erhalten.«

»Warten Sie, bis Sie die Dame kennen,« lachte Alice. »Ach! da kommt sie. Als Mittelpunkt der Anziehungskraft in dieser Schar von Herren! So umringt man sie immer, ohne Rücksicht darauf, ob man Celebrität ist oder nicht. Mein Eindruck ist, daß der Senator für ein Lächeln von ihr seinen Sitz hingeben würde. Wie sie es bloß macht, sich immer so vorzüglich, mit so blendendem Geschmack zu kleiden?«

Wie Alice sagte, war Käthe wie gewöhnlich der Mittelpunkt der Anziehungskraft für eine Schar von Herren, die in ihren Banden schmachteten. Karl heftete den Blick auf sie und hielt den Atem an. Er war ein Künstler, und die wunderbare Harmonie der Farben, die sich hier zwischen Person und Kostüm seinen Augen zeigten, erfüllte ihn mit außerordentlichem Vergnügen. Irgend eine weltkundige Französin hat das Wort gesagt: »Man gebe mir ein hübsches Augenpaar, und das übrige will ich dann selbst besorgen.« Käthe Davenant besaß nicht bloß die Augen, sondern jegliche andere Schönheit dazu, und wies ein gründliches Verständnis für das auf, wovon die Französin als von »dem übrigen« sprach. Toilette ist ein ziemlich mächtiges Mittel der Anziehung, und in diesem Zeitalter des verfeinerten Geschmacks, in welchem wir leben, würde man eine Schönheit, die sich nicht putzen und schmücken wollte, mit einem ganz anderen Ausdruck als »Dame« bezeichnen. Dessen war Miß Davenant eingedenk, und darum führte sie das Scepter der Mode. Ich will von ihrer Toilette weiter nichts sagen, als daß sie ein wundervolles Kunstwerk darstellte und von den seidenen Puff-Ärmeln bis herunter zu dem zierlichen Fuße ein bezauberndes Spiel von zarten perlgrauen Spitzen und farbenbunten Blumen zeigte.

»Schon im Zauberbanne?« neckte Alice, den Blick auf Karls gespanntes Antlitz heftend.

Er schüttelte den Kopf.

»Nein, ich denke an etwas anderes. Besinnen Sie sich auf den Vers:

Dort sitzest Du in der Lichter Glanz,
Und daß Du gefällst, des bist Du gewiß. –
Ob Liebe wohl unsre Herzen entzündet
Oder ob man Dich nur »so leidlich« findet,
Was meinst Du wohl, Belle Marquise?«

Alice berührte leise mit ihrem Schlagholz die Spitze ihres zierlichen Pantöffelchens. Sie war ein reizendes Mädchen; ihr gutmütiges Temperament ließ sie aber für Käthe Davenant keinen besonderen Grad von Begeisterung fassen. Eine Frau, die als Schönheit gilt, begegnet selten besonderer Gunst bei ihrem eigenen Geschlecht, und der Erfolg, den Miß Davenant errang, war zu umfassender Natur, als daß die weiblichen Mitglieder der Gesellschaft ihr unbedingte Bewunderung hätten zollen können, und abgesehen hiervon hatte Alice Farnham einen kleinen Dorn wider sie im eigenen Herzen stecken, und zwar in der Gestalt des Tom Griffith. Tom Griffith war ihr Cousin und bis vor kurzem noch einiges mehr – aber Zeit und Umstände verändern Sachlagen, und dieser Tage hatte die Circe selbst eine Änderung zugeführt; ein Umstand, der ihr natürlicherweise seitens Alice keine inbrünstige Wertschätzung eingetragen hatte. Demzufolge ließ es sich die junge Dame nicht angelegen sein, sie wider Seymours Citat in Schutz zu nehmen.

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