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Klaus im Glück

Hans Dominik: Klaus im Glück - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
authorHans Dominik
titleKlaus im Glück
publisherHoch-Verlag GmbH
printrun1.-7. Tausend
illustratorWilhelm Kelter
year1951
firstpub1928
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created201509
projectid748a9bc3
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Klaus wird Soldat

Baumeister Jensen tat einen langen Zug aus der großen Berliner Weißen, die vor ihm stand. »Herrgott, ich bekomme jetzt noch Durst, wenn ich an die Schwellenschlepperei beim Regiment zurückdenke. Ich weiß nicht mehr genau, wieviel Kilometer Feldbahn ich in meinem Dienstjahr aufgebaut und wieder abgerissen habe. Aber schätzungsweise muß die Strecke ungefähr dreimal um den Äquator reichen.«

»... macht bei dreihundert Arbeitstagen im Jahr täglich vierhundert Kilometer. Eine recht achtbare Leistung«, warf Wendt trocken ein.

»Na!« Baumeister Jensen winkte ab. »Ich wollte nur sagen, eine ungetrübte Freude war das Dienstjahr nicht. Aber trotzdem, man blieb immerhin mit dem Eisenbahnwesen in Verbindung. Namentlich die Zusammenarbeit mit den Pionieren bei Brückenschlägen war recht interessant. Wenn du also Lust hast, Klaus, will ich dir die Wege zu den Eisenbahnern öffnen.«

»Mit Freuden, Herr Baumeister. Ich wäre Ihnen von Herzen dankbar dafür.«

»Gut, mein Junge, abgemacht.« – – –

Am 30. September erhielt Klaus von Voßberg & Co. seinen Lehrbrief. Es wurde ihm darin bescheinigt, daß er vier Jahre hindurch bei der Trassierung und dem Bau von Kleinbahnen fleißig mitgearbeitet und sich alle diejenigen Kenntnisse erworben habe, die ein Eisenbahnbautechniker besitzen müsse.

Um sechs Uhr morgens am 1. Oktober begann sein Militärdienst bei den Eisenbahnern, und er war damit für geraume Zeit aus der zivilistischen Welt verschwunden und ausgelöscht.

Baumeister Jensen hatte nicht zuviel behauptet, als er sagte, daß der Dienst hier eine doppelt schwierige Angelegenheit sei. Die ersten sechs Wochen bekamen sie weder vom Eisenbahnwesen noch von der Infanterie etwas zu sehen. Da wurde ihnen erst mal in einer mehr rauhen als herzlichen Weise klargemacht, daß sie keine Ahnung hätten, wie sie ihre Knochen richtig gebrauchen müßten. Nur ganz allmählich gab man zu, daß sie jetzt schon gewisse Spuren von Menschenähnlichkeit zu zeigen begönnen.

Jeden Morgen von sieben bis acht gab es Instruktionsstunde. Da lernten sie goldene Sprüche der Weisheit. Etwa, daß der Stiefel das Pferd des Infanteristen sei, das Gewehr aber seine Braut. Weiter wurden sie mit der Welt bekanntgemacht, die über ihnen thronte, bis zum General hinauf.

Klaus schaffte es im Laufe der nächsten Wochen, dies kitzlige Gebiet zu beherrschen. Manche seiner Kameraden konnten es auch am Ende des ersten Jahres noch nicht. Denen gab man zur Sicherheit ein Paket »von wenigstens der Größe eines halben Kommißbrotes« mit, denn durch diese Beigabe vereinfachten sich die Ehrenbezeugungen ganz beträchtlich.

Um Weihnachten herum wurde der Dienst etwas interessanter. Die Rekruten bekamen Karabiner in die Hand, und in der Instruktionsstunde wurde die technische Einrichtung dieser Waffe erläutert. Freilich war es noch ein langer Weg vom Empfang der Waffe bis zum Schießen damit. Zunächst diente auch der Karabiner nur dazu, vom frühen Morgen bis zum späten Abend Gymnastik zu treiben. »Gewehr über« und »Gewehr ab« wurde geübt, bis es nicht nur im Traume, sondern auch im Tiefschlaf vollkommen automatisch klappte.

Im Frühling endlich ging's auf die Schießstände, und sie bekamen scharfe Patronen in die Hand. Das Scharfschießen machte Klaus Vergnügen, und bald gehörte er zu den besten Schützen.

So zog der Sommer heran. Nun kamen sie endlich auch allmählich mit der Eisenbahntechnik in Berührung. Da ging es freilich etwas anders zu als bei Voßberg & Co. Hier lernte Klaus den Begriff des »Behelfsmäßigen« kennen, der ihm bisher fremd geblieben war. Die Aufgaben, die gestellt wurden, waren den Verhältnissen im Kriege angepaßt. Auf langwierige Erdbewegungen konnte man sich nicht einlassen. Auch der Begriff der Wirtschaftlichkeit hatte keine Geltung.

Meistens lautete die Aufgabe: Zwei Punkte sind so schnell wie möglich durch eine eingleisige Feldbahn zu verbinden. Zunächst befanden sich diese beiden Punkte auf dem Kasernenhof, später wurden sie auf einen großen Truppenübungsplatz verlegt. Schon beim Morgengrauen zog die Truppe an den Platz ihres Wirkens. Vom Materialschuppen her begann man die zu erbauende Linie vorzustrecken. Fertige Gleisstücke, die Schienen gleich mit den eisernen Hohlschwellen fest verschraubt, bildeten das Baumaterial. Das einzelne Stück so gemessen, daß zwei Mann es transportieren konnten.

Und dann ging's los. Da fuhren die Wagen mit dem Baumaterial auf der bereits fertiggebauten Strecke vor. Zwei Mann warfen Gleisabschnitte in gleichmäßigem Tempo vom Wagen, andere Mannschaften legten sie auf dem Boden zurecht, verbanden sie durch Haken und Schrauben, und in einer märchenhaft kurzen Zeit war eine Bahn von zehn Kilometern Länge fertiggebaut. Hauptmann Karsten stand mit der Uhr dabei und notierte die Zeit zwischen dem Auswerfen der ersten Gleisstücke und dem Befahren der Strecke durch einen Feldbahnzug.

War die Bahn glücklich gebaut, dann kam der zweite, nicht minder schwere Teil der Übung. Die eben erst mit so vieler Mühe hergestellte Strecke mußte wieder abgerissen, alles Material auf die Loren verstaut werden. Es war viel leichter, die Gleisstücke von den Wagen zu werfen, als sie wieder hinaufzuheben. Versuchte man es langsam, war's doppelt schwer und umständlich. Klaus hatte das Glück, einen Kameraden zu finden, der ebenso groß und kräftig wie er selber war. Die beiden ergriffen das Gleisstück und warfen es mit einem einzigen sicheren Schwung auf den Wagen. Das ging Schlag auf Schlag, während andere Leute das Material viel langsamer in die Wagen brachten.

Der Hauptmann fragte nach dem Namen der beiden eifrigen Leute am vierten Wagen.

»Berken und Freiwilliger Kröning«, erhielt er zur Antwort.

Als der Herbst ins Land kam, konnte Klaus sich seiner Beförderung erfreuen.

Zu Michaelis kamen die neuen Rekruten. Klaus war jetzt ein »alter Mann«. Das bezog sich nicht auf seine neunzehn Jahre, sondern auf die Tatsache, daß er nun ein Jahr beim Militär war.

Die Zeit zwischen dem Herbstmanöver und dem Einrücken der neuen Eingezogenen bildete eine wohlverdiente Ruhepause. Wer von den Gedienten Urlaub beantragte, bekam ihn. – – –

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