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Klaus im Glück

Hans Dominik: Klaus im Glück - Kapitel 16
Quellenangabe
typefiction
authorHans Dominik
titleKlaus im Glück
publisherHoch-Verlag GmbH
printrun1.-7. Tausend
illustratorWilhelm Kelter
year1951
firstpub1928
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created201509
projectid748a9bc3
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Zukunftspläne

So bekam Klaus seine schwarzen Arbeiter wieder fest in die Hand. Mit einer fast übermenschlichen Energie widmete er sich während des nächsten Jahres seinen afrikanischen Farmereibetrieben, und bald konnte er konstatieren, daß seiner Arbeit der Erfolg nicht versagt blieb. Doch während er in Südwest mit unverwüstlichem Optimismus seine alten Pläne wieder aufnahm, begann die wirtschaftliche Katastrophe des durch den Krieg zerfleischten und verarmten Europa sich über den ganzen Erdball auszubreiten, ihre Kreise auch bis nach Südafrika zu ziehen. Hier traf sie zuerst den Diamantenmarkt.

Das Londoner Diamantensyndikat war eine gute und nützliche Einrichtung. Zu bestimmten Sätzen nahm es die ganze Diamantengewinnung der Erde auf und brachte davon alljährlich nur so viel auf den Markt, daß die Preise jahraus, jahrein unverändert gehalten wurden. Vor dem Kriege galt dabei der bewährte Erfahrungssatz, daß der Weltmarkt jährlich neue Steine im Gesamtwerte von 250 Millionen Goldmark aufzunehmen vermochte. Was über diesen Betrag hinaus an Steinen gewonnen wurde, stapelte das Syndikat in seinen Panzerschränken auf.

Das Ganze war eine Valorisation größten Maßstabes, wie man sie inzwischen auch auf manchen anderen Gebieten, beispielsweise für die südamerikanische Kaffee-Ernte anzuwenden gelernt hatte. Für den Diamantenmarkt wirkte diese Maßnahme nach jeder Richtung hin vorteilhaft. Alle Juweliere der Welt hatten volles Zutrauen zum Syndikat. Sie wußten, daß es die Preise stabil halten würde, daß der Ankauf von Steinen unter allen Umständen eine sichere Kapitalsanlage für sie war. Deshalb kauften sie jahraus jahrein und wußten auch ihrer Kundschaft die Überzeugung beizubringen, daß ein in Brillanten angelegtes Vermögen niemals verlorengehen könne. So trieb ein Keil den anderen. Der Markt blieb gesund, und das Syndikat brauchte nur wenig Ware zurückzuhalten.

Das war die Lage vor dem Kriege gewesen. Jetzt war das ganz anders geworden. Das verarmte Europa fiel als Käufer fast vollkommen aus. Das wäre zur Not zu verwinden gewesen, da ja andererseits Amerika im Golde schwamm und desto mehr kaufte. Aber etwas anderes trat hinzu. Der Markt wurde plötzlich mit russischen Steinen überschwemmt. Die Bolschewisten in Moskau hatten sich nicht nur die Kronjuwelen angeeignet, sondern auch die unendlichen Edelsteinschätze der Klöster beschlagnahmt. Das waren die einzigen reellen Werte, die sie in der Hand hatten, und die Not zwang sie dazu, sie auf den Markt zu bringen.

Es war eine kritische Lage für das Syndikat. Zwar hielten die Juweliere der ganzen Welt zu ihm. An vielen Türen wurden die Verkäufer der neuen russischen Regierung abgewiesen und bekamen böse Dinge zu hören. Aber das hatte schließlich wieder den Erfolg, daß die Agenten die Steine zu immer niedrigeren Preisen anboten, um überhaupt Geld für ihre notleidende Regierung in die Hände zu bekommen. Wohl oder übel mußte das Syndikat sich entschließen, einen Teil dieser Steine zu übernehmen, um eine Katastrophe auf dem Markte zu vermeiden.

Vieler Monate bedurfte es, bis diese Krise glücklich vorüberging. Dann waren die russischen Steine in die Safes der amerikanischen Milliardäre und Kriegsgewinnler gewandert, und das reguläre Diamantengeschäft begann sich allmählich wieder zu beleben.

Für Klaus waren es unruhevolle Zeiten, die ihn nachdenklich stimmten. Zwar diesmal war eine Katastrophe vermieden worden. Aber würde es immer so ausgehen? Der russischen Überschwemmung hatte man Herr werden können, weil die Menge der plötzlich angebotenen Steine obwohl groß, doch schließlich begrenzt war.

Wie nun, wenn durch irgendeinen Zufall plötzlich neue große Felder erschlossen wurden? Oder wenn es der fortschreitenden Wissenschaft und Technik am Ende sogar gelang, die Steine synthetisch herzustellen? War's nicht vor Jahren schon bei den Edelkorunden, beim Saphir und Rubin geglückt? Hatten die bunten Steine danach nicht einen ungeheuerlichen Preissturz erlitten? Wie nun, wenn es einem Genie gelang, den bisher so spröden Kohlenstoff doch in der Retorte zur Kristallisation zu bringen.

Bisher war's noch nicht gelungen. Aber die Natur selbst zeigte ja, daß es möglich war, daß der Kohlenstoff in die kristallinische Struktur übergehen könne. Gewiß, Diamanten kamen in der Natur nur selten vor. Man hätte daraus vielleicht schließen können, daß die Bedingungen für eine Kristallisation doch sehr eng umrissen seien, Bedingungen, über die man zu alledem noch so gut wie gar nichts wußte.

Aber was wußte man denn überhaupt vom Vorkommen der Diamanten? Man kannte ja nur die oberste Erdschicht, die im Vergleich zum ganzen Erdball noch dünner war als der Reifhauch auf einem Apfel, im Verhältnis zur ganzen Frucht. Wer konnte wissen, ob nicht schon in wenigen Kilometern Tiefe Diamanten in ganz anderen Mengen vorkamen. Vielleicht war die Kristallisation des Kohlenstoffes dort eine alltägliche Erscheinung.

Unter solchen Erwägungen und Überlegungen traf Klaus ein Brief, der aus München kam. An sich nur ein Brief, wie er deren schon so manchen bekommen hatte. Das Angebot eines Chemikers, Diamanten synthetisch herzustellen. Aber diesmal schien ihm die Angelegenheit ernsthafter Natur zu sein. Der Mann, der ihm schrieb, er hieß Ewald Grothe, besaß durch andere Erfindungen, bereits einen guten Namen und hatte sich seit langem theoretisch mit den Möglichkeiten beschäftigt, Kohlenstoff zur Kristallisation zu zwingen.

Im Gegensatz zu den anderen Mitgliedern des Diamanten-Syndikates hielt es Klaus durchaus für möglich, daß es eines Tages gelingen würde, den König der Edelsteine, den Diamanten, auf synthetischem Wege herzustellen. Glückte das aber, dann war's jedenfalls besser, wenn man dadurch nicht überrascht wurde, wenn man von Anfang an die Hände in der Sache hatte und rechtzeitig seine Maßnahmen treffen konnte. – – –

Am nächsten Morgen fuhr er selbst zur nächsten Poststation und gab ein langes Telegramm nach München auf. Fünf Wochen später landete Grothe in Swakopmund, nach wenigen Tagen traf er auf Krönings Hof ein. Und dann saßen sie in jeder Stunde, die Klaus sich frei machen konnte, in langen Gesprächen zusammen.

Was sein Gast dabei vorbrachte, das klang in der Tat ganz anders als das, was Klaus bisher von Projektenmachern und Phantasten gehört hatte. Grothe war bei seinen Untersuchungen von dem Vorkommen von Diamanten in Meteorsteinen ausgegangen. Er stützte sich auf die Tatsache, daß in zahlreichen von der Wissenschaft genau verbuchten und untersuchten Meteoriten kleine, ganz gut kristallisierte Diamanten vorkommen.

»Wer sagt Ihnen, Herr Grothe, daß diese Diamanten nicht schon von Anfang an in den Meteorsteinen vorhanden waren, sich irgendwo auf einem anderen Stern gebildet haben?«

Der Chemiker legte ihm stark vergrößerte Fotografien der diamanthaltigen Meteore vor.

»Nein, Herr Kröning, aus der ganzen Form und Anlage der Diamanten geht unzweifelhaft hervor, daß sie sich erst während des Fluges der Meteoriten durch den Weltraum gebildet haben. Kohlenstoffhaltige Gase sind dabei entwichen. Beim Entweichen hat sich ein Teil zersetzt, und der freiwerdende Kohlenstoff ist in kristallinische Form übergegangen.«

Klaus schüttelte den Kopf.

»Ich kann mich so schnell nicht in Ihre Theorie hineinfinden.«

Grothe wurde lebhaft.

»Es ist die einzige stichhaltige Theorie, Herr Kröning! Überlegen wir ganz systematisch! Wann geht ein Körper in die Kristallform über? In allen Lehrbüchern lesen Sie, daß er dazu flüssig sein muß. Das spricht sich so leicht aus. Aber ... wir können den Kohlenstoff nicht schmelzen trotz allem, was in dieser Hinsicht behauptet worden ist. Wir können ihn auch nicht auflösen, denn es gibt kein Lösungsmittel für den reinen Kohlenstoff. Wie sollen wir ihn also in die flüssige Form bringen, die zu seiner Kristallisation notwendig sein soll?«

»Gestatten Sie, Herr Grothe! Soviel ich weiß, ist flüssiges Eisen ein Lösungsmittel für Kohlenstoff. Auf diesem Wege hat Moissan wenigstens Spuren von Diamanten hergestellt.«

Grothe zuckte die Achseln.

»Haben Sie die Moissanschen Diamanten gesehen, Herr Kröning?«

»Nein, Herr Grothe. Aber ...«

»Sie haben davon gelesen, wie die meisten anderen Leute. Gesehen hat diese Diamanten außer Moissan kaum jemand, und ich habe ernsthaften Grund, überhaupt an ihrer Existenz zu zweifeln.«

»Aber Herr Grothe, diese Kristalle Moissans sollen doch Glas geritzt haben,«

Grothe lachte.

»Es ist nicht alles Diamant, was Glas ritzt, Herr Kröning. Es gibt kaum ein Gußeisen, das nicht mit Silizium und ähnlichen Stoffen verunreinigt ist. Nach meiner Meinung wäre es geradezu ein Wunder, wenn Moissan nach dem Auflösen des Eisenkörpers in Salz- oder Salpetersäure nicht allerlei unlösliche harte Rückstände wie Karborund und dergleichen gefunden haben sollte. Nur den Beweis dafür, daß Diamanten unter diesen Rückständen waren, ist er uns schuldig geblieben.«

»Nun, und Sie meinen? ...«

»Ich meine, daß sich bei diesem Verfahren keine Diamanten bilden können.«

»Warum, Herr Grothe?«

»Weil die Temperatur viel zu hoch ist. Die Temperatur des flüssigen Gußeisens, aus dem der Franzose seine Diamanten gewonnen haben will, liegt zwischen 1200 und 1400 Grad Celsius. Es gibt ein einfaches Experiment. Ich habe es selber gemacht, obwohl mir die Diamanten nicht so zur Verfügung stehen wie Ihnen. Ich habe Diamanten in eine schützende Hülle gebracht, beispielsweise in eine Atmosphäre aus reinem Argon- oder Neongas und dann bei den verschiedensten Drucken erhitzt. Bei einer Temperatur von mehr als 800 Grad Celsius waren die Steine stets restlos in Graphit verwandelt, jene andere Modifikation des Kohlenstoffes ...«

»Und Sie schließen daraus?«

»Ich schließe daraus, daß die Entstehung auch der natürlichen Diamanten unter allen Umständen bei einer tieferen Temperatur als 800 Grad Celsius vor sich gehen muß, weil sich sonst nicht kristallisierter Kohlenstoff, sondern amorpher Graphit bildet.«

»Sie behaupten, Herr Grothe, daß wir den Kohlenstoff weder schmelzen noch lösen können. Ja, zum Teufel, wie wollen Sie ihn denn überhaupt zum Kristallisieren bringen?«

»Es gibt noch eine dritte Möglichkeit, Herr Kröning. Eine Möglichkeit, auf die die Lehrbücher der Kristallkunde zuwenig Rücksicht nehmen, obwohl man derartige Vorgänge häufig genug beobachten kann.«

»Sie machen mich neugierig. Bitte, schießen Sie los! Was ist das für eine Möglichkeit?«

»Es ist der sogenannte Status nascendi, wie die Chemiker sagen. Es ist der Augenblick, in dem ein Körper aus seiner bisherigen chemischen Verbindung frei wird und ... die Sache wird anschaulicher, wenn Sie sich die Atome eines Stoffes einmal für kurze Zeit als lebendige Wesen vorstellen. Es ist der Moment, in dem solch ein Atom seine bisherigen chemischen Bindungen verliert, plötzlich sozusagen allein und hilflos in der weiten Welt dasteht und sich nach irgend etwas anderem umsehen muß, um wieder Betätigung für seine Bindungskraft zu finden. In diesem Moment ist ... ich möchte sagen, fast alles möglich. In diesem Augenblicke des Freiwerdens geht, um nur ein Beispiel zu nehmen, der Wasserstoff Verbindungen ein, die er im gewöhnlichen Zustande niemals bilden könnte. In diesem Augenblicke kann sich auch der Kohlenstoff nach der kristallinischen Seite hin orientieren und – ich komme damit zum Kernpunkt meiner Theorie – man muß den Kohlenstoff unter ganz bestimmten Bedingungen aus einer geeigneten Verbindung frei werden lassen, dann wird er im Augenblicke der Freiwerdung Diamantkristalle bilden.«

Klaus Kröning überlegte geraume Zeit, sprach dann langsam, fast zögernd.

»In Ihrer Theorie, Herr Grothe, sind noch zahlreiche unbekannte Größen – geeignete Verbindung – geeignete Verhältnisse. Das kann wenig, aber auch viel bedeuten.«

»Gestatten Sie mir, daß ich Ihnen meine Theorie weiterentwickle?«

»Bitte sehr, Herr Grothe.«

»Sie kennen zweifellos den Schwefelkohlenstoff, jene Verbindung eines Atoms Kohlenstoff mit zwei Atomen Schwefel, die sich durch ihr außerordentliches Lichtbrechungsvermögen auszeichnet.«

Klaus nickte.

»Ich kenne den Schwefelkohlenstoff. Wir benutzen ihn zum Prüfen unserer Diamanten. Eine wasserhelle Flüssigkeit. Wirft man einen Diamanten hinein, so sieht man nur noch dessen Fehler, da das Lichtbrechungsvermögen eines fehlerfreien Steines fast genau das gleiche ist wie das des Kohlenstoffes.«

»Sehr gut, Herr Kröning! Nun diese Eigenschaft hat von jeher die Aufmerksamkeit aller Diamantenmacher erregt. Sie sagten sich, ich weiß nicht, ob mit oder ohne Grund, daß die Kohlenstoffatome hier schon in ähnlicher Weise angeordnet sein müßten wie im Diamanten. Immer wieder wurde es versucht, unter Anwendung enormer Drucke und unvernünftig hoher Temperaturen aus dem Schwefelkohlenstoff direkt Diamanten zu gewinnen. Nach dem Rezept etwa: Man jage den Schwefel heraus und sorge dafür, daß die Kohlenstoffatome die kristallinische Anordnung beibehalten.«

»Was ist dabei herausgekommen?«

»Natürlich nichts Vernünftiges. Man hat in den Retorten nie etwas anderes gefunden als stark mit Schwefel verunreinigten Graphit.«

»Ein mangelhaftes Ergebnis. Wie wollen Sie es besser machen?«

Grothe erhob sich und holte eine Glasröhre, die mit einem gelblich-bräunlichen Pulver gefüllt war, öffnete die Tube, streute eine Messerspitze ihres Inhaltes auf eine Glasplatte.

»Was soll das?« fragte Klaus.

»Das ist Zyanwasserstoff oder Blausäure. Aber eine Blausäure von ganz besonderer Art. Hier ist das Kohlenstoffatom nicht mit seinen vier Valenzen gebunden, sondern nur mit zweien. Zwei seiner vier Hände behält der Kohlenstoff dabei frei. Die hat er sozusagen unbeschäftigt untereinandergeschlagen und lauert auf eine Gelegenheit, irgend etwas damit anzufangen.«

Grothe entzündete ein Streichholz und brachte es an das Pulver auf der Glasplatte. Im Augenblick huschte eine Flamme darüber hin. Ein Geruch wie von Ammoniak oder Salmiakgeist stieg auf. Feiner Ruß, feinstverteilter Kohlenstoff war auf der Platte, wo eben noch das gelbe Pulver gelegen.

»Das«, fuhr Grothe fort, »ist der Ausgangspunkt für mein Verfahren. Eine der vielen Unbekannten, die Sie an meiner Theorie tadelten, habe ich bereits weggeschafft.«

Neugierig betrachtete Klaus die Tube mit dem Pulver.

»Wo haben Sie den Stoff her? Wie sind Sie darauf gekommen?«

»Eine lange Geschichte, Herr Kröning. Ich will sie Ihnen ein andermal ausführlich erzählen. Einen versteckten Hinweis, daß es diesen Stoff geben müsse, fand ich bei einem französischen Chemiker. Heute kann ich ihn mir in jeder gewünschten Menge herstellen. Er soll das Ausgangsmittel für meine Versuche sein.«

Klaus nickte.

»Einverstanden, Herr Grothe. Setzen wir also diesen modifizierten Zyanwasserstoff einmal als vorhanden voraus. Was wollen Sie weiter damit machen?«

»Ich will ihn unter einen sehr hohen Druck bringen. Unter einen Druck, der vielleicht mehrere 10 000 Atmosphären betragen muß. Dann will ich ihn gerade soweit erwärmen, daß die chemische Reaktion einsetzt, die Verbindung zerfällt. Bei dem richtigen Druck und einer Temperatur, die vielleicht um 400 Grad herum liegt, muß der freiwerdende Kohlenstoff kristallisieren. Es müssen sich Diamanten bilden, Herr Kröning. Diamanten müssen es werden, während Moissan ...«

Klaus winkte ab.

»Lassen wir Herrn Moissan. Ich denke, wir wollen selber etwas machen.«

Klaus führte den Chemiker in einen großen, saalartigen Raum, in dem nur ein langer Tisch und ein paar Stühle standen. Er winkte ihm, Platz zu nehmen, und griff zu Block und Bleistift.

»Dieses Zimmer hier soll Ihr Laboratorium werden, Herr Grothe. Nun raus mit der Sprache. Was brauchen Sie alles für Ihre Versuche?«

Eine lange Liste wurde es, die da unter Klaus Krönings Hand auf dem Papier entstand. Hochspannungstransformatoren, elektrische Heizapparate, starke hydraulische Pressen, mancherlei wunderlich geformte Glaskörper. Vieles davon war auf dem Markte nicht vorhanden, mußte nach Zeichnungen, die Grothe seiner schier unerschöpflichen Aktentasche entnahm, erst angefertigt werden.

Als die Liste endlich geschlossen war, warf Grothe einen bänglichen Blick auf Klaus. Würde der wohl wirklich geneigt sein, alle diese teuren Apparate und Einrichtungen zu beschaffen, mit denen der Chemiker den Traum langer Jahre zu verwirklichen hoffte?

Klaus schob ihm die Liste zu und riß ihn aus seinen Zweifeln.

»Schreiben Sie mir hinter die einzelnen Positionen, bei welchen Firmen in Deutschland wir die Sachen am besten bekommen.«

So schnell, wie Klaus es wünschte, ging es nun leider nicht. Grothe mußte selbst noch einmal nach Europa fahren und die Herstellung vieler Dinge nach seinen Zeichnungen an Ort und Stelle überwachen. Aber mit der nächsten Regenzeit kam er nach Krönings Farm zurück, und auf vielen Ochsenkarren kamen mit ihm die Maschinen und Apparate, die er in Deutschland erworben hatte.

Ein Bauen und Hämmern hub in jenem Saale an, der ihm als Laboratorium bestimmt war, und bald sah es hier aus wie in der Hexenküche eines modernen Alchimisten. – – –

Als Klaus eines Tages in das neue Laboratorium trat, machte sich Grothe an seinem Glasschrank zu schaffen, wie ihn Chemiker für Versuche mit giftigen Stoffen zu gebrauchen pflegen. Gas strömte durch eine eigenartige doppelwandige Röhre. Grothe bewegte ein paar Schalthebel. Ein Hochspannungstransformator begann zu brummen, die ganze Röhre schimmerte in blauem Glimmlicht. Wenige Minuten, und die Glaswände begannen sich mit einem gelblichen Niederschlag zu bedecken.

»So geht das, Herr Kröning. Die Röhre hier ist doppelwandig. Ihr innerer Teil ist mit Wasser gefüllt, außerdem steht sie in einem größeren Wassergefäß. Innen- und Außenwasser sind mit den beiden Polen unseres Hochspannungstransformators verbunden. So wird der schmale Luftspalt zwischen den Glaswänden zu einem Glimmraum.

Sie wissen vielleicht, daß diese stillen blauen Entladungen großen Einfluß auf die molekulare Zusammensetzung von Körpern haben, gewöhnlichen Sauerstoff beispielsweise in Ozon umwandeln. Hier lasse ich gewöhnliche Blausäure – wenn das Zeug nur nicht so niederträchtig giftig wäre – durch den Glimmraum strömen, und den Effekt sehen Sie. Der modifizierte Zyanwasserstoff schlägt sich als fester Körper an den Wänden nieder.«

Grothe zog eine Tischlade auf und wies auf eine Reihe von Phiolen, die bereits mit dem bräunlich-gelblich schimmernden Pulver gefüllt waren.

»Der Vorrat beginnt sich zu häufen, Herr Kröning. Ich denke, in einigen Wochen werde ich mit den Versuchen unter der Presse beginnen können.«

Klaus drückte ihm die Hand.

»Lassen Sie mich es wissen, sobald Sie etwas Neues haben. Glückauf, Herr Grothe.«

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