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Kinder- und Hausmärchen

Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen - Kapitel 69
Quellenangabe
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authorJacob und Wilhelm Grimm
titleKinder- und Hausmärchen
publisherVerlag von Otto Hendel
firstpub1812
correctorreuters@abc.de
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66. Häsichenbraut

Et was ene Frou mit ener Toachter in änen schöhnen Goarten mit Koal; dahin kam än Häsichen und froaß zo Wenterszit allen Koal. Da seit de Frou zur Toachter: »Gäh in den Goarten und jags Häsichen.« Seits Mäken zum Häsichen: »Schu! schu! du Häsichen, frißt noch allen Koal.« Seits Häsichen: »Kumm, Mäken, und sett dich uf min Haosenschwänzeken und kumm mit in min Haosenhüttchen.« Mäken well nech. Am annern Tog kummts Häsichen weder und frißt den Koal, do seit de Frou zur Toachter: »Gäh in den Goarten, und jags Häsichen.« Seits Mäken zum Häsichen: »Schu! schu! du Häsichen, frißt noch allen Koal.« Seits Häsichen: »Kumm, Mäken, sett dich uf min Haosenschwänzeken und kumm mit mer in min Haosenhüttchen.« Mäken well nech. Am dretten Tog kummts Häsichen weder und frißt den Koal. Do seit de Frou zur Toachter: »Gäh in den Goarten und jags Häsichen.« Seits Mäken: »Schu! schu! du Häsichen, frißt noch allen Koal.« Seits Häsichen: »Kumm, Mäken, sett dich uf min Haosenschwänzeken und kumm mit mer in min Haosenhüttchen.« Mäken sätzt sich uf den Haosenschwänzeken, do brachts Häsichen weit raus in sin Hüttchen und seit: »Nu koach Grinkoal und Hersche (Hirse), ick well de Hochtidlüd beten.« Do kamen alle Hochtidlüd zusamm. (Wer waren denn die Hochzeitsleute? Das kann ich dir sagen, wie mir's ein anderer erzählt hat: das waren alle, Hasen, und die Krähe war als Pfarrer dabei, die Brautleute zu trauen, und der Fuchs als Küster, und der Altar war unterm Regenbogen.)

Mäken aber was trurig, da se so alleene was. Kummts Häsichen und seit: »Thu uf, thu uf, de Hochtidlüd senn fresch (frisch, lustig).« De Braut seit nischt und wint. Häsichen gäht fort, Häsichen kummt weder und seit: »Thu uf, thu uf, de Hochtidlüd seen hongrig.« De Braut seit weder nischt und wint. Häsichen gäht fort, Häsichen kummt und seit: »Thu uf, thu uf, die Hochtidlüd waorten.« Do seit de Braut nischt und Häsichen gäht fort, aober se, macht ene Puppen von Stroah mit eren Kleedern, und giebt er eenen Röhrleppel, und set se an den Kessel met Hersche, und gäht zor Motter. Häsichen kummt noch ämal und seit: »Thu uf, thu uf,« und macht uf und smet de Puppe an Kopp, daß er die Hube abfällt.

Do set Häsichen, daß sine Braut nech es und gäht fort und es trurig.

* * *

 

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