Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > John Brinckman >

Kasper Ohm un ick

John Brinckman: Kasper Ohm un ick - Kapitel 8
Quellenangabe
typenarrative
booktitleKasper Ohm un ick
authorJohn Brinckman
publisherHamburger Lesehefte Verlag
addressHamburg
isbn3-87291-128-7
titleKasper Ohm un ick
pages3-11
created20000530
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1855
Schließen

Navigation:

Ick hüll mi æwerst nich wider bi se up, denn ick sehg minen Fründ Hans Holtfräter ut dat Fischerdur up 'n Sleden mit so'n Fohrt rute un nah den Fischerhaben rinne seilen, as wenn he von 'n Flitzbagen afschaten wir. Ick nah em ranne.

»Deuwel, Hans! Dat geiht fein!«

»Ja, fein gahn dohn deit dat, Andrees!« seggt Hans un stoppt sinen Sleden. »Snall din Stritschoh man fuurtst af un kumm mit.«

»Hest du noch 'n Sleden un Peekhaken för mi?« segg ick.

»Wiß!« seggt Hans, »min' Oll'n sin grot Fischersleden steiht achter de Husdör; den kannst kriegen; den hal di man! So'ne feine Bahn hest du noch nie aflewt. As dat schummern würd gestern Abend un ihr de Nachtwächters kemen, heww wi twee Stunnen lang baben an de Pump pumpt, un æwer Nacht is de heel Strat so blanking worden as 'n Speegel. Nee, wat dor all för Lüd up de Snut un up den Achtersteven follen sünd, dat glöwst du nich, un wat dat für ne Fohrt den Amberg dalmakt, dat mötst sülst dörchmaken!«

Ick let mi dat nich tweemal seggen. Stritschoh af, – Holtfrätern sinen groten Fischersleden rute, – un nu güng dat bet baben in de Strat ruppe un denn up den Sleden von baben hendal de Strat rünner in sonne Fus un Fohrt, as wenn 'n Schipp von Stapel geiht.

»Süh dor, holt Bahn! Süh dor, holt Bahn!«

»Junge di, dat geiht fein, Hans!« segg ick, as wi unnen in 'n Haben ankamen.

»Ja, fein gahn dohn deit dat, Andrees!« seggt Hans Holtfräter. Un de Lüd, de dor in de Strat güngen, müßten sick an de Husdören drücken, sünst hadd wi se mit uns' Sledens üm un üm führt.

Nu müßt sick dat so drapen, dat, as wi de Sledens wedder ruppetröcken, de oll Paster von Sankt Jakobi de Strat dalgüng in vulle Ornat, den Köster achter sick. Wi nehmen uns Deckels af, as de Preester üns vörbigüng; man he estimiert' uns nich.

»Bi Hierundar up de Lastadie is hüt Nahmiddag Kinddöp; dor werden Twäschen döfft, een Jung un ne Diern; weeßt all, Andrees?« seggt Hans.

»So?« segg ick. »Hewwt se ok Appeltuurt?«

»Ja!« seggt Hans, »Appeltuurt un Malahaga!«

Mitdes kemen wi wedder baben in de Strat an. As wi nu baben sünd, seggt Hans Holtfräter to mi:

»Ick will dit wat seggen, Andrees, lat ierst den Preester nah de Lastadie afbögen.«

»Ach wat!« segg ick. »Mitdes dat wi ünne sünd, hett de all lang' afbögt; he is jo all dichting bi.«

Un nu güng dat wedder los von baben dal in vulle Fohrt, hest mi nich sehn, un wen sin Vader büst du? »Süh dor, holt Bahn! süh dor, holt Bahn!«

Aewersten de Preester un de Köster hürten nich, wur wi se preiten. Langsam un ihrenfast stüerten se ehren Kuurs. Ob de Paster nu so von sin Kindelbierssermon un de Köster so mächtig von sin Betrachtungen æwer Appeltuurt un Malahaga un de lübschen Markstücken up den Opfertöller innamen wir, dat lett sick nich got nahwiesen. Ick weet blot, dat wi se ümmer neger up de Hacken kemen un dat dat nich mæglich wir, den Sleden in sin dull Fohrt to möten.

»Süh dor, holt Bahn!« schreg ick noch mal so lut, as ick künn. Paster un Köster hürten nich, rein as wenn se beid mit Blindheit un Dowheit slahn wiren.

»Süh dor, holt Bahn!« schreg ick tum drüdden Mal in helle, lichte Dodesangst.

Ich hadd dat æwerst kum rute, so stödd min grot Fischersleden ok all den ollen Köster bums up de Hacken; swapps set he vör min Föt up 'n Sleden, un een – twee – dree – swapps set min leew Preester up den Köster sinen Schot. Beid makten woll een gräßliches Wesen un handschlagten as unklog. Dat hülp æwer altosamen nich. De Sleden let sick nich hissen un nich locken; dat was rein, as wenn de Büßworm achter 'n Ossen is, un vörwartsch güng dat in vullem Ornat up den Sleden de Strat dal ut dat Stranddur rute un so in 'n Haben rinne bet dicht an de ›Anna Maria Sophia‹. Dor ierst künn 'k dat Beest von Sleden wedder stoppen.

Harre Gott un Harre Jes', wat hadd ick vör ne Angst mides utstahn! Ick dacht, min Hoor müßt dorvon gris worden sin. Den ollen ihrwürdigen Paster in vullem Ornat up minen Sleden an 'n hellen Dag' de Strat dalscheest! Dat güng seker nich ahn Krewt un Brummborenlock för mi af! Wo süll dat warden, wo süll dat eenmal warden! Mi was, as ob ick Preester un Köster dotslahn hadd. So kemen wi an de ›Anna Maria Sophia‹ ran. Kasper-Ohm un Käppen Bradhiering stünnen noch dor.

»Nee, dat is doch æwer Dreibassen un Muskedunners!« schreg Pött. »Dat geiht jo æwer Boll-Is, Grott-Is un Schlamp-Is! Van den Köster will ick nix seggen; æwerst, Harr Paster, Harr Paster! Wur kann Er sick van sonn förbannaden Jongen so begrismulen laten. Is dat mæglich, un is dat erhürt! Hett je een so wat aflewt, un kann 'e so wat wedder vörkamen! Heww ick Juch dat nich glik seggt, Bradhiering, wat der Jonge for eene gottlose Karnalji is! Harr Paster, der Jonge kennt sinen Jesum nich; der Jonge weet nix von 'n iersten Petri fif, fif. Harr Paster, skall ick den Jongen mit sinen eegen Peekhaken vör den Bleß slahn, oder skall ick em hier in der Füerwak versöpen?«

Kasper-Ohm hadd æwerst got in de Füerwak versöpen un vör 'n Bleß slahn. Ick hadd keen Tid. Ick hadd kum minen Fot von den Sleden, as ick ok Sleden un Peekhaken, Paster un Köster, Bradhiering, Pötten un de ›Anna Maria Sophia‹ in 'n Stich let un utneigen ded, as ob dat Is ünner mi inbreken wull.

Dat treckt sick all nah 'n Liw, hadd Snider Rathsack seggt, hadd de Armels an de Rocktaschens neigt. Un as sick dat sonn beten pöapö mit mi un minen Öhme utglek un torechttröck un, as mi dücht, von em vergeten würd, so verget Kasper-Ohm dat ok, wat he sinen Nahwer von grad æwer, den Harrn Perfesser Knallerballer, 'n ollen Schapskopp schullen hadd, de nich to examneeren verstünn un schuld doran wir, dat sin Süster ehr Jonge in de Eloquentsch nix nich weeten ded. Un Kasper-Ohm würd dunn wedder up sin Fründschaft un den intimitesischen Verkihr mit den Harrn Perfesser un Kasper-Möhme up den fründschaftlichen Ümgang mit de Fru Perfesserin, de de Harr Perfesser sick samt Eikatern all fix un fardig ut Stoppelsachsen mitbröcht hadd un all vör dree Johren, as E. E. Rat as Mitpatron an dat Witte Kollegium sick den Harrn Perfesser noch verschrew, – so stur un stifnackig un æwer de Stippbesöke, de se sick gegensidig makten, so vörnehm, un so gereden beid so in de feine Maneer rinne, se kennten man so knapperment noch ehr eegen Näsen, schonst se se stännig vör Ogen hadden un se ansehnlich nog un een richtiges Poor Näsen wiren, wur söß von up dat Schock gahn. In Stoppelsachsen wir Doktor Knallerballer all een uterordentliches Membran von de Eloquentsch west, hadd Kasper-Ohm to minen Ollen seggt, een Wonder wir dat nich, wat de Rekter ond de Senato academico Knallerballer nu all, dat was noch nich mal in dat drüdde Johr, tüm Dickhahn in de Eloquentsch makt hadd. Wat dor noch all ut den Harrn Perfesser warden künn mit de Tid, dat was üngewiß. Un dat was doch eenen andern Snack mit den Harrn Perfesser un mit den Harrn Perfesser sin Fru as mit Kaptein Bradhieringen, wo min Oll ümmer mit up de Koßfeller Brügg up- un dalgüng, un Fru Frätwusten ut de lütt Mönkenstrat, wo nu jo woll, – Kasper-Ohm künn dat nich ännern, – Illschen, sin Süster, Hand un Hanschen mit worden wir, as der Hollander säd, ond de Frätwustens wiren jo man von dat Fischland.

De Harr Professer, de man vierhunnert Daler Fixum hadd, mücht jo nu woll den Ümgang mit Kasper-Ohmen för sihr vortelhaft erachten; un de Frau Professerin mücht jo wull bi sick dacht hebben, wat min Ollsch, as Kasper-Ohmen sin Süster, ok 'n lütt beten mitdeelsam wir, genog, se hadd ok 'n Schiemannsknuppen in min Ollsch ehr Trossen slahn wullt, man dat hadd doch keen Däg mit de twee beiden hatt un let wedder voneen, ihre dat richtig fast worden wir. Min Ollsch hadd dor man mal morgens bi de Fru Professern ut Niglichkeit inkäken hatt, un donn hadd de Fru Professern Eikatern, wat all 'n Bengel von dörteihn Johren was, splitterfaselnackt up 'n Disch un up 'n Pæhl vör sick liggen hatt un den langen spirrknakigen Räkel mit 'n groten Waschschwamm von den Top bet up dat Keelswin un von dat Heck bet an de Gallion afswabbert un afbolußt un afwuschen, grad so as 'n lütt Kind, dat noch de Bost kriggt, un Eikater hadd ümmer dorbi schrigt: »Ei aber Mitterchen, Mitterchen, bei Leibe nicht so hart!« un de Fru Professorin hadd ümmer dorto schrigt: »Eikar, wirscht du dich fiegen! Eikar, ich sag 's dem Baba, da wird der Baba dir ohne Zwaifel einen Luzianischen Göttertialok extra zutiktieren, unt tu weischt's, Eikar, daß, wenn Väterchen dich an das Exschponieren nimmt, da währt 's a Schtunde mehr, Kindchen. Gehab dich, Eikar!«

Un 'n anner Mal wir min Ollsch wedder rümgahn, un dor wir de Fru Professern bi ne Gos bi west, de noch to Middag hadd brad't warden süllt, un de Klock wir all halwig twölf west, un de Fru Professern hadd noch ne ganz unglaubliche Dormös' up 'n Kopp un sonn vergelte kort Ünnerrock un 'n grot Lock in den linken Strumpschacht hatt, as 'n Gullen grot, un ne Brill up de Näs dorto, un de Gos hadd se mit Thymijan un Majoran, mit Krüsermünt, Peperkrut, Dill un Zipollen, mit Karmum, Muschat, Herr du meines Lebens! und 'n ganz klein bisserl Deifelsdreck, just nur 'n Sticknadelskopf groß, der Schleckerei halben, stoppt, statt mit Appels un Plummen. Un dat hadd ehr all so utlannsch anstahn mit ehr knækern Fingers un so linksch un dwatsch, un ne Kækenschört hadd se gor nich mal vör hatt, un dor wir min Ollsch so vör grugen worden, dat ehr ganz slimm worden wir, dat se den ganzen Harwst æwer keen Gosbrad nich hadd eten künnt un dat se noch to Kasper-Möhme achterher säd:

»Nee, Swiegerin, allens in der Welt! Man dat 's jo 'n richtigen Kæmtürkenkram bi dat Volk. Ick paß nich to Knallerballersch, un Knallerballersch paßt nich to mi. Do du, wat du wist, Swiegerin. Mi is üm de Ihr nich to dohn. Ick bliw för mi un bi Fru Frätwusten, mit de lett sick doch 'n vernünftig Wuurt snacken, un de hett doch wenigstens keen Löcker in ihr Strümp as ne Hand grot.«

Kasper-Möhme hadd æwersten dorto wedder mit ehren Kopp schüddt un mit de Ogen twinkelt un mit ehren vornehmsten Akzent seggt:

»Ach, liebe Ilse, nimm mich das man nich übel, das änderst du mich doch nich, liebes Kind! Das laß mich liebersten man gut sein. Sag mich, mit wem du umgehst, und ich will dich sagen, wen du büst, und das ist mich wenigstens keine Kunst nich, sich zu Seinesgleichen zu halten; abersten das muß ich dich sagen, lieb Ilsing, wo das nich in ist, das sieht mich auch das nich ein. Das Geld täte es nich. Wenn es man das Geld is, denn hätte Kasping es. Kasping hätte Antonii wieder tausend Taler in der städtische Aerarii eingelegt, kannst du Micheln man sagen, wenn Swager das noch nicht wissen täte. Abersten wenn die Frau Professorin Knallerballer auch zehnmal Knopflauch in die Bratengans täte, das kennst du mich man nicht, die akademische Gerichtsstand hätte die Knallerballern doch, und die Frätwusten ihr Mann wäre jo woll man 'n Nahprahmer und stände mich jo woll unters Niedergericht, und sie, die Frätwusten, wäre mich jo woll so ordinär, daß sie zehn ehliche Kinder all von ein und denselbigen Mann hätte, und die alte swarze Taftfahn, welche mich die Frätwusten ümmer trägt, wenn sie Kirchgang hält, wäre auch jo woll die einzigst anstännige Montierung, die sie hätte, und alltags ginge sie mich jo woll ümmer auf Slarpen mit ne gedruckte Schürze as meine Köchin Durick Peyßen. Nee, das laß mich man so, lieb Ilsing!«

Kasper-Ohm wir æwersten mit den Harrn Professer nahmiddags æwer den Strand so mastig spazieren gahn, un de Professer hadd Kasper-Ohmen so todolich ünnerhakt hatt, un Kasper-Ohm hadd sick donn so utdrücklich nah minen Ollen ümsehn, de mit Kaptein Bradhieringen up de Snickmannsbrügg up un dahl gahn wir, so utdrücklich, as hadd he seggen wullt: »Maneer is Maneer, ond dat kennt ji man nich, aber wann ji mi fragt, ick heww Verstand!« so dat min Oll to Bradhieringen noch seggt hadd:

»Bradhiering! Nu don S' mi de Leew un kiken Se mi blot eens Kasper-Ohmen an! Weeten Se, wat ick dorvon denken do? Wenn man nich am Enn, wat Knallerballer sin Pump is, up Pötten sinen Hoff steht, un wenn de Harr Perfesser leck is, Pött pumpen möt. 'N poor von Pött sin Schruwen sünd all von lütt up bi den ollen Burßen nich drang nog indreigt west. 'N Ticke hett he all ümmer hatt. Wenn de so Gewettssignater wir, Bradhiering, hü?«

Un oll Bradhiering hadd donn so recht fett vör sick henhuchelt un dorto seggt:

»Wiß! Wat mi wunnert, is, dat he nich all lang' sick mang de Gewandsniders hett upnehmen laten, man blot üm ünner dat Obergericht to kamen. De Dreihkrankheit hett he all; kriggt de Pürrick, den Kasper ünner den Brägen sitten hett, æwerst ierst Jungen, denn so ward ut de Musket een Muskedunner, un wenn denn de Drücker von dat Gewehr nich æwersnappt un Kasten seggt, denn so is dat Gott's Will!«

 << Kapitel 7  Kapitel 9 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.