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Kasper Ohm un ick

John Brinckman: Kasper Ohm un ick - Kapitel 6
Quellenangabe
typenarrative
booktitleKasper Ohm un ick
authorJohn Brinckman
publisherHamburger Lesehefte Verlag
addressHamburg
isbn3-87291-128-7
titleKasper Ohm un ick
pages3-11
created20000530
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1855
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»Mein würdiger Herr Kapitän, Dero Ergebenster!« säd de Harr Magister mit eene liebliche Verneigung des Hauptes, »Insonderheit verehrte Madame Pötten, Dero ganz Gehorsamster!« Kasper-Möhme stünn dunn von dat Kanapee up un makt den Harrn Magister eenen verehrungswürdigen Knicks. De Harr Magister nehm æwersten de insonderheit zu verehrende Madame Pötten ehr Hand an sinen ganz gehorsamsten Mund.

»Und das wird unsre holde kleine Margaretha sein, so wir nicht irren. Was wir einmal groß geworden sind, seit verlegenem Jahre; denken wir schon etwa an die heilige Handlung der Firmelung, oder setzen wir selbige lieber noch ein Jahr aus?«

»Dat Näsewater is jo noch nich drög achter de Uhren, Harr Magister! Dat hett nöch een poor Johren Tid dormit. Wat ehr Moder is, möt ehr noch van Tid to Tid de Schinkens det Morgens ut dat Solt halen un in frische Päk leggen, dat se nich hiddig warden, will ick Em man seggen.«

»So so – ei ei!« säd de Harr Magister. Gretenwäschen kreg æwer de blanken Tranen doræwer in de Ogen, un ick hadd Kasper-Ohmen achter dat flopsige Mul slahn künnt ut Fründschaft för Greten von wegen de Zorenappels.

»So so – ei ei!« fohrt de Harr Magister fuurt. »Wohl dem Hause, würdiger Herr Kapitän, wo wie in dem werten Ihrigen eine weise Zucht und Vermahnung des Herrn also verarbeitet fernerer Erbauung durch die Hülfe der Kirche. Aber dieser freundliche Knabe hier am Fenster, der ist wohl –«

»Dat is min Süster Illschen ehr Jonge! Der muurdverbrannte Rebeller, der kennt den iersten Petri fif, fif nich. Der Jonge hett keenen Respekt nich vor dat Hus, Harr Magister. Een Blasphemiter is der Jonge all. Mi schall man blot verlangen, wat der Jonge sin eegen Vaderstadt nich noch eens an all ehr sæben Enns un Eckens in Brand stäken deit ond bi sin eegen Ohm sin Hus dormit anfangt.«

»Ei ei, mein junger Freund! Was muß ich da hören von deinem würdigen Oheimbe, was vernehmen da meine Ohren? Sollte es da nicht geraten sein, Herr Kapitän und insonderheit verehrte Madame Pötten, ohne weitern Verzug mit den Heilswahrheiten durch Priestermund an das störrige junge Herz heranzutreten? Mein junger Freund scheint mir seinem äußern Habitus nach das gesetzliche Alter für die Konfirmation zu haben. Das bereits Versäumte ließe sich etwa durch Extrastunden nachholen.'

»Ja, grot nog wussen is he«, säd Kasper-Ohm, »dat sall wohr sin; man dit Johr ward er noch nich konfermeert. Wat er æwersten all tokünftig Johr konfermeert ward oder wat er denn noch nich konfermeert ward, dat steht sinen Vader to ond nich mi. Hadd, wat sin Vader is, sick mit den ›Poseidon‹ up sin Harwstfohrt van Bargen in de Ewigkeit rinne seilt, wat er nich hett, wat æwersten jo mæglich west wir, denn stünn dat sacht mi nu to, denn hadd dat Gewett mi sacht to sinen Vörmund bestellt, ond denn würd der Jonge nu konfermeert, wil he doch an de Eloquentsch nich ranne ond sick nich vor Professor Doktor Knallerballer sinen Posten trecht scholen laten will. Wann Er den Jongen æwersten de Bicht mal to verhüren kriegen süll, wat ick nich weeten, alleen abersten Em günnen do, Harr Magister, ond dorto bidragen warde, dat dat geschüht, denn sin Moder hett mennigmal eenen lichten Ogenblick, wo se bi Verstand is ond mit sick spräken lett, wat ick von minen Swager leider nich seggen kann, denn so will ick Em indringlichstens beden hebben, gah Er em 'n beten drang to Liw; denn ick bün sin Pæt ond heww dat mit toseggt, wat een Minsch ut em ward, de Maneer hett ond för den dat Geld for de Eloquentsch up de Grot Stadtschol nich ümsünst utgewen sin sall.«

»Dem soll geschehen, würdigster Herr Kapitän, dem soll geschehen! Was an mir und meines Amtes ist, soll an dem störrigen Herzen meines jungen Freundes versucht werden. Ihre verheißene gütige Berücksichtigung meiner, pastori primario, gegenüber dürfte selbiges schon im Interesse Dero werter Familie erheischen.«

»Bitte gütigst!« säd Kasper-Ohm, »der Jonge is man blot hier, Harr Magister, wil Durick Peißen, wat min Kæksche is, sick den Lümmel up den Rugeschen Wippersaal vor dat Steendur Nijohr an den Hals ranne danzt hett ond anstänniger Wise nich upwohren kann in ehr Kimmeldok mit de Buckwull ond den Stank van den Kampferspirito. Dorüm schall, wat min Dochter is, ons den Koffi præsenteeren, ond wat der Jonge dor is, der schall ons van den Knaster instoppen. Ond nu sett Er sick, Harr Magister, bi min Fru dor up dat Kanapee, ond ick warde mi den Armstohl von den Aben dor achter an Sin geihrte rechte Sit gütigst een bæten ranne trecken, ond denn will wi mal sehn, Harr Magister, wat der Mokka van Onlandten ond Sanitern in der Grot Waterstrat noch van der sülstigen Qualifikatschon is, vörut tüschen Köppken ond Onderschalen, as der Onlandt ond Sanitersche Mokka west is, mit den ick Em verleden Nijohr bi de sülstige annehmliche Gelegenheit onder de Näsen to gahn Em ond mi sülsten ond min Hus de Ihr anded, – wann de Jonge dor ok nich mit dorbi west is, – oder wat viellicht der Mokka ditmal duwwelt so got utfallen deit; kann sin, dat er dat deit, Harr Magister!«

Aewer den Harrn Magister sin Gesicht flög dorup von inwennig rute ein lieblicher Strahl des Wohlbehagens, un he säd to Kasper-Möhme:

»Mit Dero gütigem Wollnehmen und Gestatten, insonderheit Verehrte, werde ich der freundlichen Erlaubnis Dero Herrn Gesponses Folge zu geben mir somit die Freiheit nehmen« – un dormit sett't sick de Harr Magister to Kasper-Ohmen sin Fru up dat Kanapee.

Kasper-Ohm güng æwersten nah den lütten Disch, wur de grot Botterkringel un de Koffiköppkens up stünnen, un makt sick dor to schaffen. Ick hürt dat, wat he dor ne Taß upnehm; von wegen sin breedes Heck künn ick æwer nich sehn, wat he dormit ded, un nahsten rullt he sick den sworen Armstohl mit den Aewertog von Juchtenledder nah den Harrn Diakonus ranne un sett't sick bi em dal. »So, Harr Magister, nu wiren wi so wit klor for de Fracht ond könnten wir de Konnossementen ond dat Manifest teeken. Greten, den Harrn Magister sin Köppken toierst! Ihre, dem Ihr gebühren deit, Römer am dritten, Harr Magister! De grot puzzelanen Mundtaß mit den Viölkenstruß, Greten, versteihst du? An Order für den Harrn Magister! Dat is de sülstige Mundtaß noch as verleden Johr, Harr Magister! Weet Er noch woll?«

Aewer den Herrn Magister sin Gesicht güng wedder so'n fründlichen Strahl von Vorgeföhl in Erfüllung gehender Hoffnungen. He säd nix, gew æwersten Kasper-Ohmen de Hand, un de beiden würdigen Harren schüdd'ten sick de Hänn' mit der lieblichen Eintracht gegenseitigem Verständnisses.

Un dorup kem Gretenwäschen mit de grot puzzelanen Mundtaß mit den Viölkenstruß up 'n Präsentürtöller nah ehr Mutting, un Madame Pötten nehm de grote sülwern Koffeekann von dat sülwern Füerfatt un schenkt de Taß dreevirtel vull, un donn sett't se den sülwern Rohmguß un de een sülwern Zuckerschal mit de Zuckertang ok up den Presentürtöller un säd:

»So, Greting, Kinting, nu geh mich zu Harrn Diakonussen un spill mich auch nichts nich über, Kinting, gib mich hübsch 'n bischen acht, daß auch kein Plack nich in deine neue Merino kömmt!«

»Makt dat mit Maneer, Grete, versteihst du? Mit Maneer segg ick di, so–o!«, säd min Öhme.

Un dat ded lütt Gretenwäschen denn ok un makt 'n feinen Menuettenknicks vör Harr Diakonussen, un de Harr Diakonus halt' sick bedächtig de Taß von den Präsentürtöller, smet sick dree Stücken von de slohwitte Raffinad in, göt sick von den bottergelen Rohm dorto un sett't dorup de vulle Taß vör sick up den Disch, strakt Greting æwer den srnucken lütten Flaßkopp un säd to de insonderheit Verihrte:

»Ganz Ihr Konterfei, werteste Madame Pötten, – ein wahres und rares Bild prangender Gesundheit, ganz wie des holden Kindes würdiger Herr Vater!«

»Ja, dat seggen Se woll, Harr Magister«, säd donn Kasper-Ohm. »Mi is de Diern eegentlich noch nich ribbig nog in de Spantung. Ick schick ehr woll, wann der Sommer kommt, noch 'n beten nah minen Broder, den Barnstörper Pensionarius; dor schall se mit nach der Rägel gahn, ond wann dat Kalw denn noch so'n Wochere söß mit frische Melk nahbörnt ward, dor, meen ick, schall sick dat noch beter mit ehr helpen. Greten, min Taß ond denn din Moder ehr Taß ond denn den Botterkringel!«

Un as Gretenwäschen dat besorgt hadd, donn kreg ick minen Wunk von Kasper-Ohmen von wegen de ierden Pipen un den Knaster. Na, dat besorgt' ick jo nu mit Maneer un Geföhl un bedurt man blots, wat ick mi nich ok een anstecken dörwen ded; twee Büxen hadd ick jo all lang an, – dörchsükt hatt ick mi in den Punkto jo all up de Ballaststäd mit min goden Frünn' Hans Holtfrätern, Jochen Beesen un Vogel Straußen.

De Harr Magister nehm sick de lang' ierden Pip mit de blag Fedderposenspitz, un Kasper-Ohm de tweet mit de gel, un denn wir dor noch een achter up den Disch mit ne rod', un de hadd ick för min Lewen giern mi sülben anbrennt, üm Kasper-Ohm, de den Knaster vör sick henpusten ded as 'n Schosteen von ne Growsmed, dat mal eens to wisen, wat Maneer wir, wo he dat maken müßt, üm richtige Rökkringels aftodresseln, un wo de Tung sick dorto in de Mund mit 'n halw Wenning dreigen müßt. – Dat güng jo æwersten nich, un so sett't ick mi gedüllig wedder up minen Stohl vör dat Finster dal un hürt andächtig mit to, wo min Kasper-Ohm den Harrn Diakonussen mit sinen dicken Dollenvörfinger donn up den Churrock tuppen un to ein seggen ded: »Fett swemmt baben, Harr Magister; ick segg Em, dat Fett swemmt ümmer baben, ond wenn dat ok man Tran ond keen Provanzi is, baben swemmt dat doch, as de Rohm dor vör Em in den sülwern Rohmguß up de Melk swemmt. Wer lang hett, der dörft lang hängen laten, ond wen mit den sülwern Lepel in de Mund jung worden is, glöw Er mi dat, Harr Magister ond nich mit ne höltern Kell, der is stännig in dat Recht, wann er seggen deit: lerst kam ick, ond denn kam ick noch mal, ond denn kamt ji noch lang nich; glöw Er mi dat, Herr Magister, der hett dor nich nödig nah to gahn«; – donn horcht' ick scharp hen un kek ick nipp to un dacht bi mi: Nu steckt Kasper-Ohm den Harrn Magister den duwwelten hollanschen Dukaten in de Hand; æwersten nee!

De Harr Magister hadd dor ok nix gegen intowennen gegen minen Öhmen sin Behauptung un nickt' tostimmig dreemal langsam mit den Kopp un let ebenso langsam den Knasterdamp ut sin beiden Näsenklusgaten rute gahn. »Alleen æwersten, wer nix hett, Harr Magister, ond wer dor up de Tofälligkeit un de Accidenzen anwiest ist ond wer dor van der Hand sotoseggen in den Mund lewen möt, der kann Gott sinen Schöpfer dorvör danken, wann er wat kriggt, ond der mot dornah gahn, wann er wat kriegen will, ond der mot sick dornah hebben, dat er wat wedder kriggt, wann er wat kregen hett, ond ick for miner Person verdenk em dat nich, wann er dat deit; man mit Maneer mot er dat don, ond wann er dann bi mi kümmt, denn do ick dat ok ümmer mit Maneer un holl em sin höltern Kell nich jerst lang vör, dat schall mi keen Minsch nich nahseggen. Ond wenn ick een poor Skillinge heww, Harr Magister, ond wann ick mihr heww, as ick taxeert ward, denn dat is nich blot dat beten Sülwertüg dor achter in dat Eckschapp, dat frett jo man blot Tinsen un is jo man blot sotoseggen för de reine Fromasche, as de Franzos seggen deit, denn so ist dat min Fiend, de mi dat nahseggen deit, wat ick dor dick mit do. Dat lett sich nich gewen, Harr Magister, wat de richtige Taktus van de feine Maneer is; man dat lehrt sick, wann een sick de Welt üm de Uhren slahn hett, as ick dat dan heww, Ost un West bet nah de Batavia ond de Magellansche Sund, ond wann een bi den hollanschen Gouvernüre to Java in Slott Buytenzorg to Gast seten hett, as ick dan heww. Lat Er æwersten doch sinen Koffi nich kolt warden, Harr Magister! So'n feine Taß Koffi ward Em so licht nich wedder baden, Harr Magister! Der Mokka is duwwelt so got as verleden Johr, segg ick Em, as Er mi de sülwige Ihr anded, Harr Magister, weet Er noch wöll?«

De Harr Diakonus nehm dorup bedächtig, nahdem he vorsichtig de ierden Pip up den Disch leggt hadd, dat vull Köppken von dat Unnerschælken, let sick den Mokkadamp sihr befriedigt ünner de Näs dördigahn, wurbi he eenen flinken, æwer sihr kuntentierten Blick up dat Ünnerschælken smet, un drünk de Taß half ut.

»Es scheint mir würklich eine vortreffliche Bohne zu sein, Herr Kapitän!«, säd he.

»Ja, vullwichtig is he, dor kann Er sick up verlaten, Harr Magister! Fru, gah mal eens rute un besorg ons frische Kahlen for dat Füerfatt!« Kasper-Möhme nehm dorup dat sülwern Füerfatt un stüert dormit ut de Dör rute. »Greten!«, säd donn Kasper-Ohm, »Mi dücht, de Husdör is apen, gah hen ond klink ehr wedder in!«

Gretenwäschen sprüng von ehrn Stohl up un dat ok ut de Dör rute. Kasper-Ohm wir mitdes ok upstahn un kem nah dat Finster ranne. »Jonge«, säd he to mi, »kik Er mal eens nah den Marigentuurn ruppe ond segg Er mi mal, wat der Wind is! Ick glöw, wat der Frost nu bald insetten deit, Harr Magister, morn is Niemaand.«

Na, ick kek jo nu ut dat Finster nach den Turm ruppe. »De Wind is Nuurdost, Kasper-Ohm!«, säd ick.

»Wat is er? Nuurdost is er?«, säd donn min Öhme un kek ok ut dat Finster. »Do Er Sin Külpen up, Jonge! Osten bi Nuurden is er!«

De Harr Magister wir jo woll mitdes mit sinen Mokka klor worden, denn ick hürt dat, wo he dat Köppken wedder up dat Ünnerschælken stellen ded, un as ick un min Ohm uns wedder nah em ümdreihten, donn led he grad sinen Teelepel wedder up dat Köppken. Glik dorup kemen Kasper-Möhme un Greten wedder rinne. De Harr Magister stünn æwersten up un säd, wat he beduren ded, dat de insonderheit verihrte Madame Pötten, wenn se dat üm sine bescheidene Person dan hadd, sick de Unmäuh namen hadd; wat em dat von Harten leed ded, dat he sick de tweete schöne Taß Koffi verseggen müßt; wat he noch bi anderweitige verihrte Mitglieder von de Gemeen in gleiche Amtszwecken sick de Ihr un den Nahmiddag nehmen müßt, un wat sin würdiger Gönner, Herr Kaptein Pött, woll weeten ded, wat Ansehn sin müßt un Ansehn gedenken ded, un wat he, de Magister, för em, Harr Kaptein Pötten, een recht günstiges Frühjohr för de Schepsfohrt verholfen ded, un kort un got, de Harr Magister empföhl sick de wierte Familige Pött so angelegentlichst as ganz ergebenst un kreg dat Geleit bet an de Husdör mit Knicks un Kratzfot, as dat Maneer wir.

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