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Kasper Ohm un ick

John Brinckman: Kasper Ohm un ick - Kapitel 20
Quellenangabe
typenarrative
booktitleKasper Ohm un ick
authorJohn Brinckman
publisherHamburger Lesehefte Verlag
addressHamburg
isbn3-87291-128-7
titleKasper Ohm un ick
pages3-11
created20000530
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1855
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Kasper-Möhme wir noch ne halw Stunn nahher, as de Krutschen all updragen würden, hel kortpustig, se fleigt sick un tröck un schöw so vel vör den Spegel mit de spitzen Fingers an de Fladdus mit de dree groten Moosrosen rümme, de von de Extrapost sick mächtig verbögt hadden, un dorbi säd se to Fiken, wat Stoffer-Ohm sin Fru wir: »Mein lieb süß Fiking! Du glaubst mich das man nich, was Kasping einmal den Kopf aufgesetzt hätte, das müßte mich da auch her, und wenn es auch noch so wäre. Und wenn er mich umgeschmissen hätte, denn wäre es nicht meine Schuld. Ich hätte mich so viel geängst't, davon wäre das Ende weg, und ich hätte mich davon solchen häßlichen Druck vor der Herzkuhle, – wenn ich man bloß nich davon meine alten Krämpfen wieder wegkriggte, denn schadete es aber Kasping auch gar nicht; ich hielte es mich wohl aus. Nähme aber Hanning Düvel, was Rossen seiner wäre, den Tod davon, denn wäre es überhaupt fraglich, was es ein Schlagfluß gewesen oder Kasping. Kasping müßte mich ja aber wohl wissen, was er mich täte. Kasping wäre mich einmal so, daß wüßtet ihr mich man leider nicht. Den könnte ich mich hukepack nach Rom tragen und man einmal unsanft niedersetzen, denn wäre es mich gleich nicht recht!«

Min oll prächtig Ollsch de müßt sick æwer so vel lachen, de hadd de Fohrt so vel Spaß makt. »Ja, Fiken!« röp se. »Wohr is dat, Kasper-Broder künn bi den Herzog öppelst Kutscher warden. Hett de uns æwer dor dörchbröcht, vörut dörch den Lambrechtshäger Dik! Ick müßt man flink de Been up de Rüggbänk stellen; ick dacht, dat Water würd æwer dat Schantdeck gahn. In min ganzes Lewen bün ick man een eenzigstes Mal so flink dörch Water kamen, un dat was, as Michel un ick noch Brutlüd wiren. Dunn nehm Michel mi mal mit nah Warrmünn in sin nige Slup! De ostliche Wind is ümmer falsch, möst du weten; un as wi dörch den Breetling mit vulle Smacken kitschten, dunn kem sonn ganz lütt Burr as 'n Nachtmütz grot an, un swapps! hadd wi dat halwe Boot vull, un ick wir as in 'n Handümdreigen bet an de Kneekehlen ruppe natt. Michel wir unter sick. Ick lacht em æver hell wat ut un säd: ›Ach, Michel, heww di man nich so! Sonn lütten Druppen Water den estimiert keen Seemannskind.‹ Ick müßt nahsten æwer doch bi Greten Podeißen Warnemünner Tüg antrecken, un dat stünn mi so fein, dat ick dat gor nich wedder uttrecken mücht. Dat is schad, dat Michel wedder up See is, sünst künn he mi dat betügen. He meent' dunn noch, wat ick as lütt Warnemünnersch so grall utsehg, he güng am lewsten glik mit mi nah den Preester, ha – ha – ha!«

»Na, na, lieb Ilsing!« säd dunn Kasper-Möhme un schüddt' den Kopp. »Werde mich man liebersten nicht allzu natürlich, und wenn wir noch unter uns wären! Du wüßtest mich woll: Kindesohr!« un dorbi twinkelt' se mit de Oogen nah mi un Gretenwäschen. Wi seten dor nämlich beid all up eenen Stohl vör dat Finster un hadden nah dat Veehhusendack ruppe keken, wo de Adebor grad sin groten Jungen mit Poggen fodern ded. Stoffer un Kasper-Ohm kemen dunn ok rinne. Stoffer hadd noch ierst 'n halwen Schepel Hawer för Rossen sin Pir inmäten hatt. »Wen wußt, wat de æwerall up den Landkrog in Doberan wat anners kregen hadden as ne Röp vull Heu, so'n Saunigel as Düvel was, dat künn he nich verantwurten!« hadd Stoffer seggt.

Wo nun nah sonne ansehnlech Motschon, as wi se hatt hadden, de rechte ansehnliche Gesundheit un de richtige Willen sick mit ne swibbendig vulle Schöttel vull handgrote Krutschen un langproppigen Rotspon, wur keen Farwergesell mit Bekbeeren æwer her west is, in een herzliches Invernehmen setten deit, dor kümmt denn ok so licht keen Kummer in, un wen sick dat noch nich versöcht hett, den günn ick dat, wat he dat mal deit, denn kann he ok dorvon nahseggen. Wi sett'ten üns to Disch, un nahst säd Stoffer-Ohm, wat he wünschen un hoffen ded, wo he Martini, wo he sick dat so denken ded, dat he sin Austköst gewen wull, – denn gew dat jo Gös un Aanten, un 'n Pölk künn denn ok all slacht't warden – de Ihr von de gesamte wierte Familige hebben würd. Afwisen let he sick denn nich, un denn künn Kasper-Möhme sick jo Gretenwäschen wedder mitnehmen, wenn se dörchut nich anners wull. Ihre gew he un sin Fru Greting æwer nich wedder her; bi de hadd sick dat Geblöt noch ümmer nich richtig sett't. Am lewsten behöllen se Greting ganz un gor bi sick, sonn fram lütt Aulamm as de wir. Un Kasper-Ohm säd donn:

»Stoffer! Broder! Ick will di wat seggen, Broder! Dorover lett sick reden. Beholl du de Deern so lange, Broder, ond sorge du vor eenen moigen Plusterschinken, stuw afhaugt ond nich onder tweeondtwintig Pund, ond for een Fohrwark brukst du denn, wat mi anbidröppt, nich to sorgen; ick nehm mi wedder Fohrmann Rossen sin Swartbrun ond Gelen ond fohr mi denn sülben. Dat hett mi so moi toseggt, Stoffer, segg ick di!« Un Christoffer-Ohm kek sinen Broder dorup an, as wull he to em seggen: »Dat is man god, dat ick keen Mietsfuhrwark holl!«

Gretenwäschen un ick wi freuten uns so vell dat wi mal wedder eens tosamen wiren, un lütt Greting vertrugt mi dat an, dat de Franzappels in den Barnstörper Goren all rip un plückt wiren un dat se 'ne ganze Matt för mi trüggstellt hadd, un de künn ick jo morn – Stoffer-Ohm würd uns den Abend doch nich furtlaten, dat hadd he all seggt – man mitnehmen; Fiken-Möhme hadd ehr dat verlöwt. Man so schön as de bewußten Zorenappels wiren se doch nich. – Dat letzte tuschelt se mi sachting int Uhr. Dunn würd ick doran denken, wat ick up den Landkrog eenen von de feinen Doberanschen Zuckerkringels för min Wäschen in Papier wickelt un in de Tasch steken hadd. Ick söcht dor nu nah un söcht dor nah, üm em Greting to gewen un ehr to wisen, dat ick ok an ehr dacht hadd; man de Kringel wir weg. »I, wo kann de oll Kringel man sin?« dacht ick dunn bi mi, un ierst den drüdden Dag besünn ick mi, dat ick em jo sülben ünnerwegs in de Angst verputzt hadd, as dat so hulter-kapulter dörch den Lambrechtshäger Dörpdik güng.

Wi blewen nu de Nacht in Barnstörp. Stoffer-Ohm hadd dor nu eenmal sinen Kopp dorup sett't, un Kasper-Ohm gew sick. Den annern Morgen nah dat Frühstück führt Hanning Düvel mit den Gelen un den Swartbrunen vör. He säd æwer keen Wurt nich von Piphacken un Hahnentritt to mi, as wi afzuckelten un ick bi em up den Buck set; man wenn he mi ankek, denn sehgen sin blotrünstigen Brassenogen likster Welt so ut, as seten dor twee Häktangelhakens achter, wur se sick all an half utdreigt hadden.

Bün ick æwerst mal recht in minen Lewen vergnögt west, denn so wir dat nahst up de beseggte Austköst. Gretenwäschen hadd nu all wedder mihre Klür ünner de Branen un hadd richtige Plusterbacken, un dor dat nu so god mit de undöfft un nich upseiht Melk bi ehr anslög, so süll se man lewer glik noch den Winter æwer bi Stoffer-Ohm bliwen. De Landluft dor güng nix æwer, un in dat fett Vierteljohr ierst recht nich, un de frischen Eier, de würden dor ümmer toierst leggt. »Un so'n frisch Ei ut dat warme Nest morgens up de nüchtern Mag«, hadd Friken-Möhme to Kasper-Ohmen seggt, »æwersten regelmäßig un denn middags so'n halw Pund Schinken achterher, dor is mihr Sinn in as in Dokter Zipollen sin ganze Klistiersprütt un de gesamte Hirschapthek mitsamst den Proviser, un wo dat nich ansleiht, Swager, glöw du mi dat, dor is keen Hülp an, un wenn een Engel von den Hewen dalstiggt un sick as Aptheker un Dokter sett't.«

Dat wir jo nu begriplich bi minen Öhme in Barnstörp den helen Dag eitel Fülle und liebliches Wesen, un mi wir so moi to Sinn as den Esel op den Plummenbom; un as nahsten dat Danzen losgüng, dor let ick min lütt Wäschen ok nich eenen Ogenblick ut de Hand un danzt mit ehr de hele Nacht dörch un een rundes Lock in min Schohsahlen. Vel spraken würd dor nich bi; man alle Ogenblick nickt ick ehr mit den Kopp to, un wenn se mi denn so schelmsch mit ehr grellen Ogen ankek un mi wedder tonicken ded, denn wir mi so woll to Mod', as wenn mi in 't Lotto man noch een eenzig lütt Nummer an de söß fehlen ded, un denn wir ick vull.

De Blick is mi æwer min Lewen lang nich wedder ut den Kopp kamen, mit den Greting mi in de oll Marigenkirch ankek, as ick von den Herrn Diakonussen de negsten Ostern konfirmiert würd. Ick wir dunn all an dat Buttenn von min föfteihnst un se dunn grad vierteihn Johr un sæben Wochen. Ich süll den annern Dag mit den »Emanuel«, Kaptein Bradhiering, in See un dat ok glik in dat Kattegat, un dunn kek se mi so iernsthaftig un so indringlich un doch so fründlich an, as wenn se to mi seggen wull: »Na, nu do mi æwer ok de Lew, Andreeßing, un verget mi den iersten Petri fiw, fiw nich!«

De gesamte wierte Familige wir nämlich mit in de Kirch un nahsten bi üns to Middag, un de Barnstörpers ok. Dat wir jo min Ihrendag. De Stimmung wir æwerall sihr iernsthaftig. Vel spraken würd æwer Disch bi min Ollen nich, un glik nah den Koffee führt ok all den Barnstörper sin Bänkwagen wedder vör, un donn säd Christoffer-Ohm to mi.

»Na, Bengel, denn schick di ok, un wenn du nahsten so wit büst, denn reed ick di 'n Sößteihnstel, dor hest du min Hand up!« Oll Mæhne-Tanten stök mi stillswigens 'n lübsches Markstück in de Hand. Kasper-Ohm hadd mi in de Kirch un æwer Disch scharp up den Kiker namen hatt, æwersten nix seggt. As æwer Christoffer-Ohm mi de Toseggung makt hadd, dunn wir de Gelegenheit för em dor, un dunn säd he:

»Wat ick dermaleens don do, Jonge, dat steiht dorhen! Man dat ick wat don do, dat steiht nich dorhen, ond wann der Accidenz ierst dor is, denn so bün ick ok dor, ond nu sorg Er sülben for der Accidenz, Jonge!«

Und donn müßt Kasper-Möhme ok noch ehren Semp dorto gewen: »Wenn mich dich die bösen Buben locken, dann folge mich ihnen man liebersten nich, lieb Andreeßing! Du wüßtest mich woll, wie viel ich mich immer von dir gehalten hätte, und wenn du mich vertrinken solltest, denn vergiß mich man nich, wie gern ich dich immer alles gegönnt hätte!«

Gretenwäsching gew mi æwer noch 'n Signal mit ehr Taschendok, as de Barnstörper Bänkwagen baben üm de Strateneck bögen ded. As wi nahsten alleen wiren, dor säd min Oll to mi:

»Du hest nu de Slüngeljohren achter di, Andrees! Dat ick Bradhieringen nich æwer di klagen hüren do, dor richt di nah!« Un dorup kreg he sinen Näsenkniper un de Affisen vör.

Min Ollsch nehm mi æwersten nah de Achterstuv rinne, un dunn woll se mi ok wat seggen, man se kreg dat nich rut, un as de Rührung se dunn æwerkamen wull, donn brök se kort af: »Na, Kind, du versteihst mi ahn Würt! Un nu tell mi din Seestrümp in din Seekast mal to!« Und dor müßt se jo den Kopp bi dal bögen, un dor sehg ick dat man, wat ehr de hellen Tranen man ümmer so piplings æwer de Back nah de Seekist mit rinne un up den Deckel von ehr eegen Gesangbok föllen, dat se baben up min Busseruns all mit inpackt hadd.

Nahsten tröck ick mi min Pijäcke an un güng nah 'n Strann dal nah de oll Ballaststäd hen. Dor dröp ick mit min goden Frünn Vogel Strauß un Hans Holtfräter tosamen. De waren ok den Dag konfirmiert worden, Vogel mit mi, un Hans an Sankt Jakobi. Hans würd ok Seemann un güng mit Jochen Jenßen. Vogel hadd æwer 'n Rop an dat Witte Kolleg annamen, as he säd, de würd Stiefelfuchs, as sin Oll ok wir; to See güng he ok jo am lewsten, man dat he sinen Ollen to Hand gahn un furtst Geld verdeenen müßt. Un dorup güngen wi tohop üm den Wall rümme bet nah den ollen Dwinger vör dat Steendur un wedder trügg, Hans un ick mit den richtigen Schiemannstritt, een lüttes Priemtje achter de Kusen, Vogel æwer mit minen Ollen sinen afleggten Kastorhot up 'n Kopp, den min Oll upschostern laten un Vogeln to sin Konfirmatschon schenkt hadd, un eenen allmächtigen Blomenstruß vör de Bost, seelensvergnögt, un dorto fleut't Vogel uns noch eens vör, ierst as 'n Stieglitsch un nahst as 'n Kanarjenvagel un toletzt liksterwelt as 'ne Nachtigall.

Den annern Dag leg de »Emanuel« all ünner Moen un tackt' för 'ne forsche Nurdnurdwest, un ick hadd mi all dreemal spigen müßt, so'ne bannige See stünn dor. Ick wir ok glik een rundes Johr fuurt, ierst nah Hartelpool un dunn von dor nah Zette un dorup nah Opurto, un in Antwerpen legen wi den Winter æwer; un as wi dunn wedder vör Warrmünn Anker smeten, wir richtig Ostern dor un sehg ick dat mit an, wo Gretenwäschen insegnet würd. Ick wir 'n halwen Kopp grötter worden, un min beiden Hänn de gewen minen Öhme sin Ballastschüffeln nich vel mihr nah. Greten wir nu nich länger in Barnstörp. Hadd sick de æwer wedder rutemakt! Man sünst wir se noch ganz so as sünst gegen mi, tovertrulich, as wir se min Süster, un künn sick nich nog wunnern, wo anners mi dat nur let: ick kreg jo woll all Dunen ünner de Näs'.

Un as wi bi Kasper-Ohmen nahsten von Disch upstünnen, dunn nehm se mi bi Sit un wies't mi een feines Stammbok, dat hadd se von Mæhne-Tanten to Wihnacht kregen, un dor hadd sick noch nüms nich inschrewen, wil ick de ierst sin süll. Un dunn besünn ick mi ok nich lang. In de Accidenz, as min Uhme säd, wir ick un schrew ehr noch den süstigen Nahmiddag in uns' oll Achterstuw mit de feinste Fraktur un vier saubre Vergißmeinnichten, jede fein üm een Anker rümme tekent, in de Ecken, up dat vörletzt Blatt:

»Symbolum: Höltendrætick – Zarenappels – Anna Maria Sophia –

Ich halte an dir fest
Wie ein Vöglein an sein Nest,
Wie ein Menschenkind an Erden,
Ich denk, wir werden Ehleut' werden.

Motto: Morgen, will's Gott, in Kopenhagen!«

Minen Namen schrew ick æwer nich unner; se kennt jo min Handschrift. Sülben mücht ick dat Greting æwer doch ok nich gewen, dat scheniert' mi doch, un so stök ick dat Stammbok vorsichtig in dat Futteral un slög dat in Schriwpapier un sieglt' dat mit dree Siegels to un addressiert dat an »Ihre Wohlgeboren Mademoiselle Margaretha Pötten allhier«, un æwergew dat Durick Peyßen den Abend vörher, ihre ick wedder mit den »Emanuel« in See güng, un dat wir dree Dag' dorup, denn de »Emanuel« leg noch mit Ballast up de Reed un hadd Order nah Kopenhagen för 'ne Fracht to lopen.

As Unkel Andrees sin Schiemannsgoorn so wit afwickelt hadd, dunn slög de Klock baben up den Marigenturm teihn, un de Nachtwächter unnen an de Strateneck füng an to kreigen.

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