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Kasper Ohm un ick

John Brinckman: Kasper Ohm un ick - Kapitel 10
Quellenangabe
typenarrative
booktitleKasper Ohm un ick
authorJohn Brinckman
publisherHamburger Lesehefte Verlag
addressHamburg
isbn3-87291-128-7
titleKasper Ohm un ick
pages3-11
created20000530
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1855
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»Je wat wull he nich!« füng oll Unkel Andrees wedder an. »Un as de Predigt ut wir un wi de Koßfellerstrat wedder dalstüerten, donn ret ick min Ogen noch wider apen, as ick dat sehg, dat Eikater mit minen Öhme nah den sinen Süll ruppe steg. »Wat kann dit eenmal up sick hebben?« säd ick to mi.

»Nu geh mich man rein, Eichachen!« säd Kasper-Möhme, »Un du, Greting, lauf man flink zu Dürting in die Küch, was sie mich auch all den großen abgerührten Klump artig ins Kochen hätte. Adjes auch, lieb Ilsing, Adjes auch! Wir hätten heut 'n kleinen Kalberbraten an 's Spitt, lieb Ilsing, und Sega in Franzwein als Vorspeis. Du hättest mich ja woll wieder man 'n Stück Rindfleisch von Frau Bucken ihre Molje, wassing? Na, geh mich doch man rein, Euchaching! Na, Adjessing auching, lieb Ilsing!« Un dormit schüdd't Kasper-Möhme den Kopp un twinkelt' mit de Ogen un steg Gretenwäschen un Eikater nah in dat Hus rinne.

Ihre Kaspar-Ohm se æwer nah güng, dreigt' he sick vull nah mi üm un röp mi to: »Hör Er, Jonge! Ick will Em wat seggen, Jonge! Wer Maneer hett ond dornah geiht, der kriggt dor ok wat von af; alleen æwersten, wer keen Maneer hett ond dor nich nah geiht, der kann sick achterher dat Mul mit dat Schötteldok wischen ond sick gehuursamst wat prosten laten. Versteiht Er mi?«

Na, min Olsch verklort mit dat jo nu, wat dat mit Eikater up sick hadd. De Herr Professer hadd nämlich to Micheli 'n Rop nah Greifswald von wegen de Eloquentsch kregen un wir dorup acht Dag' mit de Fru Professern henreist, üm sick dor to präsentüren un to glike Tid nah de Wahnung ümtodohn, un so hadden se denn so lang Eikatern bi Kasper-Ohmen fründnahwerschaftlichst up den Lepel gewen; kosten ded se dat nix, un Kasper-Ohm hadd sick dor babenin noch ne grot Ihr ut makt, un Kasper-Möhme hadd seggt:

»Aus das bischen Essen mach ich mich nichts, werteste Frau Professern! Das komrnt mich jo doch man in die Dranktonn, und das holt sich nachher doch man Hantelmannsch ab, was mich immer bei die große Wasch und auf die Bleiche helfen täte. Das täte ich mich jo nich mehr als gerne, werteste Frau Professern! Da käme uns das jo gar nich auf an; das nehmen Sie sich man nich so zu Herzen, mein Seeling. Sweine hielten wir jo nich und machten wir jo nich fett.«

»Un du sülben«, säd min Ollsch, »dedst am besten, wenn du ok man glik rümmegüngst nah Kasper-Ohmen un dormit förleew nehmst. Du hest jo hürt, wat dor an 't Spitt is. Grot anrichten do ick hüt nich; dor bün ick nich nah in de Stimmung. Vatting is in See, weeßt du; un denn is dor æwerall keen Ursak nich to Rösten un Kösten, un is dat ok teihnmal 'n hogen Festdag. Dor is noch dat bäten Hartslagsupp von Fridag in dat Fleegenschapp; dat mak ick üns warm, denk ick. Ore wist du nich leewer rümmegahn? An 'n schicklichen Vörwand fehlt di dat jo nich, Andrees! Dor liggen de Affisen, de nimmst du rümme. Rutesmiten ward Kasper-Ohm di nich, un blöd' Hunn' warden nich fett, min Sæhn!«

Ick würd nahdenklich un æwerläd mit den Fall. Upwarmt Hartslagsupp? hum! – 'n afrührten Klump, roden Sega in Franzwin, Kalwerbraden? hum! – un denn noch viellicht 'n lübsches Markstück achterher? hum! – Ick säd also keen Wuurt, nehm stillswigens de Affisen un dat nah Kasper-Ohmen rümme!

»Also Er geiht dor doch nah!« säd min Öhme, as ick rinne kem. »Wo ick dat mi nich dacht heww! Denn kriggt Er dor ok wat von af. Am Enn kriggt Er doch noch Maneer, Jonge!«

»Süh mal einer mich an, Andreeßing!« säd min Möhme un twinkelt' mit de Ogen. »Büst du mich auch da, Kinting? Ungebeten Gästen hören mich eigentlich, ich will nich sagen wo. Na, dat is mich man schön, daß du auch da wärest. Hättest du mich auch die Beine gut an die Matte baußen abgepeddt? Du hättest mich immer so viel Müll an deine Sohlen, Kind, gänzlich abgesehen von Pick und Teer; ich weiß nich, wo du mich das man immer herbringen tätest. Da kuck mich mal Euchaching an!«

Dit tröck mi jo nu mächtig in de Kron, dat min Möhme mi so spitz kem; man ick slök dat in mi dal und säd to mi: »Na, töw man, dorför sall ehr dat Afrührt nahsten Bescheed seggen!«

Donn nehm æwersten Kasper-Ohm min Partie. »Wat seggst du dor, Fru? Ungeladen Gasten, seggst du? Wurans ungeladen Gasten? Ick heww den Jongen dor seggt, wat wen dornah geiht, wat der dor ok wat van kriggt. Nu hett der Jonge mal den Verstand hatt ond is dornah gahn, ond nu kriggt er ok wat dorvan af. Ond nun will ick di wat seggen, Greten! Nu halst du mi noch eenen Salvijetten ond deckst em for den Jongen; ond wenn der Jonge ok negenunnegentigmal eenen muurdverbrannten Rebeller is ond nich lang dornah henkickt, wat er in den Teer peddt oder wat er dor nich in peddt, min Süster Illschen ehr Jonge is er, ond min Süster ehr Jonge bliwwt er, ond all dat anner is mi man Fromaschi, as der Hollander seggt, oder seggt dat der Franzmann? Ond mit nah de Kunstrüders geiht der Jonge nu ok, wann ick mit Eikoariwussen ond Greten dor morn nahmiddag noch hengahn do!«

»Na, denn wird mich jo woll das nich anders«, säd min Möhme un schüddt' mit 'n Kopp. »Denn schrenkel mich aberst auch nich wieder so die Beinen um den Stuhlfüßen, Andreeßing, un nimm dich hübsch mal ein Beispiel an Eichaching!«

»Ja, wann Er sick dor sonn Exemplor an nehmen wull, Jonge! Dat heww ick all ümmer seggt, dor bün ick ok mit inverstahn – ond wann Er sick de Eloquentschen sonn beten to Kopp stigen laten mücht, as Eikoarivus«, säd min Ohme. Man dat Er dat nich will ond dat Er dat nich deit, dorto hett Er nich nog van dat Pöttsche Blot in de grot Arterige van dat Occiput«. Eikater kek mi indes ganz ängstlich an, un as wenn em dat teihnmal leewer west wir, wir ick teihn Milen dorvon west. He hadd jo woll de grot Wasch up den Marigenkirchhoff noch nich vergeten, de ick mit em anstellt hadd. As he æwerst so kläglich un still dor set un so fram un in sick tosamendukt, as sonn lütt Windspill, wenn so'n grot Kädenräkel, as ick donn wir, bi em rümsnückert, un as ick dat sehg, wur kläglich dat doch man mit de Todaten bestellt wir, de he von Vaderswegen mitkregen hadd, donn säd ick to mi: »Nee, den deist du nix wedder, dat 's jo keen Kunst nich, wenn du den æwerwarst un ünnerkriggst!« – un donn güng ick to em un gew em de Hand un säd: »Wes man nich bang', Eicha! Ick do di nix mihr; un wenn di wen wat dohn will, denn kannst du dat mi man seggen, denn bün ick din Bistahner.«

»Kann sin, dat der Jonge doch noch Maneer kriegen deit, de Mæglichkeit is dor«, säd donn Kasper-Ohm, as Dürten Peyßen grad den Sega in Franzwin updrägen ded, un Gretenwäschen kek mi mit ehr grallen Ogen so fründlich an, as wull se seggen: »Dat nehm ick di got, Andrees!«

Dat beten Mund vull Eten was jo nu so got, as dat jichtens warden künn. Dürten Peyßen verstünn sick dorup, un dor ick nu doch eenmal Kasper-Ohmen de Ihr andan hadd un bi em förleew nehm, so let ick dor jo ok keenen Kummer nich in kamen, so dat Kasper-Möhme mi tweemal scharp dorup ankek un to mi säd:

»Kinting, Andreeßing! Ich bitte dich, du überissest mich dich noch! Nich als ob es dich nich gegönnt wäre; ich gönnte dich das jo gerne! Man das kann mich jo nich ausbleiben, daß du mich noch die Magenkrämpfen kriggst, und dann mißt mich dein Mutting am End noch die Schuld davon bei. Du büßt mich jo woll ausglasürt und hast mich jo woll keinen Bodden nich. Euchaching is mich nich so; Euchaching weiß mich woll, was sich schicken täte un was anständig wäre.«

Min Trummelfell wir æwersten grad in dissen Punkt vel to dick für sonn zoorten Knüttelsticken, dor gew dat keenen Ton nich up an, as Stadtpiper Kihrhahn in Wismar sin een Pauk, wur ok ümmer ierst mit 'n isern Hamer up losbækert warden müßt, süll de wat von sick hüren laten.

Un Kasper-Ohm, de, markt' ick, günnt' mi dat; denn de langt' mi den Bradentöller un den Schüpott tum drüddenmal her un säd to sin Fru:

»Fru, der Jonge is eenmal dornah gahn, der Jonge kriggt dor ok wat van af, un nu kümmt er ok noch mit in der Menascherie.«

Hadd Kasper-Möhme nich den lütten ingedrögten Kopp mit de lange, hoge un spitze Näs schüddt, denn füng se nu an, em to schüdden.

»Vor meinswegen man immer zu, Kasping!« säd se. »Vor meinswegen nimm ihn mich auch man noch mit in die Wachsfiguras; das wären mich denn schon drei Markstücken. Erste Rang gehst du mich jo doch, und auf Geld käme es dich jo nich an. In die Affisen steht mich jo noch weit mehr, was es allens am Strand zu sehen gäbe und was allens Geld kosten täte; vor meinswegen könntest du Andreeßing jo recht gern in allens mitnehmen, was dich man gefiele. Hollanndsche Waffels wären da ja woll auch noch. Wo doller, wo besser! Und mich täte es jo ganz recht sein, und wenns du Andreeßing einen doppelten Hollanndschen zugedacht hättest, mich schlüge da jo keine Ader nach, nee, mich nich, mich ganz gewiß nich! Auf doppelte hollanndsche Dukaten käme es dich ja nich an, wenns du man deinen Willen kriegtest.«

Dunn led æwersten Kasper-Ohm sin Metz un Gabel dal un kek Kasper-Möhme mit eenen penetranten Blick an, scharp as 'ne Packnadel un as wir ehr Seelensack so schamfilt, dat dor 'n düchdigen Flicken upsett't warden müßt:

»Du nimmst mi dat Woort ut den Mond, Fru!« säd he. »Wann ick mit Euchoarivussen nah de Figuras gah, dann geiht mi der Jonge ok mit, ond wann ick dat for got estimeer, wat Euchoavirus in de Panoram mitkamen deit, ond bi Mynheer van der Plömerstaken Waffels ett, dann so geschüht dat, ond dann so ett der Jonge ok weck, ond ob dat een mihre oder æwersten een weniger is, dat is mi Fromaschi, as de Hollander seggt, oder is dat der Franzmann? Ond wann ick den Jongen eenen duwwelten Hollanndschen todacht hadd, wat sin kann, wat æwersten ok nich sin kann, dann so kriggt er eenen, ond wann dor ok Holland in Not över kem un Pankrott maken müßt, kriegen ded der Jonge em denn doch, ond wann dat der letzte in der Welt wir, denn so kreg er em doch. Der Jonge hett Maneer hatt, ond nu kriggt er ok noch een Glas Win to den Braden, denn wen dornah geiht, der kriggt dor ock wat van. Greten, stah mal up, Greten, ond segg Duricken, se skall mal eens een Boddel van den roden Langproppen ruppehalen, ond hier hest du den Slætel to de Winbuurten in den Achterkeller.«

»Dunner Narren!« säd ick to mi. »Geiht dit man noch een Viertelstunn so fuurt, denn ward dat Läuschen von den Dukatenkacker wohr.« Man Kasper-Möhme begrep sick; dat mücht ehr sur nog ankamen, man se begrep sick; man dat Rot von ehr Backen, dat set all in ehren Gewel, so dat de Näsenspitz utseg as ne Blotwust, de in 'n Rok sall. Se sweg nu still, æwer dat Koppschüdden un Ogentwinkeln dat güng nu so flink as 'n Warbel up ne Trummel un 'n Triller up de Fläut, un as se bi den groten Afrührten an to sniden füng, donn würden de Stücken duwwelt so grot, so flögen ehr de Finger in die fleegende Angst, dat Kasper-Ohm sick den iersten duwwelten Dukaten för mi tüm Pingstmarkt afbängen un dat dat denn tüm Dörchfall mit em kamen un de güllen Ader dorbi breken künn.

Ick mücht jo natürlich minen Öhme nich argern, denn he stünn mi neger in dat Blot as Kasper-Möhme, un so güng ick denn ganz in Kasper-Ohmen sinen Geist in un et em to Leew so vel von den Afrührten, dat Kasper-Möhme eenen flehentlichen un rührsamen Blick gen Himmel smet, as ob se in sick sülben rinne beden ded: »O du großer Vater im Himmel, vergib mich ihm, er weiß mich nich, was er täte!« un dorto drünk ich min twee Spitzgläser von den moigen Rotspohn mit sonne Gewissenhaftigkeit ut, dat ick eegentlich noch een drüddes dorför verdeent hadd un dat min Pflichtgeföhl sülben Prost! to mi säd, as wi von Disch upstünnen. Man as ick dünn sülsten ok min Möhme eenen gesegneten Prost wünschen un 'n Kratzfot dorto maken ded, donn künn se dat doch nich laten un säd to mi: »Wann dich das man so gut bekäme, Kinting, as ich dich das gerne gegönnt hätte, denn müßt ich die Wahrheit nich die Ehre geben, und denn tätest du mich groß Unrecht, Andreeßing, und das tätest du mich jo woll nie, so artig as du mich immer bist, wenn auch dein lieber Onkel meinen täte, was deine Manieren nich immer so wären, mein Liebing!«

Na, Kinnings, dat weet ji ok all recht got: de Löwens sünd jo nu ümmer großmütig un lammfromm, wenn se sick richtig satt freten hewwen, un dat hadd ick jo nu. Dat ick nu ok 'n beten nett gegen Eikatern sin müßt, dor he minen Öhme sin Gast wir un ick mit em to Disch seten hadd, so dumm wir ick nich, dat ick dat nich insehg, un so ballstürig ok nich, dat ick mi dor nich 'n lütt beten nah hadd hewwen un schicken süllt. Dorto noch klüng mir dat rechte Uhr as dat feinste lübsche sülwerne Markstück. A hadd ick jo all to Eikatern seggt, un dat B seggen is denn so sur nich; un so brukt' mi dat gor nich ierst lang an de Hand gewen to warden, so föddert' ick denn Eikatern von sülben up, mit mi nah den Strann hentogahn un mal totokiken, wat dor all wat los wir. Oll lütt Eikater wir ok glik dorto bi de Hand, ick mücht em nu Tovertrugen makt hewwen; un dunn wull jo nu Gretenwäschen ok mit. So seilten wir denn mit Kasper-Ohm sin Gotheeten to Strann an.

»Bring Er mi Eukoariwussen ond de Deern ok wedder heel an dat Hus!« röp Kasper-Ohm mi ut dat Finster nah. »Hört Er, Jonge! Dat se mi nich overseilt warden ond kapzeißen, versteiht Er mi, Jonge? Ond dat Er mi dat Kargo in de sülwige richtige ond gode Konditschon nahsten wedder löschen deit, as de Konnossementen beseggen. Ond denn hol Er sick ut dat Fohrwater van de Riffpiraten up der Ballaststäd, hört Er! Oder Er ward keelhalt, wann Er Haben binnen kümmt, ond van de Keelspant bet nah dat Schantdeck rupper verkalfatert ond teert, versteiht Er! Der Teerquast steiht in der Eck!«

»Well, well! Kasper-Ohm, dat sick dat versteiht!« röp ick, un dormit peekten wir af.

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