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Kapitän Mansana

Bjørnstjerne Bjørnson: Kapitän Mansana - Kapitel 3
Quellenangabe
typenovelette
authorBjörnstjerne Björnson
booktitleAuf Gottes Wegen ? Kapitän Mansana
titleKapitän Mansana
publisherMitteldeutsche Verlagsanstalt Lehmann & Fink
seriesBjörnson - Ausgewählte Werke
volumeErster Band
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.net
created20070827
projectid391868d1
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III.

Als Giuseppe Mansana die Gebeine seines Vaters zu deren Ehrengrabe geleitete und dabei aussah, als möchte er über den Leichenwagen springen, stand sein Herz – bald sollte es sich zeigen – in seiner ersten flammenden Liebe. Noch denselben Abend bestieg er den Eisenbahnzug, welcher nach Ancona, seinem Aufenthaltsort, führte; denn hier lebte sie und nur ihr Anblick vermochte das Feuer zu dämpfen, welches ihn verzehrte.

Er war in ein Weib verliebt, dessen Natur der seinigen ähnelte, ein Weib, das man erobern mußte, ein Weib, welches selbst schon Hunderte erobert hatte, ohne selbst erobert zu werden, ein Weib, von welchem ein liebestoller anconaer Dichter gesungen:

»Ich liebe dich, du brauner Teufel,
Dein Flammenlächeln, dein Traubenblut;
Ich glaub', in deiner Schönheit schimmert
Ein Funke aus der Hölle Glut.

Ich glaube, daß der ew'ge Wechsel
In Laune, Blick und des Wesens Glanz
Nur Satans rastlos Gaukelspiel ist, –
Des Lachens Locken, der Augen Tanz.

Das glaub' ich, Schöne! Doch viel eher
Dich lieben und in Glut vergehn,
Als schlummern in der Tugend Armen
Und langsam dem Grab entgegengehn.

Ja, lieber dich, du des Lebens Kön'gin
In unergründlicher Majestät,
Und brächtest du Tod mir, du dunkles Rätsel,
Als Glück, das der erste Blick schon errät.«

Sie war die Tochter eines östreichischen Generals und einer Dame, welche einem der edelsten Geschlechter Anconas angehörte. Es weckte seiner Zeit viel Groll, daß ein Sproß dieser Familie den Führer der verhaßten fremden Besatzung heiraten wollte.

Noch vermehrt wurde womöglich der Unwille durch den Umstand, daß er nahezu ein Greis und sie achtzehn Jahre alt und sehr schön war. Aber die unermeßlichen Reichtümer des Generals mochten sie verlockt haben; denn sie saß in tiefer Armut mitten in ihrem herrlichen Palaste, – was in Italien gerade keine Seltenheit ist. Der Palast des Geschlechtes bildet nämlich oft ein Fideikommiß, welches der jeweilige Inhaber nicht immer in stand halten kann. Ungefähr so lagen die Verhältnisse auch hier. Es mußte aber doch noch etwas anderes im Spiel gewesen sein, als der Reichtum des Generals; denn als er, kurz nachdem ihm eine Tochter geboren worden, starb, betrauerte ihn seine Witwe in vollständiger Zurückgezogenheit. Nur die Kirche und ihr Beichtvater sahen sie. Die Freunde, mit welchen sie gebrochen, als sie heiratete, die sich's nun aber viel Mühe kosten ließen, wieder in die Nähe der schönen und steinreichen Witwe zu kommen, die Freunde floh sie.

Mittlerweile wurde Ancona italienisch, und vor den Festen, den Illuminationen, dem Jubel floh die Witwe noch weiter fort, nämlich nach Rom, und ihr Palast in Ancona sowie die Villa am Meeresstrand lagen, ein stummer Protest, versperrt und verödet da.

Allein in Rom schlug die Fürstin Leaney den schwarzen Schleier, ohne welchen sie seit dem Tode ihres Gemahles noch niemand gesehen, beiseite, öffnete ihren Salon, in welchem sich nun die Spitzen der päpstlichen Herrschaft versammelten, und verschenkte alljährlich schwere Summen sowohl für den Peterspfennig als für andere kirchliche Zwecke. Das eine wie das andere vergrößerte nur den Haß, welchen man in Ancona gegen sie nährte und welcher durch die Anhänger der liberalen Partei auch nach Rom verpflanzt wurde, – und sie konnte, wenn sie in all ihrer Schönheit und Pracht mit ihrer kleinen Tochter auf dem Monte Pincio spazieren fuhr, diesen Haß selbst in allen Blicken sehen, welche ihr anconaer Bekannte und römische Unbekannte zuwarfen. Sie trotzte diesem und fand sich nicht nur regelmäßig auf dem Monte Pincio ein, sondern ging auch wieder nach Ancona, wenn die Sommerhitze sie aus Rom vertrieb. Sie eröffnete wieder ihren Palast und ihre Villa und bewohnte die letztere besonders der Bäder wegen. Sie ging und fuhr durch die Stadt zu ihrem Hause oder nach der Kirche, ohne je zu grüßen oder gegrüßt zu werden; allein trotzdem machte sie täglich dieselbe Tour. Als die Tochter heranwuchs, ließ sie dieselbe in Schauspielen und lebenden Bildern bei jenen Abendunterhaltungen auftreten, welche die Geistlichkeit der Stadt unter dem Schutze des Bischofs arrangierte, um auch in Ancona für den Peterspfennig zu sammeln, und so groß war des Kindes Schönheit und der Mutter Anziehungskraft, daß gar manche hingingen, die sonst es unterlassen hätten.

So lernte die Tochter den Trotz von der Mutter, und als sie vierzehn Jahre alt, dieselbe verlor, so setzte sie ihn für eigene Rechnung und mit der ganzen Übertreibung fort, zu welcher Jugend und Mut unwillkürlich verleiten.

Bald sprach man von ihr mehr als je vorher von der Mutter und ihr Ruf erhielt einen weiteren Umfang. Denn in Gesellschaft einer älteren Dame, die sie zu sich nahm, einem steifen, zierlichen Möbelstück, welches alles sah, doch von nichts sprach, streifte sie in fremden Ländern, von England bis Ägypten, umher, allein stets derart, daß sie den Sommer in Ancona und den Herbst in Rom verbrachte.

Auch diese letzte Stadt wurde endlich italienisch: doch die junge Fürstin hörte darum nicht auf, durch ihre Lebensweise jene herauszufordern, welche nun die Herrschenden geworden und welche alles aufboten, um das schöne reiche Weib zu gewinnen. Ja, man versicherte sogar, daß mehrere junge Edelleute sich verpflichtet hätten, sie zu gewinnen oder sie zu demütigen. Ob dies nun wahr ist oder nicht, sie glaubte es. Sie lockte daher jene, welche sie in Verdacht hatte, an sich und stieß sie dann ohne Barmherzigkeit weg. Sie machte sie toll, erst vor Hoffnung, dann vor Enttäuschung. Sie lenkte auf dem Korso und auf dem Monte Pincio eigenhändig ihre Pferde; triumphierend fuhr sie daher, die Bezwungenen alle an ihre Deichsel gespannt, – nicht gerade so, daß jeder es sehen konnte; allein sie sah es, weil sie es fühlte, – und jene fühlten es mit.

Vielleicht hätte man sie umgebracht oder ihr noch ärger mitgespielt, wenn nicht zu viele sie bewundert und trotz allem um sie herum gleichsam eine Leibwache beständiger Anbetung gebildet hatten. Und zu dieser Leibwache gehörte auch jener Dichter von vorher.

In Ancona wurde sie besonders für die Offiziere der Gegenstand heimlicher Hoffnung und offenen Hasses.

Gerade um die Zeit, in welcher Giuseppe Mansana mit seinen Bersaglieri hierher versetzt wurde, war die Fürstin auf etwas neues verfallen. Sie weigerte sich nämlich standhaft, die Gesellschaft zu zieren, welche sich abends auf dem Korso versammelte, um bei Mond-, Sternen- und Gaslicht daselbst zu promenieren – die Damen in Balltracht, mit dem Fächer, den sie so wundervoll zu gebrauchen verstehen! – die Herren nach der allerneuesten Sommermode oder in Uniform, auf und ab, ab und auf schwärmend, begegnend, lachend, sich um Tische sammelnd, an welche sich einige Damen gesetzt hatten, um Kaffee und Eis zu genießen, dann von diesen wieder weg zu anderen, oder sich selber niederlassend, während ein Quartett ertönte oder wandernde Musikanten mit Zither, Flöte und Guitarre eins aufspielten; – Teresa Leaney weigerte sich standhaft, die Pracht, die Neugier, das Vergnügen, die Vornehmheit dieser täglichen Ausstellung zu vergrößern: – vielmehr hatte sie beschlossen, dieselbe zu stören.

Um Sonnenuntergang, wenn die übrigen Equipagen heimkehrten, da fuhr sie aus. Mit zwei ungewöhnlich kleinen Pferden, sogenannten Korsikanern, welche sie sich diesen Sommer angeschafft und wie gewöhnlich allein lenkte, fuhr sie im Trabe durch die Stadt. Nun, wenn der Korso erleuchtet war und die Begegnungen begannen, die öffentliche zwischen den Familien und ihren Freunden; die verstohlene zwischen dem jungen Mädchen und ihrem Freier; die stille zwischen dem Müßiggänger und seinem Schatten; die seufzerreiche zwischen dem Verliebten und seinem Vertrauten; die kurze zwischen dem Offizier und seinem Gläubiger; die ungemein höfliche zwischen dem Beamten und seinem Vorgesetzten, den er zu beerben hoffte, – gerade wenn die jungen Damen ihre neuen pariser Toiletten zweimal gezeigt hatten, d. h. bei einer Tour aufwärts und einer Tour abwärts, und der bewundernde Commis über die Einleitung hinausgekommen war, und die Offiziere ihren ersten Kritikerhaufen gebildet und der Adel sich niedergelassen hatte, um Cour zuhalten; – gerade da sprengte das junge, übermütige Mädchen an der Seite der alternden steifen Freundin mitten in die Schar hinein! Die beiden kleinen Kinderponies liefen im schnellsten Trab und Offiziere und Fräulein, Adel und Kaufleute, Familiengruppen und flüsternde Paare stoben auseinander, um nicht überfahren zu werden. Eine Reihe von Glöckchen am Riemzeug der Pferde rief ja schon von ferne ein »Aufgepaßt!«, so daß die Polizei nichts zu sagen hatte, – desto mehr aber jene, welche die Fürstin zwiefach beleidigte, – erst durch ihre Abwesenheit, dann durch ihre Anwesenheit!

An zwei Abenden war Giuseppe Mansana auf dem Korso gewesen und beidemale war er fast überfahren worden. Eine solche Dreistigkeit hatte er niemals für möglich gehalten. Da erfuhr er auch, wer die Dame sei.

Am dritten Abend, als Teresa an der gewohnten Stelle dicht vor Ancona die Pferde trinken und rasten ließ, um dann den Trab gegen die Stadt und den Korso zu beginnen, trat ein hochgewachsener Mann vor und grüßte: es war ein Offizier. »Ich nehme nur die Freiheit mich selbst vorzustellen. Ich bin Giuseppe Mansana, Offizier bei den Bersaglieri. Ich bin die Wette eingegangen, daß ich so rasch wie Ihre kleinen Pferde von hier bis in die Stadt laufe. Hat das Fräulein etwas dagegen?«

Es war mehr als halbdunkel und unter gewöhnlichen Umständen hätte Teresa ihn nicht sehen können; doch oftmals erhöht eine starke Aufregung die Sehkraft unserer Augen. Die Überraschung und die Angst – es lag etwas in des Mannes Stimme, was sie unwillkürlich erschreckte – gaben ihr Mut; oft werden wir aus Angst mutig. Sie sagte daher zu dem kleinen Kopf und dem kurzen Gesichte, das sie wahrnahm:

»Ich glaube, ein Mann von Bildung hätte um Erlaubnis gefragt, ehe er eine solche Wette einging; doch ein italienischer Offizier –«

Sie fuhr nicht fort; denn sie erschrak selbst vor ihrem Beginnen und es entstand eine unheilschwangere Stille, in welcher ihr womöglich noch heißer wurde. Endlich hörte sie eine ziemlich hohle Stimme (Mansanas Organ hatte immer etwas Hohles):

»Ich habe nur mit mir allein gewettet. Und aufrichtig gesagt, ich gedenke es zu versuchen, ob ich nun die Erlaubnis bekomme oder nicht!«

»Was?« erwiderte Theresa und griff in die Zügel; doch zugleich stieß sie einen Schrei aus und ihre steife Freundin einen noch lauteren, indem sie beide fast aus dem Wagen fielen; denn mit einer langen Peitsche, welche keine von ihnen früher bemerkt hatte, zog der Offizier einen furchtbaren Strich über den Rücken der beiden Ponies, so daß sie mit einem Satze von dannen rasten. Zwei Diener, welche rückwärts saßen und sich auf den Wink des Fräuleins eben erhoben hatten, flogen beide herab auf den Boden. Keiner von beiden machte die Spazierfahrt mit, welche nun begann und die viel mehr ereignisreich als lang war.

Zu Mansanas Fertigkeiten – und vielleicht war es die meistgeübte derselben – gehörte das Laufen und Springen. Mit den zwei kleinen Pferden Schritt zu halten fiel nicht allzuschwer, besonders im Anfang, da sie stark zurückgehalten wurden und daher im unklaren waren, ob sie recht traben dürften. In ihrem Zorn wollte Teresa eher alles wagen, als eine solche Demütigung zu dulden. Und außerdem wollte sie ihre Diener wieder aufnehmen. Doch gerade als die Pferde sollten zum Stehen gezwungen werden, zischte die Peitsche auf ihren Rücken herab und sie rannten mit einem neuen Satz vorwärts. Teresa sagte kein Wort, sondern hielt zurück und zwar so unermüdlich, daß die Tiere wieder stehen wollten; aber auch die Peitsche fiel wieder und wieder und wieder. Und nun gaben sowohl die Lenkerin als die Rosse das Spiel auf. Die alte Dame, welche bisher immer geschrieen und beide Arme um den Leib der Fürstin geklammert hatte, verfiel in eine Art Betäubung und mußte gestützt werden. Wut und Entsetzen überwältigten Teresa; eine Weile sah sie weder Pferde noch Weg, und zuletzt wußte sie nicht einmal mehr, ob sie noch die Zügel halte. Und sie hatte dieselben auch wirklich verloren, fand sie aber wieder auf dem Schoße und versuchte noch einmal, indem sie zwar mit einem Arm die Freundin umschlang, aber trotzdem mit beiden Händen die Zügel festhielt, die erschreckten Tiere in ihre Gewalt zu bekommen. Bald fühlte sie dessen Unmöglichkeit. Es war finster; die hohen Pappeln trabten in der Luft mit, Fuß für Fuß über das dazwischen liegende Gelände hin. Sie wußte nicht, wo sie war. Das einzige, was sie außer den Pferden unterschied, war die lange Gestalt, welche an deren Seite in immer gleicher Höhe und Entfernung gespenstisch über dieselben hinausragte. Wohin geht es? Und wie ein Blitz durchfuhr sie der Gedanke: »Nicht in die Stadt; das ist kein Offizier; das ist ein Räuber; ich werde abseits geführt – und bald kommen die Spießgesellen!«

Und aus der Tiefe der äußersten Not und mit der plötzlichen Eingebung derselben rief sie:

»Halten Sie, um Himmelswillen! Was wollen Sie denn? Sehen Sie nicht –«

Weiter gelangte sie nicht; denn sie hörte es durch die Luft pfeifen, auf der Pferde Rücken klatschen, und vorwärts sauste es, ärger als je.

Und wie es jagte, so jagten auch ihre Gedanken:

»Was will er? Wer ist er? Einer, den Ich beleidigt?« – und eine ganze Reihe solcher hastete an ihr vorbei. Sie fand keinen, welcher diesem glich. Allein der Gedanke an eine mögliche Rache ließ das erschreckte Gewissen nicht los; es konnte ja jemand sein, den sie nicht kannte, der nur die anderen rächte. Und wenn es Rache war, so mochte sie auf das Schlimmste gefaßt sein. Schrill klangen die Schellen durch das Wagengerassel; wie Angstgeschrei hüpften die kurzen scharfen Laute um sie herum und, vom Entsetzen zum Äußersten getrieben, wollte sie einen Sprung vom Kutschbocke wagen. Doch kaum ließ Terese die Freundin los, so rollte diese wie ein lebloses Ding zur Seite; in noch größerem Schrecken richtete sie dieselbe auf und saß nun, mit der Freundin über dem Schoße, lange ohne klaren Gedanken da. Da, bei einer Biegung des Weges, bemerkt sie den Lichtnebel der nahenden Stadt. Sie empfindet die Freude der Rettung, – allein bloß für einen Moment, kurz wie ein Blitz; denn im nächsten hatte sie alles begriffen: dies war ein Rächer vom Korso!

»Ach, nicht weiter!« rief sie, ehe sie den Gedanken noch ausgedacht: »ach, nicht!«

Die Worte wiederholten sich beständig vor ihren Ohren; die Schellentöne hüpften schreiend um sie herum; die Pappeln trabten neben ihnen her, und das war alles; die Pferde jagten; sonst keine Antwort.

Sie sah im voraus ihren jämmerlichen Aufzug, durch die Stadt gepeitscht, die ohnmächtige Freundin im Arm, das Publikum zu beiden Seiten, die Offiziere voran, händeklatschend, hohnlachend!

Denn dies war die Rache der Offiziere; sie fühlte es nun. Sie beugte den Kopf, als wäre sie schon da. Plötzlich fühlte sie und hörte sie, daß die Pferde langsamer liefen; die Stadt mußte ganz nahe sein; sollte es vorher ein Ende nehmen? Mit erneuter Hoffnung sah sie empor. Er war zurückgeblieben; darin lag der Grund: nun war er ganz an ihrer Seite, bald hörte sie sein hastiges, überanstrengtes Atmen, hörte schließlich nichts anderes mehr, so daß es all ihre Angst an sich riß: wie wenn er mit einem Blutsturz mitten auf dem Korso niederfiel! Sein Blut kam dann über ihr Haupt; denn ihr ausfordernder Trotz hatte den seinen hervorgerufen. Man würde sich auf sie werfen und sie in Stücke reißen.

»Schonen Sie sich selbst!« flehte sie. »Ich ergebe mich!« bat sie.

Allein als hätte ihn dieser listige Versuch geweckt, so machte er eine letzte Anstrengung, war in zwei, drei längeren Sätzen wieder bei den Pferden, welche nun im Gefühl seiner Nähe schon ihren Trab beschleunigten, aber nichtsdestoweniger zwei sausende Peitschenhiebe bekamen.

Nun sah Teresa deutlich die Lichter, die ersten Gaslaternen beim Cavourdenkmal; bald bog der Weg in den Korso ein und das Schauspiel begann! Sie empfand das unüberwindliche Bedürfnis zu weinen und konnte doch nicht, senkte bloß den Kopf, um nichts mehr zu sehen. Da vernahm sie seine Stimme, allein nicht mehr seine Worte, der Wagen war auf das Pflaster gekommen und er vermochte wohl auch nicht mehr ganz deutlich zu sprechen. Sie blickte auf; jedoch er war nicht mehr da. Großer Gott, war er gestürzt? Ihr ganzes Blut erstarrte in den Adern...

Nein, da ging er ganz langsam vom Korso weg, am Café Garibaldi vorbei. Gerade in diesem Moment kam sie selbst auf den Korso; die Pferde trabten, die Menge wich aus, sie senkte den Kopf noch tiefer über die bewußtlose Freundin, welche ihr im Schoße lag, Schreck und Scham jagten peitschend hinten nach...

Als sie ein paar Augenblicke später im Hofe des Palastes hielt, durch dessen Thor die Pferde in vollem Laufe gerast, sodaß es ein Wunder war, daß der Wagen nicht umwälzte und zerschellte, – da fiel auch sie in Ohnmacht.

Ein alter Diener stand da und wartete. Er rief die anderen; beide Damen wurden hinaufgetragen. Kurz darauf kamen auch jene zwei, welche abgeworfen worden und erzählten den Vorfall, soweit sie ihn kannten. Der alte Diener nahm sie wegen ihrer Ungeschicklichkeit tüchtig ins Gebet und sie selbst fühlten die Schande derselben, sodaß sie um so eher thaten, was jener ihnen gebot: nämlich schweigen.

Die Pferde waren scheu geworden, gerade als die Diener nach kurzer Rast aufsteigen wollten. Dies war das ganze.

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