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Kantate auf die Aderlässe

Sebastian Sailer: Kantate auf die Aderlässe - Kapitel 1
Quellenangabe
typesatire
booktitleDie biblischen und weltlichen Kom¨dien des hochwürdigen Herrn Sebastian Sailer
authorSebastian Sailer
year1913
publisherAlbert Langen Verlag
addressMünchen
titleKantate auf die Aderlässe
pages233-244
created20040425
sendergerd.bouillon
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Sebastian Sailer

Kantate auf die Aderlässe


Personen:

Doktor

Bauer

Chor der Aderlässer


Doktor
    Der Doktor Jost bin ich genannt,
    kann jedermann kurieren;
in halber Welt gar wohlbekannt
    durch Aderlaß, Laxieren.
Der Patienten zähl ich viel,
kuriere nach dem neusten Stil,
    und laß mich nicht vexieren.
's ist meiner Regel ganz gemäß,
daß ich verschreib die Aderläß,
    denn die muß operieren.
(Zu dem kommenden Bauren)
Was willst du hier?
Um die Gebühr
    mach ich dich schnell gesund.
(Fühlt ihm den Puls)
Du kränkelst ja,
ich fühl es da.
Ich heil dich aus dem Grund.
Bauer
                    Herr Dokter! wia schmeazt mi's dô dana so g'fähr,
dô hau-n-i an Oissa, a schreckelis G'schwär.
    As brennt jô, as blosat, as ischt noitz as Fuir,
    as ischt zwôr itt graißer as euser Zeahdschuir.
Bei Dag und bei Naacht hau' koi' gotziga Ruah,
a . . neahmet's Schpektivi und luaget darzua.

Beim Blunder! i hätt schier mei' graischtes A'liega
zua meim ärgschta Schada und Uebel verschwiega:
    Mei' Kopf und mei' Hiara will ällas noitz klecka,
    a . . denket, i könnt's mit am Finger verdecka.
Ma hôt mar schau' Bad und Schtallkura verschrieba,
dar Duifel ischt dänischt im Kopf dinna blieba.

Dar Maga ischt au schleacht, koi' Kraft ischt itt dô,
kalt isch itt, warm isch itt, und ischt au itt lô.
    As g'schmeckt mar koi' Eassa, as g'schmeckt mar koi' Trunk,
    und wenn i an Brodloib in Moscht eini tunk,
so kommt do so wengli dar Luscht darzua drei',
daß i noitz iß, as was in d' Bettziech gôht nei'.

Purgatza, Schpeibatza seand sealtsame Schprüng,
seand wüaschte, seand herbe, seand schädliche Ding;
    denn, denn, denn, denn, denn, wenn dar Unterwind gôht,
    so woißt ma schau', was in dar Pratik dinn schtôht:
Schtuahlschpritza, nôch schuiß i am Koiser ins Land,
dô hau't ar da Beattel nôh älls beianand.

Purgieret, labetet voar und noah am Mau',
i thua ui koi' Härle, koi' Dingle darvau'.
    Für mi und mein Maga ischt älliges guat,
    dees d' Därm reacht ausfürba und putza brav thuat.
Koi' cremoris tatrum brauch noitz a so i,
zwoi Pfund Keazaschtumpa ischt d' Lading für mi.

Nu' 's Katzataplasma dees bitt i mir aus,
kei ui mit dar Salba zur Schtubathür naus.
    A, seand au, wia d' Leut, do mit uiere Sacha,
    i fürcht nu', ar theand mi zum Narra gar macha;
gauh't, geand mar au eabbas, so wengli wohl thuat,
lau'd Nonnafüzla wär eaba au guat.

Ar sagat au viel oft, 's ischt aber itt wôhr,
und wenn ar's au treaffat, so ischt as au'g'fôhr.
    Hôt oiner da Frairer, so geand ar am ei',
    seand no so kombabel und sagat, 's muaß sei',
bis d' Batza ausg'floga, dar Krank no im Neast;
dô hoißt as halt dänischt au: probatum est.

I muaß do au freassa, seand itt so au'keit,
Herr Dokter, i bitt-ana, seand au wia d'Leut.
    Ma sait denn, ma soll si wohl neahma in acht,
    auh' daß ma da Hunger und d' Arbat betracht.
Jetzt geand mar a Schüssel voll Knöpfla g'schwind rei',
su'scht schwör i beim Duifel: Karfreitig soll's sei'!

Ar singat, ar sagat, ar predigat viel;
kommt's drum und dra', seand ar au seall mit im Schpiel.
    Uf's Tränkle a Räuschle, do wia as sei' soll,
    uf's Räuschle a Schläfle thuat ällamôl wohl.
Wenn's Räuschle verganga, und älles ischt naus,
dô denk i: Herr Dokter, da Hobel blôs aus!

Doktor
        Mein Freund, ich bedaure, daß du nicht gesund,
doch klagest du Manches, das nicht hat viel Grund:
Denn wenn es so fehlte, so könntest du noch
nicht essen, nicht trinken, und müßtest ins Loch.
Auch ist die Erzählung der Krankheit so quer,
daß ich auf ein Mittel müßt raten ung'fähr.
Daneben auch bist du so ziemlich erzgrob,
davon du ablegtest ein' saubere Prob.
Doch zähle mir teilweis die Leiden nun her,
denn dir recht zu raten fällt mir gar nicht schwer.
Vielleicht könnt dir dienen die Aderläß gut,
denn man wird gesünder durch frischeres Blut.
Bauer
I will mi verklära, so guat i's gauh' ka',
und bitt ui, theand healfa mir kränklicha Ma'. –
I muaß nu' verschnaufa, daß i's ka' reacht saga,
Und will-ana ällas uf's Pünktle hear klaga.
Duett
Bauer
        Herr Dokter! krank bin i,
as beißt mi, und klimmt mi.
Doktor
Freund! schick nur zum Bader,
laß öffnen ein Ader.
Bauer
As Eassa gôht schleacht.
Doktor
's ist d' Aderlaß recht.
Bauer
I ma' nimma sauffa.
Doktor
Laß Blut herauslaufen.
Bauer
I hau' a bais Bluat.
Doktor
Die Lässe macht's gut.
Bauer
Hau' g'schpia schau' in Kübel.
Doktor
Die Lässe hebt's Übel.
Bauer
Jetz fährt mar's in Grind.
Doktor
Zur Aderläß g'schwind.
Bauer
Jetz kommt mar's in d' Auga.
Doktor
's wird d' Aderläß taugen.
Bauer
I g'sieh nimma heall.
Doktor
Zur Aderläß schnell.
Bauer
Jetz kommt as uf d' Blasa.
Doktor
Mußt halt Aderlassen.
Bauer
Jetz hau-n-is im G'friß.
Doktor
Die Lässe hilft g'wiß.
Bauer
Jetz kommt mar's ins G'nick.
Doktor
Zum Bader g'schwind schick'.
Bauer
Jetz hauni's im Bauch.
Doktor
Die Aderläß brauch.
Bauer
Mi schticht as und grimmt's.
Doktor
Nur d' Aderläß nimmt's.
Bauer
I schtirb, wie i g'schpür.
Doktor
Laß Ader dafür.
Bauer
Jetz g'schpür i's im Maga.
Doktor
Ein Ader laß schlagen.
Bauer
As brennt wia a Gluat.
Doktor
's ist d' Aderläß gut.
Bauer
As schneidt wia a Measser.
Doktor
Die Lässe macht's besser.
Bauer
As schticht wia a Pfeil.
Doktor
Zur Aderläß eil.
Bauer
I schwitz wia a Sau.
Doktor
Auf d' Aderläß trau.
Bauer
Jetz kommt mar's in d' Händ.
Doktor
Zur Lässe behend.
Bauer
I ka's itt verleida.
Doktor
Thu d'Lässe nicht meiden.
Bauer
Jetz kommt mar's in d'Füaß.
Doktor
Durch d' Aderläß büß'.
Bauer
Jetz wear i ganz schteif.
Doktor
Zur Aderläß greif.
Bauer
Jetz fährt mar's ins G'säß.
Doktor
Gut macht's d' Aderläß.
Chor der Aderlässer
        Nun sitzet auf das Bänkle
    bei der Rumpompei.
Uns schmeckt ein gutes Tränkle
    bei der Rumpompei.
Horum harum Bänkle,
Harum horum Tränkle,
    Alles frisch und munter sei.







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