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Kalmückische Märchen

Adolf Gelber: Kalmückische Märchen - Kapitel 13
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authorAdolf Gelber
titleKalmückische Märchen
publisherRikola Verlag A.G.
illustratorAmadeus Dier
year1921
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senderwww.gaga.net
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Die Statue des Bodhisatva

Darauf ging der Chansohn wie zuvor hin und nahm den Siddhi-Kür auf den Rücken. Während ihrer Wanderung erzählte Siddhi-Kür folgende Geschichte:

»Früh vor Zeiten befand sich in der Mitte eines großen Reiches ein alter Klostertempel, in welchem man eine Statue des Buddha aufgestellt hatte. In der Nähe dieses Tempels wohnten in einer kleinen Hütte ein Alter und eine Alte mit ihrer einzigen Tochter. Da kam einmal in die Gegend ein Mann, der Waren zum Verkaufe herumtrug. Er übernachtete bei dem Klostertempel und als er tags darauf weiterging, gelangte er vor die Hütte der beiden Alten. Als er sich ihrer Türe näherte, hörte er, wie sie drinnen miteinander sprachen. Die Alte sagte:

›Wir sind beide alt; wenn wir diese, unsere einzige Tochter, verheiraten könnten, so wäre dies für uns eine Freude.‹

Der Alte erwiderte: ›Das ist wahr‹ und die Frau: ›Nur aber sind wir, ach, so arm,‹ worauf der Mann ihr erwiderte: ›Tröste dich Mutter, ich will dir etwas gestehen.‹

Und er erzählte ihr:

›Wisse, ich habe vor dem Standbild des Bodhi oft Opfer dargebracht und meine Huldigung und Verehrung vor ihm immer mehr erhöht und das hat er mir in seiner Güte belohnt, so daß ich ein Maß schöner Edelsteine zusammengebracht habe. Die habe ich in ein Versteck getan und unsere Tochter, die unser Glück ist, ist also nicht gar so arm. Darum wollen wir morgen ein Opfer vorbereiten und Bodhi befragen, wem wir unsere Tochter geben sollen.‹

Sagte die Mutter:

›Vielleicht will der Gott aber, daß sie den geistlichen Stand erwählt.‹

Der Mann dachte nach und sprach:

›Wir wollen ihn befragen, ob sie den geistlichen oder den weltlichen Stand erwählen soll.‹

So sprachen sie miteinander und der herumziehende Mann draußen, der es belauschte, dachte sich:

›Da habe ich meinen Weg zum Glück gefunden.‹

Nachts schlich er sich in den Tempel, machte an der Rückseite der Bodhistatue eine Öffnung, kroch in das Innere und blieb da sitzen. In der Frühe kamen die beiden Alten samt der Tochter und hielten das Opfer in Bereitschaft. Nachdem sie ihre Verbeugung gemacht hatten, sprach der Vater:

›Göttlicher Bodhi, was ist dein Wille und was ist für diese meine Tochter ersprießlicher: daß sie den geistlichen oder daß sie den weltlichen Stand wähle? Und wenn sie der Welt angehören soll, welchem Mann sollen wir sie geben. Entweder, wenn du es so willst, gib jetzt Antwort oder offenbare deinen Willen durch einen nächtlichen Traum.‹

Da rückte der Mann im Innern an die Nase der Statue heran und ließ den Bodhi also sprechen:

›Es ist für deine Tochter am ersprießlichsten, wenn sie den weltlichen Stand erwählt. Wer morgen früh zuerst vor der Tür deiner Hütte erscheint, dem gib sie.‹

Die beiden Alten riefen voll Freude:

›Bodhi hat gesprochen!‹ und nachdem sie unter vielfachen Verneigungen das Standbild umwandelt hatten, entfernten sie sich.

Des Morgens in der Frühe stieg der freche Geselle aus dem Innern der Statue heraus, begab sich vor die Wohnung der Alten und klopfte an die Türe. Die Alte kam heraus und kaum hatte sie ihn erblickt, so trat sie wieder in das Zimmer zurück und sprach zu dem Alten:

›Nach Bodhis Wort ist der Mann erschienen:‹

Der Alte sagte:

›Das ist sehr gut! Laß ihn in das Haus eintreten‹ und nun bereiteten sie ihm allerlei Speisen und Getränke und sprachen über dies und das und schließlich, nachdem auch davon die Rede gewesen war, und er das Mädchen gesehen und um ihre Hand angehalten hatte, gaben sie ihm ihre Tochter. Der Alte holte auch gleich das Maß von Edelsteinen aus dem Versteck, in das er sie getan hatte, um es dem Schwiegersohn zu übergeben. Dann nahmen sie Abschied.

Als er nun mit dem Mädchen weiter wanderte, dachte er bei sich:

›Was brauche ich sie? Ich habe schon ohnehin eine Frau und Kinder zu Hause. Was soll mir die neue Last? Ich werde sie erschlagen und einfach die Edelsteine behalten.‹ Schon stand er auch an einer Stelle im Walde mit einem Knüttel hinter ihr, um sie niederzuschlagen, da fiel ihm aber wieder etwas ein. ›Wenn ich jetzt gleich mit den Edelsteinen heimkehre,‹ sagte er sich, ›wird man fragen, wie ich auf einmal so reich geworden bin und es kann herauskommen, daß ich den Mord begangen habe. Besser ist's, sie zu erschlagen und hier irgendwo gut verbergen und in das Grab, in das ich sie hineinlege, auch die Edelsteine zu tun. Kehre ich sodann nach Hause zurück, dann werde ich eine Zeit noch den armen Mann spielen, von Tempel zu Tempel ziehen, um milde Gaben flehend unter den Leuten herumgehen und so fromm tun, daß alle Leute sagen: Er verdient es, wenn er das zu raschem Reichtum verhelfende Gebet spricht, daß ihn Bodhi erhöre. Werde ich dann hierher zurückkehren und die Edelsteine aus dem Grab holen, wird es heißen, um meines Gebetes willen sei mir von Bodhi die Gnade zuteil geworden:‹

›So ist's,‹ wiederholte er, ›und das ist klug:‹

Aber wie er jetzt losschlagen wollte, hielt ihn wieder etwas zurück.

›Hm,‹ sagte er sich, ›ich kann kein Blut sehen; auch ist Blut gefährlich. Wie leicht spritzt mir etwas davon auf mein Gewand.‹

Und wie sie nun im Walde lagen, sagte er:

›Hier auf der Erde ist's feucht; möchtest du dich nicht, meine Liebe, in den Warenkasten legen?‹

Denn der war, nachdem er alle Waren verkauft hatte, ganz leer. Kaum hatte sie sich aber hineingelegt, schlug er den Deckel zu und machte ihn mit Nägeln fest, worauf er den Kasten mit der jungen Frau und den Edelsteinen, die er auch noch hineingetan hatte, in ein Grab, das er ausschaufelte, hineinlegte. Dann schichtete er noch Erde darauf und klagte, in seine Heimat zurückgekehrt, über das Unglück, daß er von Räubern überfallen worden sei, die ihm alles genommen hätten, seine Waren und sein Geld und sogar den ganzen Warenkasten. Dann begann er bettelnd herumzuziehen und immerfort in den Tempeln vor Bodhi zu knien, so daß die Leute wirklich sagten: dem muß Bodhis Gnade werden, denn er ist ja ein ganzer Heiliger geworden.

Nachdem er aber die Stätte, wo er den Mord begangen, verlassen hatte, geschah es, daß ein Chansohn und seine Gefährten aus einem fremden Lande mit Pfeil und Bogen vorüberzogen und der Chansohn gab einen Schuß ab, mit dem er einen Tiger, der dort eben aus dem Gebüsch hervorbrach, verwundete, sodaß er zusammenbrach. Hinzueilend sah aber der Chansohn, daß die Bestie noch nicht tot sei und er sagte lachend:

›Warte Geselle, wir wollen dich bestatten, wie wenn du ein Mensch wärest:‹

Mit den Schwerterspitzen begannen sie ihm ein Grab zu schaufeln und siehe, da war es grade dasselbe, in welches der Warenmann das junge Mädchen hineingetan hatte. Sie entdeckten den Kasten, öffneten ihn und ›was für ein Mädchen ist das?‹ riefen sie, ›sie ist so schön. Wie kam sie in den Kasten? Gewiß ist sie da von einem Dämon hineingetan worden.‹

›Ja, ein Dämon war's,‹ sagte sie schluchzend, als sie wieder reden konnte. Aber der Prinz erlaubte nicht, da sie so fassungslos war, daß man sie jetzt weiter befrage und da er rasch wieder in sein Land zurückkehren mußte, nahm er sie mit auf sein Roß und ritt eiligst davon. Von seinen Gefährten waren einige noch zurückgeblieben; und als der Tiger sich wieder regte und die Zähne zu fletschen begann, sagten sie:

›Warte, warst du der Dämon, der das Mädchen in den Kasten hineintat?‹ Und statt ihrer warfen sie ihn in das Grab und schaufelten es zu.

Nach einigen Tagen hatte der Mörder die rasch zu Reichtum verhelfenden frommen Übungen beendet und dachte bei sich:

›Jetzt will ich die Edelsteine holen.‹

In dieser Absicht machte er sich auf und zog den Kasten aus dem Grabe; da kamen Leute aus seiner Stadt vorbei, so daß er wieder seinen Plan ändern mußte.

›Ich habe die Räuber belauscht,‹ sagte er, ›die mich beraubt haben und erfahren, daß sie meinen Kasten hier versteckt haben. Jetzt habe ich ihn wieder geholt.‹

Dann nahm er ihn auf den Rücken, indem er bei sich dachte, daß er den Leichnam des Mädchens schon irgendwie beiseite schaffen werde und kehrte mit den andern in die Stadt zurück. Zu Hause angekommen, setzte er den Kasten in einem andern als dem gewöhnlichen Gemache nieder und sagte zu seiner Frau:

›Ich will heute nacht das rasch zu Reichtum verhelfende Gebet wiederholen und mich zu diesem Zwecke einschließen. Wenn es dabei einen Lärm und Geschrei oder ein Poltern geben sollte, komme doch nicht hinein.‹

Indem er aber fürchtete, daß er seine Gewänder beim Zerstückeln des Leichnams, das er vorhatte, mit Blut anspritzen könnte, entledigte er sich der Kleider und sprach, den Deckel vom Kasten abnehmend:

›Jetzt vorwärts. Tote, komm heraus.‹

Kaum hatte er aber die Worte gesprochen, als plötzlich der Tiger, der wieder atmen konnte und zum Leben erwacht war, aufsprang und sich auf ihn warf. Entsetzt schrie der Mörder:

›Ach, Bodhi, ach Bodhi! Frau, Kinder, kommt schnell!‹

Und immer furchtbarer schrie er:

›Ein Tiger ist da, rettet mich, Kinder,‹ worauf aber die Frau und die Kinder, die es hörten, zueinander sagten:

›Ach, wie mühevoll muß doch dieses rasch zu Reichtum verhelfende Gebet sein.‹

Als sie in der Frühe nachschauen gingen, fanden sie drin den buntgestreiften Tiger getötet, aber auch ihr Vater lag in Fetzen gerissen, als Leichnam da.

Nun vergingen mehrere Jahre. Die aus dem Grabe Geholte war die Gattin des Chans geworden, er liebte sie und sie hatte ihm drei Kinder geboren. Im Volke aber begann man zu raunen:

›Dieser unser Chan ist auf unrechtem Wandel begriffen. Ein unter der Erde hervorgezogenes Mädchen hat er sich zur Gemahlin erkoren. Hat man je so etwas gehört?‹

Und andere sagten: unter den Leuten, die dabei waren, als er sie fand, gebe es welche, die es aus ihrem eigenen Munde hörten, daß ein Dämon sie in das Grab getan habe. Aber wer weiß, sagten die Menschen, vielleicht war der Dämon ihr eigener Vater und sie ist doch nur ein von einem Dämon stammendes dämonisches Weib. So sprachen sie und die Chanin, als sie es hörte, ward darob in ihrem Herzen sehr traurig.

›Wie schlecht,‹ sprach sie bei sich, ›sind doch die Leute. Aber vielleicht ist es die Strafe, weil ich so lange nach meinen bejahrten Eltern nicht gesehen habe. Die Schuld,‹ sagte sie bei sich weiter, ›will ich büßen, obgleich ich drei Söhne geboren habe‹ und am fünfzehnten in der Nacht, als der Mond sein Licht verbreitete, verließ sie heimlich die Königsburg und machte sich auf den Weg.

Sie wanderte und wanderte und als sie endlich einmal zur Mittagszeit der Stätte ihrer Eltern nahegekommen war, traf sie an einer Stelle, wo früher nichts war, eine Schar Ackersleute, welche emsig mit der Bestellung der Felder beschäftigt waren. Bei ihnen befand sich ein schmucker Jüngling, der sprach freundlich:

›Frau, woher kommst du?‹

›Ich bin,‹ versetzte sie, ›von weit hergekommen. Hinter diesem Berge wohnten meine Eltern. Ich habe gegen sie gesündigt. Um mich nach ihrem Wohlbefinden zu erkundigen, habe ich so lange keine Zeit gefunden. Aber jetzt bin ich da.‹

›Du bist also,‹ erwiderte jener, ›ihre Tochter?‹

›So ist es,‹ sprach sie und jener versetzte:

›Dann bist du meine ältere Schwester. Nach deinem Verschwinden wurde ich geboren. Setz dich hierher und ruhe eine Weile. Dann wollen wir zu den Eltern gehen.‹

›Und wie geht es ihnen,‹ fragte sie weinend, ›sind sie noch gesund? Sie müssen vom Alter gebeugt sein. Wie unrecht tat ich.‹

›Denke nicht daran,‹ sprach er, ›sie werden sich freuen, daß du ihrer gedacht hast. Ganz wohl sind sie und werden getröstet sein, daß du ihrer doch noch gedacht hast.‹

Als sie ausgeruht hatte und an der Hand des schönen Jünglings weiterschritt, erblickte sie, da sie vom Berge hinabschaute, an der Stelle der früheren Hütte, in der sie mit ihren Eltern gewohnt hatte, eine Reihe von Palästen, jeder so prachtvoll wie eine fürstliche Residenz. Sie waren mit Fahnen und flatternden Seidenstoffen geschmückt und auch der nahe dabei befindliche Tempel des Bodhi war weit herrlicher als der frühere. Er war ausgestattet mit herabhängenden Seidenstoffen und weithin schallenden Glocken, mit unzähligem Edelgestein, goldenen Säulen und Diamanten. Indem sie die Pracht schaute, sagte sie:

›Unser früherer Tempel war so klein und aus Lehm.‹

›Ja,‹ sagte der Jüngling, ›der ist schöner.‹

›Und diese Paläste! Wem gehört denn das alles?‹

›Alles das,‹ sprach der Jüngling, ›ist unser. Seit deiner Abwesenheit wurde es hergestellt. Bodhi hat sich unserer Eltern erbarmt und sie gesegnet. Warum staunst du? Bodhi ist groß und ist gütig.‹

Als sie denn einlangten und eintraten, da gab es eine Freude, die nicht zu schildern. Herrlich waren die Gemächer, überall funkelte es von Kostbarkeiten und die Eltern, die beide auf seidenen Polstern saßen, erhoben sich und sagten:

›Alter . . . Alte . . . habe ich es dir nicht gesagt, daß sie uns nicht vergessen haben wird. Etwas besonderes muß es gewesen sein, daß wir nichts von ihr hörten. Komm, Kind, daß du uns beide noch vor unserem Tode besucht hast, zeigt doch von deinem guten Herzen!‹

Kurz, es war eine große Freude und über alles, was inzwischen vorgefallen war, wurde beiderseits gefragt und geredet. Die alten Eltern meinten, als sie erzählte, wie der Mörder sie in ein Grab getan und wie sie gerettet worden. Aber wie wurde ihnen erst, als sie hörten, was das Volk im fremden Lande von ihrer Tochter gesprochen hatte: daß sie wohl das Kind eines Dämons sei und keine menschliche Verwandtschaft habe. Da schickten sie eine Gesandtschaft an den Chan, ihren Gemahl, und teilten ihm mit, daß sie sich jetzt bei ihnen befinde. Sie luden ihn ein, selbst mit Gefolge zu kommen, damit sie den Gemahl sähen, der ihr Kind zu sich auf den Thron erhoben und dachten sich, sein Volk solle sich jetzt überzeugen, daß ihre Tochter eine reine Frau sei und kein fremdes Wesen. Und richtig ritt nach einiger Zeit der Chan mit einem großen, prachtvollen Gefolge heran. Da waren sie denn alle glücklich, der Chan, weil er die Geliebte wieder sah, die Chanin, weil sie sich von seiner Treue überzeugte und die Leute im Gefolge sagten:

›Unser Gerede, daß die Chanin keine Verwandtschaft habe, war offenbar falsch und alle aus ihrem Hause stehen unter Bodhisatvas Schutz.‹

So kehrten sie denn, nachdem sie bei den Eltern der Chanin eine Reihe von Tagen in Lust und Wohlergehen verbracht hatten, wieder in ihr Land zurück. Die Chanin aber blieb, weil die Eltern ihren Gemahl darum gebeten hatten, noch einen Tag und eine Nacht, um ein Gelübde zu erfüllen, wie sie sagten. Denn sie hatten gelobt, wenn sie ihre Tochter wiederfänden, einmal mit ihr allein zur Statue des Bodhi zu pilgern und dem Gott zu danken, daß er es mit ihrem Kinde so gut gemeint habe. Da sprachen sie also mit ihr noch, nachdem die anderen weggeritten waren, bis in die Nacht hinein und in Erwartung des morgigen Pilgergangs schliefen sie alle in Frieden ein.

Des andern Tages, früh, beim Ergilben der Morgenröte, als die Chanin erwachte, siehe, da traute sie ihren Augen nicht. Das Lager war hart und das Kopfkissen dünn.

›Was ist denn da geschehen?‹ fragte sie. ›Als ich mich nachts zur Ruhe legte, war das Kopfkissen mit Seidenstoffen bedeckt und mein Lager weich wie Flaum.‹

Sie stand auf und rief. Aber alles war still und als sie hinausschritt und sich umsah, da war kein Palast da, sondern sie sah die frühere kleine Hütte zerfallen vor sich, die Eltern waren tot, ihre Gebeine lagen ausgebleicht und vermodernd im Lichte. Nirgends war ein Polster und als Kopfkissen lag eine Steinplatte da. Da ward die junge Frau von Trauer ergriffen und als sie sich nach dem Klostertempel umschaute, da war er eingestürzt und das Standbild des Bodhisatva lag zertrümmert im Staube. Da schlug sie die Hände vor das Gesicht und rief:

›O Jüngling, der du mich oben auf dem Berge fandest, warum ward mir das?‹

Aber da war auf einmal der schöne Jüngling wieder an ihrer Seite und sagte:

›Durch eine göttliche Verwandlung ist deine Verwandtschaft wieder erstanden, damit du mit deinen Augen die toten Eltern wiedersähest und auch damit dir vor den Augen deines Gatten und seines Volkes deine menschliche Ehre wiedergegeben werde.‹

Damit erhob er sich in die Lüfte und als sie zu ihrem Gemahl und ihren Kindern zurückkehrte, sagten alle:

›Die von ihr geborenen Söhne sind edel.‹

Aber sie lachte in ihrem Leben nicht mehr.«

Bei diesen Worten der Erzählung sprach der Chansohn:

»Wohl hatte die Frau viel Leides im Herzen.«

Siddhi-Kür versetzte:

»Wieder hat der Chansohn seinem Munde Worte entschlüpfen lassen« und mit dem Rufe: »In der Welt nicht zu bleiben ist gut«, wand er sich los und entschwebte.

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