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Kalendergeschichten

Ludwig Anzengruber: Kalendergeschichten - Kapitel 11
Quellenangabe
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typenarrative
authorLudwig Anzengruber
booktitleKalendergeschichten. ? Gedichte und Aphorismen
titleKalendergeschichten
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger
seriesLudwig Anzengrubers Gesammelte Werke in zehn Bänden
volumeFünfter Band
printrunDritte durchgesehene Auflage
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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6. Eins vom Teufel

»Lehnerfranzl,« sagte der Hanns, »is mir lieb', daß ich dich treff –«

»Hm,« brummte der Alte, was ebenso gut heißen konnte: »Mir auch,« oder gleichwohl das gerade Gegenteil davon.

»Er war bei mir,« fuhr der Steinklopferhanns fort, »und laßt dich schön grüßen.«

»Wer?« fragte der Lehner.

»Na, der Teufel,« sagte der Steinklopferhanns. »Seit d' verwichen zu mir g'sagt hast, wann mir kein Himmel taugt, murd' mir d'Höll' mit ihrer ewigen Qual nit ausbleib'n und ich wär' 'm Teufel sicher, hab' ich kein' ruhig' Nacht mehr g'habt, so fürchtig is mir bis in die Seel' h'nein word'n.« –

Gott sei Dank, hat sich der Lehner denkt, er verzählt mir nur wieder eine von seine dummen G'schichten.

Vergangene Nacht war's, ich sitz' auf mein' Bett, die Thür war nit versperrt; na, du weißt, ich versperr' niemal die Thür, forttrag'n kann mir kein Mensch was, 'leicht trifft sich's doch einmal und bringt mir einer was h'rein.

Ich sitz' also auf mein' Strohsack, thut sich die Thür auf und kommt der Höllische herein. Magst dir denken, daß ich net wenig erschrocken bin und g'meint hab', hißten is's vorbei, er holt dich und abi geht's in' Erdboden, weiß wieviel tausend Meilen, wo der siedige Schwefel brennt.

Aber der höllische Zuspruch thut nix dergleichen, nimmt sich mein dreihaxets Stockerl aus 'm Eck füri, setzt sich an mein Bett, und wie er da sitzt, sagt der Teufel: Grüß Gott!

Sikra h'nein, wie ich g'sehn hab, daß der Seel'nkramer so höllfreundli war, denk' i, da mußt auf der Hut sein, der führt was im Schild.

Der aber lacht und sagt: Brauchst kein Hirnschmalz aufz'wenden, ich kenn' ja deine Gedanken, und mußt mich net so dumm halten, da d' mir eh' sicher bist, daß ich mir no viel Müh' um dich gab.

Selb' hat mich g'margerlt, sag' ich: Der Teufel is dir sicher, net i!

Bitt' dich gar schön, sagte er, laß dö Sponponaden und mach dich net groß, da sein no ganz andere Leut', weißt, Großkopfete, dö mir a net auskönnen und dö viel weniger G´schichten machen, als wie du, g'ring's Mandel.

Wann i dir z' g'ring bin, sag' i, so steh halt nit auf mi an.

Sagt er: Dös thu i eh' net: aber ös könnts mir ja doch nit aus, ös armen Hascher. Seid's ja doch alle dressiert vom Kind auf, daß 's hübsch vertraglich mit mir lebts. Meinst denn, es war' nach 'm Gottvatern sein Sinn, daß ös all' Ostern die Sünd'n abbeutelts wie der Hund d'Flöh, daß danach wieder neuche zuspringen mögen; oder 's Kirführten in schön' Summerszeit, wo da und dort a Mandl und a Weibl z'ruckverbleibt und sich ins Grüne verliert; oder mann alle Heiligen anrufts, allemal in ein' Brummer, daß man einschlafen könnt' drüber? Des arme Waserln, dös g'lengt nit da auffi, aber es lebt sich unschenierter dabei und was verbleibt eng danach über – da ös doch sunst nindascht auswüßts – als daß 's mir in mein' Höll' rennts und eng a bissel abwarmts. Man kriegt völlig a Erbarmnus über eng und wann's a nit recht erlaubt is von der himmlischen Polizei, so muß mer engs doch stecken, daß's mit der Höll nit gar so arg is, wie's die Leut' machen – Sagt er: Greif mich amal an, Hanns.

Ich greif' zum Bett h'raus und tapp 'n ab, hat der Kerl a feine Woll' und is drunter wutzerlfett. Na, sag' ich, du bist fest beinander, was ein' wundert, wenn man denkt, daß d' in der ewigen Marter und in der Pein ohne Aufhör'n und End' bist.

Sixt, sagt der Teufel, dös is's ja, daß's allweil so gleichmächtig fortgeht, drum g'wöhnt man's und kriegt a harte Haut.

Drauf hat der Teufel »B'hüt Gott« g'sagt und is 'gangen, und ich bin, weil's schon amal nit anderscht kommen kann und doch so is, alser weng vertröster z'ruck blieb'n. Aber, hat der Teuxel g'sagt, eh'nder er 'gangen is, ein' G'fall'n könn'st mir doch erweisen, wann d' den Lump wieder siehst, dem ich früher die sündigsten Stückeln hab nachsehn müssen und der jetzt so über mich schimpft, den alten Lehnerfranzl, dann thu mir die Freundschaft ...

Jetzt fing einer zum Laufen an, denn es knackte und krachte im Gezweig, der andere mochte aber nicht zurückgeblieben sein, denn das Laufen hatte mit einmal ein End' –

In der Nacht kam der Ferdl heim und fand seinen Vater im Bette liegen, den Kopf hübsch in Tücher gehüllt. »Was ist Euch denn?« fragte er.

»Der Steinklopfer is über mich 'gangen,« sagte der Alte mit weinerlicher Stimme.

»G'schieht Euch recht,« sagte der gute Sohn. »Ist's ums Himmelreich her'gangen? Denk' mir's. Ich wollt', er hätt' Euch 's aus 'm Kopf nerschlag'n, weil Ihr doch anderen nur jede Freud' damit verleiden wollt!«

's kommt vor, daß ein oder der andere Himmelsvermahner das thut, aber es waren auch nicht »unschuldige Freuden«, die der Lehnerferdl meinte, und doch mußte sich der Alte das von seinem Jungen sagen lassen; der war sein »Jugendspiegel«, und er gefiel sich nicht darin; traurig ist nur, daß der Spiegel, der den Eltern die Thorheiten ihres Lebens zeigt, dabei selbst nicht rein verbleiben kann!

Mittlerweil' stieg unser Steinklopferhanns, nachdem er also dem Teuxelsauftrag gerecht geworden war, den Steig zu seinem Steinbruch hinan und er sang:

»Ich fürcht' net 'n Teufel,
Ich fürcht' net dö Höll'.
I bleib' mer stets gleich,
Ob a kummt, was d'r wöll.

Kreuzbrav und grundehrli'
Auf all unsern Weg'n,
Was frag' i viel weiter?
Es kann uns nix g'schehn!«

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