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Kalendergeschichten

Ludwig Anzengruber: Kalendergeschichten - Kapitel 10
Quellenangabe
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typenarrative
authorLudwig Anzengruber
booktitleKalendergeschichten. ? Gedichte und Aphorismen
titleKalendergeschichten
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger
seriesLudwig Anzengrubers Gesammelte Werke in zehn Bänden
volumeFünfter Band
printrunDritte durchgesehene Auflage
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071214
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5. Die G'schicht' von dö alten Himmeln

Nämlich hat der Handmerksbursch g'sagt, wie er von sein' Begräbnis als a Lebendiger wieder z' Haus' 'kommen is in sein' Heuschober. Grüß dich Gott, bucklete Welt, hat er g'sagt, hon schon g'meint, wir wär'n fertig miteinander, und fahr' a grad nit vor Freud' aus der Haut, daß wir hitzt wieder weiter miteinand' fortwursteln söll'n, aber um dös, was i alser Toter erlebt hab', reut's mich nöt, daß ich auf der Welt war, nöt', daß ich versturb'n und a nöt, daß i wieder lebendig word'n bin. Nur lustig. Halt's oder halt's nit!

Sikra h'nein, sag' ich, woher hast dös Sprüchel?

Sagt er: Von ein' Bauern, den ich da drent' troffen hab', Baltzer-Jakob heißt er, acht Täg' vor meiner war er verstorben.

Is alles richtig, sag' ich. Hast'n im Himmel troff'n?

Ja, Himmel, sagt er, mann's mehr ein' gab!

Du Höllenbraten, sag' ich, warst doch selb' drenten und bringst solche Lugen aus. Halunk'!

Sagt er: Halt 's Maul, laß dir verzähl'n und nachher red! Wie ich da übri komm', hab' ich gleich g'merkt, da is was los; dö Seel'n – es war'n lauter frisch verstorbene, von a acht, höchstens vierzehn Täg her, alle ohne Unterstand, – sein durcheinand' g'rennt wie Ameisen, wenn man in ihren Haufen h'neinstört. Ich frag' nach, was g'schehn wär', sagen s', der himmlische Herr hätt' die Himmel inspiziert und sider gestert wär'n s' alle versperrt.

So wie man halt im Gedräng' leicht a Ansprach' find't, so bin ich auf 'n Baltzer 'troffen und der hat mir verzählt, wie dös alles her'gangen is.

Vor undenklichen Zeiten, manche meinen gar gleich nach der Schöpfung der Welt, hätt' der liebe Gott a Reis' g'macht; dö so sag'n, berufen sich drauf, wie er die Welt so sorglich eing'richt' hätt', daß sie sich von selbsten schon a Weil' forthelfen könnt'; na, is's so oder nit, g'wiß wird sein und grundg'scheite Leut' sein schon lang drauf käma, daß unser lieber Herr a auf dö andern Stern' was zu schaffen und zu verrichten hätt' und so is er halt a gute Weil ausg'wesen und wie er wieder heimkommt, so find't er alle Wolken angeräumt mit lauter Himmelreicher; wie sich's die Menschen derweil erricht' haben.

No, er schaut nach in allen Himmeln; in türkischen hat er hinein'schaut, wo dö Muselmänner fleißig g'raucht haben, sein dabei in die Jasminlauben g'sessen und hab'n sich da gleich dö Pfeifenröhrln schneiden können, und is alle Tag zu ein' jeden ein' Jungfrau auf B'such 'kommen.

Pfui Teufel! hat der Gottvater g'sagt, is das ein Himmel? Und, sagt er zum Erzengel Michel mit 'm feurigen Schwert, daß d' mir dö Menscher gleich ausjagst, ich hab das Läppeln und Täppeln doch nur g'stift' und verlaubt, daß mir die Leut nit z' weni werd'n auf der Welt, so a Löffelei ohne Zweck stund' mir an.

Dann schaut er h'nein in unsern Himmel, wo die Selig'n auf dö Wolken herumliegen und Lobgesang und Harfenspiel war. Sagt er, da is's schon solider, aber langweilig, dös halt' kein' Christenseel' auf die Dauer aus.

Und so is er alle Himmel durchrangen, a den hannakischen, wo die Bauern an ein' Bach voll Met g'leg'n sein, und über 'n Berg h'runter sein ihnen dazu d'Knödln ins Maul g'rollt. Kurz, der Gottvater hat g'sagt: Sein dös Himmeln? Wann s´ ma unt' a bissel g'scheiter werd'n, verlangt sich eh' kein' Seel h'nein, dös is alles Menschenwerk und folglich nit ewig! Und also hat er die Himmelreicher zug'sperrt. Und dann hat er g'sagt: Also soll es sein, dö Menschheit soll sich ohne Himmel behelfen. Jeder soll seine Pflicht vorerst auf Erden redlich erfüllen, eh' er nachfragt, was nachher kommt und mit ihm geschiecht! Und wer da gelebt hat kreuzbrav und grundehrlich auf Erden, der braucht mein Gericht nicht zu fürchten und mein' Lohn nit zu erbetteln, der wird auch im guten Vertrau'« die Augen schließen, daß, wie auch mein B'schluß ausfallt, ich, der Allvater, weiß, was mein' Kindern frommt und taugt.

Dazu haben die Engel »Amen« g'sagt. –

So hat mir der Handwerksbursch verzählt, daß ihm der selige Baltzer verzählt hätt'!

Und wie s' no so reden, kommt ein himmlischer Bot' und sagt zu dem Burschen: Du mußt's nit in Uebel aufnehmen, aber den Wirrwarr heroben wirst g'sehn hab'n; der Todesengel hat sich an dir vergriffen, was kein Wunder is, denn du heißt »Huber«, er hätt' ein' andern nehmen sollen, schau also dazu, daß d' wieder auf die Erden h'nunter kommst!

Da hat sich der Huber aufmachen wollen, der selige Baltzer aber hat g'sagt: Schau Huber, bei der Gelegenheit, wann d' wieder abi kimmst, thust mir ein' G'fallen, halt's oder halt's net?

Es halt schon! hat der Huber g'sagt.

Geh zu mein' Weib, hat der selige Huber drauf g'sagt, und sag', ich lass' s' schon grüßen und sag ihr, was mein' Hoffnung is. Sag ihr: ich hoff', wie sie war, wird s' a für ihr Lebzeit verbleib'n, sie soll um Gotts will'n auf ihr Hauswesen schau'n wie früher, damit's nit heißt, ich hätt' s' vielleicht erst zur Arbeit und Reinlichkeit antreiben müssen, wo sie doch mein' brave Hauswirtin war, so ihr Gott vergelt und ihr weiter Kraft und Stärke gäb'! Und nur recht soll sie wirten und fürs Kind soll s' sorgen, damit das nit an der Mutter irr wird, sundern sich denkt: Hab' so a brave Mutter, wird wohl der Vater a brav g'west sein! Was mich ins Grab hinein g'freun möcht'! Und aufzieh'n soll sie das Kind durch ihr Beispiel und das war bisher und so soll sie's auch ferner bestehen lassen: redlich die Pflicht auf Erden erfüllen, ohne Nachfrag', was nachher kommt und g'schiecht, kreuzbrav und grundehrlich. Halt's oder halt's net!

Da is der Huber lebendig wor'n – i weiß nit, ob sich der Baltzer selig ausg'red't hat...


»'s halt' schon,« sagte die Bäuerin, welche dem Steinklopfer die eine freie Hand reichte, denn am andern Arm trug sie das Kind.

»Ketzerlump,« sagte der Lehnerfranzl, »taugt dir kein Himmel? Die Höll' mit ihrer ewig'n Qual wirst du schon verspür'n. Du bist 'm Teufel sicher.« Damit rannte er auf und davon und hat sich auch später nimmer blicken lassen.


Zufällig oder nicht trafen sich der Steinklopfer und der alte Lehnerfranzl gegen Abend im Walde: der letztere hatte es sicher nicht darauf angetragen, denn es wurde ihm nicht ganz wohl bei dieser Begegnung. Der zehnte mag's nicht leiden, daß man ihn so mir nichts dir nichts dem höllischen Erbfeind zuspricht, und wenn's in seine Macht gegeben ist, so tränkt er's gewiß dem Gelegenheitsmacher des Teufels ein, und wer wollte das wohl jetzt dem Steinklopferhanns verwehren? Ja, wenn nur der Ferdl dagewesen wär', da hätte seinem alten Vater leichter ums Herz sein mögen, aber der »Himmelsakermenter« saß um die Zeit für sicher im Dorfwirtshaus oder ... weiß der Himmel, wo sonst! Nicht umsonst ging das im Geiste dem alten Lehner vor, denn der Steinklopfer hatte sich richtig vorgenommen, extra für ihn auszutipfeln.

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