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Kaiser Karl und seine Paladine

Felix Dahn: Kaiser Karl und seine Paladine - Kapitel 38
Quellenangabe
typelegend
booktitleKaiser Karl und seine Paladine
authorFelix und Therese Dahn
yearca. 1923
publisherBreitkopf & Härtel
addressLeipzig
titleKaiser Karl und seine Paladine
created20060101
sendergerd.bouillon
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485 17. Ogiers Ende.

Zweihundert Jahre waren verronnen, seit Ogier Krone trug in Avalon. Da beugte er sich einst über einen Quell, und die Krone löste sich aus seinem Haar und fiel ins Wasser und versank. Vergebens suchte Morgane nach ihr; und Ogier erwachte aus dem Zauberbann, all sein Erinnern kehrte ihm zurück: er gedachte Herr Karls, und große Sehnsucht ergriff sein Herz.

Als Morgane erkannte, daß sein Erdenheimweh unheilbar war, gab sie ihn frei: »Freund,« sprach sie, »zweihundert Jahre trugst du hier Krone. Karl und alle deine Freunde sind lang verstorben.«

»Das glaub' ich nicht! Kaum einen Sommer lang, deucht mir, weilt' ich bei dir. Ich muß fort und sehen, wie's in der Welt steht.«

»Schlecht,« antwortete sie, »Normannen bedrohen Francien. Zieh' hin und hast du's genug da unten, dann kehre zurück zu mir.«

Sie steckte ihm einen goldenen Ring an den Finger: »Behüte ihn wohl, Liebster: solang du ihn trägst verleiht er dir Leben und Jugendkraft; streifst du ihn ab, dort auf der armen Erde, dann mußt du sterben.«

Darauf gab sie ihm Helm und Brünne und umgürtete ihn mit Curtaine. Papilio, ein Elbe, wandelte sich in Hengstesgestalt und nahm Ogier auf seinen Rücken.

Der Elbenkönig Oberon gab ihm einen Knecht mit: »Nenn' ihn Bernhard, er ist der treueste und klügste meiner Luftgeister.«

Am Ufer der seligen Insel lag ein Schifflein bereit, das trug sie, ohne Steuermann und Ruder, über weite 486 Wasserwege auf die Erde: nördlich der Loire stiegen sie ans Land. Der Nachen floß rückwärts in die See und entschwand ihren Blicken.

Ogier ritt nun mit Bernhard nach Paris: da fand er in der Pfalz andre Sitten, andre Sprache, und nicht Herr Karl saß auf goldenem Faltestuhl, sondern König Hugo thronte dort.

»Wer seid Ihr?« fragten staunend die Höflinge, »man geht nicht in Waffen zu Hof.«

»Ich gehe zu Hof, wie ich es stets getan; ich bin Ogier der Däne und will zum großen Karl, dem König der Franken und Kaiser von Rom!«

»Die liegen tot seit zweihundert Jahren: der Herzog im Meer, der große Karl in seiner Gruft zu Aachen,« sagte König Hugo.

»Du Schelm,« rief Ogier, »es ist nicht lange her, da nahm ich hier Abschied von meinem Herrn, ins Morgenland zu ziehen: von dort geriet ich ein wenig ins Feenreich.«

Da hielten ihn alle für einen Narren: nur ein Edelknabe gedachte alter Mären, die ihm seine Großmutter erzählt hatte, und sprach: »Ja, so hat Ogier der Däne ausgesehen! Er ist's!«

»Dann hat ihn uns Gott vom Himmel gesendet zur Hilfe gegen die Normannen!« rief König Hugo erschauernd; »zieh' hin, Ogier, nach Beauvais, dort steht mein Heer: führ' es gegen die räuberischen Normannen.«

Schnurstracks schritt der Däne hinaus und ritt nach Beauvais. Da sangen die Kriegsknechte ein Lied von Roland: da wurde des Herzogs Sinn schwer. Die Hauptleute liefen herbei und wußten nicht, warum ihnen der König den seltsamen Befehlshaber geschickt hatte. »Wie sollen wir die Schlacht schlagen?« fragten sie.

487 »Bei Karls Zorn,« antwortete Ogier, »immer vorwärts! Haut alles nieder, was euch widersteht, und nun fort mit euch ins Feld.«

Und der Däne gewann den letzten Sieg. Eilboten beriefen ihn vom Schlachtfeld weg nach Paris: Ehren und Feste sollten ihm bereitet werden, die Königin Constanze wollte seine Abenteuer hören.

Aber unheilbare Sehnsucht ergriff Ogier: er streifte den Ring vom Finger, reichte ihn Bernhard und sprach: »Grüße Morgane, meine Pate: – ich fahre zum großen Karl.«

Er sank vom Rosse und war tot.

Dem Hengst wuchsen Flügel, Bernhard sprang auf seinen Rücken, und durch die Luft rauschte das Roß mit dem Reiter nach Avalon.

Ogier wurde zu Meaux begraben, den Schild auf der Brust, Curtaine in der Faust.

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