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Kaiser Karl und seine Paladine

Felix Dahn: Kaiser Karl und seine Paladine - Kapitel 37
Quellenangabe
typelegend
booktitleKaiser Karl und seine Paladine
authorFelix und Therese Dahn
yearca. 1923
publisherBreitkopf & Härtel
addressLeipzig
titleKaiser Karl und seine Paladine
created20060101
sendergerd.bouillon
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16. Herrn Karls Ende.

Herr Karl war alt: er saß in Aachen auf seinem goldenen Faltestuhl. »Das Ende kommt,« sprach er, »mein Sohn Ludwig soll mein Erbe sein. Folgt mir in die Kapelle, und helft ihn krönen.«

Da lag die goldene Krone auf dem Hochaltar, und Karl faßte den Jüngling an der Hand und sprach:

»Sohn Ludwig, sieh dort die Krone! Brich nie das Recht, und begehe niemals Verrat. Den Waisen wahre ihr Erbe. Nach unrechten Dingen darfst du nicht begehren. Sohn Ludwig! Sieh da die Krone, wenn du sie nimmst, wirst du König und Kaiser sein; an der Spitze deines Heeres sollst du dann reiten und die Heiden bekämpfen zu Land und zu Wasser. Willst du das?«

Da beugte Ludwig das Knie, und Kaiser Karl setzte ihm die Krone aufs blonde Haupt und segnete ihn.

Bischof und Priester sangen ein Danklied und schwangen die Weihrauchfässer, das Volk aber jubelte seinem neuen Herrn zu.

484 Bald danach erkrankte der große Karl, er lag auf seinem Lager zu Aachen, und er faltete die Hände auf der Brust und sprach: »Waltender Himmelsherr, in deine Hände befehl' ich mich!« Und er streckte seinen Leib und starb.

Da kamen die Bischöfe, beteten über ihn und trugen ihn, auf seinem Faltestuhl sitzend, hinab in die Gruft der Kapelle. Joyeuse legten sie auf seine Kniee, die goldene Krone setzten sie auf sein blütenweißes Haupt.

Und die Sage geht um, daß Kaiser Karl entrückt sei in den Untersberg bei Salzburg. Der Berg ist hohl, Gärten und Wiesen birgt er, und Zwerge hüten seine Schätze. Dort sitzt Kaiser Karl schlafend auf goldenem Stuhl am Marmeltisch, das nackte Schwert auf den Knieen, die Krone auf dem Haupt, und sein weißer Bart wallt ihm über die Brust und wächst um den Tisch. Und zuweilen schüttelt er sein stolzes Haupt wie im Traum. Und rings um ihn sitzen im Zauberschlaf seine Paladine. Und wann der Bart dreimal um den Tisch gewachsen sein wird, dann wacht er auf und stößt in sein Hiefhorn; da springen seine Helden empor und nehmen die Waffen. Der Berg tut sich auf, Herr Karl hängt seinen Schild an den dürren Baum in der Walser Heide, der Baum wird wieder grünen, und Kaiser Karl schart alle Guten um sich und schlägt eine gewaltige Schlacht und gewinnt den Sieg seinem Volk in höchster Not.

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