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Kaiser Karl und seine Paladine

Felix Dahn: Kaiser Karl und seine Paladine - Kapitel 33
Quellenangabe
typelegend
booktitleKaiser Karl und seine Paladine
authorFelix und Therese Dahn
yearca. 1923
publisherBreitkopf & Härtel
addressLeipzig
titleKaiser Karl und seine Paladine
created20060101
sendergerd.bouillon
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Die Schlacht war wild: das Blut rieselte übers Gras. »Das Frankenvolk ist allzukühn! hilf uns, Marsil!« schrieen die Saracenen. Sie hielten es nicht mehr aus und wichen zurück. Aber die Franken jagten nach und trieben sie bis zu Marsil. Der ließ alle Hörner blasen und ritt mit dem versammelten Heervolk gegen den Paß.

Allen voran flog Abisme, ein dunkelhäutiger Äthiope. Er lachte nie, aber mutig war er und tollkühn; er trug seinem Zug ein Drachenbild voraus. An seinem linken Arm hing ein wunderbarer Schild, Amethyste, Karfunkel und Topase waren darauf eingelegt, ein Geschenk König Galafers, der sollte ihn vom Teufel bekommen haben.

Als Turpin den Äthiopen erblickte, verlangte er sehr, ihn zu töten, und leise sprach er bei sich: »Feiger Sinn ist mir verhaßt: ich will sterben oder diesen Heiden erschlagen!«

Darum spornte er seinen Hengst vorwärts, ein dänisch Streitroß, mit feinen Fesseln, starken Schenkeln, weißem Schweif, Mähne und Kopf waren falbfarben. Der Erzbischof zögerte nicht: er schlug mit Almace auf den funkelnden Schild, daß er krachend zersprang und durchhieb 454 Abisme von der einen Rippe zur andern. Tot lag der Schwarze.

»Wollte Gott, Karl hätte mehr solche Bischöfe!« sprachen die Barone.

Da begann erneutes Streiten: hei, schwangen die Paladine ihre Schwerter! In vier Stürmen obsiegten sie, im fünften waren sie gefallen bis auf sechzig. Als Roland seine Degen also erliegen sah, rief er Oliver an: »Ach Freund, daß Karl hier wäre! Ich will Olifant blasen, damit er's hört!«

»Das wäre Schande für dein ganz Geschlecht! Zur rechten Zeit hast du es nicht gewollt: nun ist's zu spät, und du sollst nicht blasen: man könnt's für Feigheit nehmen!«

»Sieh, Oliver, wie schwer die Unsern ringen, ich werde blasen!«

»Nein, Markgraf! Untadelig laß uns sterben! Blase nicht! Oder nie mehr soll dir Alda im Arme ruhn, kehr' ich zurück.«

»Weshalb erzürnst du dich so sehr?« fragte Roland.

»Gib dir selber die Schuld; Kühnheit mit klugem Maß gepaart ist weiser, als stolzer Übermut! Durch dich sterben hier des Kaisers Degen. Hättest du mir gefolgt! Karl wäre hier, gewonnen die Schlacht und Marsil tot. Auch wir, Freund, müssen noch vor Abend Abschied nehmen.«

Da gesellte sich ihnen Turpin und rief: »Ihr Grafen, hadert nicht miteinander. Rolands Blasen nützt uns nichts mehr, doch Karl wird es hören, umkehren und uns rächen. Die Saracenen werden besiegt, wir aber, statt von wilden Tieren gefressen, christlich begraben werden. Darum blase, Roland.«

Da setzte der stolze Markgraf Olifant an den Mund 455 und blies gewaltig hinein: weithin drang der Schall und der Widerhall, über Pässe und Berge.

Kaiser Karl hörte ihn, hielt Tencendur an und sprach: »Meine Barone stehen im Kampf.«

Und wieder blies der Markgraf: das Blut sprang ihm aus dem Mund, und die Adern barsten an den Schläfen. –

Kaiser Karl hörte den Klang und sprach: »Das ist Rolands Horn, es hat einen grimmen Ton, ihn zwingt die Not, zu blasen!«

»Was Not und Kampf!« rief Ganelon, »Ihr seid alt geworden und weich wie ein Kind, Herr Kaiser! Wir alle kennen Rolands Übermut, er bläst um einen Hasen einen ganzen Tag lang. Was stehen wir still, vorwärts!«

Und zum drittenmal blies Roland – mit Schmerz und Pein.

Kaiser Karl hörte es und sprach: »Das Horn hat langen Atem!«

Und alle Franken hörten es, und Naimes sprach:

»Roland bläst, er ist in der Schlacht! Wers anders deutet, ist ein Verräter. Wendet die Rosse, ruft den Schlachtschrei, Roland ist in Not!«

Da ergellten jäh der Franken helle Hörner, rasch waffneten sich Herren und Knechte, stiegen auf die Kampfrosse, schwangen die Oriflamme empor und sprengten zurück über die Pässe nach Ronceval.

Gar grimmig war Karl, er ließ Ganelon ergreifen und übergab ihn Besgun dem Küchenmeister: »Bewach ihn gut, er hat Roland verraten!«

Hundert Köche liefen herbei, unter vielen Schlägen wurde Ganelon schmachvoll auf ein Saumtier gebunden und mit fortgeführt.

456 Karl ritt dahin in grimmigem Zorn, sein weißer Bart wallte auf seine goldene Brünne. –

In Ronceval sah Roland übers Kampffeld und die Hügel und sah seine Franken erschlagen: »Ihr Tapfern!« klagte er, »habt Dank für all eure treuen Dienste! Ich konnte euch nicht erretten! Freund Oliver, komm wieder in die Schlacht, mit unsern letzten zu sterben.«

Und er schwang Durendal und erschlug einen Feind um den andern, sie flohen vor ihm wie die Hirsche vor der Rüde.

Marsil war selbst in den Streit geritten, nun streckte er den Grafen Gerhard nieder.

»Gott soll dich verdammen, König!« rief Roland gegen den Spanier ansprengend und hieb ihm die rechte Hand, die Schwerthand, ab, und mit dem zweiten Schlage das Haupt Marsils Sohne Jurfalu.

»Hilf Mohammed!« schrieen die Saracenen, »diese Franken weichen nur dem Tod.«

Marsil aber riß seinen Hengst herum und floh und mit ihm ein ganzer Schwarm. Doch des Königs Oheim Marganic mit seinen Scharen blieb im Feld: Äthiopen, Mauren, lauter dunkelhäutig Volk. Wild schreiend stürmten sie ein auf das kleine Häuflein Franken.

»Nun geht's zu End' mit uns,« sprach Roland, »Barone, schlagt zu! Gedenkt der Ehre, daß Karl, wann er kommt, auf einen Christen fünfzehn Heiden erschlagen findet. Er wird uns danken!«

Marganic sprengte mit arger List Oliver in den Rücken und durchstieß ihm von rückwärts die kühne Brust.

»Nimm das!« rief er, »an dir hab' ich genug Rache!« Doch Oliver faßte Alteclair fest und traf den Neiding mitten auf den Helm, ihm das Haupt spaltend, bis in die Zähne.

457 »Schmach über dich!« rief er dabei, »du wirst dich nirgends rühmen, daß du Oliver getroffen hast!«

Aber der Graf war zum Tode getroffen, da schlug er noch gar grimmig um sich, rief hell: »Montjoie Karl!« und dann: »Freund Roland, komm, nun müssen wir Abschied nehmen!«

Das Blut rann ihm über Leib und Beine, Roland schaute, wie sein Antlitz sich verfärbte, und klagte: »Weh dir, süßes Francien, nun verlierst du deinen kühnsten Helden!« Und besinnungslos sank er auf Veillantif zusammen.

Oliver flimmerte es vor den Augen, er sah nichts mehr, aber er schwang immerfort Alteclair, da traf er Roland auf den Helm und zerhieb den bis an die Nasenstange. Roland fuhr auf aus seiner Betäubung, sah seinen Freund an und fragte:

»Bruder, warum tust du mir das? Ich bin ja der Roland, der dich so sehr liebt!«

»Weh mir!« antwortete Oliver, »nun erkenn ich dich an deiner Stimme: sehen kann ich dich nicht mehr: verzeih mir's, Genoß.«

»Gern! Du hast mich nicht verletzt!« tröstete ihn Roland, und sie neigten sich zueinander, küßten sich und schieden: denn der Tod ergriff Oliver.

Er stieg vom Roß und legte sich auf die Erde. »Sei gesegnet, Heimatland! Gesegnet, großer Karl! Gesegnet vor allem du, Roland! Freund, nun fahr' wohl!«

Da stockte das kühne Herz, das schöne, kluge Haupt sank vornüber, der erstarrte Leib streckte sich aufs Graf: Herr Oliver war tot.

Laut jammernd weinte der stolze Roland: »Fahr' wohl, Genoß! Du hast mich nie gekränkt! Wie liebte ich dich so sehr! Was gilt mir mein Leben, nun du tot liegst!«

458 Und abermals schwanden ihm die Sinne: er saß auf Veillantif, seine Füße staken in den goldenen Bügeln, die hielten ihn, daß er nicht vom Sattel glitt.

Als er aus seiner Ohnmacht erwachte, waren alle Franken erschlagen, außer Turpin und Walter von Leon. Der hatte tapfer auf den Hügeln gestritten, bis der letzte seines Zuges fiel, da floh er ins Tal und rief:

»Roland, wo bist du? Schild und Speer sind mir zerbrochen, mein Kettenhemd ist zerschlitzt, mein Leib durchspeert, ich sterbe, doch ich rächte mich zuvor.«

Der Markgraf lenkte sein Roß dahin, wo er sich rufen hörte, sein Herz ward unfroh, zwanzig Saracenen fielen von seinem Schwert. Walter von Leon erschlug noch sechs, Turpin spaltete noch fünfen die Schädel. Und die Heiden sprachen: »Das ist schlimmes Volk, keiner darf lebend entkommen.« Und mit wildem Schlachtschrei gingen sie gegen die drei. Sie wagten sich nicht mehr heran, von fern schossen sie Rohrspeere, Pfeile und zugespitzte Keile. Die ersten Geschosse trafen Walter, tot sank er um. Des Erzbischofs Schild wurde ganz zerbrochen, seine Brünne zerrissen, zerschmettert sein Helm, sein Haupt verwundet, und vier Speere trafen seinen Leib. Sein Scheck stürzte, von einem spitzen Keil in den Bug getroffen, unter ihm.

Turpin raffte sich auf: »Noch leb ich und bin nicht besiegt!« rief er und sprang an Rolands Seite, Almace in der Hand; und die Sage singt: da fielen die Heiden vor dem Bischof in Haufen.

Roland ermattete nicht im Zuschlagen; er troff von Schweiß, im Kopf brannte ihm fürchterlicher Schmerz: da setzt er noch einmal Olifant an den Mund – er wollte wissen, ob Herr Karl käme – und blies: das gab einen schwachen Klang.

459 Aber der Kaiser hörte ihn und sprach: »Das bedeutet Unheil: Roland stirbt, ich hör's am Blasen. Nun laßt alle Hörner gellen und rückt rasch vorwärts!«

Der Abend war klar, die Sonne ging zur Rüste. Die Berge erdröhnten von dem Schall der Frankenhörner: er hallte bis ins Tal von Ronceval. Die Heiden hörten es mit Schrecken. »Karl ist da!« riefen sie, »der Kaiser kommt zurück! Hört die Frankenhörner! Allah beschirme uns! Ganz Spanien ist verloren und wir alle sind's, wenn Roland am Leben bleibt.«

Vierhundert ihrer Mutigsten scharten sich zusammen und wollten dem Markgrafen ans Leben. Als der sie kommen sah – keine Wunde hatte er am Leibe – ergrimmte er in wilder Kampflust: er spornte seinen Hengst, rannte sie an und hieb nieder, wer ihm nicht auswich. Turpin schritt neben ihm her und rief: »Hörst du Karls Hörner? Er kommt, hau zu, Freund!«

»Ich sitze zu Roß, du bist zu Fuß, Bischof,« sprach Roland, »ich bleibe an deiner Seite, wir teilen Sieg und Tod!«

»Nur zu! Karl kommt und wird uns rächen!« antwortete Turpin.

Schon hallte es tausendfach von den Bergen »Montjoie Karl!« Die Saracenen gerieten in große Angst: »Das war ein unheilschwerer Tag für uns,« sprachen sie, »Roland ist wie ein Dämon an Kraft und Wildheit: kein Lebender von Fleisch und Blut kann den besiegen. Schießen wir noch einmal auf ihn und dann zurück nach Saragossa.«

Da flog prasselnd und schwirrend ein Schauer von Pfeilen, Speeren und Steinen auf Held Roland! Sein Schild wurde ganz zermalmt, aus seiner Brünne rasselten die Ringe allerorten, zerschlitzt hing sie an seiner Brust: – 460 aber unversehrt blieb sein Leib. Veillantif stürzte tot nieder, getroffen an zwanzig Stellen.

Die Spanier flohen. Roland stand auf dem Feld und konnte sie nicht verfolgen. Da half er Turpin, die zerschossenen Wehrkleider ablegen und verstopfte ihm die Wunden mit dem weichen Unterkleid, das Blut zu stillen. Dann umarmte er ihn und legte ihn sanft aufs Gras.

»Freund Bischof,« sprach er, »nun will ich alle meine lieben Bankgenossen suchen und sie hier neben dich betten.«

»Geh, Markgraf, du hast gesiegt, Gott sei die Ehre!«

Der stolze Roland schritt allein übers Schlachtfeld und suchte und fand, die er suchte. Er trug sie, einen nach dem andern, vor den Bischof und legte sie in eine Reihe. Turpin weinte, hob die Hände und segnete sie: »Euch bettet Gott im Paradies! Nun naht auch mir der Tod, ich werde Herr Karl nicht mehr schauen.«

Als den letzten brachte Roland Oliver: zärtlich umschloß er ihn mit den Armen und legte ihn nieder auf einen Schild und sprach: »Es war kein besserer Mann und Held auf Erden!«

Und vor Gram und Weh rannen ihm die Zähren über die Wangen und er sank in Ohnmacht.

Turpin raffte sich auf, nahm Olifant und wollte aus einem Quell Wasser für den Betäubten schöpfen. Wie er hinschritt, floß ein Strom Blutes aus seinen Wunden, kaum einen Speerwurf weit kam er, da fiel er vornüber in die Kniee. Roland erwachte, schaute umher und sah den Bischof liegen, wie er aufblickend, die gefalteten Hände zum Himmel reckte und Gott anrief; dann sah er ihn umsinken: die schönen weißen Hände auf der Brust gekreuzt lag er tot da.

»Sei Gott befohlen!« sprach Roland, »keiner diente 461 ihm besser als du, darum wird er dir sein Himmelstor auftun.«

Nun fühlte auch er den Tod nahen: es brauste ihm in den Ohren, das Gehirn quoll aus seinen geborstenen Schläfen. Er nahm seinen Olifant in die eine, Durendal in die andre Hand, schritt einen Pfeilschuß weit gegen Spanien hin auf einen Hügel, wo ein Baum grünte zwischen dunklen Marmorblöcken, dort sank er betäubt ins Gras.

Ein Saracene, der leicht verwundet unter den Gefallenen lag, hatte sich tot gestellt und ihn belauert, nun sprang er auf und lief auf den Hügel. Er war stark und keck, tödlicher Haß glühte ans seinen schwarzen Augen, er griff nach Durendal und rief: »Nun ist der stolze Roland bezwungen, fortan trag' ich sein Schwert!«

Er zog an Durendal, es aus des Betäubten Hand zu reißen, darüber erwachte Roland, sah den Saracenen und sprach: »Mich dünkt, du bist kein Franke, wie wagst du's mich anzurühren?« Und er schwang den Olifant mit der Linken und schlug ihm aufs Haupt, Helm und Hirn zerschmetternd. Tot rollte der Kecke vor des Markgrafen Füße. Der blickte sein Horn an und sprach: »Ach schöner Olifant, du bist darüber zersprungen, Steine und Gold liegen hier zerstreut.«

Nun faßte er Durendal fester und schlug auf einen der Marmorsteine, es zu zerbrechen, aber die gute Klinge bekam nicht einmal eine Scharte. »Ach gutes Schwert,« rief er, »wie soll ich dich bewahren vor feigem Mann?«

Und wieder hieb er auf den Stein, das Schwert brach nicht.

»Du gutes Schwert, Durendal, wie glänzest und funkelst du im Abendschein! Herr Karl hat dich mir umgegürtet, ich nahm mit dir so viele Länder, die nun Herr 462 Karl beherrscht: Durendal, ich gönne dich nicht den Heiden!«

Und zum drittenmal hieb er in den dunklen Marmelblock und schlug ein großes Stück davon ab, doch Durendal brach nicht; und Roland sprach: »Du schöne Schneide, durch dich wurde Herr Karl stark und mächtig. Er gab dich mir, nur ihm geb' ich dich zurück.«

Nun fühlte er den Tod seinem Herzen nahen. Er schritt unter den Fichtenbaum, legte sich nieder ins Gras, das Angesicht Spanien zugewandt, Karl zu verkünden, daß er als Sieger gestorben; unter sein Haupt legte er Olifant und hielt mit der Rechten Durendal gefaßt. Er gedachte der Heimat, Herr Karls, seiner Siege und aller süßen Dinge: da seufzte der stolze Roland und weinte. »Gott des Himmels,« sprach er, »sei mir gnädig!« Und er reichte seinen rechten Handschuh zu Gott empor und starb.

Und Gott der Herr schickte den Engel Gabriel hinab, der nahm den Handschuh aus Rolands Hand.

Der Cherub Michael stieg nieder mit seiner Engelschar und sie trugen Rolands Seele ins Paradies.

Kaiser Karl kam geritten in den Paß von Ronceval und fand keinen fußbreit frei von Toten. »Wo bist du, Roland? Wo seid ihr, meine Paladine? Ihr stolzen Genossen meiner Siege?« rief er und raufte sich den weißen Bart, und mit ihm weinte das ganze Heer. Sie klagten laut, suchten ihre Freunde und Gesippen. Naimes ermannte sich zuerst, er sprach zum Kaiser: »Sieh dorthin, siehst du den Staub aufwirbeln hinter den entfliehenden Saracenen? Laß uns hinterdrein reiten und Rache nehmen!«

463 »Auf!« rief Karl, »sind sie auch weit voraus.« Er winkte vier Grafen: »Bewachet mit eurem Häuflein das Gefild, laßt alle Toten ruhn, sorget, daß nicht wilde Tiere sich hinschleichen – keiner rühre die Gefallenen an, bis ich zurückkomme.«

Dann sagte er mit dem ganzen Heervolk hinter den Fliehenden her. Aber schon sank die Sonne, die Nacht drohte, ihm die Rache zu vereiteln, da stieg Karl ab, kniete nieder und rief Gott zu Hilfe. Und der Engel Gabriel erschien an seiner Seite und sprach: »Reite zu, Karl, lieber, an Licht wird dir's nicht fehlen, räche dich!«

Und vorwärts zogen die Geschwader im raschen Ritt: die Sonne stand still in ihrem Lauf. Im Tal Tenebre erreichte Karl die Heiden und trieb sie vor sich her bis Saragossa an den Ebro. Weder Fähre noch Fährmann waren da zur Hand und die Saracenen, vor dem Schwerttod fliehend, sprangen in den reißenden Strom, ihre schweren Wehrkleider zogen sie hinab: die nicht von den Franken erschlagen wurden, ertranken und fuhren in die Hölle.

Da stieg Kaiser Karl vom Roß, kniete hin und dankte Gott für den Sieg. Als er sich erhob, war die Sonne gesunken.

»Wir können heut nicht mehr zurückkommen nach Ronceval,« sprach er, »sattelt ab und laßt uns hier die Nacht verbringen.«

Er legte sich auf die Wiese, die Brünne um die Brust geschnallt, Joyeuse an die Seite gegürtet, ihm zu Häupten ruhte sein langer Eschenspeer.

Der Mond stieg auf, die Rosse lagen ermattet hingestreckt, und alle Franken lagen schlafend! Nur Karl wachte vor Schmerz um Roland, bis ihn die Müdigkeit übermannte. Da sandte Gott ihm den Engel Gabriel, 464 der stand an seiner Seite und behütete seinen Schlaf und zeigte ihm in Traumgesichten künftige Geschehnisse.

Marsil hatte zu Beginn des großen Krieges gegen Karl um Hilfe geschrieben an den Admiral von Babylon, den uralten Baligant. Lange hatte der gerüstet und ein unabsehbares Heer in Alexandrien zusammengeschart, das aus vielen starkkieligen Schiffen über die Salzflut geschwommen war und um diese Zeit in den Ebro einlief. Als die Heerführer die Moscheen von Saragossa erglänzen sahen, gingen sie ans Land und schlugen Zelte im freien Gefild. Unter einem Lorbeerbaum auf weißer Decke sitzend, schwur da Baligant, daß er nach Aachen ziehen und nicht eher rasten wolle, bis der große Karl tot oder ihm unterworfen sei.

Er gab seinen golddurchwirkten Handschuh zweien Boten und sprach: »Bringt ihn Marsil und sprecht, ich sei gekommen, ihn aufs neue mit Spanien zu belehnen und Karl die Krone vom Haupt zu reißen.«

Die Boten fanden in Saragossa ein bekümmertes Volk. Wehschrei und Fluchen hallten durch die Straßen, sie schritten mit freundlichem Gruß in den säulengetragenen Palast: da fanden sie Marsil von großem Blutverlust erschöpft auf seinen Polstern liegend. Braimunde saß davor und weinte um ihn und beantwortete der Boten Gruß mit traurigen Klagen.

»Fasse dich, Weib,« sprach Marsil und erzählte den Boten alles was in Ronceval und am Ebro geschehen und daß der Kaiser dort im freien Feld nächtige. Ganz verstört kamen die Boten zurück zum Admiral, der hörte sinnend ihren Bericht, dann rief er: »Auf! Laßt alle 465 Krieger von den Schiffen ans Land steigen und zu Roß, wir reiten noch heut Nacht nach Saragossa.«

Dort eilte er in den Palast zu Marsil, der sprach: »Gesegnet sei dein Kommen, ich habe mich und mein Volk verloren. Ganz Spanien übergeb' ich dir, beschirme du es vor Karl!«

»Ich darf nicht länger zögern, sonst entwischt er mir! Die Mitternacht ist lang vorbei,« antwortete Baligant und schritt hinaus, sprang auf Bestbrun sein Roß, ritt seinem Heervolk voran und rief: »Auf! Karl darf mir nicht entrinnen.«

Beim ersten Frührot war Karl erwacht und er ritt mit seinen Franken rasch zurück nach Ronceval. Einen Steinwurf weit von den andern langte Karl auf dem Hügel an, wo Roland lag. Da waren alle Blumen rot gefärbt, Tränen rannen in des Kaisers blütenweißen Bart. Da erblickte er seinen Neffen, er sprang vom Roß, eilte hin, schloß ihn fest in seine Arme und ohnmächtig sank er so über ihn hin. Naimes und vier edle Grafen kamen hinzu und richteten ihren Herrn wieder auf.

Der hub an zu klagen: »Weh um dich, trauter Neffe, sei gesegnet, liebster Roland, nun tot wie lebend einst. Nie sahen Menschen solchen Mann! Du warst Gottes und der Tapfern Freund.«

Er küßte den Toten und wieder schwanden ihm die Sinne, die Grafen hielten ihn aufrecht bis er wieder zu sich kam. Sein Antlitz war verfärbt, seines Auges Glanz getrübt, er blickte den Toten an:

»Kein Tag wird vergehen, an dem ich dich nicht beweine! Freund Roland, du Held, du schöne Jugend, tot 466 liegst du. Wer führt nun mein Heer? Oh, daß ich sterben dürfte und neben dir liegen.«

Er raufte sich das weiße Haar und den blütenweißen Bart und weinte, und alle Franken weinten mit ihm.

»Armer Kaiser!« seufzte Naimes.

»Fasset Euch, Herr!« sprach Ogier, »lasset uns die Toten bestatten.«

Und der Herzog schritt hin und wollte Durendal aus Rolands Hand nehmen, aber er konnte es nicht, der Tote hielt es fest. Karl befahl zwei starken Baronen: »Löst die Hetze aus seiner Faust;« sie vermochten es nicht und nicht ihrer fünf zusammen.

Da sprach der Kaiser: »Tot wie einst lebend, stolzer Held, fest hältst du dein Schwert,« und er faßte Durendal und des Toten Finger taten sich auf. Keinem Geringern, als er war, gönnte der stolze Roland sein Schwert.

Karl aber hat es in die See geworfen, wo es noch heute ruht.

Nun trugen Herren und Knechte, Mönche wie Kapläne die fränkischen Toten zusammen und begruben sie unter Singen, Beten und Weihrauchschwingen alle in einem großen Grabe. Nur Roland, Oliver und Turpin ließ Karl aufheben. Ihre Leiber wurden mit Wein gewaschen, gesalbt und balsamiert und in frische Hirschhäute genäht, auf drei Wagen gebahrt, alexandrinische Decken darüber gebreitet, sie mitzuführen in die süße Heimat.

Als die Franken sich zur Heimkehr anschickten, wurde des Admirals Vorhut sichtbar, und zwei Boten ritten vor Karl hin: »Was entfliehst du vor Baligant?« riefen sie, »er führt ein gewaltiges Heervolk daher, mit dir um Spanien zu streiten.«

467 Kaiser Karl ergrimmte, er gedachte seiner erschlagenen Paladine und Barone, er strich seinen blütenweißen Bart und rief mit heller Stimme:

»Zu den Waffen! meine Franken!«

Vor allen saß er auf Tencendur, kampfbereit. Er rief herbei Naimes und Jozerant von der Provence und sprach: »Liebe Freunde, nun wollen wir erst Roland und alle Gefallenen rächen, ordnet mein Wehrvolk!«

»So helfe uns Gott zu einer guten Rache!« antwortete Naimes und ging ans Werk.

Die ersten Scharen bildeten die fränkischen Jungherren. Dann kamen die starken Bayern; nach seinen Franken liebte Karl kein Volk mehr als dieses.

Ihnen folgten die Alamannen, die starben lieber, als daß sie geflohen wären. Die fünfte Schar waren Normannen auf schnellen Rossen, die waren gewaltig im Streit, der alte Richard führte sie selbst.

Nun kamen die Bretonen mit bunt bemalten Speerschäften, daran farbige Wimpel flatterten. Sie kannten Heldensitte.

Dahinter ordnete sich ein Zug aus Poitou und Auvergne: Jozeran führte sie, und Karl segnete sie mit eigner Hand.

Im achten Haufen ritten Brabanter und Friesen, die taten ihrem Kaiser guten Kriegsdienst.

Lothringer und Burgunden folgten, mit kurzen Speeren und festen Brünnen.

In der zehnten Schar ritten die fränkischen Barone mit weißem Scheitel und weißem Bart, mit wildem Antlitz, doppelte Brünnen um den stolzen Leib geschnallt, spanische Schwerter in der starken Faust. Ihre bunten Schilde glänzten und glühten im Sonnenschein. Mit ihnen ritt Kaiser Karl. »Montjoie!« riefen sie hell und trugen die Oriflamme in ihrer Mitte.

468 Und Kaiser Karl kniete nieder vor dem Heer und betete laut:

»Herr Gott, nun hilf uns Roland rächen.«

Dann schwang er sich aufs Roß, Naimes und Jozerant hielten ihm den Bügel; er gab das Zeichen zum Aufbruch und ritt vorwärts. Weithin ergellten die Frankenhörner. Bald kamen sie aus den Bergen in eine weite Ebene, wo die Saracenen ihrer warteten.

Die zwei Boten waren ihnen voran geeilt zu Baligant: »Herr,« sprachen sie, »bereite dich zur Schlacht, der große Karl blickte uns zornig an, sein Heervolk ist kampfbegierig!«

Der Admiral sprang auf, gürtete sein Schwert Preciuse um die Hüfte, nahm den goldgebuckelten Schild, faßte den Speer Maltet und schwang sich auf sein Roß: fest saß er im Sattel, mit starken Schenkeln den feurigen Hengst bändigend. Auf seine breite Brust wallte lang hernieder der schneeweiße Bart, schneeweiße Locken umrahmten sein stolzes Haupt. Die Heiden jubelten ihm zu: »Heil dir! Schirmherr von Spanien!« Er musterte sein Heer, das aus dem Abend- und Morgenlande zusammengeschart war. Dickköpfige Micener, auf dem Rücken mit Schweinsborsten bewachsen, Armenier, Mauren, häßliche Kananäer, Perser, dann ein Wüstenvolk mit eisenharter Haut, das trug nicht Helm noch Brünne, Berber, Spanier, Türken, Araber und Riesen von Malperse: ein unabsehbar Völkerheer. Ein Drachenbanner wurde ihnen vorangetragen und Bildnisse ihrer Götter. Wild schrieen sie ihren Schlachtschrei »Preciuse!« als Baligant seinen Speer schüttelte.

»Montjoie!« antworteten die fränkischen Barone.

»Mir nach!« rief Kaiser Karl, vorwärts rannte Tencendur, und da begann die furchtbare Schlacht.

Die Heiden schlugen tapfer zu: Schilde zerschellten, Speere splitterten, Helme zersprangen, Brünnen barsten, 469 Rosse wieherten, Gefallene stöhnten; das grüne Gras ward von Blut rot. Und als die Speere verschossen waren, gab's einen freislichen Schwerterschwang. Ungestüm rief Baligant: »Haut ein! Ich geh' euch Gold und schöne Weiber!«

»Schlagt zu, Barone,« rief Kaiser Karl mit heller Stimme, »rächt eure Freunde und Gesippen! Schlagt zu! Land und Lehen werd' ich euch geben!«

Des Admirals Sohn ritt auf milchweißem Roß durch die Reihen und schlug die Franken nieder. Grimmig blickte Herzog Naimes auf ihn, rannte den Jüngling an und durchspeerte ihm das Herz. Des Gefallenen Oheim heischte Rache, er hieb dem alten Naimes gewaltig auf den Helm und eine tiefe Wunde in den Kopf: betäubt umklammerte der Herzog seines Hengstes Hals, und schon holte der Saracene aus zum Todesschlag, – da fuhr ihm mitten durchs Antlitz Karls wuchtiger Speerstoß, tot fiel er aus dem Sattel.

»Freund Naimes,« sprach der Kaiser, als der Herzog sich erholte, »für diesmal ging's noch gut, bleibe nun an meiner Seite.«

Der Admiral führte grimmige Streiche, er erschlug mit seinem Schwert den tapfern Richard vom Normannenland.

Doch kein Franke wollte fliehen, wieviel ihrer auch niedersanken. Bis zum Abend dauerte das Stürmen, Tosen und Morden.

Als Baligant die Kunde kam von seines Sohnes Tod, befragte er Zangleu, seinen kühnsten Kämpen, um den Sieg.

»Admiral,« antwortete der, »deine Götter können dich nicht schützen gegen Karl, nie sah ich solchen Helden! Besende rasch die Scharen, die noch im Rückhalt stehen: Türken, Araber und Riesen, daß sie in die Schlacht gehen.«

Da kamen die Gerufenen: mit gräßlichem Geschrei und 470 Geheul zogen sie aufs Feld und brachen der Franken geschlossene Reihen. Ogier, dem Dänen mißfiel das.

»Mir nach, ihr starken Bayern!« rief er, »rächen wir die Schmach!«

Und vorwärts rannte sein Streitroß und geradewegs auf das Drachenbanner zu. Der Herzog schwang Curtaine und schlug den Bannerträger mit gespaltenem Haupt zur Erde. Den Drachen zerstampften die Gäule der Bayern, die nicht hinter ihrem Führer zurückblieben.

Die Araber flohen schon. Baligant erschrak, doch unentmutigt rief er: »Preciuse!«

Und ihm entgegen hallte Karls »Montjoie!«

Daran erkannten sich die beiden und stießen zusammen inmitten des Schlachtgetümmels. Beim ersten Anprall brachen ihre Speere, die Gurte ihrer Sättel platzten, daß sie beide auf die Erde fielen. Rasch waren sie wieder auf und schwangen die Schwerter: Joyeuse und Preciuse. Sie zerhackten einander die Schilde, zerschlitzten die Brünnen. Feuer sprang von ihren Helmen.

»Großer Karl,« sprach Baligant, »du hast mir den Sohn erschlagen und willst mir Spanien nehmen! Steh ab, ich will dein Freund sein, bekenne Mohammed und diene mir!«

»Ich diene Gott dem Himmelsherrn! Entsage deinen Götzen, dann will ich dich lieben und mit Spanien belehnen.«

Statt der Antwort traf Baligant mit furchtbarem Schlag auf des Kaisers Haupt und schlug, den Helm zerspaltend, ihm durch die weißen Haare eine böse Wunde ins Haupt.

Karl wankte und wäre erlegen; doch da stand der Engel Gabriel an seiner Seite und sprach: »Ermanne dich, Karl, lieber! Schlag zu: nimm deine Rache.« Da kehrten Kraft und Zorn Herrn Karl zurück, er schwang Joyeuse 471 auf Baligants steinfunkelnden Helm, zerspaltete ihn und das weiße Haupt darunter auf einen Hieb. Tot stürzte der gewaltige Recke zu Boden. Herzog Naimes führte Tencendur herbei. Der Kaiser saß auf.

»Montjoie! Nun freut euch, Franken,« rief er, »und tröstet euch der Tränen, die ihr heute Morgen geweint habt.«

Und alle Ungläubigen flohen vor ihm nach Saragossa.

Königin Braimunde stand auf dem Söller des Palastes und sah sie kommen. »Weh uns, Marsil!« rief sie, »der Admiral ist erschlagen! Karl gewann den Sieg!«

Da kehrte sich der König auf seinem Krankenlager mit dem Antlitz gegen die Wand und starb vor Gram.

Niemand bewachte Saragossas Tore, die Franken ritten ein und besetzten die Stadt. Und noch in derselben Nacht, – hell leuchtete der Mond, – durchsuchten sie alle Bethäuser und zerschlugen der Saracenen Götzenbilder.

Bischöfe segneten die Moscheen und weihten das Wasser: wer gefangen, wurde getauft. Nur Braimunde ließ Karl mitführen ins Frankenreich, dort sollte sie, von Priestern unterrichtet, aus eigner Wahl Christin werden.

Nachdem der Kaiser tapfere Grafen in Saragossa eingesetzt hatte, zog er heim, nach Francien.

In Bordeaux legte er Olifant gefüllt mit Gold nieder auf Sankt Severins Altar. Rolands und Olivers Leiber führte er nach Blaye; und in weißen Marmorsärgen wurden sie beigesetzt in der Gruft zu Sankt Romanus; und neben ihnen Erzbischof Turpin.

Dann zog Karl, Tag und Nacht reitend, nach Aachen. Und als er in seine Pfalz schritt, trat ihm Alda entgegen, grüßte ihn und fragte:

472 »Wo ist Roland, mein Gemahl?«

Da weinte Karl und sprach: »Kind, du fragst nach einem Toten. Ich will ihn dir ersetzen, ich gebe dir Ludwig, meinen Sohn und Erben, zum Gemahl.«

»Wie sollt' ich leben, da Roland tot liegt!« rief sie und fiel jäh erbleichend vor des Kaisers Füßen nieder. Der zog sie empor bei den Händen: ihr Haupt sank auf seine Schulter, die schöne Alda war tot. Karl weinte, alle Umstehenden weinten mit ihm. Er befahl die Tote vier Gräfinnen, die trugen sie in die Muttergotteskapelle: neben dem Altar wurde sie begraben.

Und alsogleich ließ Kaiser Karl Richter laden, aus allen Stämmen seines Reiches, Urteil zu sprechen über Ganelon. Am Sankt Silvestertag saßen sie zu Gericht, zu Aachen in der Pfalz. Der Verräter wurde in Ketten vor sie geführt. Dreißig seiner Gesippen waren dahingekommen. Kaiser Karl saß auf seinem Faltestuhl.

»Barone,« hub er an, »nun sprecht dem Grafen Ganelon sein Recht: er hat meine Nachhut in den Tod gebracht, verraten hat er Roland und meine Paladine!«

»Halt!« rief der Angeklagte, »ich sagte ihnen die Treue auf! Herr Kaiser, Ihr habt es selbst mit angehört, ich habe mich gerächt, das ist nicht Verrat! Gesippen, helft mir.«

Pinabel von Sorence, sein Freund, antwortete: »Verlaß dich auf uns, Vetter: will man dir ans Leben, so stehe ich hier und fordre Gottesurteil.«

Die Richter besannen sich und baten Karl, Ganelon zu begnadigen.

»Ihr seid alle Verräter!« sprach der Kaiser finster und senkte traurig sein Haupt.

Da schritt Dietrich von Anjou, noch ein Jüngling mit schwarzem Haar und braunen Augen vor ihn hin und 473 sprach: »Lieber Herr, Ganelon ward zum Schuft, da er Roland verriet, ihm gebührt der Galgen. Hier steh ich mit dem Schwert mein Urteil zu verfechten, will's einer schelten.«

»Das will ich!« rief Pinabel und trat vor.

»Pinabel, ich heische sichre Bürgen!« sprach Karl.

Da erboten sich die neunundzwanzig andern Gesippen.

»Ich nehme die Bürgen an,« antwortete der Kaiser. »Dietrich und Pinabel ihr sollt kämpfen um Ganelons Recht.« Vor der Pfalz wurde ihnen der Platz abgedeckt.

Herr Pinabel war stark und kampferfahren: er schlug Dietrich mitten auf den Helm und ritzte ihm die Wange, daß das Blut niederrann.

Da faßte der Jüngling sein Schwert, faßte es gut und spaltete dem Gegner das Haupt in zwei Hälften.

»Ganelon werde sein Recht!« riefen da Richter und Franken.

Kaiser Karl schritt hin, umarmte Dietrich und wischte ihm selbst das Blut ab.

Ganelon ward mit Händen und Füßen an die Schweife vier rascher Hengste gebunden, die sprengten unter den Geiselstreichen der Knechte auseinander und zerrissen den Verräter.

Braimunde hörte fleißig eifriger Priester Lehren und wurde eine fromme Christin.

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