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Kaiser Karl und seine Paladine

Felix Dahn: Kaiser Karl und seine Paladine - Kapitel 15
Quellenangabe
typelegend
booktitleKaiser Karl und seine Paladine
authorFelix und Therese Dahn
yearca. 1923
publisherBreitkopf & Härtel
addressLeipzig
titleKaiser Karl und seine Paladine
created20060101
sendergerd.bouillon
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3. Karl und Elbegast.

Karl weilte in seiner Pfalz zu Ingelheim; einmal zur Nacht, als er im Schlafe lag, erschien ihm ein Engel und sprach: »Stehe auf, dein Leben ist bedroht, und suche 177 Elbegast, den Dieb: zieh' mit ihm aus und teile sein Gewerbe, dann wirst du ein Mittel finden, dein Leben zu retten.« Der Auftrag gefiel Karl nicht, aber frommen Glaubens voll gehorchte er. Elbegast war ein Edeling, den König Pippin wegen geringer Schuld mit Einziehung seiner Güter gestraft hatte. Seitdem lebte er von dem, was er großen Herren mit Gewalt abnehmen konnte.

Ohne Begleiter ritt Karl aus und begegnete bald einem verdächtigen Reiter in schwarzen Wehrkleidern. »Waffenâ!« rief Karl, »verteidige dich!« Der Fremde setzte sich mutig zur Wehr, doch Karl schlug ihm das Schwert aus der Faust. »Ich bin Elbegast, ein rechtloser Mann,« rief da der Wehrlose, »gib mir Frieden und ich will dir dienen. Wer bist du, Herr?«

Da nannte sich Karl mit falschem Namen und sprach: »Willkommen, Elbegast; ich heiße Magnus und weiß, daß du ein kluger Dieb bist, laß mich dein Gewerbe teilen. In König Karls Pfalz können wir reiche Beute machen.«

»Nein, Herr,« erwiderte Elbegast, »nahm mir auch Pippin um geringer Schuld willen mein Lehen, – Karl tat mir nichts zu Leide, ihn bestehl' ich nicht. Unweit von hier liegt im Ardennerwald das Schloß des Grafen Eckerich; er ist ein übermütiger, gewalttätiger Mann, dahin will ich dich führen. Ich kenne dort alle Schlupfwinkel.«

Karl war damit einverstanden. Zu Mitternacht kamen sie an das Schloß, sie banden ihre Rosse in einem Versteck an. Während Karl vor den Mauern wartete, schlüpfte Elbegast durch ein ihm vertrautes Pförtlein hinein. Er trug ein zauberkräftig Kraut bei sich, das legte er nun unter seine Zunge und horchte auf das Krähen der Hähne: da hörte er, wie sie sagten: »König Karl steht draußen vor der Hofmauer.«

178 Erschrocken eilte Elbegast zurück und sprach:

»Herr, du bist König Karl: ich hörte es die Hähne im Stall krähen.«

»Tor, wer Zauberei treibt, wird oft betrogen: ich bin, der ich dir sagte, Magnus, dein Herr, dem du Treue gelobt hast.«

»Laß uns fortreiten, Herr,« bat der Dieb.

»Nein,« antwortete Karl, »ich will selbst in das Schloß: führe mich.«

In der Burg schlief alles. Elbegast führte seinen Herrn in des Grafen Gemach, wo derselbe neben seiner Gemahlin auf dem Lager ruhte: beide schlummerten. Elbegast wies Karl ein sicheres Versteck zwischen der Mauern und dem schweren, dichten Vorhang des Bettes. Darauf ging er hinaus in des Grafen Stall und wollte dessen Hengst fortführen. Das Tier wieherte hell auf, davon erwachte Eckerich in seinem Gemach; er rief den Stallknecht und befahl ihm, nach der Ursache des Lärms zu schauen. Als Elbegast den Knecht über den Hof schreiten hörte, kletterte er auf den breiten Dachbalken, der über dem Rücken des Rosses her ragte und legte sich darauf hin. Der Knecht fand den Hengst wie stets in seinem Stande stehen und ging zurück. Nicht lange und der Graf erwachte abermals von dem Gewiehere seines Rosses. Er stand auf, ging selbst in den Stall, fand aber alles in Ordnung. Als er sich wieder auf sein Lager streckte, sprach sein Weib: »Du trägst ein Geheimnis mit dir herum, deshalb erschreckt dich eines Hengstes Wiehern.«

»Du hast recht,« antwortete Eckerich, »und es ist wohl besser, du erfährst nun alles. Wir sind zwölf Verschworene gegen Karl: am nächsten Hoftag wird er fallen, hier im Land aber werde ich König.«

»Wie sollte das geschehen? Schon deine Vorfahren 179 waren Karls Ahnen untertänig. Laß davon, Eckerich, es wird dein Verderben. Und welche sind denn deine Freunde, die ihren Herrn verraten wollen?«

Da nannte er ihr die Namen der Verschworenen und wie sie Karls Reich unter sich zu teilen gedachten. Traurig antwortete die Gräfin: »Das ist abscheulicher Verrat und Torheit dazu: wie könntet ihr an einem Festtag eurem König mit Waffen nahen!«

»Meinst du?« lachte Eckerich. »Wir tragen, verborgen im Gewand, zweischneidige Messer und wann wir huldigend vor Karl hintreten, stoßen wir alle zugleich auf ihn.«

»Tu's nicht, Eckerich,« flehte die Gräfin, »ihr alle waret Mannen seines Vaters, der euch Macht und Ehren gegeben hat, und Karl, seinem Sohne, wollt ihr das lohnen mit Mord! Wehe, daß Karl nicht weiß um eure Falschheit.«

»Schweig, Weib,« rief der Graf ärgerlich und schlug ihr mit geballter Faust ins Gesicht. Blut floß aus Nase und Mund: sie beugte sich über den Rand ihres Lagers und ließ es auf den Estrich träufen. Da hielt Karl leise seinen Handschuh hin und fing die Tropfen auf.

Mählich schliefen der Graf und die Gräfin wieder ein. Elbegast kam geschlichen, nahm auf Karls Geheiß Eckerichs Schwert und schritt voraus dem Stall zu. »Herr,« sprach er dabei, »ich wollte den Hengst stehlen, umsonst; er beißt und schlägt und macht Lärm, sobald ich ihn berühre.« Karl trat schweigend in den Stall und an das Roß, legte ihm den Sattel auf, den Zügel an und führte ihn hinaus. Willig, ohne zu wiehern, folgte der Hengst vor das Schloß. Karl stieg auf und von Elbegast gefolgt ritt er seinem Hofe wieder zu. Vor dem Tore hielt er an und sprach:

»Elbegast, ich mache dich wieder zu einem friedrechtigen 180 Mann in Karls Reich: – aber stehlen darfst du fürder nicht; die Hähne haben dir richtig gekräht: ich bin König Karl.«

In der Halle aber rief er seinen Kanzler: »Höre, Freund, zwölf meiner Großen haben sich verschworen gegen mein Leben; ich weiß ihre Namen, und Eckerich ist ihr Anführer.«

»Dann hat es keine Gefahr: wir fangen sie sogleich; aber wie willst du sie des Verrats überführen?«

»Das laß meine Sorge sein. Du lade alle meine Getreuen zum Hoftag.«

»Wann willst du ihn ansetzen, Herr König und wo?«

»Um Pfingsten, hier in meiner Pfalz,« schloß Karl.

Am Vorabend des Festes versammelte Karl seine getreuen Vasallen um sich, deckte ihnen den ganzen Verrat auf und ermahnte sie, wachsam zu sein. Am Pfingstmorgen wurde Königsfriede geboten und das Tragen aller Waffen untersagt. Eine feierliche Messe und Festfreuden füllten den Vormittag aus ohne Störung; da, als der König ermüdet sich in seinem Saal in der Pfalz auf das Ruhebett streckte, kamen die Verschwörer geschritten mit demütigen Mienen, ihm ihre Huldigung darbietend. Der König erhob sich und winkte den Wachen, sofort waren die Zwölf ergriffen und die Messer unter ihren Gürteln gefunden. Mit zorniger Stimme ließ Karl sie an: »Verräter und Lügner! Mich, euren Herr, wolltet ihr ermorden! Sieh' her, Eckerich, kennst du dieses Blut?« und er hielt dem Erstaunten den blutgetränkten Handschuh vor die Augen.

»Das ist eine wunderliche Frage,« stotterte der Graf.

»Denke der Nacht, in welcher dein Hengst aus deinem Stalle, dein Schwert aus deinem Gemache verschwunden sind, denke des Faustschlags, den du deinem treuen Weibe 181 gegeben. Ich stand hinter deinem Lager, und hörte eure Reden und fing das Blut auf; ich führte deinen Hengst fort, dort im Hof steht er, und ich nahm dein Schwert, schau es hier«: und Karl wies auf einen herzutretenden Knaben, der das Schwert in Händen trug. Da erschraken die Verschworenen, sie konnten sich des Verbrechens nicht entlasten und büßten es am Galgen.

Die getreue Gräfin gab der König Elbegast zum Weib und setzte ihn als Grafen ein, an Eckerichs Stelle.

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