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Jutt und Jula

Alfred Brust: Jutt und Jula - Kapitel 3
Quellenangabe
typenarrative
booktitleJutt und Jula
authorAlfred Brust
year1928
firstpub1928
publisherHoren Verlag
addressBerlin-Grunewald
titleJutt und Jula
pages167
created20120129
sendergerd.bouillon@t-online.de
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7

Als Jutt erwachte, sah der Morgen matt durch die bunten Scheiben. Seine Glieder schmerzten vom ungewohnten Lager. Er sprang auf. Der Innige war fort. Aber seinen Mantel hielt der junge Mann in der Hand. Er war vielleicht im Freien. Jutt trat hinaus. Fröstelnd schauerte er in der Frühkühle. Er lief um das Gotteshäuschen. Der Fremde war nirgend. War er zur Wassermühle gegangen? Er überlegte und fühlte dann das Bedürfnis sich zu waschen. Rasch ging er hinunter dem Flusse zu. Und da sah er dann an einer flachen Uferstelle den seltsamen Mann nackt im Wasser stehen. Jutt eilte hinzu, und indes er sich die Kleider vom Leibe zog, verwunderte er sich der marmornen Blässe dieses schmalen Körpers, über den fortgesetzt aus den hohlen Händen das kalte Wasser floß.

Mit leise ernstem Kopfneigen begrüßten sie einander, als Jutt in das Wasser kam. Und Jutt tauchte nicht unter, wie er es sonst getan, sondern folgte in allem dem 97 Alten, dessen Gepflogenheiten er so schnell wie möglich zu den seinen machen wollte. Trockentücher hatten sie nicht, deshalb rieben sie ihre Körper mit den flachen Händen bis die Haut rot und trocken wurde. Hurtig warfen sie die Kleider über, und Jutt folgte seinem Lehrer, als dieser sich lang auf den Erdboden legte, den Kopf nördlich, die Füße südlich, Arme und Beine gespreizt, so daß der Leib ein Pentagramm bildete. So ruhten sie eine kurze Weile, und Jutt durfte erstaunen, mit welch einer Frische er sich nach dieser schweren Nacht erhob und neben dem Innigen wieder der Kapelle zuschritt.

»Jetzt wollen wir uns in Liebe vertiefen,« sagte der Fremde und trat vor das Christusleiden. »Liebe, Liebe, Liebe aller Menschheit!!«

Er hob den Blick und stand in sich geschlossen, regungslos.

Der junge Mann wußte mit sich nichts anzufangen, als er das gleiche tat. Er versuchte sich vorzustellen, was er an aller Menschheit liebte. Und das war gewiß wenig oder besser gar nichts. Nein – er konnte nichts Liebenswertes an der Menschheit entdecken. Menschen wie der Innige waren liebenswert, und Jula war liebenswert. Aber er verbot es sich sofort, an Jula zu denken. Und wie er so stand und es versuchte, die Gedanken, die auf ihn einstürmten, zurückzudrängen, fühlte er plötzlich, daß es eigentlich eine Pflicht sei, sich zur Andacht zu befehlen. Deshalb begann er im Innern die Worte des Innigen zu 98 wiederholen, immer aufs neue zu wiederholen, sobald er fertig war; langsam und einprägsam geschah das.

»Liebe, Liebe, Liebe aller Menschheit!«

Nach wenigen Minuten schon empfand er in sich einen Rhythmus schwingen, der ihn mit einer unbekannten Wonne erfüllte. Und als er eine kurze Weile in diesem seligen Schwingen stand, da wußte er, daß dieses ein ganz großes Erleben sein mußte. Ja – er war hier mitten in einem Erleben, das da draußen im Menschenvolke eine Seele von Zeit zu Zeit in den Augenblicken großer Leiderfahrung, reinen Freudeempfindens oder tiefer Einkehr im Innersten aufrührt. Hehre Schauer nie geahnter Glückseligkeit streifen dann ein verschüttetes Herz und geben ihm den Mut aufzustehen und weiterzuringen in der tiefen Nacht der weinenden Erde. Und Jutt – ein Hauch der Verklärung strich ihm übers Gesicht – stand mitten im bewußten Erleben dieser heiligen Ströme, die also für Menschen jederzeit erreichbar waren, zu denen er sich erheben konnte, denen er seine Seele anvertrauen durfte und – denen sich tätig sie überhöhend einzufügen ihm nun plötzlich höchste gottselige Notwendigkeit wurde.

Und so stand in ihm plötzlich ein Wille zur Liebe auf, der den seligen Rhythmus zu immer größerer Breite anschwellen ließ. Jutt fühlte, wie er in dieser wachsenden Entfaltung Eins wurde mit dem Innigen und wie nun 99 der Strom und der Fluß, der in ihn mündete ein breiterer, tieferer Strom wurden. Jutt hätte in der sieghaften Glückseligkeit aufjubeln mögen, aufjauchzen vor reiner weißer Freude; aber er hielt diese Regung im Herzen fest. Und wie diese hohe Regung sich so übermenschlich gebunden fühlte, brach sie nach innen aus zu einer rauschenden Melodie, deren Töne und Fülle niemals auf dieser äußeren Erde zum Klingen kommen konnten. Dem Jüngling war zu Sinn, als ob die Sonne erbrause. Der Rhythmus schwang in starken Wogen dahin; darüber breitete sich die Sinfonie der Himmlischen. Und als sich nun vor dem Blick des Gesammelten das unendlichfache Bild der ganzen Natur auftat, erschauerte er in der hehren Schauung dieses Erlebnisses. Ihm war, als stünde er nackt vor der Welt, nur bekleidet mit einem weißen Licht, das ihn von allen Seiten umfloß. Und wieder hörte er in sich eine klare Frage läuten wie in der Nacht.

»Willst du dein Leben hingeben ewig in diesem Leuchten zu stehen?«

Nur selige Zustimmung war da in ihm. Es gab nichts als Zustimmung. Nur ein stürmend jubelnd rasendes Ja brach hervor, ohne Anfang, ohne Ende, ohne Zeit und Verstand.

Da schnitt ein Schwerthieb diese Seligkeit mitten entzwei. Er stand in Nacht, banger Nacht. An sein Gehör quoll die Qual der Menschheit. Und der Wehschrei 100 aus ungekannten Reichen stieg ihm ans Herz. Er sah, sah sich selbst, ein übermenschlich Ringender, und sah, groß und bleich, Jula, ihm zur Seite, die ihm im Ringen half. Um sie beide her hob eine Schar von Kindern die Hände. Und vor den Mündern allen stand das Wort: helfen, helfen, helfen!!! –

Und wieder zerrann das Bild.

Jutt war zusammengesunken. Schlaff hingen seine Arme. Die Brust ging ihm schwer. Eine nagende Leere im ganzen Körper war nicht auszuhalten, verlangte nach Tun. Er fühlte, er sollte die Antwort geben, ob auch jetzt noch der Wille zum Leuchten mit reinem Ja in ihm klänge, jetzt, nachdem er das Opfer geschaut.

Er richtete sich auf, wurde straff und groß. Dennoch würde er Ja sagen!

Und ein neuer Nebel schob sich ihm vor den Blick . . . Eine wüste Menschenhorde umringte ihn, spie ihn an und bewarf ihn mit Unrat und Steinen. Doch er spürte keinen Schmerz, sondern hatte nur das Empfinden, daß ihm laues Blut über das Gesicht lief.

Und das Bild verging . . .

Da schrie mit einer unbändigen Kraft der Jüngling auf: »Ja! Ja!!! In Ewigkeit Ja!!!« Und zugleich fühlte er, wie etwas Unfaßbares aus Ewigkeit her die ganze Kapelle und alles um diese Kapelle her, weit rings, unsagbar erfüllte. Und das Gewaltige legte sich über ihn. 101 Er sank zusammen unter dieser beseligenden Last. Und dann spürte er unaussprechbar, wie in seine Adern, hinein bis in jeden Nerv, ein glühender Stahl floß, glühend, weiß, und dennoch kühl wie Schnee. Er spürte nicht mehr sich das Gewaltige entfernen. Er erhob sich – ein hörnerner Siegfried . . .

Er war stark und nüchtern. Sein Blick fiel auf den Fremden, der in stummer Ehrfurcht zu Boden sah.

Tiefe, tückische Zweifel überfielen den Jüngling, ob dieser Ernüchterung seiner Gefühle, und es wurden merkwürdige Fragen in seiner Brust wach. Diese Fragen schmolzen schließlich zu einer einzigen zusammen, ob dieser Fremde nicht auch womöglich zu jenen neuen Rittern der Seligmachung gehöre, deren es jetzt in den Städten haufenweis gab. Sie kamen sich alle sehr wichtig vor – gerade darum, weil sie so taten, als ob sie es verheimlichten – ihre Taschen waren gefüllt mit Datteln und Feigen und mit Konzepten zu Vorträgen, die sie so gern vom Stapel ließen. Jeder von ihnen hatte schon ein paar Seelen gerettet (oder auf dem Gewissen) und um sich her verbreiteten sie gefährliche Sanskritbrocken. Weiber, die ihr gesundes Geschlecht in hirnliche Bahnen lenkten und sich um ihre Mutterpflichten auf Erden herumdrückten – obschon gerade sie, wenn sie schon geistig waren, verpflichtet sein mußten, den kommenden Leibesadel zu gebären – ließen verblasene männliche Aufsätze auf die 102 Menschheit los und bereiteten mit den zufriedensten Gefühlen ihrer »geistigen Schulung« ein neues Mittelalter vor, zu dem gemessen das hinter uns liegende nur ein kleiner Narrenspuk gewesen.

»Ich mag aber diese schlaffen Inder nicht,« stieß Jutt plötzlich hervor und blickte doch ein wenig scheu zur Seite.

»Ich auch nicht,« sagte der Innige gelassen. »Wähne nicht, mein Sohn, ich sei auch so ein Säulenheiliger, ein Kohlrabiapostel oder Nabelfreund. Von Buddha habe ich nie etwas gelesen, und da ich Laotse aufmachte und nicht verstand, nahm ich ihn nicht mehr vor Augen. Wozu auch?! Die Natur ist überall und überall groß. Es gibt keine kleine Natur. Und da Natur in Gott und Gott in Natur ist, ich in Gott und Gott in mir, so brauche ich keinen Lehrer und Weiser und Bücherkram. In jedem Menschen wohnt eine innere, weisende Stimme, die man mit vielerlei Namen benennen könnte und die doch keinen Namen hat. Der Mensch lausche auf sie und gehorche ihr. Dann wird er nie irren.«

Jutt war sehr überrascht. Hohe Freude durchbrach seine Brust.

»Wir Germanen brauchen den sich ausbreitenden indischen Geist nicht. Wir haben eine größere Vergangenheit,« fuhr der Innige fort. »Die Weisheiten der Schwäche wollen wir auch den schwächeren Nationen 103 überlassen. Wir haben ja unsere Meister, die wahrlich reineres Wissen verbreiteten, als die schemenhaften Auslegungen jenes Mischmaschs eines rauch-, eß- und fluchlustigen polnischen Mediums. Wir Germanen haben nach Israel die größten Propheten gehabt. Wir haben Paracelsus, Eckehart, Tauler, Seuse, die deutsche Theologie, wir haben den schlesischen Engel und den Schuster Böhme aus Görlitz. Diese Deutschen haben die kommende germanische Religion in schneeiger Reinheit umrissen. Nichts da von Zaratuschtra und Sophismen. Wir haben uns ohne Indien selbst gemacht und brauchen nicht noch einmal geboren zu werden!«

»Und du betest nicht nur? und ziehst nicht nur immer auf den Straßen umher??« Jutt stieß es aus wie ein Schrei; der wie eine Hoffnung auf Rettung klang.

»Beten? Was soll ich denn beten? Wer in Not ist soll beten, denn es gibt Kraft! Diese Sammlungen am Morgen oder auch mittags oder abends sind nur dazu da, den verlorenen Menschen abzugeben von meinem Überschuß und mich als Stromleiter anzubieten denjenigen hohen Mächten, die es so gut mit der Menschheit meinen und die abzuleugnen doch wohl niemand mehr so dumm ist. Und du wirst spüren am Leibe deines Lebens den Wert dieser Sammlung. Und – natürlich bin ich auch beschäftigt. Ich bin ein bevorzugter Mann meines Berufs, bin Moorvogt, habe da weit in den Ländern unendliche 104 Sümpfe trocken zu legen und den armseligen Ansiedlern durch die finstere Nacht dieses Daseins zu helfen.«

»Da möchte ich auch hin,« brach es aus dem Jüngling hervor.

»Jedes bleibt und wirkt, wo ihn das Schicksal hinstellt!« bedeutete der Fremde. »Du hast hier seltsame Heilkräuter zu züchten. Sieh zu, daß du ihr König wirst.«

»Ich bin noch jung,« flüsterte Jutt. »Und – schwer ist die Jugend.«

»Die Jugend hat schöne Augenblicke,« entgegnete leise der Innige. »Doch es sind nur Augenblicke, auch wenn sie etwas länger dauern sollten. Was aber wollen sie sagen im Ausschau auf die Ewigkeit? In der Jugend sind wir verschüttete Menschen mit der nicht bewußten, unbewußten Sehnsucht das unerhörte Heil der Menschheit zu erringen. Was aber bleibt übrig dann? Zugeschaufelte Kreaturen, ohne Halt und Geborgenheit, ohne glücklichen Atem und wahrhaftige Tat, dumpfe Geschöpfe, die auf den endlichen Retter warten, der Christus nicht ist und nicht sein kann, weil sie es verträumen oder verludern in sich selber diesen Erlöser zu suchen. Nach außen verströmen sie, zu erringen Seele und Sein in plötzlichem Tun. Und müssen erfahren, daß wohl irdische Taten aber nicht Seele und Sein sie finden! – – Ach ja! wieder so einmal jung sein mit vollen Sinnen! Und ein liebes Mädchen im Arm halten und streicheln und so 105 gar nichts von ihm wollen! Bloß die beseligende unerregbare Freude haben am unberührten Gottesgeschöpf! Trunken weinen! Vor Schönheit weinen! Mit jeder Faser des ganzen Menschen vor trunkener Schönheit weinen! Die große Musik, die nie oder selten gespielt wird, weinend zu erfühlen, als die gewaltige Sinfonie des Daseins! Das, das ist großes, seliges, wahrhaftiges Leben, das aufgehoben wird und nicht vergeht im heiligen Rhythmus der Äonen! – Siehst du, Knabe, das gibt es kaum mehr in der Menschheit, ist vertan und verloren! Der kleine Mensch muß sich begnügen, daß er dies noch von Zeit zu Zeit – in einer plötzlichen Stunde nur – will, Wollen hat, reines Wollen zu diesem Augenblick. Denn das große Weinen, das die Seligkeit der Erde ist, in welcher Seligkeit die Erde unabänderlich, unausgesetzt mit ewigen Gefühlen des unendlichen Gebärens steht, quillt nur aus der gewaltigen Stille, deren Größe den verlorenen Menschen der Gipfel allen Schreckens ist. Weil dies große Schweigen sie auch nicht einen Augenblick lang ertrügen. Sie stürben dann, stürben im äußeren Leibe, was sie um alles in dieser scheinbaren Welt verhindern möchten. – Tat und Seligkeit in Einem – wo ist das geblieben auf der weinenden Erde?!«

Der Innige schwieg und hatte sich gesetzt.

Jutt aber stand mit großen Augen ins Weite. Er stand, die Hand am bebenden Herzen, und starrte dem 106 blutenden Christus ins Gesicht, ohne ihn wahrzunehmen . . .

Da wurden eilige Schritte draußen vernehmbar. Jutt wandte sich jäh. Ihm stockte der Atem. Es konnte nur Jula sein. Er sah hinüber zum Innigen und ein Schreck überfiel ihn. Der Fremde hatte sich halb vom Sitz erhoben. Seine milden Augen waren weit. Seine Lippen zitterten seltsam. Aschfahl war sein Gesicht. Und er blickte mit einem unbegreiflichen Seelenhunger auf die Tür, wo sogleich das Mädchen erscheinen mußte.

Und Jula erschien!

Wie eine Sturzwelle schoß dem Fremden das dunkele Blut in das weiße Gesicht. Hochrot stand er erhoben. Sein funkelnder Blick lag auf der lieblichen Gestalt und schmolz langsam zu einer zärtlichen Liebkosung zusammen.

Jula war ebenfalls errötet und sah betroffen von einem zum andern. Sie entsetzte sich über den Geliebten, der zwei Schritte zurückgewankt war. Stirn und Augen waren über Nacht so leidend geworden, aber die Zähne hielt er in unverkennbarer Wut aufeinandergepreßt. Dann lief dieser Zorn in einen so schmerzhaften Ekel über, daß Jula rasch auf ihn zutrat, das Körbchen zu Boden stellte, und ihm die Hand reichte, sie innig, fest drückend. Merklich wichen die Zeichen der Eifersucht. Er lächelte, halb traurig, halb bitter. Dann bedeutete er Jula mit einer 107 schwachen Bewegung, sie möge den Alten begrüßen und ihm Kanne und Korb anbieten. Aber Jutt wunderte sich, daß der Fremde so rasch seine Fassung wiedergewonnen hatte. Er war jetzt wieder der innige Lächler wie sonst, mit den tiefen Augen des Wissens und mit der starken Waffe unbezwingbarer Geduld im Blick. Sie setzten sich alle drei auf die niedrigen Truhen, die entlang der Fenster standen.

»Du wirst hungrig sein,« sagte Jutt zum Fremden.

»Ich habe auf dieser Erde keine Bedürfnisse mehr,« antwortete dieser mit leiser Stimme.

»Also doch ein Asket,« entfuhr es dem Jüngling.

»Liebe Kinder,« sprach der Alte mit gütiger Geduld. »Ich habe das von Tante Maria gelernt. Es war nicht leicht, denn einstmals war ich ein Mensch, der sehr, sehr viele Bedürfnisse hatte.«

»Und wie hast du sie abgelegt?« fragte Jutt rasch, der so häufig in der Stadt es versucht hatte in Leidenschaften verketteten Menschen aufwärts zu helfen.

»Je nun – mein Sohn. Das ist bei jedem Menschen anders. Der eine sieht ein Blümlein im Grase und ist so erschüttert, daß er umkehrt fürs Leben. Und ein anderer sieht ein Kind weinen – und es war seine Rettung. Wieder ein anderer hat einen Traum – und steht auf gesund an seiner Seele. Und noch ein anderer wird von zwei fremden Augen angesehen, die er nie mehr vergessen kann bis an das Ende seiner Tage. So ist das . . .«

108 »Aber – aber – helfen . . . Man muß doch helfen können,« stammelte Jutt.

»Wer das große, reine Wollen hat, dem wird geholfen werden,« war die Antwort des Alten.

»Aber nein! Das ist nicht wahr!« eiferte Jutt. »Ich sah Menschen, die das große, reine Wollen hatten, an ihren Schwächen elend zugrunde gehen! Und schon Paulus wußte das als er sagte: ›Wollen habe ich wohl, aber vollbringen das Gute finde ich nicht. Wer wird mich erretten von dem Leibe dieses Todes?‹ – Wo bleibt da Christus? Sprich! Sprich!! Hat er denn uns Menschen doch zuviel zugetraut? War er doch zu schwach die ganze Last zu tragen? Stimmt es, was die großen Weisen sagen, daß er nur der Retter Weniger war, daß er, wie Matthäus sagt, das Abendmahl gab ›für Viele‹? Wo bleiben denn die Milliarden anderen, verlorenen Menschen, die doch auch zum Himmel wollen und nicht können und denen in den Kirchen vorgeredet wird, der Christus sei für alle Sünder gestorben!? Wiedergeburt ist Unsinn! Denn die menschlichen Körper werden von Generation zu Generation schlechter, verworfener, verschütteter. Sag mir deshalb, du Fremder, Inniger, ich frage dich: war dieser große Liebende zu schwach, das große Werk, die Last der Sünde aller Suchenden kommender Gezeiten auf sich zu nehmen, wie es die Kirchen durch sein Wort verkünden? Hier stehe ich! Ich will es wissen für 109 unzählige Millionen, die gläubig sind im Herzen und den Titel »Christ« führen!!« –

Jutt und Jula blickten atemlos gespannt auf den Innigen.

Der aber senkte langsam das Gesicht und sah zu Boden. – – – – – – – – – 110

 

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