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Gutenberg > Hermann Löns >

Junglaub

Hermann Löns: Junglaub - Kapitel 13
Quellenangabe
typepoem
authorHermann Löns
titleJunglaub
publisherFriedrich Gersbach/Verlag
editorFriedrich Castelle
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160523
projectidfc22fd5b
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Akkorde

Wie kommt es, daß die Saiten wieder klingen,
Wenn sie berührt ein gleichgestimmter Ton,
Daß alte Träume aus dem Nebel dringen,
Der sie umgraute lange Jahre schon,
Wie kommts, daß unser Herz erschüttert
Zuweilen ein alltäglich Wort,
Daß alte Bilder neu erstehen –
Verschollne Lieder uns umwehen,
Sprecht, warum dann das Herz erzittert? –
Weil angeschlagen ein Akkord.

Wir alle haben es schon oft empfunden,
Daß ungerufen, durch ein fremdes Wort
Geweckt, aus lange schon vergeßnen Stunden
Ein Ton erklang im tiefsten Herzenshort;
Ein andrer Klang reiht sich dann leise
Dem ersten an, man weiß nicht wie;
Die angeschlagnen Saiten klingen,
Die wirren Töne sich verschlingen
Zu einer altbekannten Weise
Und längst geliebten Melodie.

Zwar übertäubt die schüchternleisen Klänge
Am hellen Tag das bunte Einerlei
Der Sterbeseufzer und Triumphgesänge,
Verzweifelt Lachen und des Schmerzes Schrei;
Im Herzen klingts, du fragst erschrocken:
Was wollet ihr, wo kommt ihr her?
Da schallt ein fremder Laut dazwischen,
Wie im Konzert ein rohes Zischen,
Die zarten Herzenstöne stocken,
Du lauschst – doch hörst du jetzt nichts mehr.

Doch wenn du abends müde dich geflüchtet
Fort aus des Alltagslebens ödem Plan
Und der Verstand tyrannisch nicht mehr richtet
Die Seele durch die glattgestampfte Bahn,
In solcher Zeit der Dämmerungen
Da blüht und grünt das Tote fort,
Der Kinderzeit verträumte Freuden
Verklärn des Augenblickes Leiden,
Und bilden in dir festverschlungen
Den herzbeglückendsten Akkord.

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