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Gutenberg > Hermann Löns >

Junglaub

Hermann Löns: Junglaub - Kapitel 10
Quellenangabe
typepoem
authorHermann Löns
titleJunglaub
publisherFriedrich Gersbach/Verlag
editorFriedrich Castelle
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160523
projectidfc22fd5b
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Frau

                            Im Riesengebirge:
Verschneiter Berge Silberkuppen,
Der gelbe Mond treibt drüber her,
Und hohe Tannen, stumm und düster,
Zerriss'ner Felsen wirres Meer,
Des Bobers frühjahrstrübe Wellen
Durchgleißt des Mondes Silberschein,
Die Wasseramsel pfeift und trillert –
Heut ist es schwer, allein zu sein.

Vom Grunde taucht ein Antlitz auf
Mit Zügen treu und sonnenklar,
Mit weißer, faltenloser Stirn
Und kurzem, goldigrotem Haar,
Die Welle rauscht ein leises Wort,
Ein Lachen klingt, so schmerzensrein,
Wie ich es oft von ihr gehört,
O wärst du mein!
Krampf dich zusammen, stolzes Herz,
Und zittre nicht, du heißer Leib,
Dies Weib wird nie dein eigen sein,
Denn sie ist eines andern Weib ...

Es war bei heller Lampen Schein,
Da sah ich sie zum erstenmal,
Bei Gläserklang, Gesang und Wein,
Bei Unterhaltung, matt und schal;
Sie saß mir g'rade gegenüber,
Ihr frohes Kinderantlitz war
Bei all dem neidisch gelben Klatsche
So unberührt und fromm und klar.
Sie plauderte so kindlich fromm
Vom Schönen, das die Erde gibt ...

Sie war ein Weib, kaum achtzehn Jahr,
Sie liebte, und sie ward geliebt.

Wie reizend schoß die rote Glut
Ihr über Nacken und Gesicht,
Ich wußt' es, nie würd' sie mein eigen,
Ich wußt's und schloß die Augen nicht.

                            Auf der Fahrt.
Es kreischt und knarrt das Eisenrad,
Es dampft der Schlot, die Schiene stöhnt,
Ich lehn' im Polster matt und blaß,
Mit meinem Schicksal unversöhnt.

Wie klopft und hämmert mir die Stirn,
Wie summt und saust's mir im Gehirn,
Gedanken huschen wild vorbei
Wie die Laternen am Geleis,
Hier flammt es auf, dort blitzt es hell,
Dann Nacht und schwarze Wüstenei ...

Durchs Räderstampfen kreischt der Pfiff
Der Dampfmaschine gellend schrill,
Durch mein Gehirn klingt laut ein Wort,
Daß ich vergessen muß und will,
Ich möcht es rufen in die Nacht,
Möcht's mit Verdammtenstimme schrein:
Ich liebe dich, ich liebe dich!
Und du wirst nimmer, nimmer mein!

Im Osten wird es langsam hell,
Der Nebel weicht, der Frühwind weht
Ins Fenster feucht und morgenkühl,
Ich hüll' mich fröstelnd in mein Plaid.
Fort mit dem Schein, du rote Sonne,
Fort, was da lügt von Glut und Wonne,
Was mir im Herzen flammt und loht,
Das ist kein Morgenrot.

                            In Greifswald.
Jetzt hoch die Klinge, hoch den Arm
Und fest den Fuß – hei, wie das blitzt,
Wenn Quarten, Terzen pfeifend sausen
Und Gang für Gang ein Blut'ger sitzt,
Da spritzt des Gegners Schläfenader,
»Silentium, Pause!« – Dumpf und schwer
Fällt rotes Blut zur Erde nieder,
»Abfuhr!« –

                            Zehn Tage sind es her,
Als ich in ihrer Stube stand,
Da gab sie mir die weiße Hand
Und sprach die wenigen Worte nur:
»Viel Glück im Leben, Herr Studiosus,
Im Dichten und auf der Mensur!«

Erinnrung, kennst du keine Gnade!
Selbst bei dem frohen Burschenstrauß
Übst du, erbarmungslose Herrin,
Die Herrschaft unerbittlich aus.
Ich höre es beim Schlägerklange,
Im Gläserklirrn, beim Burschensange,
Im Wagenrollen, im Vogellied,
Des Nachts, wenn mich der Schlummer flieht,
Dann klopft das Herz in meinem Leib:
Sie ist ja eines andern Weib!

Stubbenkammer:
Es klatscht die Woge über Bord,
Es spritzt der Schaum mir ins Gesicht,
Es ächzt und pfeift im Takelwerk,
Ich fürchte nicht, ich hoffe nicht.
Die Blitze zucken durchs Gewölk,
Der Donner knattert durch den Sturm,
Die Möwe kreischt und ruft und schrillt,
Das Kielboot krümmt sich wie ein Wurm ...

Recht so, Kollege Himmel droben,
Auch du bist unglücklich verliebt,
Und deine Lyrik muß ich loben,
Hei, wie das brüllt und flammt und stiebt!
Und doch, was hilft dein brünstig Singen,
Ihr Herz bleibt kalt, dein Arm bleibt leer,
Du wirst dein Liebchen nie erringen,
Das schwarzgelockte, schöne Meer,
Schau, in des Erdengott's Umarmung
Da wogt ihr Busen heiß und schwer ...

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