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Jugenderinnerungen

Heinrich Federer: Jugenderinnerungen - Kapitel 1
Quellenangabe
typeautobio
authorHeinrich Federer
titleJugenderinnerungen
publisherG. Grote?sche Verlagsbuchhandlung
year1927
senderh.guhl@bluewin.ch
submitted20050714
created20051104
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Widmung

Diese geräuschlosen, aber ehrlich und herzlich gemeinten Kapitel sind dir, warme Erde meiner Jugend, liebes Voralpenland Obwalden geweiht.

Es bedarf keiner Entschuldigung, weil ich, weder General, noch Diplomat, noch sonst eine hochbeschrieene Person, dennoch aus tausend gewöhnlichen Leben eines, das meinige, erzähle. Denn das gewöhnliche Leben ist das wahrhaftigste Leben, da es fern von Schein und Seltsamkeit wirklich nur Wirklichkeit geben kann. Die Ungewöhnlichen, so grosse Spuren sie hinterlassen, haben am Ende doch – wenigstens im literarischen Sinne – mehr für das Archiv, das Museum, die Schulbank und den Spiegelsaal der Geschichte gelebt. Wo sie fürs Leben leben, sind sie gleich uns schöne liebe Gewöhnlichkeit, hassen und verehren, trotzen und sorgen und lachen reicher wohl, echter nicht als wir. Ob einer Dörfler oder Grossstädter, Klausner oder Weltflieger, Minister oder Briefträger ist, was verschlägt das, wenn er nur auch wahrer Mensch ist, dessen grosse und kleine Leidenschaften im Puls der Menschheit mitklopfen, im Nerv der Menschheit mitbeben. Ja, wenn er nur recht persönlich und treu seinen Kram auspackt, findet er immer Kunden, wirkt nie zu neu und nie zu alt und so wenig verbraucht als unser tausendmal erlebter stiller Mond am Himmel.

Wer aber das nicht gelten lässt, dem halte ich dich vor, liebe Heimat. Ich bin nur ein Würmlein in deinem Boden. Wie könnte von ihm allein geredet und Aufmerksamkeit gefordert werden, wenn du nicht dabei wärest mit deinen Dörfern und Alpen, deiner Gefahr und Wohltat, deinem Feiertag und Alltagsschlendrian, wenn du nicht mit deinen vielen andern Kindern überwältigend dabei wärest?

Ja, du bist im letzten Grund der Gegenstand meiner Erzählung, du Erde so rassiger Menschen und bunter Schicksale, du Land der Altäre und Sennhütten, du Boden so beschwingter und, ach, auch so müder Schritte, du Stätte von so viel Geduld und Güte, Steifheit und köstlicher Bewegung, du Haus von Helden und Heiligen.

Du weisst am besten, dass in diesem Buche nur wahrhaft Geschehenes in seinen rücksichtslosen Farben und ohne Selbstschonung erzählt wird. Selbst bis zum genauen Ort und Namen hielt ich mich an die Tatsachen. Nur drei, vier Gestalten und Schauplätzen habe ich eine Maske übers Gesicht geworfen.

Die Hauptpersonen ruhen alle im Grab. Ehre, Friede und Seligkeit ihnen! Aber ihre Nächstverwandten und viele, deren Nase und Neugier ich streife, leben noch. Sie mögen mir diese Freiheit verzeihen. Ich habe sie nirgends missbraucht.

Mancher wird sich beim Lesen an die Stirne greifen und längst Verschollenes mag wieder durch seine Seele klingen. Du aber, so gar nicht spasshaftes Obwalden, wirst vielleicht den Kopf schütteln und wie Lehrer Beat nach dem Haselstecken greifen, um meine Geschwätzigkeit zu strafen. Nun sitze ich ja nicht mehr in deiner Schulbank, aber strecke dennoch aus alter Gewohnheit, halb zaghaft, halb willig die Hand hin. Schlage zu, Mutter, aber wisse, wenn ich gefehlt habe, hab’ ich aus der lautern Torheit und Liebe des Kindes gefehlt.

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