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Josephinische Curiosa

Franz Gräffer: Josephinische Curiosa - Kapitel 83
Quellenangabe
typetractate
booktitleJosephinische Curiosa
authorFranz Gräffer
firstpub1848-50
year1848-50
publisherIgnaz Klang
addressWien
titleJosephinische Curiosa
created20051021
sendergerd.bouillon
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78. Briefe Josephs II., in den vorhandenen Sammlungen nicht enthalten.

III.Nr. 1 im 2. Bändchen, und Nr. 2 im 4. Bändchen.

9.

An den Prinzen Coburg.

Laxenburg, den 13. August 1789
durch den Cadeten Poppowitsch.

Ich lasse Euer Liebden selbst zu beurtheilen übrig, mit was für einem Vergnügen Ich Ihre zwey Schreiben durch den Cadeten Pecz und den Oberlieutenant Vermati, die miteinander angekommen sind, empfangen habe, da sie die Nachricht des so glorreichen als in allem Anbetracht vortheilhaften über die Türken erfochtenen Sieges enthielten. Ich kann Euer Excellenz nicht genug hierüber meine Dankbarkeit und Zufriedenheit zu erkennen geben, da ich Ihnen allein die Einleitung und Ausführung dieser Unternehmung, und besonders den guten Esprit, so Sie den Ihnen unterstehenden Truppen einzuflößen gewußt haben, verdanke. Empfangen Sie also zum öffentlichen Merkmahl meiner Erkenntlichkeit für diesen dem Staate geleisteten wichtigen Dienst das Großkreuz des militärischen Maria-Theresien-Ordens, das Ich Ihnen mit ausnehmendem Vergnügen überschicke.

Ich ersuche Sie auch, beygelegenes Schreiben sammt der mitkommenden Tabatiere dem russischen General Suwarov nebst dem darinn liegenden Ring für seinen Aider-Major zu überschicken, und sämmtlichen Generalen und Officiers, so wie der ganzen Truppe, nicht allein meine Zufriedenheit, sondern auch meinen Dank für die treu geleisteten Dienste und den meinen Waffen erworbenen Ruhm zu bezeigen, da man die Relation von den verschiedenen tapfern Benehmen der Truppe nicht ohne Rührung lesen kann; nur thut mir leid, daß Ich nicht selbst Augenzeuge und Theilnehmer ihrer Intriguen und Gefahren seyn konnte; auch bedaure Ich sehr den Verlust des Obersten Auersberg.

Ihr Antrag, die Wallachey einverständlich mit Fürst Hohenlohe zu besetzen, wäre ganz gut; nur tritt dabey die Betrachtung ein, daß, da es von den Umständen der Hauptarmee abhängt, ob und was sie wird zur Verstärkung Siebenbürgens abgeben können, ich solches bloß dem Gutbefinden des Feldmarschall Loudon, der das Commando derselben ehestens übernehmen wird, ganz überlassen muß. Ich ersuche Sie daher, sich hierüber mit ihm ins Einvernehmen zu setzen. – – –

Leben Euer Excellenz recht wohl – Ich sehe einstweilen demjenigen entgegen, was Fürst Potemkin gegen die Türken unternehmen wird.

Joseph.

(Zwischen der zweyten und dritten Periode dieses Briefes hatte der Kaiser die Belohnungen anderer Ausgezeichneter dieses Treffens eingeschaltet. Der Brief geht das Treffen bey Foksan an, 1789).


10.

An einen Freund.

Mon cher!

Der Feldzug ist vorüber, – und der König hat dabey weder seinen Ruhm noch seine Vortheile vergrößert; er hat vielmehr eingesehen, daß er das non plus ultra seiner Entwürfe gewesen.

Demungeachtet wird er der Kaiserinn in einem verhaßten Gesichtspunct gezeigt, – und in dem Senat, dem keiner in Europa Gesetze geben sollte, wurde der Friede projectirt.

In dieser Absicht hat man Teschen zum Congreßorte bestimmt. Hierauf erschienen sogleich eine große Anzahl Ambassadeurs und arbeiteten mit vieler Weisheit drey Monden lang an einem Frieden, dem zu Folge Österreich einen geringen Antheil von dem acquirirten Bayern überkommen.

Man ermangelte nicht, der Kaiserinn, meiner Mutter, die Vortheile hievon sehr einleuchtend darzuthun und die Macht des Königs durch ein Prisma zu zeigen. Sofort sagte einer dem andern eine Menge Complimente und in Wien wurden deßwegen 99,000 Te Deum gesungen und geschossen!

Zwar genehmigte ich, um die Kaiserinn nicht zu betrüben, diesen Frieden und leistete die Garantie hierüber. Ich kann aber mein Betragen hiebey mit jenem von Carl V. in Afrika vergleichen, der nach einem widrigen Feldzug mit seiner Flotte nach Spanien zurückkehrte; er stieg zwar auch zu Schiff, war aber der Letzte, der es that.

Ich bin, wie einer der venetianischen Generals, der im Kriege ihre Landarmee commandiret und in dieser Absicht die Bestallung der Republik erhielt. – Wenn die Feldzüge vorbey sind, so bekommt er eine Pension.

Leben Sie zufrieden, als ein Weiser, genießen Sie alle die Reize Ihres Privatstandes, und beneiden Sie ja das Glück der Könige nicht.

Joseph.

Wien, im Mai 1779.


11.

An den Grafen Nicolas Papini in Forli.

Ich erinnere mich, mein lieber Papini! allzeit mit Vergnügen der Unterhaltung, welche ich bey meiner Durchreise durch Forli mit Ihnen hatte, und der guten Rathschläge, die Sie mir bey dieser Gelegenheit gütigst gaben. Die Aufrichtigkeit, welche Sie in unserem Gespräche zeigten, läßt mich nicht an den Gesinnungen zweifeln, die Sie mir in Ihrem Briefe vom 1. December zu erkennen geben, und an allen den glücklichen Vorhersagungen, welche Sie mir ankündigen. Diejenigen Empfindungen sind mir die angenehmsten, die Sie mir zu der Zeit zeigten, als Sie mich noch nicht kannten, wo Sie mich für einen Privatmann hielten, ohne die erlauchte Würde zu vermuthen, zu welcher es der göttlichen Vorsehung gefallen hat, mich zu erheben. Die Lobsprüche, welche man an uns verschwendet und alle Sachen, die man uns sagt, gehen unglücklicher Weise mehr auf unsern hohen Stand, als unsere Person. Erhalten Sie mir Ihre Zuneigung, mein lieber Papini! und seyn Sie versichert, daß ich mich sehr betrüben würde, wenn Sie in mir nicht den Menschen schätzen – der höchste Titel unter allen, die man mir geben kann – und daß Joseph das Glück, geliebt zu seyn, allen äußerlichen Vortheilen und allen Huldigungen, womit man dem Kaiser unaufhörlich Weihrauch streut, vorzieht. Glauben Sie mir, daß ich diese Gesinnungen allzeit behalten werde. Ich empfehle Sie dem heiligen Schutze Gottes.

Joseph.

Wien, den 31. Jänner 1770.


12.

An Friedrich Baron von der TrenckObschon dieß Schreiben schon in einem Artikel des dritten Bändchens vorkommt, glaubten wir dennoch, es dieser Rubrik einschalten zu sollen (da es in einer andern Eigenschaft erscheint) besonders da es kurz ist..

Leber Oberstwachtmeister Baron Trenck!

Ich nehme in Gnaden auf, daß Sie obwohl ohne mich vorher darum zu fragen, ihrem Sohn den Nahmen Joseph beygelegt, auch den Obersten Rippenda gewählt haben, um bey der Taufe meine Stelle zu vertreten. Zu einem Merkmahle meiner Ihnen künftig zuwenden wollenden besten Gesinnung mache ich Ihnen hiermit zu wissen, daß auch ihre Gage künftig nicht in Wien, sondern in Brüssel zu beziehen, aus erheblichen Ursachen angewiesen habe.

Ihre patriotischen und mir wohlgefälligen Schriften können Sie fortsetzen, und mir einschicken, weil ich die Wahrheit allezeit gern lese, lieber wird es mir aber seyn, wenn ich sie in natürlicher Gestalt, als in satyrischer Einkleidung lesen kann.

Ich bin Ihr
Joseph.

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