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Josephinische Curiosa

Franz Gräffer: Josephinische Curiosa - Kapitel 81
Quellenangabe
typetractate
booktitleJosephinische Curiosa
authorFranz Gräffer
firstpub1848-50
year1848-50
publisherIgnaz Klang
addressWien
titleJosephinische Curiosa
created20051021
sendergerd.bouillon
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76. Josephs Plan zu einer Schauspieler-Pflanzschule (Pepiniére).

Dieser Plan sollte nach des Kaisers Antrag durch den Hofschauspieler Joh. Heinr. Friedr. Müller zur Ausführung kommen, durch einen Mann also, der in jedem Anbetrachte die Eigenschaften dazu besaß. Unter Anderm hatte er auf Josephs Befehl die vorzüglichsten Theater Deutschlands besucht, um dem Kaiser ausführliche Berichte über deren Zustände zu liefern, tüchtige Subjecte für die Wienerbühne anzuwerben &c., da Joseph nun einmahl die Absicht hatte, sein »National« Theater auf jegliche Weise zu heben. Wenn wir sagen »Müller, Vater«, so werden die auch nur einiger Maßen kundigen Leser schon Alles wissen. Die Sache mit der Pepiniére knüpfte sich alsbald nach Müllers Rückkunft von seiner Kunstreise an. Über deren Resultate erhielt er ein Belobungsdecret, welches wir schon seiner eigenthümlichen Fassung wegen hier einschalten wollen. Es lautet:

Decret.

Von der k. k. obersten Hof-Theatral-Direction wegen dem Johann Heinrich Friedrich Müller, Mitglied der allhiesigen National-Schauspieler-Gesellschaft anzufügen.

Es hätten Se. römisch-kaiserliche Majestät, unser allergnädigster Herr über seine respectu der – zu der von Sr. Majestät vorgeschriebenen und allergnädigst anbefohlenen Theatral-Reise von der untergeordneten Cassa in vier Ratis zusammen auf Verrechnung erhaltenen 1911 Gulden 40 kr. eingereichte Berechnung und darin gemachte Aufrechnung ihme Müller zu absolviren, auch zugleich den sich gezeigten Hinausrest pr. 31 Gulden 43 kr. gegen seine Quittung ohne einigen Abzug zahlen zu lassen, annebens Allerhöchst dero Zufriedenheit über seine bey diesem Geschäfte mit aller Wohlanständigkeit an Tag gelegte Geschicklichkeit und erprobte Kenntniß, wessen derselbe durch die am 18. dieses Monaths ihm Allermildest ausgeworfenen zweyhundert kaiserl. Ducaten bereits ohnehin überzeugt worden, auch schriftlich erkennen geben zu dürfen, Allergnädigst anzubefehlen geruhet.

Welches Ihme Müller zur Wissenschaften und fernerer Aneiferung in seinen Pflichten anmit ohnverhalten wird.

Wien den 27. Februar 1777.

(L. S.) Rosenberg.

Michael Freyh. v. Kienmayer.
Rudolph Joseph v. Melzer.

In seinem »Abschied von der k. k. Hof- und National-Schaubühne« (Wien 1802) erzählt Müller die Angelegenheit der Pepiniéres, wie man das Project damahls nannte, auf nachstehende Weise:

»Ich dankte Sr. Excellenz mit gerührter Seele, und bat ihn, mein Dankgefühl vor den Thron zu bringen. Ich will es dem Kaiser sagen, antwortete er, aber Sie werden bald Gelegenheit erhalten, es selbst thun zu können. Jetzt setzen Sie sich, und sprechen Sie von dem, was ich Ihnen zu sagen habe, mit Niemanden! – Bey Parhammern hat der Kaiser neulich einige Knaben und Mädchen bemerkt, in welchen er Genie und Talent für das Theater gefunden zu haben glaubt. Besonders haben ihn ein paar junge Mädchen aufmerksam gemacht, die bey dem Hochamte sangen und von der Natur mit einer ausnehmend schönen Stimme begabt sind. Nun haben ihn ihre Berichte von der Mannheimer Sing- und Theaterschule auf den Gedanken gebracht, eine solche Pepiniére hier zu errichten. Überdenken Sie, wie die Sache am schicklichsten einzuleiten ist und entwerfen Sie einen Plan dazu. Bringen Sie mir diesen halbbrüchig geschrieben, daß ich die Stellen bezeichnen kann, die ich abzuändern finde. Haben Sie ihn dann ins Reine gebracht, so gehen Sie gerade damit zum Kaiser. Machen Sie sich gleich an diese Arbeit; der Entwurf muß kurz und nicht zu gedehnt seyn; – und – ich erinnere Sie nochmahls auf höchsten Befehl, Niemanden von diesem Auftrage etwas zu sagen.« –

Den 3. März brachte ich nach erhaltener Vorschrift den Plan zu diesem Institute. Se. Excellenz lasen ihn aufmerksam durch, zeigten einige Stellen an, die ich in Ihrer Gegenwart abändern mußte; und andere, die ganz wegbleiben sollten. »Wenn sie diesen Entwurf mundirt haben, sagten Sie endlich, so tragen Sie ihn selbst zum Kaiser, und sagen Sie nur, ich schickte Sie damit.« Tags nachher gegen vier Uhr Nachmittags ging ich auf den sogenannten Controllorgang, wo gewöhnlich die Bittschriften eingereicht wurden. Es waren gegen fünfzig Bittsteller von allen Classen und Ständen da. Als Se. Majestät aus Ihrer Cabinetskanzley traten und einige Supliken angenommen hatten, erblickten Sie mich in der Ferne. – Sie riefen: »Müller, bringen sie mir was?« – Da ich mit Ja! Ew. Majestät! antwortete, fuhren Sie fort: »Nur her damit, – und gehen sie in meine Kanzley, ich komme gleich.« Bey Seinem Eintritte wollte ich für das erhaltene Belobungs-Decret danken; der Monarch fiel mir ins Wort: »Lassen sie das,« und blätterten in meinem Plane. »Ich habe,« fuhren Sie fort, »heut viel zu thun, doch werde ichs lesen und mit Rosenberg darüber sprechen.« – Ich ging. – Als ich bereits an der Thür war, wurde ich zurückberufen. »Noch Eins! Geben sie bey Gelegenheit Rosenbergen einen Vorschlag wegen einer Theater-Bibliothek. Nicht an mich, an ihn selbst, nur ein pro Memoria. Ich möchte doch hören, was er mir darüber sagen wird;« fügten Se. Majestät lächelnd hinzu. – Mein blos skizzirter und nicht mit allen dazugehörigen evidenten Gründen begleiteter Plan war folgender.

Allergnädigster Monarch!

Ich befolge in allertiefster Ehrfurcht den Befehl, welchen mir Ew. Majestät durch den Grafen Rosenberg in Betreff einer Theater-Pflanzenschule so huldvoll haben bekannt machen lassen.

Durchdrungen vom Gefühle der Glückseligkeit einer Nationalbühne, die der Erste Monarch seines allerhöchsten besondern Schutzes würdiget: – für welche Er Selbst Sich zur Ausfindung der wirksamsten, der einzigen Mittel, durch die sie Vollständigkeit, Fortdauer und mögliche Vollkommenheit erhalten kann und muß, herabläßt, lege ich Ew. Majestät diesen Entwurf in allerehrfurchtsvollster Unterthänigkeit zu Füßen.

a. Nothwendigkeit.

Meine auf Ew. Majestät allergnädigsten Befehl gemachte Theatral-Reise, gab mir Stoff zu vielen Bemerkungen über die Nothwendigkeit und den ausgebreiteten Nutzen eines dergleichen Instituts, da ich an so manchem Beyspiele sah, wie oft das Genie ohne selbst die jedem Menschen unentbehrlichen Vorkenntniße, ohne allen Unterricht für seine Bestimmung, vom Mangel unterdrückt, zur Unbrauchbarkeit herabsinkt: anstatt, daß durch glückliche, zweckmäßige Bildung, selbst schwache Talente zur Brauchbarkeit und über das Mittelmäßige erhoben werden können. – Bisher sind die Schaubühnen meist in Verlegenheit gewesen, Personen von aller Art, ohne ihre Talente recht zu kennen, wenn eben das Bedürfniß da war, anzunehmen, davon Einige die Hoffnung des Publicums erfüllten, Einige übertrafen, die Meisten aber hintergingen. Die Ursache liegt am Tage, wenn man eines Theils erwägt, wie viele Schauspieler bis in ihr zwanzigstes, dreyßigstes Jahr zu einer ganz andern Bestimmung geleitet, nur dann erst durch Eigensinn oder Unglücksfälle zum Theater getrieben wurden; andern Theils mit Befremdung sieht, wie viele von ihnen ohne Kenntniß, jeder in ihre Kunst eingeschlagenden Wissenschaft, ohne die ersten Grundsätze eines gereinigten Geschmacks, ohne Lectüre, mitten in Deutschland, oft Deutschlands Dichter nicht kennen, – und, – nie mit Nutzen zu lesen wissen. – Ohne Kenntniß ihrer Mängel, ohne innrer Kraft, ihnen abzuhelfen, ohne klugen Ehrgeitz, ohne Aufmunterung kriechen dergleichen Schauspieler mechanisch zu einer Local-Tauglichkeit empor, bleiben auch wohl phlegmatisch auf der untersten Stufe stehen, und kommt ja mancher davon etwas weiter, welche einförmige Unterhaltung für seine Beschützer, für das Publicum, alle seine ängstlichen Bestrebungen, und meist mißlungenen Versuche mit ansehen zu müßen, ehe ein solches Subject nur einigermassen erträglich wird. – Preville hat vor einigen Jahren in Frankreich durch eine Pflanzschule diesen Unbequemlichkeiten abzuhelfen gesucht; wie? und mit welchem Erfolge? bin ich aus Mangel zureichender Nachrichten, anzugeben außer Stande. Ein zweyter Versuch wird jetzt in Mannheim gemacht.

b. Nutzen.

Mit glänzenderm Erfolge und mäßigem Aufwande (der von Jahr zu Jahr sich eher vermindern als steigen würde) könnte hier in Wien der Gedanke in seinem ganzen Umfange zur Wirklichkeit reifen, und ich schmeichle mir, daß der glückliche Einfluß einer solchen Anstalt, nicht nur auf das Wiener National- sondern auch auf alle Provinzialtheater unserer weitläufigen Staaten und die dadurch beförderte allgemeinere Verbreitung des sittlichen Gefühls und verbesserten Geschmacks, der berichtigten und verfeinerten Sprache in wenig Jahren sich unwidersprechlich äussern muß. Es erhielte auch dadurch von einer andern Seite der Geschmack der Nation an erlaubten Vergnügungen eine neue Nahrung, wenn die Glieder der Theaterschule nach einiger Bildung Freyheit erhielten, in den Zeiten, wo sonst die hiesige Bühne gewöhnlich geschlossen ist, als in den ersten Advent- und Fastenwochen, oder in Sommer bey der Abwesenheit des Allerhöchsten Hofes in Laxenburg, auf dem National-Theater für die, diesen Zöglingen und Zeiten angemessene Stücke, vorzustellen. Außer der Unschädlichkeit der Sache an sich selbst, ermuntert mich noch das Beyspiel auswärtiger, selbst geistlicher Fürsten, bey denen dergleichen Vorstellungen in gedachten Zeiten erlaubt sind, diesen Gedanken nicht für zu dreist zu halten. Das Publicum gewönne eine anständige Unterhaltung mehr, und viele würden durch dieses sittliche Vergnügen von manchen schädlichen Spielgesellschaften und andern sinnlichen Ausschweifungen abgehalten werden, die nach der Beobachtung von Männern, welchen die Aufsicht über Polizey und Sitten anvertraut ist, gerade in diesen Zeiten größer zu seyn pflegen, als in jeder andern des Jahres.

Die Neuheit der Stücke und Spielenden; die Begierde zu sehen, was man sich wohl von der Anstalt im Ganzen, oder von jedem Individuum insbesondere zu versprechen habe; der Antheil, den das hiesige Publicum auch schon darum daran nehmen würde, weil die Eleven Eingeborne wären, würden hoffentlich den Schauplatz nicht leer lassen; – und wenn die jedesmahlige Einnahme dem Institute zu Gute käme, so wäre dieß ein Mittel zu der obgedachten Verminderung des Aufwandes für die Errichtung dieser Schule, – in der Folge vielleicht gar die Quelle zu einem Fond, aus welchen sich die Anstalt durch sich selbst erhielte. – Indem durch diese Pepiniére manchen zwar rechtschaffenen aber mittellosen Ältern die drückende Sorge für die Erziehung talentvoller Kinder abgenommen, oder wenigstens ansehnlich erleichtert – und manchem verwaisten jungen Genie Wege und Mittel dargebothen würden, sich zu bilden und empor zu schwingen, das vielleicht sonst verrostet, oder umschlägt, so erhebt sich diese Anstalt zugleich zu der Würde einer wohlthätigen und menschenfreundlichen Nationalstiftung.

c. Subjecte.

Die Zahl der Bildenden sollte wenigstens dreyßig, nie aber über sechzig steigen. Unter zehn Jahre dürfte kein Kind angenommen werden, so wie sein Alter auch nicht über zwölfe hinausgehen sollte. Alle müßten die gewöhnlichen Kinderkrankheiten, das Zähnen, die Pocken und Masern bereits überstanden, keinen Sprachfehler oder übelgebaueten Körper von Natur aus haben. Es ist nicht zu zweifeln, daß sich nicht allein in den hiesigen Waisen- und Erziehungshäusern, sondern auch aus unsern Provinzen und auswärtigen deutschen Ländern, sogar für ein mäßiges jährliches Kostgeld Talente finden sollten, sobald der Plan dieses Instituts durch eine Anzeige auf allerhöchsten Befehl öffentlich bekannt gemacht würde.

d. Hauptgegenstände
bey der Bildung angehender Schauspieler.

Erstens. Gesittetes, einträchtiges Betragen, – unermüdete Sorgfalt, daß sie nicht nur gute Acteur und Actricen würden, sondern, daß sie auch – (wenn sich entdeckt, daß man sich im Talente vergriffen hätte,) so viel in dieser Schule erlernten, um brauchbare und nützliche Glieder der bürgerlichen Gesellschaft in andern Verhältnissen und Gewerben zu werden.

Zweytens. Schickliche, freye, richtige, empfehlende und angenehme Bewegung des Körpers, nach den Mustern der großen Welt und den Regeln der Tanzkunst.

Drittens. Wahrheit, Empfindung, Ausdruck und Abwechslung im mündlichen Vortrage, wenn er nicht deklamatorisch werden soll. Wobey nicht bloß auf den mündlichen, sondern auch auf den körperlichen Rücksicht genommen, und dabey das Geberdenspiel gelehrt werden muß.

Viertens. Geschärftes Urtheil und richtiger Geschmack im dramatischen und allen dahin einschlagenden schönen Künsten und Wissenschaften, nach Grundsätzen, durch Vorlesungen, tägliches Lesen und eigene Aufsätze gegründet und geübt.

Fünftens. Wenigstens allgemeine Kenntniß derer ins dramatische Fach einschlagenden Wissenschaften, ganz oder Theilweise.

Sechstens. Kenntniß der französischen und englischen Sprache.

e. Lehrendes Personale des Instituts.

Vorstehende Hauptpuncte bestimmen die Zahl der bey demselben nöthigen Lehrer, und ihrer Qualität.

1. Ein würdiger, vorurtheilsfreyer Religions-Lehrer.

2. Ein Mann von wissenschaftlichen Kenntnissen und Geschmack zu denen Vorlesungen und Übungen, welcher zugleich eine Art von Aufsicht über die Sitten, besonders der männlichen Eleven haben, die Correspondenz führen, und die Besorgung einer bey dem Institute unentbehrlichen Theatral-Bibliothek übernehmen müßte.

3. Eines Mannes, den vorigen Lehrern den Unterricht zu erleichtern, im Schreiben an die Hand zu gehen, und mit den Zöglingen zu wiederhohlen.

4. Einer gesitteten, rechtschaffenen Frau, wohlgeübt in allen weiblichen Arbeiten, zur Aufseherinn junger Actricen.

5. Eine ebenfalls geschickte Gehülfinn derselben.

6. Eines guten Tanzmeisters, und endlich

7. Eines gesetzten Schauspielers von gutem Rufe, der vom Publicum geliebt ist, auch Fähigkeiten hat, Proben anzuordnen und zu dirigiren.

f. Ort.

Da, wofern die Früchte einer solchen Theatralbildung nicht erst spät reifen sollen, viel Fleiß, stündliche Beschäftigung, tägliches Agiren, und ein eigenes Theater dazu erfordert wird, das Letzte aber hier in Wien selbst schwerlich aufzufinden und der Aufwand im Ganzen größer seyn würde, so dürfte Schönbrunn oder Laxenburg zum Aufenthalte der Gesellschaft unstreitig vorzuziehen seyn, allwo Theater und Wohnungen schon vorhanden sind, und für den Unterhalt des Personals eine gute öconomische Einrichtung könnte getroffen werden.

Ew. Majestät!

allerunterthänigster
Müller.

Den 17. April wurde ich zu des Herrn Grafen Rosenbergs Excell. berufen. Der Kaiser hat Ihren Plan gelesen, sagte der Graf; Er ist im Ganzen damit zufrieden, nur hin und wieder ist er nicht Ihrer Meinung. Er glaubt, es wäre besser, wenn man das Institut nach Wien, oder in eine hiesige Vorstadt verlegte. Laxenburg wäre zu entfernt. Die jungen Leute müßten, um sich zu bilden und schnellere Fortschritte zu machen, täglich unser Theater besuchen. Er wird Sie rufen lassen und mit Ihnen selbst darüber sprechen. Bestehen Sie also nicht auf Laxenburg. Halten Sie überhaupt diesen Entwurf noch geheim. Es gibt gewisse Leute, die sich ein Verdienst daraus machen, den besten Absichten unsers Herrn in Geheim entgegen zu arbeiten.

Den 3. November hatte ich Audienz bey Seiner Majestät. Ich überreichte darin die verschiedenen Meinungen der auswärtigen Gelehrten in ihren Original-Entwürfen und Briefen über die Errichtung eines Institutes zur Bildung junger Schauspieler und Schauspielerinnen; und zeigte zuletzt den Brief unsers Ministers in Berlin, worin dieser am Schlusse schrieb:

»Ich hätte bald vergessen, von dem Plane der Theatralpflanzschule, den Sie mir durch den Herrn Legations-Secretär nun ausgearbeiteter haben mittheilen lassen, Meldung zu machen. Ich finde denselben überhaupt so verfaßt, daß man sich vielen Nutzen davon versprechen kann. In der Entfernung aber bin ich nicht im Stande, zu erwägen, ob und wie weit alle und jede darin enthaltene Vorschläge zu dem Endzweck führen mögen, welches über das nur bey der wirklichen Anwendung sich besser mit Gewißheit bestimmen läßt. Indessen sind die Grundsätze ausser allem Zweifel und richtig, und – ich wünsche, daß man Ihnen bald die Mittel verschaffe, die Hand an das Ruhmbringende Werk legen zu können.«

Swieten.

Seine Majestät gaben mir diesen Brief zurück und sagten: »Wir wollen zuvor noch einen andern Versuch machen, glückt uns der, so führen wir auch diesen aus.« Ich sagte: ich habe aus denen verschiedenen Meinungen und Vorschlägen dieser gelehrten Männer ein Ganzes zusammen gesetzt, und den Plan nach dem Allerhöchsten Befehle Ew. Majestät besser ausgearbeitet. – »Geben sie her, ich will ihn selbst lesen, die Briefe behalte ich auch hier. – Diese Herren, fügten Sie lächelnd hinzu, werden sich wohl hie und da widersprechen?« – Nein Ew. Majestät, nur in den Vorschlägen zum Unterrichte dieser zur Kunst gezogenen Jugend weichen sie etwas von einander ab, sind aber einstimmig der Meinung, Theorie gleich mit Practik zu verbinden. »Ja! der Meinung bin ich auch, das muß seyn; man sieht da gleich, wer Talent hat und übergibt die Schwachen einer andern Bestimmung. Wir sprechen darüber bald wieder. Adijeu!«

Einige Tage nachher sagte mir Graf Rosenberg: Der Kaiser will eine deutsche Oper errichten; er hat bey Seiner Kammer-Musik bereits einige hiesige Sänger probirt und wird einen Versuch machen. Sie sollen diesen Leuten in der Sprache und Action Unterricht geben.

So weit der wackere Müller. Der Plan des Pepiniére aber kam nicht zur Ausführung, obschon Müller es zu Schaden und Verdruß auf eigene Kosten versuchte.

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