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Josephinische Curiosa

Franz Gräffer: Josephinische Curiosa - Kapitel 74
Quellenangabe
typetractate
booktitleJosephinische Curiosa
authorFranz Gräffer
firstpub1848-50
year1848-50
publisherIgnaz Klang
addressWien
titleJosephinische Curiosa
created20051021
sendergerd.bouillon
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69. Aus dem französischen Tagebuch der Königinn von Frankreich,

zugeeignet von dem Ritter du Coudroy.

(Veränderte und vermehrte Ausgabe).

Der Kaiser kam unter dem Nahmen des Grafen von Falkenstein am 18. April um 5 Uhr Abends zu Paris an, und speiste bey seinem Gesandten zu Nacht. Am 19. Früh um 8 Uhr begab er sich nach Versailles, und besuchte gleich nach seiner Ankunft daselbst die Königinn, bey welcher sich der König befand. Die Königinn selbst führte ihn zu der ganzen königlichen Familie und er speiste mit beyden Majestäten zu Mittag. Nach der Tafel besuchte er die Minister und kehrte hierauf nach Paris zurück. Am 20. um 9 Uhr Morgens ging er aus, spazierte in dem Garten des Luxembourg, hörte bey den Carmelitern Messe, besuchte die Invaliden, Kriegsschule, den Lord Stormont, den Fürsten von Pane, die Gräfinn von Bücanoy, und speiste in dem Hotel de Treville zu Mittag. Abends war er in der Oper, und hernach bey der Frau Gräfinn von Brionne. Am 21. besuchte er Früh um 8 Uhr das Hotel Dieu, und die Kirche Unserer lieben Frau; um 11 Uhr kam er wieder nach Hause, fuhr nach Versailles, wo er mit der Königinn speiste, bey Madame dem Abendessen der ganzen königlichen Familie beywohnte, und in einem Hotel Garni übernachtete. Am 22. ging er Früh um 8 Uhr in dem Park zu Versailles spazieren, sah die Menagerie, speiste bey der Königinn zu Mittag in Kleintrianon, und wohnte dem Abendessen des Königs bey, wo sich der ganze Hof einfand. Am 23. kam er nach Paris zurück, unterwegs besah er die Porzellanfabrik zu Seves, ging in dem Park zu St. Cloud spazieren und speiste in dem Hotel de Treville; nach der Tafel besuchte er die Kirche St. Sulpice und St. Genevieve, war in der italienischen Comödie, und brachte den Abend bey der Frau Herzoginn von Chartres zu. Am 24. besuchte er Frühe um 8 Uhr die Wundarzneyschule und das Findelingshaus; von da begab er sich in das Palais; wo er in verschiedenen Kammern processiren hörte; darnach stattete er einen Besuch bey Lord Stormont ab, und speiste in dem Hotel de Treville zu Mittag; Nachmittags besah er das Münzhaus und die königliche Bibliothek, gab der Frau Herzoginn von Bourbon Visite, und brachte den Abend daselbst zu. Am 25. ging er Früh um 8 Uhr nach Versailles, und kam zur Mittagstafel ins Hotel de Treville zurück; Nachmittags ging er auf den Wällen von dem Thore Sanct Honerè an, bis an die Straße du Temple spazieren; darnach in die Oper, zur Frau Marschallinn von Monchy, und den Abend brachte er bey der Frau Herzoginn von Bourbon zu.

Am 26. ging er Früh um 9 Uhr in den Tuillerien spazieren, sah im Louvre die Academien der Wissenschaften, der Mahlerey, und der Architectur – alles, was dieß prächtige Gebäude in sich enthält. Abends war er in der französischen Comödie, darnach besuchte er die Frau Herzoginn de la Valliere, und brachte den Abend bey der Frau Herzoginn du Chatelet zu. Am 27. erhob er sich nach der angehörten Messe au petit Calvaire nach Versailles, wo er in seinem Gasthofe speiste, dem Grandcouvert beywohnte, und den übrigen Theil des Abends bey der Königinn zubrachte. Am 28. kam er nach Paris zurück, sah unterwegs die Brücke von Neuilly, wohnte der Musterung, den Kriegsübungen und dem Feuer der Schweizergarde in der Ebene von Salons bey, speiste in dem Hotel de Treville, und blieb den Abend zu Hause. Am 29. begab er sich Früh um 9 Uhr nach Versailles, wo er mit den beyden Majestäten an der Königinn Tafel speiste. Morgens hatte er sich in dem Saale der Gesandten eingefunden. Nachmittag fuhr er mit der Königinn in die Abtey St. Cyr, und Abends wohnte er dem Spiele bey der Königinn bey. Am 30. sah er die Gemählde der Krone, speiste mit der Königinn, begleitete sie nach Marly zu Pferde, wohnte dem Spiele bey der Königinn bey, und kam Abends nach Paris zurück. Am 1. May hörte er Morgens um 10 Uhr die Messe bey St. Sulpice, ging von da zu dem Herrn von Trüdeine, wo er die Amtsstuben vom Post- und Straßenwesen besah, und speiste in dem Hotel de Treville zu Mittag; Nachmittags besah er den Kronschatz und die Brodhalle. Abends war er in der italienischen Comödie, ging aber von da in die französischen Schauspiele, darnach zur Prinzessinn von Morsau, zum Lord Stormont und zu der Gemahlinn des sardinischen Gesandten. Am 2. besah er Früh um 8 Uhr Bicetre, das allgemeine Hospital, das Zeughaus, die Bastille, den königlichen Platz, das Rathhaus, und speiste in dem Hotel de Treville zu Mittag. Nachmittags war er im Colisee, und besuchte in der Oper die Herzoginn von Prolie und den General Cock. Am 3. begab er sich nach den Gabelins, deren Manufacturen er besah; hierauf ging er in den königlichen Pflanzengarten, wo er das Naturaliencabinet in Augenschein nahm, und speiste in dem Hotel de Treville zu Mittag; um 2 Uhr begab er sich nach Versailles, wohnte der Probe einer Oper in dem großen Saale des Schlosses und dem Soupee des Königs in den kleinen Zimmern bey, und kehrte nach Paris zurück. Am 4. hörte er in Gnadenthal Messe, besah die kleinen Appartements der Prinzen von Condé und den englischen Garten des Herzogs von Chartres. Am 5. betrachtete er Früh um 8 Uhr die Plans bey den Invaliden, begab sich hierauf nach Versailles, wo er mit der Königinn allein speiste, und Abends der Oper Castor und Pollux in dem großen Hoftheater beywohnte. Am 6. kam er mit der Königinn und dem ganzen Hofe nach dem Schlosse la Muette, ritt mit dem Könige aus, um die französische Schweizergarde in der Ebene von Salons zu mustern, und kehrte zum Soupee der ganzen königlichen Familie bey Madame zurück. Am 7. kam er Früh um 8 Uhr in Paris an, ging um 9 Uhr aus, besah vollends das Louvre, besuchte viele Künstler, und speiste in dem Hotel de Treville zu Mittag; Nachmittag fuhr er zu dem Abbé de l'Epée, der die Stummen und Tauben lehret; Abends besuchte er in der Comödie die Prinzessinn bey dem spanischen Gesandten. Am 8. hörte er Früh um 8 Uhr Messe bey den Theatinern, besah die königliche Druckerei, ging nach dem Cours de la Reine, wo er die Eleven der französischen Garde manövriren sah, begab sich nach Chaillot und nahm die Seifensiedereymanufactur und ein Naturaliencabinet in Augenschein, ging von da in den Tuillerien spazieren, kam zum königlichen Architekt, Herrn Soufflot, ließ dem Herrn Coustou das schwarze Band des St. Michaelsordens umhängen, kam hierauf nach dem Luxembourg, besah das Cabinet, die Gallerie von Rubens gemahlt, und speiste in dem Hotel de Treville zu Mittag. Nachmittag ging er auf den großen Boulevards bis an den Pont-auxnoux spazieren, kam in das Concert spirituel, und begab sich um 7 Uhr nach Versailles, wo er den Abend bey der Königinn zubrachte. Am 9. wohnte er mit dem Könige dem Hirschjagen in dem Gehölze von Verviers bey, speiste in seinem Gasthofe zu Mittag, ging in dem Park spazieren, erwartete daselbst die Königinn, welche in Kleintrianon gespeist hatte, und wohnte dem Soupee in den kleinen Appartements bey, wo sich die ganze königliche Familie befand.

Am 10. fuhr er Früh um 8 Uhr von Versailles ab, stieg bey der französischen Garde aus, wo ihn der Herr Marschall von Biron erwartete, um die Eleven manövriren zu lassen, und ihre Erziehung zu untersuchen, stattete bey der berühmten Tänzerinn Guimord einen Besuch ab, ging in dem königlichen Pallaste spazieren, sah alle Gemählde des Herzogs von Orleans, das Cabinet des Herrn Loriol, und speiste in dem Hotel de Treville zu Mittag. Nachmittags begab er sich in die Versammlung der Academie der Wissenschaften, hierauf in die französische Comödie, wo er den Herrn Necker, Oberaufseher der Finanzen und königlichen Schatzmeister besuchte; den Abend aber brachte er bey der Herzoginn von Bourbon zu. Am 11. hörte er Früh um 9 Uhr zu St. Roch Messe, besuchte den berühmten Verfertiger der Seeuhren, Herrn Berton, fuhr um halb 1 Uhr nach Versailles, und kam um 6 Uhr von da wieder zurück, stieg an der italienischen Comödie ab, und brachte den Abend bey der Herzoginn von Enville zu. Am 12. besah er Früh um 9 Uhr zu Charenton die Vieharzneyschule, besuchte das Schloß und den Park zu Bercy, kam zu dem Herrn Berton zurück, und speiste in dem Hotel de Treville zu Mittag; Nachmittags nahm er das Hotel und den Garten des Generalpächters, Herrn Beaujou in Augenschein, begab sich von da nach Torre, wo er ein kleines Collise sah, war Abends in der französischen Comödie, und brachte den Abend bey der Frau von Necker zu. Am 13. begab er sich Früh um 8 Uhr nach Versailles, kam durch Bellevue, sah das Schloß zu Meudon, speiste mit der Königinn in Kleintrianon zu Mittag, und ging den ganzen Nachmittag in den Bouquets spazieren, wo die Königinn ihrem Bruder eine unvermuthete Festivität anstellte. Abends war großes Soupee, wo sich die ganze königliche Familie und die ersten Damen aus der Suite einfanden; nach dem Soupee war Comödie, auf welche ein Ballet von Noverre und ein prächtiges Feuerwerk folgte. Bey der Tafel zeigte sich der König so besonders freundschaftlich gegen den Grafen von Falkenstein, daß er ihn immer mit dem wärmsten Gefühl seinen lieben Bruder, den würdigen Kaiser nannte, und in verschiedene andere eben so rührende Ausdrücke ausbrach, daß alle Gäste und Zuschauer vor Freuden weinten. Um halb 3 Uhr ging der Hof auseinander, und der König führte den Grafen von Falkenstein in seiner Kutsche nach Versailles zurück. Am 14. besah er die Maschinen zu Marly und den Pavillon de Lucianne und speiste zu Versailles mit Ihren Majestäten zu Mittag; Abends besuchte er in der französischen Comödie die Marschallinn von Dücas, und brachte den Abend bey Madame Blondet zu. Am 15. begab er sich Früh um 8 Uhr in das Palais, um einem Rechtshandel zuzuhören, besah das Haus des Herrn von Monville, kehrte zu dem Herrn von Beaujou zurück, und begab sich nach Choisi, wo er mit dem König speiste, welcher ihm ein prächtiges Fest anstellte, dem der ganze Hof beywohnte; Nachmittags wurde eine Spazierfahrt zu Wasser gehalten, und früh soupirt, hierauf war Comödie, auf welche ein Ballet von Noverre folgte, um 11 Uhr begab sich der Hof nach Versailles und der Graf nach Paris. Am 16. ritt er mit allen Herrn seines Gefolges Früh um 9 Uhr aus, sah die französische Garde manövriren, welche auf dem Marsfelde im Feuer exercirte, besuchte ihr Hospital, begab sich von da zum Comus, und speiste in dem Hotel de Treville zu Mittag; Nachmittags begab er sich in die Versammlung der Academie der Aufschriften, von da in die Oper, und brachte den Abend in seinem Hotel zu. Am 17. begab er sich Früh um 9 Uhr nach St. Denis, stattete bey Madame Louise, Tante des Königs, einen Besuch ab, besah die Gräber der Könige in der Abtey, fuhr von da nach St. Quen, besah das Haus des Prinzen von Soubise und den Garten des Herrn Boutin, und speiste in dem Hotel de Treville zu Mittag; Nachmittags begab er sich in die Versammlung der Academie der Wissenschaften, und fuhr nach Versailles, wo er den Abend bey der Königinn zubrachte. Am 18. speiste er in seinem Gasthofe zu Mittag, sah die Prozession der Cordonsbleus, besuchte das Kriegshotel, wohnte der offenen Tafel bey, und kehrte nach Hause zurück. Am 19. besah er die Küchengärten und die Orangerie zu Versailles; speiste mit der Königinn zu Mittag, besuchte verschiedene Minister und kehrte nach Paris zur französischen Comödie zurück, wo er bey der Herzoginn von Losse einen Besuch abstattete. Am 20. hörte er au petit Calvaire Messe, besuchte den General Corke, besah zu Nevily das Haus des Herrn St. Foix und die schöne Mühle, und speiste in dem Hotel de Treville zu Mittag. Nachmittags war er in der französischen Comödie und begab sich nach Versailles, wo er dem Soupee des ganzen Hofes in den kleinen Appartements beywohnte. Am 21. speiste er mit der Königinn und kehrte nach Paris zurück, stieg in der französischen Comödie ab, und stattete daselbst bey der Gräfinn Bentheim einen Besuch ab. Am 22. begab er sich Früh um 9 Uhr zu dem berühmten Mechanicis und Mitglied der Academie, Herrn v. Vaucanson, kam in das Zeughaus und besah die Salpeterverwaltung, besuchte die beyden königlichen Mahler, Robert und Greuze, begab sich von da in das Medaillencabinet und in die königliche Bibliothek, besah ein kleines Theater bey einem geschickten Brabanter, und speiste in dem Hotel de Treville zu Mittag; Nachmittags besuchte er den Herzog von Panthievre in seinem schönen Schlosse zu Sceaux, und kehrte nach Paris zurück, wo er den Abend bey der Herzoginn du Chatelet zubrachte.

Am 23. besah er Früh um 9 Uhr den Garten des Herrn Marschalls von Biron, begab sich hierauf nach Versailles, wo er mit der Königinn speiste; Nachmittags besuchte er den Minister der Marine, Herrn von Sartine, war in der Stadtcomödie mit der Königinn, wohnte dem Soupee bey Madame, wo sich die ganze königliche Familie befand, bey, und kehrte nach Paris zurück. Am 24. besah er Früh um 8 Uhr das Schloß und den Park d'Amsterdam, speiste in dem Gasthofe zu Mittag, begab sich hierauf nach Chantilli, und besuchte den Prinzen von Condé, der ihn überall in diesem Zauberpallaste herumführte, hier blieb er bis um 4 Uhr und kehrte nach Paris zurück. Am 25. hörte er um 11 Uhr bey den Carmelitern Messe, besah den Comus, das Cabinet des Herrn Grafen von Beaudouin, Capitains der französischen Garde, und speiste in dem Hotel de Treville zu Mittag; Nachmittags besuchte er die Prinzessinn von Conti, den Lord Stormont, die Gräfinn von Matignon, Madame Jessein, die Gräfinn von Birone, und begab sich hierauf nach Versailles, wo er der offenen Tafel beywohnte. Am 26. begab er sich um 10 Uhr nach St. Hubert, einem acht Stunden von Paris gelegenem königlichen Jagdhause, mit dem Könige und der Königinn, speiste in dem Schlosse zu Nacht und kehrte nach Versailles zurück. Am 27. speiste er mit dem König und der Königinn zu Mittag; Nachmittags besuchte er den Kriegsminister, Herrn von St. Germain, und den Herrn von Maurepas, wohnte dem Soupee der ganzen königlichen Familie in den kleinen Appartements bei, und kehrte nach Paris zurück. Am 28. besuchte er Mittags um 12 Uhr den Lord Stormont, und speiste in dem Hotel de Treville zu Mittag; Nachmittags besuchte er die Herzoginn von Duras und die Gräfinn Julles de Polignac, kam zur Königinn in die französische Comödie und fuhr mit ihr nach Versailles, wo er dem Soupee bey Madame beywohnte. Am 29. sah er die Frohnleichnamsprozession auf dem königlichen Balcon und speiste mit Ihren Majestäten zu Mittag. Nachmittags besuchte er den Herrn von Sartemis und den Minister der ausländischen Geschäfte, Herrn von Vergennes, wohnte der Bethstunde in der königlichen Schloßkapelle bey, ging hierauf mit dem Könige allein beynahe drey Stunden lang spazieren, fand sich bey dem Soupee bey Madame ein, und kehrte nach Paris zurück. Am 30. besah er Früh um 10 Uhr die Manufactur zu Joui, begab sich von da nach Versailles und nahm von Ihren Majestäten und dem ganzen Hofe Abschied. Am 31. reiste Seine kaiserliche Majestät von Paris ab, um die Provinzen des Königreichs zu besehen.

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