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Josephinische Curiosa

Franz Gräffer: Josephinische Curiosa - Kapitel 7
Quellenangabe
typetractate
booktitleJosephinische Curiosa
authorFranz Gräffer
firstpub1848-50
year1848-50
publisherIgnaz Klang
addressWien
titleJosephinische Curiosa
created20051021
sendergerd.bouillon
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IV. Details über Josephs II. letzte Lebenstage und Begräbniß.

Es ist sonderbar, daß die vorhandenen Biographien dieses Monarchen in Betreff seiner letzten Tage und Augenblicke, so wie seiner Bestattungsceremonien nur allgemeine Berichte geben, also der Einzelnheiten, die hier eben von besonderem Interesse sind, größtentheils entbehren. Wir theilen also hiermit eine detaillirte Schilderung mit, und zwar aus einer gleichzeitigen Feder, ohne Zweifel von einem Manne herrührend, welcher wohl von all den betreffenden Vorfallenheiten und Zügen auch in so fern Augenzeuge gewesen, als man es dabey hat seyn können. Anderweitiges z. B. das Leichenbegängniß anlangend, ist aus officiellen Bekanntmachungen geschöpft. Demnach erhält man in dem nachstehenden Artikel ein anschauliches Bild von dieses unvergeßlichen Fürsten Ausgang aus dem Leben und Eingang in die Ewigkeit.

Der Kaiser war bereits zu wiederholten Malen von mancherley Unpäßlichkeiten befallen worden, machte sich aber nichts aus denselben, und behandelte sie ganz leicht, schonte sich wenig und überwand sie doch immer ohne viele Unbequemlichkeit, welches er seiner außerordentlich starken Leibesconstitution zu danken hatte. Aber im Jahre 1789, war seine Gesundheit unwiederbringlich zerstört.

Dem Anschein nach befand er sich gesund und stark, als er im Frühjahr 1788 zur Armee ging. Die unerträgliche Hitze jenes Sommers, welche er im Lager bei Semlin auszustehen hatte; die rastlose Anstrengung bei Tag und bei Nacht, für die Geschäfte des Kriegs und des Friedens; der Unmuth über zerstörte Plane von Innen und von Außen, das innerlich fruchtlose Streben, den mißlichen Zustand der Sachen zu verbessern: kurz, Erschöpfung des Körpers und des Geistes, mußten ihn krank machen. Er ward vom Fieber befallen, erholte sich wieder; kam aber am 5. December 1788 kränklich nach Wien.

Von nun an war er abwechselnd besser und schwächer; konnte sich manchmahl öffentlich zeigen, mußte manchmahl wieder im Zimmer eingeschlossen bleiben. In der Nacht vom 13. auf den 14. April 1789 wurde er sehr schwach, warf Blut aus, und hatte Ohnmachten. Man entdeckte ihm, daß sein Zustand gefährlich sey. Am 16. ließ er sich mit der bey solchen Gelegenheiten gewöhnlichen öffentlichen Feyerlichkeit, das heilige Abendmahl reichen. Er bekam abermahls etwas Kräfte, und erschien am 28. April wieder auf dem Balcon vor seinen Zimmern, doch glaubte er selbst an keine Besserung mehr; denn er sagte am 11. Mai ganz unverhohlen zu seinen Leuten: »Ich werde bald sterben, man wird mich einst am Morgen todt im Bette finden, und vielleicht auch sagen, ich sey vergiftet worden, wie Sultan Abdul Samid.« – Es hatte sich nähmlich in der Welt ein Gerücht verbreitet, der am 7. April verstorbene Kaiser, wäre durch Gift umgekommen.

Im May ging der Kaiser auf Anrathen der Ärzte nach Laxenburg. Er war sonst den Ärzten nicht geneigt; als aber jetzt die Umstände so gefährlich wurden, ließ er sichs gefallen, ein Consilium Medicum zusammen zu rufen. In Laxenburg erholte er sich allmählich wieder zu Jedermanns Verwunderung. Er arbeitete wie gewöhnlich, machte selbst Musik, fuhr im Park spazieren, ritt auch einigemahl, und ging dann zu Fuß täglich aus. Man hatte im Park und in den Gärten allenthalben kleine Bänke angebracht, auf denen der Monarch im Falle der Ermüdung ausruhen konnte. Der erste Leibarzt, Herr von Störk, nebst dem Leibarzte Kolman, und der erste Leibchirurgus Brambilla mit seinem Bruder, wohnten zur Fürsorge im Schlosse.

Eine im Monathe August erfolgte Überschwemmung vertrieb sie aus Laxenburg, und dann ging er nach Hetzendorf. Seine Besserung schien etwas Dauer zu versprechen. Er fuhr in der Morgenstunde gewöhnlich nach dem Garten von Schönbrunn, und lief mit seiner gewöhnlichen Hastigkeit ganz flink in demselben herum. Sein Körper war äußerst mager.

Endlich war die Besserung so weit gediehen, daß die Ärzte erklärten, ihr fortdauernder Beystand sey ihm nicht weiter nöthig. Er beschenkte sie kaiserlich. Störk und Brambilla erhielten jeder 12000 Gulden an baarem Gelde, und einen Ring mit Brillanten, Kolman und der jüngere Brambilla etwas weniger. Mit Anfang des Octobers bezog der Kaiser seine Wohnung in der Burg wieder. In den heitern Tagen des Novembers, fuhr er noch oft aus, in den Augarten, in den Prater, oder in die übrigen angenehmen Gegenden um die Stadt herum.

Im Monath December 1789 fühlte er sich wieder kränker. Dieser Zustand dauerte im Januar und Februar des Jahres 1790 fort, und verschlimmerte sich stets mehr. Er verlor alles Fleisch, alle Kräfte, wurde unbeschreiblich mager, schlief wenig, spie oft Blut aus, und hatte anhaltend einen trockenen Husten mit Eiterauswurf. Man wollte ihm seinen gefährlichen Zustand ohne die dringendste Nothwendigkeit nicht entdecken. Endlich erklärte ihm der Arzt Quarin ganz rund weg: er habe eine unheilbare Brustkrankheit. Joseph belohnte diese offenherzige Erklärung großmüthig. Er wurde schwächer, ließ sich am 13. Februar 1790 wieder das Abendmahl reichen; ward noch schwächer, und ließ sich am 15. auch die letzte Öhlung geben. Jetzt erwartete man bereits jede Stunde seinen Tod.

Der Schleyer, der bisher vor den Gesundheitsumständen des Kaisers hing, ward nun auf einmal ganz weggezogen. Joseph selbst hob ihn auf, nachdem er lange nicht im Stande war, von seinen Ärzten die wahre Beschaffenheit seiner Krankheit zu erfahren. Er ließ am 5. Februar den Doctor von Quarin kommen, der seit drey Monathen sein gewöhnlicher Arzt gewesen war. Nach einigen Fragen über die Symptome seiner Krankheit, drang er stark in ihn, die Wahrheit nicht zu verhehlen. Herr von Quarin, der da sah, daß der Kaiser sie schlechterdings wissen wollte, erklärte ihm mit einem Ausbruch von Thränen, daß die Krankheit unheilbar sey. Hierauf verlangte der Kaiser zu wissen, ob er noch einige Zeit damit zubringen würde? Ja, sagte der Arzt, aber, fügte er hinzu: diese Krankheit ist eine von denen, wo die Patienten jeden Augenblick ihrem Tode entgegen sehen können. Nach einigem tiefen Stillschweigen entließ der Monarch mit der größten Danksagung den Arzt. An dem nähmlichen Tage empfing Herr von Quarin ein sehr verbindliches Billet, und die Summe von 10000 Gulden, nebst dem Titel eines Barones für sich und seine Nachkommen, die ihn zum Beweise führen würden, daß Aufrichtigkeit erhabener ist, als jene Schmeicheley, die aus den Großen der Erde unsterbliche Wesen machen will.

Joseph war auf Alles gefaßt, und man kann mit Wahrheit sagen, daß Er allein ohne Erschütterung an diesen Todesfall dachte. Mit der vollkommensten Ruhe der Seele sah der Monarch bis zum letzten Hauch seiner Auflösung entgegen, nahm schriftlich und mündlich von seiner erhabenen Familie, und allen, die ihm werth waren, mehr um sie zu trösten, als selbst zu klagen, Abschied, und hörte bis an seine Todesstunde nicht auf, alle Staatsgeschäfte so angelegentlich zu besorgen, daß man sagen kann: er sey in Ausübung der Pflichten gestorben, von denen er in seinem Herzen von jeher so hohe Begriffe genährt hatte. Besonders aber wendete er die letzten Wochen seiner Regierung an, neue Wohlthaten über seine Völker und einzelne Unterthanen zu verbreiten. Entschlossenheit und Gelassenheit zeigten sich in jeder Handlung, in jedem Worte des seinem Ende nahen Fürsten. So sagte er noch am 14. Februar zu einem der Conferenzminister: »Ich weiß nicht, ob der Dichter so ganz Recht hat, wenn er schreibt: Et du Trone au cercueil le passage est terrible (d. i. Furchtbar, schrecklich ist der Schritt vom Throne zum Grabe.) »Ich vermisse den Thron nicht, fühle mich ruhig; nur ein wenig gekränkt, durch so viel Lebensplage, so wenig Glückliche, und so viel Undankbare gemacht zu haben; allein das ist ja das Schicksal der Männer auf dem Throne.«

Als der Kaiser am 13. Februar mit dem Hochwürdigen versehen wurde, stürzten dem Helden Loudon beim Eintritt in den Vorsaal die Thränen über die Wangen herab, und es erschütterte die Zuschauer gewaltig, den Mann weinen zu sehen, der im Getümmel der Schlacht von tausenden Leichen umgeben, stets standhaft blieb. Die unerschütterliche Standhaftigkeit des erhabenen Patienten in diesem so wichtigen Zeitpuncte, erregte allgemeine Bewunderung. Er tröstete alles, was ihn umgab, und blickte mit Heiterkeit in die Schauer des Grabes hinab. Nach Empfang des Hochwürdigen schickte der Monarch unmittelbar nachher zum französischen und neapolitanischen Gesandten, und ließ beyden sagen, er vermuthete, daß nach der feyerlichen Handlung, die er so eben vorgenommen, sie ihren Höfen durch Couriere Nachricht von seinem Befinden geben würden, sie möchten aber damit nur noch ein paar Stunden warten, weil er selbst diesen Courieren etwas mitgeben wollte. Gegen 11 Uhr schickte er ihnen hierauf einen Brief an seine beiden Schwestern (die Königinn von Frankreich und die Königinn von Neapel) die sogar bis zur Aufschrift ganz von seiner eigenen Hand geschrieben waren.

Die Gemahlinn des Erzherzogs Franz hatte vielfältig Verlangen gezeigt, ihn zu besuchen, es war ihr aber, ihrer nahe bevorstehenden Entbindung wegen, nicht erlaubt worden. Nachdem der Kaiser am 15. Februar die letzte Öhlung empfangen hatte, wollte sich die Erzherzoginn durch keine Vorstellung mehr abhalten lassen, ihn noch einmahl zu sehen, und er selbst mußte ihrem dringenden Verlangen nachgeben; nur ließ er sie bitten, daß sie um ihrer selbst Willen sich fassen und nicht weinen möchte. Dies versprach sie, und ward nun in einer Sänfte hingetragen. Damit sie über des Kaisers Todtenblässe und über seine Abgezehrtheit nicht erschrecken möge, ließ er, ehe sie ins Zimmer trat, die Fensterläden zumachen, und es ward in einer Ecke bloß ein Nachtlicht angezündet. Man kann denken, unter was für Empfindungen sie in das Sterbezimmer des Monarchen trat, der ihr so viele Beweise seiner Vorsorge gegeben hatte, und den sie deßhalb überaus hoch schätzte. Kaum war sie bis zu seinem Sitze hingewankt, und hatte nächst demselben Platz genommen, als schon die ersten Worte, die der Kaiser mit bebender Stimme zu ihr sagte, sie dermaßen erschütterten, daß sie ohnmächtig ward, und in diesem Zustande der Betäubung wieder hinausgebracht werden mußte, ohne daß sie weder etwas hätte sagen, noch von dem, was er ihr zu sagen gedachte, etwas vernehmen können. Es war dieß ein seelenerschütternder Auftritt. Der Monarch ermahnte sie zur Geduld, und zum Vertrauen auf Gott; bat sie ihre Frucht im Mutterleibe zu schonen, und sich durch Traurigkeit nicht zu kränken; und bezeigte ihr, daß ihn sein Zustand nur deßwegen schmerzte, weil eben die Zeit ihrer Entbindung vorhanden sey. Er gab ihr seinen Segen und entließ sie.

Es hatte die Erzherzoginn in der Nacht auf den 17. Februar die ersten Geburtswehen empfunden, und man meldete dieses sogleich dem Kaiser. Von diesem Augenblicke an war er sehr unruhig, und schickte öfters zu ihr, um Nachrichten von ihren Umständen zu erhalten. Diese lauteten nicht erwünscht, und man mußte dem Monarchen jedesmal sagen, daß sie noch stark litte, bis man ihm dann meldete, daß die Erzherzoginn von einer Prinzessinn glücklich sey entbunden worden. Ungeachtet des schlechten Zustandes, in welchem der Kaiser sich befand, war er doch sehr vergnügt; er beschäftigte sich mit den Geschenken, die er für die Erzherzoginn bestimmte, und ließ ihr sehr viel Verbindliches sagen, um sie zu trösten.

Der Graf von Rosenberg erschien gegen 8 Uhr des andern Morgens in dem Zimmer des Monarchen, der ihm wie gewöhnlich guten Morgen sagte, und sich nach der Erzherzoginn erkundigte. Der Graf sagte ihm sie befände sich schlecht; und als der Kaiser vermuthete, daß hier bloß die Rede von den Folgen der schweren Entbindung sey, sagte ihm der Graf, sie sey in Gefahr. Hierauf fragte der Kaiser, ob der Graf es für nöthig halte, daß man sie mit dem Hochwürdigen versehe; und da der Graf versetzte, daß es zu spät sey, so sah der Kaiser nun, daß er eine geliebte Nichte verloren habe. Er stützte den Kopf auf seine Hände, und rief: »Und ich lebe noch? – Herr dein Wille geschehe!« – Nachdem er nun 10 Minuten lang in sprachloser Betäubung gesessen hatte, gab er die Befehle zu ihrem Begräbniß, und setzte hinzu, daß, weil der Körper der Prinzessinn dem seinigen Platz machen müßte, so könnte sie keine 3 Tage in der Capelle ausgesetzt stehen, und es wäre also nöthig, daß man sie heute begrabe.

Es ist unläugbar, daß dieser unvorhergesehene Todesfall den Kaiser sehr stark angriff, und seine ganze Hoffnung zu Boden schlug; denn Elisabeths Verbindung mit seinem Neffen Franz, war ganz sein Lieblingswerk gewesen. Dieß war der tödtlichste Stoß, welcher ihn bey seinen ohnehin unheilbaren Umständen treffen konnte. Auch sagte er öffentlich, daß er dadurch sich gänzlich niedergedrückt fühlte.

Nebst diesem gaben noch die Unruhen in Ungarn, die denen noch in Böhmen nachzufolgen drohten, und dann noch das Gerücht, daß ein gewisser Hof diese Gährungen bewirkt habe, dem kranken Monarchen den Herzensstoß. Er soll sich der wehmüthigen Ausdrücke bedient haben: »Ich will ihnen ja gern alles gestatten, sie sollten mich nur in Frieden zur Grube fahren lassen.« – Der Kaiser hatte befohlen, daß man es ihm anzeigen sollte, wenn die ungarische Krone nach Ungarn abgeführt würde. Als dieses am 18. Februar geschah, sagte er: »Nun sehe ich, daß der Allmächtige noch bey meinen Lebenszeiten alle meine Werke zertrümmert.« Als er von seinem Loudon Abschied nahm, rief er ihm zu: »Reichen Sie mir Ihre alte Hand: ich werde nicht mehr das Vergnügen haben, sie zu drücken.« Am 19. Februar Vormittags gegen 10 Uhr, eben als Fürst Dietrichstein sich bei ihm befand, wurde es plötzlich dunkel vor den Augen. »Nun es ist Zeit, daß wir abbrechen,« sagte Joseph: »wir sprechen uns zum letztemahl. Lassen Sie mir den Beichtvater hereinkommen.«

Nachmittags um 4 Uhr unterschrieb er noch eine Schrift, schrieb aber Jsoph statt Joseph, unerachtet er den Tag zuvor seinen Nahmen noch achtzigmahl ordentlich unterschrieben hatte. Während der letzten acht Tage seines Lebens verschenkte er eine halbe Million Gulden.

In seinem Testamente hatte er der Erzherzoginn Elisabeth von seinem Allodial-Vermögen jährlich 80,000 fl. ausgesetzt; nach ihrem Tode änderte er diesen Punct, und sollte diese Summe die neugeborne Prinzessinn erhalten. Als der Monarch am 18. Februar vernommen, daß die Oberhofmeisterinn der verewigten Elisabeth, Gräfinn von Chanclos über den Verlust dieser Prinzessinn ganz untröstlich war, schrieb er ihr ein schmeichelhaftes Billet um sie zu trösten, und ihr zugleich für die Sorgfalt zu danken, die sie seit 8 Jahren für die Erzherzoginn bewiesen habe. Dieses Billet begleitete er mit einer Assignation von 100.000 Gulden, damit sie künftig in Ruhe und ohne Beschwerden leben könnte. Auch der Erzherzog Franz ließ derselben sagen, daß sie ihm vieles Vergnügen machen würde, wenn sie sich, was sie nur wollte, aus dem Nachlasse seiner Gemahlinn aussuchen wollte. Auch zahlte er alle Pensionen fort, die seine liebenswürdige Gemahlinn ausgesetzt hatte. – Dem Feldmarschall Loudon soll der Monarch ein Gut in Ungarn und eines in Böhmen vermacht haben. Dem Burgpfarrer, einem sehr würdigen Manne, setzte er noch eine Zulage bey von 300 fl. jährlich und auf Zeitlebens &c.

Während seiner ganzen Krankheit, bey unaussprechlichem Leiden hatte er beynahe noch immer eben so viel und so eifrig gearbeitet, wie in seinen gesunden Tagen. Noch am 19. Februar that er dieses.

Jetzt ergriff er den Zeitpunct noch einige Rosen auf den Altar der Freundschaft zu streuen, ehe er ganz verwelkte.

Er schrieb an den Fürsten Kaunitz, der ihm so eben ein Billet geschickt hatte, in französischer Sprache:

»Lieber Freund! Ich bin von dem Ausdrucke Ihrer Theilnehmung ganz gerührt; allein was kann ich bey den Verhängnissen der Vorsicht anders thun, als mich denselben unterwerfen. Was Sie betrifft: empfangen Sie von mir die unbegränzte Versicherung der vollkommensten Erkenntlichkeit, der größten Hochachtung, und des aufrichtigsten Zutrauens, die Sie vor allen andern verdienen; und seyen Sie versichert, daß es mich unendlich schmerzt, wenn ich daran denke, daß ich außer Stande bin, länger Ihre Einsichten zu benützen. Ich umarme Sie, und empfehle Ihnen in diesem gefährlichen Zeitpuncte mein Vaterland, das mir so am Herzen liegt.«

Joseph.

An den Grafen Rosenberg schrieb er:

»Mein lieber Graf von Rosenberg! Die Freundschaft hat gewöhnlich ihre Gränzen; aber die Ihrige gibt sich mir ganz hin. Könnte ich die Welt verlassen, ohne Ihnen vorher noch meine ganze Erkenntlichkeit für das zu beweisen, was Sie für mich gethan haben; für alles, was Sie bey dieser langen Krankheit gelitten haben, während welcher Sie sich ganz aufopferten, um mir meine Last tragen zu helfen, und mich zu trösten! – Die Weisheit und Vortrefflichkeit Ihrer Rathschläge, die Ergebenheit, welche Sie bey jedem Anlasse, bis zum letzten Augenblick gegen mich bewiesen haben, durchdringen mich mit Erkenntlichkeit und Freundschaft. Empfangen Sie die Versicherung derselben, und glauben Sie, daß das einzige, was ich bey meinem Austritt aus der Welt bedauere, die kleine Anzahl von Freunden ist, die ich verlassen muß, und denen ich Ungelegenheit gemacht habe. Leben Sie also wohl. Ich umarme Sie mit freundschaftlichem Herzen. Erinnern Sie sich meiner,

Ihres aufrichtigen und empfindungsvollen Freundes
Joseph.

N. S. Nur meine zitternde Hand hat mich verhindert, Ihnen diese Zeilen mit eigener Hand zu schreiben.«

Der Kaiser hatte, wie schon erwähnt worden, eine gewählte Abendgesellschaft aus Männern und Frauen gemischt. Die Damen dieses Kränzchens waren, die ebenfalls schon Genannten: die Fürstinn (nun auch Witwe) Karl Liechtenstein, die Fürstinn Kinsky, Fürstinn Clary und Gräfinn Ernst Kaunitz.

An diese Damen schrieb Joseph:

»Mein Ende nahet heran: es ist Zeit, Ihnen noch durch diese Zeilen meine ganze Erkenntlichkeit für jene Güte, Politesse, Freundschaft und angenehme Freyheit, zu bezeugen, die Sie mir während so vieler Jahre, welche wir in Gesellschaft mit einander zugebracht haben, zu erweisen und angedeihen zu lassen, die Gewogenheiten hatten. Ich bereue keinen Tag: Keiner war mir zu viel, und dieses Vergnügen mit Ihnen umzugehen, ist das einzige verdienstliche Opfer, das ich darbringe, indem ich die Welt verlasse. Haben Sie die Güte, sich meiner in Ihrem Gebeth zu erinnern. Ich kann die Gnade und unendliche Barmherzigkeit der Vorsehung in Ansehung meiner nicht genug mit Dank erkennen; dieses alles ist in denselben vereiniget, so, daß ich mit ganzer Resignation meine letzte Stunde erwarte. Leben Sie wohl! Sie werden meine unleserliche Schrift nicht mehr lesen können. Sie beweiset meinen Zustand.«

Joseph.

Was der Monarch etwa sonst noch an andere Vertraute geschrieben haben mag, ist nicht bekannt geworden.

Die arbeitenden Secretäre blieben den ganzen Tag über bey ihm, und bis um 10 Uhr Nachts. Rosenberg und Lascy machten ihm an diesem letzten seiner Abende noch einen Besuch. Er hatte schon um Mittagszeit eine Anwandlung von Ohnmacht, ergriff aber sein Riechfläschchen, und ermunterte seine Sinne. Die Arbeit des Dictirens, Expedirens, und des Schreibens, ging immer fort. Um 10 Uhr entließ er die Secretäre und legte sich zu Bette. Den Tag über saß er schon seit einigen Wochen in einem großen Schlafsessel, oder ging im Zimmer herum spazieren; dabey war er stets angekleidet, trug Stiefel und einen Frack oder Kaput.

Als er sich niedergelegt hatte, mußte ein Kammerlakay neben ihm wachen. In einem Nebenzimmer ruheten Störk und Brambilla, und ein vor wenigen Tagen zum Beichtvater ernannter Augustiner.

Der Monarch fing an zu schlummern, phantasirte halb schlafend und halb wachend von Dingen, die eben jetzt der Gegenstand der allgemeinen Aufmerksamkeit waren; schlummerte und phantasirte wieder, und so dauerte es wechselweise fort, bis gegen 5 Uhr Morgens am 20. Februar. Jetzt wurde er vollkommen munter, und fühlte sich doch übel. Er verlangte eine Suppe; man brachte sie, und ließ zugleich die Ärzte in das Zimmer treten. Störk fühlte ihm den Puls, und fand beynahe keinen mehr. Ohne dem Monarchen dieses zu entdecken, sagte er bloß, daß auch der Beichtvater im Nebenzimmer sey, wenn ihn Se. Majestät etwa sprechen wollten. Der Kaiser verstand vermuthlich den Wink, und ließ den Augustiner rufen. Dieser las ihm ganz gelassen aus einem Erbauungsbuche vor. Joseph wollte von der gebrachten Suppe etwas nehmen, vermochte es aber nicht mehr. Er sank zurück, hatte etwa 5 Minuten lang Zuckungen, und war 4 Minuten nach 5 Uhr Morgens den 20. Februar 1790 todt. Der Fürst von Dietrichstein, der Graf von Rosenberg und der Erzherzog Franz hatten ihn keinen Augenblick verlassen. – Bestürzung, Schmerz, Mitleid waren nun auf allen Gesichtern. – Ein erschütternder Fall. Man stelle sich einen Hof vor, wo zu gleicher Zeit die Körper eines in dem 49. Jahre seines Alters verstorbenen Kaisers, und einer 22jährigen Prinzessinn ausgestellt sind, und dann wird man sich ein Bild von Wien machen können. Mit Recht bejammerte man den Tod eines Fürsten, dessen vortreffliche Eigenschaften, selbst Preußens großer Friedrich hochschätzte.

Gleich nach dem Tode des Kaisers verfügte sich der Erzherzog Franz nebst dem Grafen Rosenberg in das Cabinet, wo der Erzherzog den noch schreibenden Cabinetsecretarius aus dem Cabinet zu gehen befahl, und versiegelte alle Kasten, wo er glaubte, daß Schriften darin seyen, mit eigener Hand, und stellte daselbst die Wache an. Hierauf erließ er an alle Hofstellen ein Handbillet, worin alle Beamten ad interim bestätigt wurden, und zugleich befohlen ward, daß man den Titel: kaiserlich auslassen, und bis die neuen Wapen gestochen seyn würden, sich der Präsidenten ihrer bedienen sollte. Der geheime Staatsrath übernahm die Regierungsgeschäfte, und der k. Obersthofmeister Fürst von Starhemberg ertheilte die erforderlichen Befehle zur Besorgung des Leichnams, und der Reichshofvicekanzler, Fürst von Colloredo-Mannsfeld, als Vertreter des hohen Reichserzkanzlers, vollzog die Sperrung des Reichshofraths. Auch das Militär, welches gegen den Feind zu Felde war, mußte trauern. Die Offiziere mußten selbst in der Schlachtordnung mit dem Trauerzeichen aufmarschiren, die Fahnen konnten jedoch fliegend seyn, mußten aber an der Spitze ein schwarzes Zeichen haben.

Der Kaiser hatte verbothen, den Leichnam der Erzherzoginn zu öffnen, auch seinen eigenen verboth er zu öffnen, mit dem Beysatz: »Seine Krankheit sey sichtbar genug gewesen, man würde also durch die Öffnung des Leichnams nichts weiter lernen.«

An demselben Tage, Abends um 7 Uhr wurde, wie schon gesagt, die Erzherzoginn begraben.

Nach dem Hintritte des Kaisers wurde der Leichnam in die Feldmarschallsuniform gekleidet, in dem kaiserl. Audienzzimmer auf eine mit schwarzem Tuche bedeckte Stufe gelegt, und dabey ein Crucifix nebst brennenden Wachskerzen aufgestellt. Am Sonntage den 21sten Abends wurde der Leichnam in den inwendig mit Goldstoff und auswendig mit schwarzem Sammt und goldenen Borden überzogenen Sarg gelegt, und nach vorläufiger durch den Hof- und Burgpfarrer verrichteten Einsegnung, von den kaiserl. königl. Kammerdienern unter Begleitung der Edelknaben, welche brennende Wachsfackeln trugen, einer Anzahl von Leibgarden und des hinterlassenen kaiserl. königl. obersten Kämmerers, wie auch einiger Kammerherren, in die Hofburgpfarrkirche übertragen, welche ganz schwarz behangen, und mit kaiserl. königl. Wapen ausgeziert, und in deren Mitte eine vier Stufen hohe, prächtig erleuchtete Trauerbühne errichtet war, auf die nun die Leiche in dem Sarge der öffentlichen Schau ausgestellt wurde. Neben dem Sarge zu beiden Seiten lagen auf schwarzsammetnen Polstern die Reichskrone sammt dem Zepter und Reichsapfel, die kais. Hauskrone, die ungarische und böhmische Krone, der Erzherzogliche Hut, die Toison- St. Stephans-Ordensketten, der militärische Marien-Theresienorden, sammt dem auf militärische Art gestülpten Hute, mit Quasten und Cocarde; ferner der Degen, der Stock und die Handschuhe. Die Feldmarschallsuniform des Monarchen war weiß, an den Füßen hatte er Stiefel mit Sporen, und auf dem Kopf eine stark gepuderte Perrücke. Die Mienen waren zwar unverändert, aber Gesicht und Körper waren sehr abgezehrt.

Die drey adeligen Leibgarden hielten dabey die Wache. Der Sarg war, wie schon gesagt, mit schwarzem Sammt überzogen, und hatte sechs massiv silberne Handhaben, um ihn bequem tragen zu können. Das Gesicht lag gegen den Hochaltar. Auf diesem und den zwey Seitenaltären wurden bis Mittagszeit Messen gelesen, bey welchen die Minister, geheimen Räthe und Kämmerer, wie auch vornehme Damen ihr Gebeth verrichteten. Des Morgens und Abends wurde von der Hofmusik das Miserere abgesungen. Montags den 22. Nachmittags um 3 Uhr besetzten die Wachen alle die Gassen und Zugänge, wo die Leiche zu passiren hatte. Um 4 Uhr mußte sich alles entfernen. Um 5 Uhr ging der Leichenzug aus der Pfarrkirche der P. P. Augustiner über den Spitalplatz bis an die Capuzinerkirche in folgender Ordnung: Ein Commando von der Cavallerie, dann die sämmtlichen Spitalleute, hierauf alle Ordensgeistliche mit brennenden Wachskerzen, die sämmtlichen Pfarrer der Stadt und Vorstädte, der Stadtmagistrat, die niederösterr. Landstände, die Räthe vom Reichshofrath, wie auch von den Hof- und Landesstellen ohne Beobachtung eines Ranges, alle in Trauerkleidern und schwarzen Mänteln; ferner der hinterlassene Hofstaat, von allen Hofstäben in der vorgeschriebenen Trauerkleidung, machten die erste Abtheilung des Leichenzuges aus.

Bis diese an die Capuziner-Kirche kamen, hatten sich mittlerweile die hinterlassenen obersten Hofämter, ferner die Ritter des goldenen Vließes, die Großkreuze, Commandeurs und Ritter des Marien-Theresien-Ordens, die geheimen Räthe, Kammerherren und der äußerste Hofstaat, die Damen, endlich der Rector Magnificus und die 4 Dechanten der Universität, wie auch das dortige Metropolitancapitel in der Capuziner-Kirche versammelt. Vom Josephs-Platze an, bis zu der Kirche waren brennende Pechkerzen aufgestellt, und längs derselben zu beiden Seiten, machte das Militär eine geschlossene Reihe. Auf dem Neumarkt paradirte ein Bataillon Infanterie und ein Commando Cavallerie.

Um 6 Uhr verkündigte das Läuten aller Glocken, daß der Sarg gehoben werden sollte. In der Burg machte die daselbst befindliche Wache mit gesenktem Gewehre Parade, und man hörte die Trauermusik, die die Umstehenden zum Weinen brachte. Der Abend war helle, klar, und nicht kalt.

Gleich nach 6 Uhr wurde der Leichnam von dem Trauergerüste durch kaiserl. königl. Kammerdiener gehoben, der Sarg verschlossen, und von dem Hofburgpfarrer, unter der Assistirung des Hofceremoniars und der Hofcapläne und im Beyseyn der mit brennenden Fackeln versehenen Edelknaben, der Leibgarden, des obersten Kämmerers und des obersten Stallmeisters, wie auch der anwesenden drey Gardecapitäne eingesegnet, und in den mit sechs Pferden bespannten, ringsumher mit Gläsern versehenen schwarzdrapirten Hofleichenwagen übertragen.

Hierauf ging der weitere Leichenzug über den Josephsplatz nächst den P. P. Augustinern vorbey, über den Spitalplatz in folgender Ordnung zur Kapuziner-Kirche: Voraus ritt Cavallerie, dann folgten, 1) zwey einspännige; 2) drey viersitzige Hofwagen mit Hofkammerdienern und Kammerfouriren; 3) ein sechsspänniger Hofwagen, worin die drey anwesenden kaiserl. königl. Leibgardencapitäne saßen; und 4) ein zweyter sechsspänniger Hofwagen, mit dem obersten Kämmerer und dem obersten Stallmeister; hierauf folgten 5) die kaiserl. königl. Läufer und Leiblakayen in Trauerkleidung; endlich 6) der Leichenwagen mit dem auf Polstern erhaben liegenden Sarge. Zu jeder Seite des Schlags gingen zwey Hoflakayen, dann rechts und links Edelknaben mit brennenden Kerzen, und weiter auswärts, nächst demselben die Arcieren- und Leibgarden zu Fuß. Nach dem Leichenwagen folgte 7) die königl. ungarische Leibgarde zu Pferde mit entblößtem Seitengewehre, unter dem Spiele der mir Tuch bedecken Pauken und gedämpften Trompeten. Den Zug beschlossen 8) eine Compagnie Grenadiere und ein Commando von Cavallerie.

Bey Anlangung an der Kirchthüre wurde der Sarg von Hofkammerdienern aus dem Wagen gehoben, und auf die in der Kirche errichtete, mit Goldstoff bedeckte Bühne gestellt, allda von dem Wiener Cardinalerzbischofe Migazzi unter Assistirung mehrerer Bischöfe, und der niederösterreichischen Prälaten, mit Würde und Salbung eingesegnet. Sodann übernahmen die Kammerherrn den Sarg und trugen ihn zu der in dieser Kirche befindlichen Erzherzoglichen österreichischen Gruft. Die P. P. Capuziner-Guardiane übernahmen ihn darauf, und brachten ihn unter Voraustretung vieler Ordensleute, die mit brennenden Kerzen versehen waren, bis an das eiserne Thor, welches (wie bey solchen Fällen gewöhnlich ist) verschlossen war. Einer von ihnen klopfte an, und der Pater Guardian fragte, wer da sey? – »Der Leichnam des durchlauchtigsten Kaisers, Josephs des Zweyten.« Nach dreymahligem Fragen und dreymahliger Antwort wurde das Thor geöffnet, und der Sarg hinein getragen. Der oberste Hofmeister ließ sodann den Sarg durch einen Kammerfourir eröffnen, und zeigte den P. P. Capuzinern den Leichnam, welcher hier von dem Cardinal-Erzbischof zum letztenmahl eingesegnet worden war. Nach Eröffnung des Sarges verlas der Pater Guardian den auf einer Rolle geschriebenen Titel des Monarchen, und legte solche im Sarg zu den Füßen des Leichnams. Die andere übernahm der Oberst-Hofmeister, die dritte wird bey Hofe aufbewahrt, und die vierte gehört den ehrwürdigen Augustinern. Nachdem hierauf der Pater Guardian des Klosters feyerlichst die beste Obsorge angelobt hatte, wurde der Sarg verschlossen, und ihm einer der beyden Schlüssel übergeben. Auf diese Weise war die feyerliche Ceremonie vollbracht.

Am folgenden Tage nahmen in der Hofkirche der Augustiner in der Stadt die Todtenvigilien den Anfang, zu welcher Feyerlichkeit die Kirche nach Angabe des Hofarchitekten von Hohenberg folgendermaßen eingerichtet war: In der Mitte stand ein 26 Schuh hohes Trauergerüste. Über solches hing ein schwarzsammetner Prachthimmel, der mit Gold besetzt, und auf den vier Eckspitzen mit kaiserlichen Adlern versehen war, mit so vielen herablaufenden schwarz untermengten, ausgebreiteten Goldstoffen. Auf dem Trauergerüste stand ein Sarg, worauf nebst dem Crucifix auf reichen Kissen die Reichsinsignien und Kleinodien, sammt der Reichs-, Ungarischen, Böhmischen und der Hauskrone, wie auch der österreichische Erzherzoghut, und die Ordenszeichen, der Feldmarschallsstab, Hut, Degen, und die Schärpe lagen. Auf den 8 Stufen des Gerüstes, welches reich geziert, und rings umher mit kaiserl. königl. Wapen behangen war, standen 372 silberne Leuchter und an den 4 Ecken Pyramiden, jede mit 72 Wachskerzen besteckt. Die ganze Kirche war durchaus schwarz behangen, mit 80 Wand- und Spiegelleuchtern, zwischen welchen auch Wapen eingetheilt waren, und mit 45 Lustern versehen. Der Hochaltar war mit dem reichgestickten Kreuztuche ganz überzogen, und mit den kaiserl. königl. Trauerwapen geziert. Überhaupt brannten 1700 Wachslichter.

Er starb, als ein Weiser und als ein Christ! – Als der Monarch, wie schon gesagt, am 13. Februar das Abendmahl empfing, bethete er: »Herr, der du allein mein Herz kennest, dich rufe ich zum Zeugen an, daß ich alles, was ich unternahm und befahl, aus keinen andern Absichten, als zum Wohle und Besten meiner Unterthanen meinte; dein Wille geschehe!« – Kurz vor seinem Ende, als man mit ihm aus seinem Gebethbuch bethete, sagte er: »Nun ist's genug! dieß Gebethbuch werde ich auch nicht mehr brauchen, ich schenke es Ihnen (zum Beichtvater) behalten Sie es zum Andenken. Jetzt bethen Sie mir vor: In deine Hände, o Herr, befehle ich meinen Geist!« Seine Sinne schwanden, und nach 10 Minuten war er todt.

Sein Testament war ein redender Zug seines originellen Characters. Es bestand aus sechs Zeilen, und enthielt nichts anders, als daß Joseph seinen Bruder Peter Leopold, zum Universalerben erklärte.

Als Codizill war beygelegt: Seine Secretäre und diejenigen Hofleute, welche unmittelbar seine Person bedient hatten, sollten lebenslänglich ihren ganzen Gehalt fortgenießen.

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