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Josephinische Curiosa

Franz Gräffer: Josephinische Curiosa - Kapitel 57
Quellenangabe
typetractate
booktitleJosephinische Curiosa
authorFranz Gräffer
firstpub1848-50
year1848-50
publisherIgnaz Klang
addressWien
titleJosephinische Curiosa
created20051021
sendergerd.bouillon
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52. Der Jesuit und der Teufel,

(über Josephs Reformen).

»Der Jesuit und der Teufel. Eine Entdeckung zum Besten der Menschheit. Ignatienburg, 1786.« 29 Seiten in Octav. Auch ein Verlagsfrüchtchen des berüchtigten Großhändlers und Buchdruckers Wucherers. Es ist eine der bessern Jesuitenbroschuren, und verdient allerdings gelesen zu werden, besonders da sie Josephs Reformen betrifft. Es sind Passagen darinnen, welche an Berangers päpstliches Abenteuer mit dem Teufel erinnern. Von der Anzahl der jesuitistischen Flugschriften jener Zeit, reizen die meisten nur durch den Titel, z. B. »Jesuitengift, wie es unter Clemens XIII. entdeckt, unter Clemens XIV. unterdrückt, und unter Pius VI. noch fortschleicht; Philadelphia (Wien) 1784«; »Aloysia von Blumenau, eine junge und reiche Witwe, Pater Batleme Schlieff, ein Jesuit und Provinz-Procurator; eine concentrirte Jesuitengeschichte. Constantinopel (Wien bey Wucherer) 1784«In dieser Aloysia von Blumenau, befindet sich jedoch ein Anhang, der uns interessant genug erscheint, um nicht übergangen zu werden. Er betrifft das Wechselbriefwesen der Jesuiten. Der Verfasser ertheilt über die geheime Manipulation der ehrwürdigen Väter folgende Auskunft: »Ich habe in einer Anmerkung über den Ausdruck: Wechsel fünfte Classe, eine Erklärung der Jesuitenwechsel versprochen; hier ist sie.

Daß die Jesuiten in allen Theilen der Welt ihre Banken hatten, wäre überflüssig zu erweisen; allein wie ihre Wechsel eingerichtet waren, wissen bis heutigen Tages sehr Wenige, auch sogar von jener Classe der Menschen, welche immer die Geheimnisse der Jesuiten studirten. Wenn sie dieses ergründet hätten, würden sie die Jesuiten zwar in die Enge getrieben, niemahls aber ihre gänzliche Aufhebung befördert haben. Allein von diesem ein andermahl, und zwar in einer Schrift, welche ich unter dem Titel: »Meine Muthmassungen, daß es immer Jesuiten geben werde,« so bald es möglich, will drucken lassen. – Die Wechsel der Jesuiten waren in fünf Classen eingetheilt; mit der ersten hatte es folgende Beschaffenheit. Ich wollte z. B. aus Wien in welch immer einen Theil der Welt reisen, dabei aber keine Münze oder sonst welche Papiere, so man abermahl in einem andern Lande aus- und umwechseln müßte, mitschleppen; ging ich in das Profeßhaus der Jesuiten und erlegte, ich will sagen dreyßigtausend Gulden dem Provinzprocurator. Dieser gab mir dafür ein weißes Stück Papier, welches einen Triangel, ein Quadrat oder welch immer eine Figur, in der Größe eines halben wienerischen Bankozettels vorstellte, er ermahnte mich aber zugleich, daß ich nirgens dieses Papier anbringen werde, als wo ich sagte, daß ich das Geld erheben wolle, z. B. in Madrid, und daß ich nur die erlegte Summe, wie auch den Ort, das Jahr, das Monath und den Tag, in welchen ich das Geld erlegte, nicht vergessen solle; sonst würde alles verloren seynJa da steckt es! –. Dies weiße Papier gab ich sodann, wie ich sagte, z. B. zu Madrid im Profeßhause dem Provinzial-Procurator. Dieser fragte mich, wie viel ich erlegt habe? wie auch wo? in welchem Jahr, Monath und Tag? Darauf nahm er ein großes Buch, in welchem alle erdenkliche Figuren abgezeichnet waren, legte auf eine mein überbrachtes Papier, welches vollkommen mit seiner Figur eintraf, und sodann zahlte er meine dreyßigtausend Gulden baar, ohne allem Abbruch aus; oder wenn ich weiter reisen wollte, gab er mir ein neues Papier mit den nämlichen Warnungen, die ich in Wien bekommen habe. Kam ich mit so einem Papier nach Indien, oder sonst wohin, wo ich ausländische Waaren kaufen wollte, z. B. Zimmt, Chinarinde oder auch Perlen, Edelsteine u. m. d., so habe ich statt des baaren Geldes, wenn ich wollte, alles dieses um einen sehr leidentlichen Preis durch die Jesuiten haben können, die mir es aber nicht selbst gaben, sondern mich bey andern gewissen Kaufleuten angewiesen hatten. Derley Papiere hat man in allen Profeßhäusern der Jesuiten erheben können; allein unter Millionen gab es nicht zwey Stücke, welche einander vollkommen gleich wären geschnitten gewesen. Man fand nach Aufhebung der Jesuiten ganze Kisten mit dergleichen Papierchen angefüllt; allein man glaubte, es wären nur Abschnitze von andern Papieren, und warf selbe in das Feuer. Ja wenn man es auch gewußt hätte, daß so vieles daran gelegen wäre, so fehlte doch der Schlüssel dazu, wie viel, wohin, zu welcher Zeit u. s. f. –

Die zweyte Classe ihrer Wechsel war also beschaffen: Ich war z. B. in einem Orte wohnhaft, wo die österreichische Provinz ein Collegium oder eine Residenz hatte, und ich sollte in Wien tausend Gulden bezahlen; so ging ich zu dem Rector collegii oder Superior Residentiae und erlegte ihm die tausend Gulden. Dieser schrieb dem Provinz-Procurator folgendermassen:

Reverende in Christo Pater!

Dignetur Reverentia Nostra et Cassa Collegii (oder Residentiae) Domino N. N. folvere Florenes Rhenenses mille; quam ego solutionem pro parte Collegii (oder Residentiae) ratam habebo. ct.

Diesen Brief gab er mir, und ich überschickte ihn meinem Gläubiger; kam nun dieser Dominus N. N. zu dem Provinz-Procurator, so bekam er gegen diese Schrift seine tausend Gulden ohne allen Abbruch.

Die dritte Classe war zwar ganz sonderbar; wenn man eine Dispensation oder sonst welche Erlaubniß von dem Papste aus Rom verlangte, so ging man in das Profeßhaus, erlegte da die Taxe, und holte zur von dem Provinz-Procurator bestimmten Zeit seine Dispensation oder Erlaubniß ab.

Die vierte Classe bestand in dem, daß diejenigen, welche aus den päpstlichen Staaten kamen, im Profeßhause für päpstliche Ducaten reine Kremnitzer erhalten konnten.

Die fünfte Classe war so beschaffen, wie es bey allen öffentlichen Wechselherren gewöhnlich ist; doch mit kleinerem Interesse. Allein dies geschah nur demjenigen, welcher von einem Jesuiten eine Empfehlung mitbrachte, daß er ein Mann sey, welchem zu trauen wäre. Die Juden hatten hierbey ihren guten Gewinn.

Die 1. Classe hieß Cambium Jesuiticum; die 2. Cambium Provinciale; die 3. Cambium Sacrum; die 4. Cambium Pontificale; die 5. Cambium Christianum.

. Hier also »Der Jesuit und der Teufel«:

Prolog. Wer einen Teufel glaubt, wird an der Möglichkeit dieser Unterredung nicht zweifeln.

Hat der Teufel mit so vielen Heiligen gesprochen, so kann er sich ja auch mit einem Jesuiten in ein vertrautes Gespräch eingelassen haben.

Hat er dann einmahl mit ihm geredet, so ist es eben so möglich, daß irgend ein Bedienter, der an der Thüre horchte, oder ein Freund, der neben dem Jesuiten wohnte, diese Unterredung aufgefangen, und zu Papier gebracht habe.

Die Herren Jesuiten reden ja über ähnliche Materien ziemlich laut, und natürlicherweise um so lauter, wenn sie mit Teufeln sprechen.

Die Ehre der Möglichkeit wäre also gerettet; was aber viele an der Wahrscheinlichkeit könnte zweifeln machen, ist der Umstand, daß der Jesuit in diesem Dialoge sehr oft [wie] ein Teufel spricht; allein auch da könnte man entgegen sagen, daß dieser nicht der einzige Jesuit sey, der als Teufel gesprochen habe.

Freygeister, die keinen Teufel glauben, werden natürlicherweise die Möglichkeit dieser Unterredung platterdings abläugnen. Mögen sie es immer! wenn sie nur eingestehen, daß Jesuit und Teufel bey einer Zusammenkunft so reden könnten, wie sie hier reden.

Was aber die Herren Jesuiten selbst betrifft, so werden sie vermuthlich dem Herausgeber Dank wissen, daß er ihre Grundsätze auch denjenigen bekannt gemacht habe, die nicht das Glück ihres vertrautern Umganges geniessen.

»Geschrieben an der Sternwarte des Aberglaubens im fünften Jahr der Aufklärung«.

(Der Jesuit ist eben beschäftiget, verschiedene aufrührische Bücher in seinem Schranke zu verbergen.)

Der Teufel. Vergieb, daß ich dich unterbreche.

Jesuit. Wesen deiner Art sind mir allezeit willkommen. Setz dich –

Teufel. (Sich im Armstuhl niederlassend.) Ich werde vom Pluto zu dir geschickt – –

Jesuit. Mich zu holen?

Teufel. Nein! Du bist uns auf der Oberwelt zu unentbehrlich, als daß wir dich so frühzeitig von deinem Gesandtschaftsposten ablösen sollten.

Jesuit. Was will also mein Gebieter von mir?

Teufel. Laß mich eher verschnauben. Du wohnst abscheulich hoch – – und kannst du dann so hell leiden?

Jesuit. Wir können die Fensterläden zumachen, wenn dir das Licht zu weh thut. Auch ich bin ein Freund der Nacht.

Teufel. Du wirst mir einen Gefallen thun.

Jesuit. (Die Fensterläden zuschliessend.) So wird es gut seyn!

Teufel. Ich danke dir. Wir sind beyde Kinder der Finsterniß. Für uns schickt sich kein Licht.

Jesuit. Ist es dir nun gefällig, dich deiner Aufträge zu entladen?

Teufel. Nur eine Prise Tabak, wenn du magst so gut seyn. Der, den wir in der Hölle schnupfen, wird täglich schlechter.

(Jesuit gibt ihm Tabak.) Teufel. Er ist nicht übel. Wie nennt man ihn?

Jesuit. (Lächelnd.) Der gemeine Mann nennt ihn durchaus den Jesuitentabak.

Teufel. Ha! ha! ein feiner Kunstgriff, euern Namen auf die Nachwelt fortzupflanzen. Jesuiterräuschchen; Jesuiterschläfchen! Jesuitertabak! Jesuiterzeug auf Hosen! Bey meiner Hölle! euer Andenken kann nicht sterben.

Jesuit. (Seufzend.) Nur ewig Schade, daß unser Tabak und unser Hosenzeug unsern Orden überleben mußte.

Teufel. Du führst mich nun selber auf die Ursache, warum ich zu dir deputirt wurde. Es sind seit kurzer Zeit verschiedene Mitglieder euers Ordens bey uns angelangt, die dem Pluto die Ohren volllügen. Wenigstens hält sie die ganze Hölle für Windbeutel. Sie behaupten, daß euer Orden bald in neuem Glanze hervortreten werde. Der Schlag, den euch Ganganelli versetzte, wäre, sagen sie, zu ihrer künftigen Größe nöthig gewesen. Sie versprechen unserm alten Monarchen, daß sie nun seinem Reiche eine ewige Dauer geben wollen. Sie nennen ihm protestantische Fürsten, die mit in ihrem Plane arbeiten, und prahlen mit dem Einfluß, den sie in die Kabinete von Rom, Berlin, Schweden und Dänemark haben. Das kitzelt nun freylich unsern Pluto über die Maßen. Ihr habt ihn aber schon einigemahl angeführt, und ihn gegen eure süssen Worte mißtrauisch gemacht. Er hat mich also zur Welt geschickt, damit ich untersuche, wie es mit seinem Reiche stehe, und zugleich von dir, als seinem Lieblinge und höllischen Charge d'affaire, vernehme, in wie weit es mit den Verheissungen deiner verdammten Ordensbrüder seine Richtigkeit habe.

Jesuit. (Lächelnd.) Du hast es ja nun mit deinen Augen gesehen. Was hältst du von der Sache?

Teufel. Ich muß dir's aufrichtig gestehen: ich kann daraus nicht klug werden. Ich habe in den Ländern, die ich durchgereiset, nichts als Widersprüche gefunden. Ich fand fast eben so viele Rebellen als eifrige Anhänger unsers Reichs. Man reißt hier ein Stück vom Gebäude des Aberglaubens nieder, und bauet dort ein anderes dafür hin. Ich sah in Spanien am nämlichen Tag einen Auto da Fe, als im Staatsrath die Einschränkung der Klöster resolvirt wurde. In Portugal hingegen scheint mir der Geist von eurem guten Freund Pombal von neuem herum zu spucken, und alles unvermerkt zu untergraben, was die Königinn zu unserm Besten aufgeführt hatte. Ja in Frankreich habe ich, seit meiner letzten Reise vor fünfzig Jahren, keine besondere Veränderung gefunden. Die Geistlichkeit weiß sich durch ihr Geld im alten Ansehen zu erhalten. Man verbiethet noch immer die schlechtenDer Teufel wird hierunter wohl Voltaires Werke verstehen, die er natürlich, wegen dem Schaden, den sie dem Aberglauben zufügten, nicht anders als schlecht nennen kann. Bücher, und läßt dafür den schlechten Sitten freyen Lauf; der Franzos ist daher noch immer in seiner Jugend ohne Grundsätze ein Freygeist und in seinem Alter ohne Grundsätze ein Bethbruder. In Deutschland fand ich ungleich größere Veränderungen, und doch sind es kaum fünf Jahre, daß ich ein paar geistliche Fürsten daraus abholte. Trier scheint uns (ich weiß nicht, ist es Politik oder eine Folge der Aufklärungsseuche) untreu zu werden. In Köln untergräbt der Bruder von unserm Erbfeind einen Hauptpfeiler von unserm Gebäude. Ich wäre trostlos von dannen gezogen, wenn mich nicht ein Paar Mitglieder des Kapitels versichert hätten, daß sie ihrem Fürsten alle nur mögliche Prügel unter die Füsse werfen würden. Im Maynzischen haben wir zu frühe triumphiret. Eine Menge von unsern Anhängern sind zu unsern Feinden übergangen. Dafür habe ich in Bayern Trost und Labsal gefunden. Doctor Sänftl soll deswegen um eine Stuffe höher sitzen, daß er uns vom Maximilian befreyet hat. So gern er auch in sein Herzogspital zu seiner Maria ging, so hat er doch keine Courage gehabt, der Aufklärungspest Einhalt zu thun. Hätte der Fürst noch zehn Jahre gelebt, wir hätten halb Bayern verloren. Nun aber können wir unsre fettesten Braten wieder aus diesem Lande holen. Wenn sich nur euer Frank nicht zu Tode sauft oder zu Tode h—t, so ist mir Bayern lieber als Spanien. Wer mich doch für Bayern fürchten macht, ist der Buchhändler Strobel. Wenn nur irgend ein Buch wider uns herauskommt, puff! druckt er's nach, und verbreitet es dann unter dem Volk. Aber weh ihm, wenn er eurem Frank einmahl in die Klauen kömmt. Der wird ihn noch ärger rupfen als der kaiserl. Gesandte. In Salzburg bin ich zitternd eingetreten. Nach dem Hirtenbrief zu schliessen, der so großes Aufsehen in unsrer Hölle machte, getraue ich mich kaum sehen zu lassen, und doch fand ich im ganzen Lande nicht eine Spur von wirklichen Abfall. Das Volk scheint freylich der Pfaffenregierung müde zu seyn; aber in der Hauptsache halten sie es mit uns. Nichts freute mich aber mehr, als daß die Kapitularherren und andere geistliche Excellenzen ihr scandaleuses Leben noch immer fortführen, und (ein Paar ausgenommen) ihrem Landesherrn in seinem dummen Aufklärungssysteme aus vollen Kräften entgegen arbeiten. Mit dem einzigen Handelstand war ich nicht zufrieden. Dieser hat gerade durch die saubere Mautheinrichtung eures Kaisers, (die uns so um so viele Schwärzerseelen bringt), am meisten verloren, und doch wünschen die meisten aus ihnen kaiserlich zu seyn. Doch Passau gab mir neue Herzstärkung. Sie hängen noch mit Leib und Seele an uns, und haben mir versprochen, daß sie den Eybel und jeden Aufklärer todt schlagen wollen, der es wagt nach Passau zu kommen. In Linz wäre ich bald kleinmüthig geworden. Wir haben da seit fünf Jahren einen guten Theil unsrer Anhänger verloren. Dafür aber habe ich mich in den Prälaturen wieder erholt. Da ist noch alles vom Prälaten bis zum Pförtner herab uns so eifrig ergeben, daß ich eine rechte Freude daran hatte. Auch die meisten Pfarrer zeigen sich noch als treue Unterthanen meines Fürsten, und als erklärte Feinde eures Kaisers.

Jesuit. Was denkst du denn von Wien?

Teufel. Das scheint mir ein wahres Räthsel, da sind freylich viele tausend Hände mit dem Einreissen beschäftiget. Wenn man aber nach ihrer Arbeit sieht, so sieht man, daß sie wenig oder nichts gethan haben. Ich hab ordentlich an einigen bemerket, daß es ihnen mit dem Einreissen nicht Ernst seyn möge, und daß sie es blos ex officio thun müssen. Es traten ihnen fast Thränen in die Augen, so oft sie einen Schlag an irgend einen Grundpfeiler der Hölle thaten. Einige legten auch wohl verstohlner weise den Stein wieder hin, wo ihn die andern herab genommen hatten, und lachten bey sich ins Fäustchen über ihre Mitcollegen, die sich das Einreissen im Ernste angelegen seyn lassen. Und doch muß ich dir aufrichtig sagen, fürchte ich, daß es hier mit unserm Reiche noch am ersten Ex seyn möge. Ich habe freylich eine Menge Großköpfe mit Ordensketten, und besonders in ungerischen Hosen angetroffen, die ihr Leben für uns liessen; auch Fürstinnen und Gräfinnen der Menge helfen das baufällige Gebäude des Aberglaubens mit ihren großen Reifröcken unterstützen; dafür aber fand ich unter der gemeinsten Classe Leute, die vor unserm und euerm Namen ausspucken, und den Untergang unsers Reichs mit Ungeduld erwarten. Kurz, ich habe eben so viele Hoffnung vor mir, daß die Versicherungen deiner Ordensbrüder eintreffen werden, als ich das Gegentheil fürchte.

Jesuit. Und welchen Bericht wirst du also bey solchen Umständen unserm Monarchen, dem Pluto, erstatten?

Teufel. Aufrichtig, Freund, ich finde mich mit manchem eurer Hofräthe in gleicher Verlegenheit, und muß dich bitten, das Referat für mich zu machen.

Jesuit. Herzlich gern. Es ist nicht das erstemahl, daß wir Dinge thun, die kein Teufel zu thun im Stande war. Höre mir also aufmerksam zu. Die Grille, daß unser Orden wieder aufleben werde, ist eben so viel werth, als die Grille vom ewigen Frieden. Zu wünschen wär das Erstere freylich; aber es wird nie geschehen. Ein Orden, der sich zu einer Zeit nicht erhalten konnte, wo er in alle katholische Cabinete unmittelbar und mittelbar Einfluß hatte, der dabey im Besitz von unzähligen Reichthümern war, und von einer Hemisphäre zur andern den Glauben der Völker und den Geldcurs bestimmte, kann um so weniger zu einer Zeit von seinem Falle aufstehen, wo die Vernunft ihre Rechte zu behaupten anfängt, die Beichtväter und Hofschranzen in den Quiescentenstand gesetzt werden, und die Karte, die wir spielten, so offen da liegt, daß die Minister Schaafsköpfe seyn müßten, wenn sie uns die Parthie gewinnen liessen. Dann haben uns die monarchisch gesinnten Autoren die Kutte von allen Seiten so hoch aufgehoben, daß wir uns kaum mehr vor ehrlichen Leuten können sehen lassen.

Teufel. Ohne dich zu unterbrechen. Ist doch alles wahr, was euch die Leute zur Last legen?

Jesuit. Mehr als zu wahr – –

Teufel. So waret ihr aber doch rechte Erzschelme –

Jesuit. (Lächelnd.) Eine Universalmonarchie ist ja einige Schelmstreiche werth. Haben nicht auch die Römer ihr Reich durch eine Schandthat, durch den Raub der sabinischen Weiber gegründet?

Teufel. Ich muß dich noch mit einer Frage unterbrechen. Hätte die Menschheit dabey gewonnen, wenn eure Universalmonarchie zu Stand gekommen wäre?

Jesuit. Wie magst du so eine Frage thun? Wenn nur wir dabey gewannen. Was bekümmert uns das Wohl der Menschheit? Doch wir sind von unserm Stoffe abgekommen.

Teufel. Wir blieben bey der traurigen Nachricht, daß dein Orden auf immer dahin gestorben sey.

Jesuit. So ist es, und doch haben wir die Kraft zu wirken beybehalten; denn alle die Widersprüche, die du auf deiner Reise angetroffen hast, sind unser Werk.

Teufel. Aber was soll euch alles das nützen, wenn ihr keine Hoffnung habt, je wieder aufzuleben?

Jesuit. Du bist Teufel, und kannst so eine Frage thun? Kennst du nicht das Süsse der Rache, und die Wollust übel zu thun?

Teufel. Ich bitte dich um Vergebung. Ich vergaß, daß ihr Jesuiten seyd.

Jesuit. Wenn dem wilden Eber auf der Jagd auch der Mordstahl schon im Leibe steckt, so wird er doch den Jäger und die Hunde zu zerfleischen suchen, und Mord und Tod um sich her verbreiten, obwohl weder das eine noch das andere seinen Tod aufhalten kann. Sollte es uns weniger erlaubt seyn, den süssen Tod der Rache zu sterben?

Teufel. Hat man euch denn, wie dem Wildschweine die Waffen gelassen?

Jesuit. Das war eben der Fehler, den die Monarchen und ihre Minister begingen. Sie glaubten, wir würden unsre Natur ändern, wenn sie uns mit Wohlthaten überhäuften. Sie liessen uns also die Kanzel und Beichtstuhl, – gaben uns die fettesten Pfarren – machten uns zu Pröbsten und Bischöfen, und dachten nicht daran, daß man Wölfe nicht zu Schaafhirten machen soll, und daß der Wolf lebenslänglich ein Wolf bleibe. Ich will dir, wenn du Geduld hast, nur einige Hauptverwüstungen anführen, die wir blos allein in dem kaiserl. Schaafsstall angerichtet hatten, und noch anrichten.

Teufel. Wie gern will ich dir zuhören. Ich vergesse über solche Erzählungen die Peinen der Hölle.

Jesuit. So sehr wir auch vermög unsers Instituts allen Monarchen Feind seyn müssen, so haben wir doch unsern Haupthaß gegen den Kaiser gerichtet. Sein Toleranzsystem und seine Preßfreiheit waren es, die unsre Hoffnung wieder lebendig zu werden auf immer zernichteten; aber wir beschlossen, ihm so viele Steine in den Acker zu werfen, daß er sobald von seinem Aussäen keine Früchte sehen soll. Das erste war, seine Unterthanen wider ihn aufzuhetzen. Dazu hatten wir nun sehr weites Feld. Jede Reformation muß Mißvergnügte machen, und um so mehrere, wenn, wie es hier der Fall war, alles reformirt werden muß. Leute, die sich durch Strickröcke oder Kutten in Kanzley- oder Gerichtsstuben hineingeschlichen hatten, wurden abgesetzt; andere verloren ihre unverdienten Pensionen. Verschiedene Beamte, die schönen Gehalt zogen, und andere für sich arbeiten ließen, mußten nun selbst das Arbeiten versuchen; die Großen, die kleine Tyrannen spielten, und ungestraft jedes Bubenstück ausüben konnten, wurden zur Menschlichkeit angehalten; den Richtern, die nur zu oft das Recht verkauften, wurde bey dem Wägen auf die Finger gesehen; kurz, jeder Schritt, den der Kaiser in seinem System vorwärts that, mußte von allen Seiten Mißvergnügte erregen, und wenn sie gleich alle fühlten, daß ihnen nach Rechten geschah, so schrieen sie doch über Gewalt und Tiranney; denn welcher Mensch wird selbst von sich gestehn, daß er ein Dummkopf, ein Despot, ein Faullenzer, und ein ungerechter Richter war. Wir hatten bey diesen Klagliedern wider Joseph nichts zu thun, als daß wir die Achseln zuckten, und in zweydeutigen Ausdrücken noch schrecklichere Dinge prophezeihten. Doch so groß auch dieser Anhang war, so stand doch von der andern Seite eine ungleich stärckere Parthey wider uns und unser Reich auf. Leute von wirklichem Verdienste konnten nun, weil ihnen keine Dummköpfe mehr den Weg verstellten, weiter rücken; der unterdrückte Arme konnte nun wider seinen despotischen Grundherrn Gerechtigkeit und Schutz finden; der Sclave sah seine Fessel zertrümmert! der dürftige Hauer, dem die geistlichen Sammler seinen Schweiß wegkapperten, konnte seinen Wein nun für gutes Geld verkaufen, oder doch auf seine eigene Gesundheit trinken. Der Protestant durfte nun seinem Gewissen nicht mehr Gewalt anthun, und konnte seine Kinder nach den Grundsätzen seiner Religion erziehen; und so war es sehr natürlich, daß alle diese, theils aus Dankbarkeit und theils aus Eigennutz dem Kaiser anhingen. Zu diesen schlugen sich verschiedene Bischöfe, die ihre Macht erweitert fanden, und nun selbst gern den Papst im Kleinen spielen wollten – dann eine unzählige Menge von jungen Mönchen, die die Kutte genierte, und der Fleischteufel juckte, nebst den Nonnen, denen ihre Beichtväter zu alt waren; ferners die meisten Weltpriester, die sich einbildeten, daß man bloß ein Anhänger des Kaisers seyn dürfe, um eine fette Pfarre zu kriegen, und endlich eine unzählige Menge von Hofmännern, die es immer mit der herrschenden Parthey halten, von denen aber mehr als die Hälfte wieder unsre Freunde geworden. Unsre gefährlichsten Feinde aber waren die Autoren. Es gab freylich Leute unter ihnen, die kaum lesen konnten. Indessen verwirrten ihre Schriften doch dem gemeinen Manne den Kopf, und machten ihn an unsrer unfehlbaren Lehre zweifeln, und es hätte nur noch einige Monathe so fortdauern dürfen, so wären uns die meisten Truppen durchgegangen. Es war also die höchste Zeit, einen von unsern alten Jesuiterstreichen zu spielen. – – Wir ließen den Papst nach Wien reisen – Wir hätten auch den Herrn Joseph in keine feinere Falle bringen können. Hätt' er den Besuch des Papstes nicht angenommen, so hätten wir ausgesprengt, daß er sich vor ihm fürchte – und nahm er ihn an, so konnte er nicht anders, als nachtheilig für ihn ausfallen.

Teufel. Ich bitte dich, nenne das lieber einen Teufelsstreich; denn er würde jedem Teufel Ehre gemacht haben.

Jesuit. Gewiß! Wir genossen auch in unserm größten Flor keines solchen Triumphes. Mit einem einzigen Segen trieb er den Geist der Aufklärung aus den Köpfen der Wiener. Sie krochen nun zu ihren Beichtvätern hin und klagten sich an, daß sie es gewagt hätten, ihre Vernunft brauchen zu wollen. Wir bissen uns vor Lachen in die Lippen, als wir Männer mit Ordensketten, und Damen vom ersten Range zu den Füßen des Papstes sahen – und wie täglich zwanzig und mehr tausend Menschen den halben Tag auf seinen Segen harrten. Doch wir ließen bald noch andere Minen springen. Wir zogen die Bischöfe in unser Interesse; und bey den schwachen Köpfen, die die meisten aus ihnen hatten, gelang es uns sehr leicht, sie nach unserer Pfeife tanzen zu lassen. Wir beredeten sie, daß man sie nur deßwegen vom päpstlichen Stuhle losmachen wolle, um ihnen dann ihre Einkünfte nach Belieben beschneiden zu können. Nun weißt du wohl, daß Geld, besonders bey Bischöfen, der Hausgott ist, und daß sie sich lieber an einem jeden andern Orte beschneiden ließen, als an ihren Einkünften. Sie wurden also halsstärrig, und legen nun dem Aufklärungswerke selbst die größten Hindernisse in den Weg. Den Protestanten machten wir weiß, daß der Kaiser sie nur ins Land zu locken suche, und daß man sie mit der Zeit zwingen werde, die herrschende Religion anzunehmen. Was uns bey dieser Lüge am besten zu statten kam, waren die verschiedenen, oft zweydeutigen Abänderungen im Toleranzwesen, und die tölpelhafte Art, mit der die Vollzieher der kaiserlichen Befehle zu Werke gingen. Es gelang uns also, einen guten Theil der Protestanten, sowohl im als außer Land von dem Kaiser abwendig zu machen. Die Nonnen, die so gern zur Bevölkerung beygetragen hätten, vertrauten sich nun wieder unserer Leitung, nachdem sie sahen, daß man sie gerade vom beschwerlichsten Gelübde nicht befreyen wolle, und ihnen nicht erlaube, öffentlich Mütter zu werden.

Teufel. Warum gibt man ihnen denn keine Männer?

Jesuit. Der Erzbischof macht sich ein Gewissen daraus.

(Der Teufel lacht und nimmt eine Prise Tabak.) Aber die jungen Mönche und die Weltpriester werden es wohl noch mit eurem Kaiser halten?

Jesuit. Fast alle sind von ihm abgefallen. Das haben wir zwar nicht unsern Kunstgriffen, sondern dem Kaiser selbst zu danken. Seit er sie zum Studieren anhält, sind sie fast alle seine Feinde geworden. Sie glaubten, man werde ihnen gleich junge Weiber und alte Pfarren geben. Ans Studieren dachte keiner. Denn hätten sie was lernen wollen, so wären sie in der Welt geblieben.

Teufel. Du hast recht, es ist so was Dummes um einen Mönch, daß ich mich schäme, so oft ich einen hohle. Wie seyd ihr aber mit euren Hauptfeinden, den Autoren, fertig geworden?

Jesuit. Diese Oracel sind nach und nach von sich selbst verstummt; aber freylich nicht ohne unser Zuthun. Wir bedienten uns verschiedener Kunstgriffe. Theils verbothen wir dem gemeinen Manne das Lesen aller Broschüren unter einer Sünde – theils zogen wir einige Autoren durch Geld und gute Worte auf unsere Seite; oder wir beredeten das Publicum, daß Eybel und dergleichen nicht aus eigenem Antriebe so schrieben, sondern, daß sie so schreiben mußten. War aber ein Autor im Ansehen, so machten wir ihn lächerlich; streuten die ärgerlichsten Anecdoten von ihm aus, und stellten ihn öffentlich an den Pranger, wie wir es mit Eybel, Blumauer, Sonnenfels, Rautenstrauch, Friedel u. s. w. machten. Am besten gelang es uns aber dadurch, daß wir von den besten Schriften mit Verachtung sprachen, und das Publicum bedauerten, das mit so elendem Zeuge heimgesucht wurde. Hätten wir diese Broschüren gottlos, schädlich und dergleichen genennt, so würde man sie gerade deßwegen gekauft haben. Allein wer wird sein Geld für Werke hingeben, die ihm von allen Seiten als fehlerhaft, dumm, und trivial verschrieen werden? Es geschah also, was natürlicherweise erfolgen mußte: die Leute kauften keine Broschüren mehr, und die Autoren, die entweder diese Kälte gegen ihre wirklich guten Schriften verdroß, oder die nicht gern das Publicum auf Kosten ihres Beutels unterhalten wollten, hörten zu schreiben auf.

Teufel. Ich muß dich umarmen. Denn so seine Spitzbuben habe ich in meinem Leben nicht gesehen. (Er umarmt den Jesuiten).

Jesuit. Du wirst mich schwarz machen.

Teufel. Ich kann dich unmöglich schwärzer machen, als du bist.

Jesuit. (Lächelnd.) Doch wir spielten dem Kaiser wohl noch ärgere Streiche. Es genügte uns nicht, ihn bey seinen Unterthanen verhaßt zu machen. Wir suchten auch auswärtige Fürsten wider ihn aufzubringen.

Teufel. Laß mich doch hören, wie ihr das anstelltet. Darin waret ihr ja von jeher Meister.

Jesuit. Es kostete uns sehr wenig Mühe. Ein Monarch, wie Joseph, der bey einem öconomischen Geiste Muth und Entschlossenheit besitzt, mußte ohne das den heimlichen Neid seiner Nachbarn erregen. Wir hatten also weiter nichts zu thun, als daß wir durch unsere Emissäre die Regenten und vorzüglich die Fürsten des Reiches in ihrer Furcht bestärkten. Dabey leisteten uns die Zeitungsschreiber, die zum guten Theile selbst Jesuiten sind, oder doch durch Jesuiten regiert werden, die besten Dienste. Wir ließen durch sie verschiedene Artikel nach und nach einrücken, die die Aufmerksamkeit aller übrigen Fürsten auf sich ziehen mußten. Man las also bald von einer engen Verbindung der Kaiserhöfe mit einer andern Macht, die das Gleichgewicht in Europa nothwendig aufheben müßte. Gleich darauf ließen wir das Project vom Ländertausch vorrücken, wodurch wir besonders die Bayern so aufbrachten und kleinmüthig machten, daß der Churfürst endlich durch ein öffentliches Manifest die Nullität dieses Gerüchtes bekannt machen mußte. Die Franzosen, die ohnehin den Groll gegen Österreich mit auf die Welt bringen, wußten wir um so leichter wider den Kaiser aufzubringen; Joseph hatte es ohnehin selbst mit ihnen verdorben, daß er ihrem Könige über viele Fehler seiner Regierung die Augen öffnete, und sich über das lächerliche Etiquette, wodurch der König fast zu einer Drahtpuppe wurde, in bitterm Spott herausließ: denn diese Nation will durchaus keinen König haben, der mit eignen Augen sieht, dabey öconomisch ist, und die Gerechtigkeit ausübt.

Teufel. Was sagst du zur Geschichte des Cardinals?

Jesuit. Die Franzosen nennen seine Arretirung une action à l'Empereur . – –

Teufel. Also billigen sie solche nicht?

Jesuit. Natürlich nicht! denn sie waren bisher gewöhnet, nur ehrliche Leute in der Bastille zu sehen. – Die Franzosen wurden also durch diese Umstände, und durch die verschiedenen Gerüchte, die wir von dem Eroberungsgeiste des Kaisers ausstreuten, seine geschwornen Feinde. Sie äußerten solches auch bey seiner Fehde mit Holland, und vorzüglich bey der Anwesenheit des Prinzen Heinrichs, dem sie sogar auf der Gasse zuschrieen: de bien battre les Autrichiens . – –

Teufel. Ihr werdet bey dem Scheldestreit wohl eben so wenig müßig gesessen seyn?

Jesuit. Kannst du wohl fragen? Haben wir nicht noch jetzt in Holland unsere meisten Gelder stehen? Wir mußten uns also wohl dieser Leute annehmen.

Teufel. So habt ihr wirklich Gelder auf die Seite geschafft?

Jesuit. Frag einmahl die Monarchen. Ha! ha! die haben wunderliche Gesichter gemacht, als sie statt der ungeheuern Schätze kaum genug fanden, um uns erhalten zu können. – – In Schlesien hatte Joseph unter den Katholiken einen starken Anhang gehabt, und wenn gleich Herzberg in seiner schönen Rede ungemein die Glückseligkeit dieses Landes herausstreicht, so gibt es doch viele, die gerne weniger glücklich seyn möchten, wenn sie wieder unter die vorige Regierung kämen. Doch es gelang uns, auch diese vom Kaiser abwendig zu machen, indem wir ihnen weiß machten, daß Joseph ein heimlicher Protestant sey, und daß er sein Volk tyrannisire. Kurz wir suchten ihn durch Reden und Schriften in ganz Europa gehässig und sogar lächerlich zu machen.

Teufel. Wie z. B. in euren Berlinerbriefen?

Jesuit. Kennst du diese?

Teufel. Es ist kein Teufel in der Hölle, der sie nicht gelesen hätte. Wir haben eurem Buchhändler Mösle eine ganze Auflage abgenommen.

Jesuit. Was sagt euer Pluto dazu? –

Teufel. Daß es das vollkommenste Werk eines Teufels wäre. Aber sag mir aufrichtig, weiß euer Kaiser, daß ihr es seyd, die sein Volk verwirren, und ihm seine besten Absichten vereitlen?

Jesuit. Er weiß alles.

Teufel. Und er läßt euch nicht aufhenken?

Jesuit. (Lächelnd.) Er gibt uns Pension, und verachtet uns. Er hätte auch viel zu thun, wenn er alle diejenigen wollte aufhenken lassen, die ihrem Herzen nach Jesuiten sind.

Teufel. Ihr müsset euch also gut auf das Fortpflanzungswerk verstehen?

Jesuit. Es ist nicht leicht eine Familie, in die nicht etwas von unserm Saamen gekommen wäre. Wir haben Fürsten, Grafen, Baronen, Edelleute, Handelsmänner, Schuster, Schneider, und sogar bey einer gewissen Stelle im Mauthhause einen guten Freund zum Anhänger, der die Migräne kriegt, so oft etwas wider uns gedruckt wird.

Teufel. Und bey einem so großen Anhange soll euch gar keine Hoffnung zu eurer Auferstehung übrig bleiben?

Jesuit. Ich habe dir schon die Ursache gesagt, warum dieß nicht seyn könne.

Teufel. Was soll ich also meinem Monarchen melden?

Jesuit. Sag ihm, daß wir zwar von unserm Falle nie wieder auferstehen können; daß aber sein Reich demungeachtet noch von langer Dauer seyn werde. Sag ihm, daß wir als seine treuesten Unterthanen Verwirrung, Feindschaft, Heucheley und alle Laster, die aus Pandorens Büchse kamen, im Menschengeschlechte zu verbreiten suchen, und nicht eher ruhen wollen, bis die Kriegsfackel lodert, und Josephs System, sein Volk glücklich zu machen, zerstört ist. Melde ihm dieß, und empfehle mich seinem Schutze.

Teufel. Das werde ich – – Lebe wohl! (Sie umarmen sich.)

Jesuit. Lebe wohl!

Teufel. Du hast mich durch deine Erzählung entzücket, und ich versichere dich, wenn ich nicht ein Teufel wäre, so möcht ich Jesuit seyn.

Die Leser werden bemerkt haben, daß der Teufel auch unsers Reichsritters v. Mösle erwähnt. Einerseits hat er etwas Unrecht, so ferne der Ritter von ziemlich ehrwürdiger Abstammung war, aus dem Salzburgischen, woselbst er auch einen netten Wirthschaftshof besaß. Sonst aber, als speculirender Verleger hat sich Herr v. M. allerdings zu sehr curiosen Unternehmungen verleiten lassen. Wir meinen hier nur: Der Jesuit in guter Laune; Maursius Elegantiae latini sermonis etc. (sagen mit der Firma Elzevir); De tribus impostoribus, deutsch &c. &c. der schnackische Rococo-Elegant verdient eine eigene Skizze &c. &c.

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