Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Franz Gräffer >

Josephinische Curiosa

Franz Gräffer: Josephinische Curiosa - Kapitel 49
Quellenangabe
typetractate
booktitleJosephinische Curiosa
authorFranz Gräffer
firstpub1848-50
year1848-50
publisherIgnaz Klang
addressWien
titleJosephinische Curiosa
created20051021
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

45. Die ersten Spuren des Jacobinismus unter Joseph;
die Zauberflöte als Allegorie der Revolution.

»Es ist fast unglaublich,« sagt der Verfasser einer bereits seltenen kleinen SchriftGeheime Geschichte des Verschwörungs-Systemes der Jacobiner &c. für Wahrheitsfreunde, London 1795. Octav; 56 Seiten., »daß nicht schon vor dem Jahre 1789, eine jacobinische Verbrüderung sollte da gewesen seynIn Österreich, und namentlich in Wien.. Die außerordentliche Gährung in der Versammlung der Stände in jenem Lande, die Kühnheit ihrer Antworten und Adressen an den Thron, und viele andere Dinge, die nicht hieher gehören, zeugen für diese Vermuthung.

Doch in Wien findet man keine Spur, daß es vor dem Jahre 1789 eine eigentliche Verbindung gab, deren Plane von dem Umfange waren. Man richtete auch damahls keine Aufmerksamkeit auf dergleichen DingeKaiser Joseph aber wohl, und gewiß mehr als sonst Jemand in Österreich. Ein Geist wie der seinige erkannte und durchschaute die Wirkungen, und den Einfluß desselben auf seine Staaten. Indeß . . er befand sich leider schon am Rande des Grabes. Wäre er, und in ungeschwächter Geisteskraft nur noch wenige Jahre am Leben geblieben: ohne Zweifel hätte durch seine Thätigkeit die ganze französische Revolution einen andern Character angenommen, ihre ganze Richtung geändert; und wie ganz anders stünde es jetzt um die Lage der Welt, und Österreichs insbesondere! Von Bonaparte-Napoleon hätte man vielleicht nie ein Wort gehört. – Anm. des Herausg., denn man lebte noch in jener glücklichen Unbefangenheit, in jener süssen Unbekanntschaft mit Ruhestörern und Verschwörungen, die jetzt so sehr verschwunden ist. Man konnte reden und schreiben, was man wollte, und die Polizey hatte nur auf Beutelschneider, Diebe, und wie die Betrüger dieser gröbern Art sonst heißen mögen, ein wachsames Auge.

Gutmüthigkeit und eine besondere Vorliebe für Fremde waren von jeher in dem Character der Bewohner dieser Stadt. Man nahm also gewisse Reisende um desto besser auf, da sie mit guten Empfehlungen versehen und Leute von Kopf waren. Sie wurden in die angenehmsten und geistreichsten Zirkel geführt, ohne daß man nur ahnete, welches Gelichters sie waren. Hier hatten sie Gelegenheit, viele Menschen zu sehen, kennen zu lernen und an sich zu ziehen. Die Aufmerksamkeit der jüngern in der Gesellschaft fesselten sie sehr bald. Die Kunst zu überreden, die sie hinreichend besaßen, gelang ihnen um desto mehr, je tiefer ihre Entwürfe in ihrem Innern lagen, und je stärker sie davon durchdrungen waren. Ich zweifle daran, daß sie damahls nur ahneten, welche schreckliche, umübersehbar schreckliche Folgen für die Menschheit, die Ausführung ihrer Ideen nach sich ziehen könnten, die sie im Feuer der herrschsüchtigsten und ehrgeizigsten Leidenschaften gebrütet hatten; denn sie waren noch zu offen, und ließen sich zu sehr von dem hinreißen, was so wild in ihrem Innern gährte. Es ward viel von der Geistesgewalt geredet, die Menschen über Menschen auszuüben vermöchten. Man hörte nicht selten, mit diesen oder andern Worten einen Satz behaupten, den ich aber mehrere Jahre nachher erst ganz verstand:

»Wenn es drey Menschen geben könnte,« so hieß es, »die nach dem gemeinen Ausdrucke, ein Herz und eine Seele wären; deren Wesen so innigst in einander verwebt wären, daß sie stets ein Interesse leitete, ein Wunsch beseelte und ein Plan durchglühte, aber drey Menschen von überwiegenden Geisteskräften, – sie könnten Herren einer Welt werden.«

Natürlich, daß Männer mit solchen Ideen, mit diesen Talenten und der Überredungskunst, Anhänger einer Verbindung verschaffen mußten, deren Zwecke so schön ausgeschmückt und doch dabei so schmeichelhaft für den träumenden Jüngling waren.

Doch unbemerkt und klein schien diese unselige Verbrüderung bis jetzt zu seyn, obgleich sie schon Zusammenkunftsörter hatten, wo aber sehr wenige den Eintritt haben konnten, indem nur die obern Leiter mit einander Umgang hielten. Die übrigen wurden an einer Kette gezogen, die ihnen unsichtbar war, und manche wußten vielleicht selbst nicht, in was für einer Verbindung sie standen. So gering nun auch die Anzahl der Mitglieder seyn mochte, so mußte doch schon eine Art von Casse vorhanden seyn, woraus verschiedene Unkosten bestritten wurden. Es waren zum Beyspiele zwey junge Leute, als stets residirende Emissairs in Paris angestellt, mit 600 Kaisergulden jährlichen Gehalt ein Jeder. Ihr Auftrag soll gewesen seyn, die nöthigen Unterhandlungen mit den dortigen Freunden und Mitbrüdern zu betreiben, und treue Berichte von den jedesmahligen Ereignissen abzustatten. Man hat nachher erfahren, daß sie unter den Trümmern der Parthie Mirabeaus, und nach ihm, der des Lafayette und Clermont-Tonnere mit umgekommen sind.

Hier muß ich auch bemerken, daß bey den ersten Fortschritten der Verbindung, nur sehr wenige Eingeborne aufgenommen wurden, oder sich aufnehmen ließen; meistens hielt man sich an Fremde, von welchen es in einer so großen Stadt wimmelt.

Bald nach der Revolution in Frankreich, fing man an von einer Propaganda zu reden, die sich in allen Ländern verbreitet hatte, und dem dort herrschenden Systeme Anhänger verschaffen sollte. Der Beweise ihres Daseyns gibt es leider nur zu viele. Doch die ersten Apostel, die davon nach Wien kamen, waren weiter nichts, als plumpe, aufbrausende Jacobiner, die sehr bald entdeckt wurden, und auch nicht viel Schaden anrichten konnten. Sie hatten mit den Verschwornen, von welchen hier die Rede ist, gar nichts gemein; diese gaben sich auch nicht mit ihnen ab, im Gegentheile denuncirten sie manche und besorgten aus Politik ihre Verhaftnehmung. Die heimliche Verschwörung in Wien bedurfte keiner Propaganda; sie stand mit den Häuptern des Unwesens in Frankreich in zu genauer Verbindung, und ihre Plane waren zu weit aussehend, als daß ihnen das armselige Gewäsche einiger Democraten in den Caffehhäusern, hätte nützen können.

Sie verhielten sich bis jetzt noch in einer Art von Waffenstillstand, und nahmen auch selbst an den im Jahre 1790 entstandenen Unruhen in Ungarn wenig oder gar keinen Theil, weil hier eine ganz andere Sache im Spiele war, als daß sie ein Interesse dabey hätten finden können. Die Verhaftungen verschiedener verdächtigen Fremden, von welchen die meisten schon wieder los, aber des Landes verwiesen sind; die Zerstörung und Entdeckung eines Klubbs, der aus lauter Hausoffizieren und Bedienten französischer Nation bestand, unter welchen selbst einige Leute im Dienste des Fürsten Kaunitz waren; alles dieß hatte noch nichts mit der viel verborgenern, viel gefährlichern Secte gemein. Ja, man entfernte sich dadurch nur noch mehr von der Spur, auf welcher man sie hätte entdecken können; denn es gab keine größern Feinde der Jacobiner, keine eifrigeren Nachforscher, diese aufzufinden, als gerade sie, von deren furchtbaren Existenz man eigentlich noch nichts ahnete. Bey der Zerstörung jenes Klubbs glaubte man sich ganz sicher, denn man wußte nicht, daß man nur auf die dümmern, die minder gefährlichen, die subalternen Bösewichter gestossen war, und die großen ganz verfehlte.

Die heimlichen Ruhestörer unterließen auch nicht, schon seit mehrern Jahren Gedichte und Zettel auszustreuen, die theils offenbar aufrührerisch waren, theils nur dazu dienen sollten, die öffentliche Stimmung für ihr Unwesen empfänglich zu machen. Zu Tausenden wurden solche saubere Blätter verbreitet. In allen Autoren suchten sie nach, um etwas zu finden, das in ihren Kram taugte. Von den ganz groben und tollen dieser im Dunkeln fliegenden Papiere will ich keines anführen. Nur zwey Gedichte will ich erwähnen, um zu beweisen, welchen außerordentlichen Schaden das Genie anstiften kann, wenn es durch falsche Schwärmerey oder durch Bosheit verleitet wird, seine Schwungkraft zum Giftmischen anzuwenden. Das erste ist von Schubart, dem ältern; ward bereits vor vier Jahren1790. in Wien des Nachts ausgestreut und mit Entzücken aufgenommen. Der Titel ist:

Der Aderlaß.
        »Du bist so heiß, o Blut!
So heiß! Was sprudelst du in dieser ird'nen Schale?
Hast du noch Gluth, noch Sonnengluth?
Zuckt Freyheit noch in deinem rothen Strahle?
*   * *
O Arzt, so binde du
Nur schnell mit deiner Binde
Die offne Wunde wieder zu,
Denn Freyheit ist des Deutschen größte Sünde.
*   * *
Doch willst du nimmer heiß
O Blut! aus deinen Adern schießen?
Willst, frostig wie zerschmolz'nes Eis
Vom nackten Fels in kalten Tropfen fließen?
*   * *
So fließe, fließe nur;
Kein Fürst wird deine Kälte strafen,
Denn kalte, frostige Natur
Schickt sich allein für arme deutsche Sclaven.«

Jünglinge und Mädchen griffen begierig nach diesen Versen. Sie lernten sie auswendig; sie declamirten sie sich einander mit einer Art von Begeisterung vor. Tonkünstler und Dilettanten machten Melodien dazu &c. Man bekümmerte sich damahls um dergleichen nicht viel, denn man war noch nicht zu der unseligen Nothwendigkeit, wie jetzt, gezwungen, auf die geringste Kleinigkeit und den unbedeutendsten Vorgang in dieser Stadt ein wachsames Auge zu verwenden.

Das zweyte Gedicht ist von einem der ersten und beliebtesten Dichter unserer Nation.

Die Todte.
1.
        Für Tugend, Menschenrecht und Menschenfreyheit sterben,
Ist höchst erhabner Muth, ist Welterlösers Tod!
Denn nur die Göttlichsten der Heldenmenschen färben
Dafür den Panzerrock mit ihrem Herzblut roth.
2.
Am höchsten ragt an ihm die hohe Todesweihe
Für sein gedrücktes Volk, – für Vaterland hinan.
Dreyhundert Sparter ziehn in dieser Heldenreihe,
Durchs Thor der Ewigkeit den Übrigen voran.
3.
Der Tod für Freund und Kind und für die süße Holde,
Ist – wo nicht immer groß – doch rührend stets und schön;
Denn er ist Todesgang, den, nicht erkauft mit Golde,
Im Drange des Gefühls, nur edle Menschen gehn.
4.
Für blanke Majestät, und weiter nichts verbluten,
Wer das für groß, für schön und rührend hält, der irrt;
Denn das ist Hundewuth, die eingepeitscht mit Ruthen
Und eingefüttert mit des Hofmanns Brocken wird.
5.
Sich für Tyrannen gar hinab zur Hölle balgen,
Das ist ein Tod, der nur der Hölle wohlgefällt;
Wo so ein Held erliegt, da werde Rad und Galgen
Für Straßenräuber und für Mörder aufgestellt.

Besonders bemühte man sich, mit einer Art von Leidenschaft die Aufmerksamkeit vieler Menschen, hauptsächlich der Jünglinge, auf die Begebenheiten von Frankreich zu ziehen. Kupferstecher, Künstler aller Art mußten das Ihrige dazu beytragen. Auf den Theatern gab es unzählige Allegorien, die nur die Unterrichteten verstehen konnten. Das geheimnißvolle Wesen, das man dabey affektirte, war wiederum Plan, denn die Führer und Leiter des Ganzen wußten sehr wohl, daß alles Geheimnißvolle den Enthusiasmus erhöht, ja oft erzeugt. So ist zum Beyspiel (solltet ihr es wohl glauben) die ganze Oper, die berühmte, allgemein bekannte Zauberflöte, eine Allegorie auf die französische Revolution, nach ihrer Lage in den Jahren 1789–90 und 91, in welchem letztern dieses Stück zum erstenmahle in Wien auf dem sogenannten Wiedner-Theater gegeben ward. Doch dem guten Mozart wollen wir deßwegen nichts zur Last legen; er war nur der Schöpfer der vortrefflichen Musik, und hatte mit dem übrigen Baue des Stückes nichts zu schaffen. Sehr wahrscheinlich war er ganz mit der Idee unbekannt, die im Hinterhalte liegt. Daher kommt so Manchem, der nicht unterrichtet ist, der Gang des Stücks lächerlich, ungereimt und abgeschmackt vor. Der Beyfall, den es in Wien erhielt, war also aus doppelter Rücksicht so außerordentlich groß, theils wegen der schönen Musik, theils wegen des versteckten Sinns. Zwey und sechzigmahl nach einander ward es aufgeführt, und immer blieb der Zulauf derselbe. Um sieben Uhr fangen in Wien die Schauspiele an; doch in den ersten vierzehn Tagen der Vorstellung der Zauberflöte, mußte man schon um fünf Uhr seinen Platz suchen, denn etwas später mußten die Menschen zu Hunderten abgewiesen werden, weil das Haus voll war. Erst in der dritten Woche konnte man es so weit bringen, daß man um sechs Uhr mit Mühe ein Plätzchen sich erkämpfte. Natürlich wurden immer mehr Menschen mit den darin liegenden Anspielungen bekannt, bis endlich folgende schriftliche Andeutungen entdeckt wurden, wodurch auch die profane Welt des Glücks theilhaftig wird, Licht zu erhalten. Die Allegorie gehört freylich nicht zu den sinnreichsten, aber zur Beförderung der heimlichen Zwecke hielt man sie immer für sinnreich genug.

Personen.
Die Königinn der Nacht. Die vorige Regierung.
Pamina, ihre Tochter. Die Freyheit, welche immer eine Tochter des Despotismus ist.
Tamino. Das Volk.
Die drey Nymphen der Königinn der Nacht. Die Deputirten der drey Stände.
Sarastro. Die Weisheit einer bessern Gesetzgebung.
Die Priester des Sarastro. Die Nationalversammlung.
Papageno. Die Reichen.
Eine Alte. Die Gleichheit.
Monastatos, der Mohr. Emigranten.
Sclaven. Die Diener und Söldner der Emigranten.
Drey gute Genien. Klugheit, Gerechtigkeit und Vaterlandsliebe, welche Tamino leiten.
Die Idee, die diesem Stücke zum Grunde liegt, ist:
Die Befreyung des französischen Volkes aus den Händen des alten Despotismus durch die Weisheit einer bessern Gesetzgebung.

Gang des Stückes.

Tamino wird von einer ungeheuren Schlange (dem bevorstehenden Staatsbanqueroute), die ihn zu verschlingen droht, verfolgt. Die Königinn der Nacht will ihn gern retten, da auf der Existenz des Tamino auch die ihrige beruht. Sie kann es aber nicht allein, und braucht daher ihre drey Nymphen dazu, die auch das Unthier vernichten. Tamino bricht in lautem Dank gegen seine Erretterinnen aus, und erhält von ihnen noch überdieß ein vorzügliches Geschenk, eine Zauberflöte. (Die Freyheit, für sein Bestes sprechen und sich beklagen zu dürfen.) Zugleich trägt ihm aber die Königinn auf, ihre Tochter aus den Händen eines grausamen, wollüstigen und tyrannischen Königs, des Sarastro, zu befreyen, der sie ihr geraubt habe, und in einer Höhle verborgen halte. Um den Tamino desto mehr zu diesem Unternehmen zu entflammen, verspricht sie ihm diese Tochter dann zur Ehe; welches aber ihr wahrer Ernst nicht ist, da sie schon längst dem Monastatos von der Königinn zur Gemahlinn versprochen worden ist. Tamino schwört der Königinn, alle Kräfte anzuwenden, ihr die geraubte Tochter wieder zu schaffen. Die Königinn läßt ihm durch die Nymphen sagen, daß er sich bey seinem Abenteuer nur ganz auf die Leitung dreyer guter Genien verlassen sollte. Nun tritt er wirklich in Begleitung des Papageno (der Reichen, die, wie bekannt, darum, daß sie vor der Revolution so sehr vom Adel und der Geistlichkeit zurückgesetzt wurden, sehr gern durch ihren Einfluß die Staatsveränderung bewirken halfen) seine Reise in die Staaten des so sehr verschrienen Sarastro an. Aber wie erstaunt er, als er in diesem gerade das Gegentheil von dem findet, was er erwartet hatte! Sarastro ist zwar ein mächtiger und glänzender König, aber diese Macht und dieser Glanz sind nicht auf den Ruin der Unterthanen, nicht auf den Schweiß und das Blut seines Volkes, sondern auf die beste Regierungsform gegründet, daher ihn auch seine Unterthanen innig lieben, und unter seinem weisen Scepter höchst glücklich sind. Er erscheint auf einem von wilden Thieren gezogenen Triumphwagen; anzudeuten, daß gesetzgebende Weisheit die natürliche Rohheit des Menschen mildert, und daß ihr die ganze Welt mit Freuden sich unterwirft.

Statt den Tamino, wie dieser glaubte, feindselig zu behandeln, kommt ihm Sarastro mit Liebe entgegen; sagt ihm, daß er von der Königinn der Nacht betrogen, offenbar in sein Unglück rennen würde, wenn er Willens wäre, den Versuch zur Ausführung seines Vorsatzes zu wagen, und biethet ihm freywillig an, ihn in den Tempel der Ehre und Glückseligkeit zu führen, wenn er ihm folgen wollte. Tamino, gerührt von der Güte des trefflichen Alten, überzeugt von der Wahrheit seiner Äußerungen, überläßt sich nun mit ganzer Seele dem Sarastro; besonders da ihm dieser feyerlich verspricht, ihm die holde Pamina zur Ehe zu geben. Sarastro beruft nun seine Priester zusammen, um ihnen vorzutragen, daß er den Tamino werth halte, in den Tempel der Ehre und des Glückes aufgenommen zu werden, und läßt sie darüber stimmen. Auch diese halten ihn einstimmig dessen würdig; ihre Verhandlungen darüber drücken sie durch weit schallende Sprachröhre aus, zum Zeichen, daß sie an den ganzen Erdboden gerichtet sind.

Auch erleuchten die Priester bey der Aufnahme des Tamino die grausenvollsten Örter mit Fackeln, anzudeuten, daß endlich auch die Fackel der Aufklärung in die finstersten Gegenden des Weltalls dringe. Ehe aber Tamino wirklich in den Tempel des Glückes gelangen kann, muß er sich alle die mühseligen Vorbereitungen gefallen lassen, welchen ein jeder Eingeweihte sich unterwerfen mußte.

Hierher gehört, das ihm auferlegte Schweigen, das Verweilen an grausenvollen Örtern, und endlich die fürchterliche Probe des Feuers und des Wassers. Alles das besteht Tamino, überzeugt von der Güte des alten Sarastro, mit dem standhaftesten Muthe, und wird endlich mit seiner Pamina in den Tempel des Glücks aufgenommen, wo sie seine Gattinn wird. Sein Begleiter Papageno, der Anfangs, so lange das Abenteuer recht nach Wunsche ging, gutes Muths, und selbst prahlerisch war, ist im Grunde ein schwacher und roher Mensch, der, so gern er auch glücklich seyn möchte, doch jede Anstrengung und Schwierigkeit haßt, und besonders sich nicht gern etwas versagt. Während Tamino geduldig alle auferlegten Proben aushält, denkt er nur auf seine plumpen Vergnügungen, Fressen und Saufen. Er sieht indeß bald ein, daß alles dieß doch nicht wahrhaft glücklich macht, und will daher, seines Lebens satt und furchtsam vor kommenden Gefahren, sich aufhängen. Zur rechten Zeit wird er jedoch noch durch die guten Genien eines Bessern belehrt, und gibt, wie wohl immer höchst ungern, dem alten Weibchen (der Gleichheit, als der ältesten Eigenschaft des menschlichen Geschlechtes) seine Hand, das sich nun wieder in ein holdes Mädchen verjüngt, und den Papageno glücklich macht.

Das Auszeichnende an Papageno ist: schöne Federn über den ganzen Leib, wegen seiner Eitelkeit. Die Hirtenpfeife bezeichnet seine Rohheit, und das Glockenspiel, (wornach alles tanzen muß, als eine Wirkung des Reichthums) gleicht dem Schalle des Goldes, das in den Händen der Reichen circulirt.

Monastatos (die Emigranten) sucht auf alle Weise, dem Glücke des Tamino Hindernisse in den Weg zu legen, durch List und Trug, auch durch Gewalt; so daß er am Ende die Pamina gar tödten will. Aber Sarastro straft ihn dafür. Noch einmahl rafft er seine letzten Kräfte, um mit der Königinn der Nacht einen Sturm auf den Tempel des Glückes zu wagen; aber er wird mit ihr auf ewig in den Abgrund gestürzt, nachdem er vorher feyerlich geschworen hat, daß er mit seiner Geliebten und ihm an Schwärze gleichenden Königinn stets verbunden bleiben wolle.

Die wilden Thiere, die auf die süßen Töne der Flöte ihre Wildheit auf einige Zeit ablegen, sind Löwen, Wappen der Niederlande; Leoparden, England; Adler, Österreich, Rußland und Preußen. Die übrigen bedeuten die kleinern Staaten.

Mancher wird sich vielleicht wundern, wie es möglich ist, daß eine Verbindung, oder vielmehr Verschwörung so lange unentdeckt blieb, die von dem außerordentlichen Umfange war, und über so weitläufige Länder sich ausdehnte. Doch wenn man die Art und Weise kennen lernt, wie die furchtbare Kette an einander hing, so begreift man es bald. Sehr lange dauerte es, ehe einer, der erst aufgenommen war, einen andern der Verbindung kennen lernte, als denjenigen, welcher ihn aufgenommen, und so auch jenen, welchen er selbst wiederum angeworben hatte. Die Bekanntschaft unter einander war nicht wechselseitig. Nur die, welche an der Spitze der Verschwörung standen, übersahen die ganze Kette. Die untersten im Range hingegen, konnten nicht weit sehen. Daher kommt es auch, daß die Entdeckungen so langsam und allmählig geschehen und daß manche, die vor einem Jahre schon hätten flüchten können, ganz ruhig auf ihrem Posten blieben, in der Überzeugung, daß man sie nicht der Finsterniß entreißen könnte, in welche sie sich hüllten. Man setze nun noch hinzu, daß sehr oft diejenigen, welche den Auftrag bekamen, sie zu entdecken, zu den Häuptern gehörten. und man wird sich gar nicht mehr wundern, wie sie sich verborgen halten konnten. So war zum Beyspiel ganz kürzlich einer der ersten Polizeybeamten in Lemberg entlarvt, und nach Wien geführt.

Schließlich muß ich noch anmerken, daß das Volk noch ganz und gar keinen Theil genommen hat, an diesen Verräthereyen und Verschwörungen. Im Gegentheile äußert es seinen lebhaften Unwillen darüber.«

 << Kapitel 48  Kapitel 50 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.