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Josephinische Curiosa

Franz Gräffer: Josephinische Curiosa - Kapitel 40
Quellenangabe
typetractate
booktitleJosephinische Curiosa
authorFranz Gräffer
firstpub1848-50
year1848-50
publisherIgnaz Klang
addressWien
titleJosephinische Curiosa
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37. Die Nonnen und der Nonnerich»Nonnerich?« Warum denn nicht? – Lasse man uns den Ausdruck, wie man der Sprache die Ausdrücke Enterich und Gänserich läßt..

Scenen aus der Wirklichkeit, nämlich aus der Aufhebungsgeschichte des Doxaner-Klosters, bey welcher Philipp Graf v. Kolowrat beordert gewesen. (Man sehe den vorhergehenden Artikel: »Der Proceß des Grafen v. Kolowrat.«) Das Nonnerich-Drama bildet in der betreffenden Druckschrift die zweyte Abtheilung, wie es denn auf dem Titel lautet: Nebst einem wahren dramatischen Scharmützel: »Bischof, Prälaten und Nonnen.« Alles übrige erklärt sich aus des Verfassers Vorbericht zu diesem Scharmützel selbst.

Vorbericht.

Gegenwärtige Scenen, wären sie auch von keinem inneren Werthe, verdienten schon deshalb aufbewahrt zu werden, weil sie sich auf wahre Begebenheit gründen, und mit Rechte als ein Beytrag zur geheimen Geschichte des österreichischen Clerus angesehen werden dürfen, da von künftig, zur Beleuchtung der mächtigen geistlichen Hindernisse der gewaltig einbrechenden josephinischen Reformation, die späteren Geschichtschreiber werden Gebrauch machen können.

Man wird sich wundern, Prälaten und Geistliche unter den Nonnen zu finden; daher dient es jedermänniglich zur Nachricht, daß Doxan dieses Wunderbare vor den meisten Nonnenklöstern für sich hatte, unter einer männlichen Direction, ganz jüngferlich, den Weinberg Gottes zu bearbeiten. Sie hatten vormahls einige Beichtväter aus ihrem Orden, welche, einem Prior subordinirt, den Gottesdienst zu Doxan verwalteten. Endlich wurden sie von einem dieser Prioren verleitet, denselben zum Prälaten graduiren zu lassen, dem sie alle ihre Habseligkeiten anvertrauet, und den zu ihrem Herrn gemacht haben. Dieser Prälat also war und blieb ein unumschränkter Herr von Doxan, der nichts anderes zu thun hatte, als seine Renten zu verbessern; das ist, den Nonnen so viel, wie möglich abzuzwacken, und seine Unterthanen zu schinden, um mit auswärtigen Freunden und hohen Gästen, daran es nie zu Doxan mangelte, die beträchtlichen Früchte dieser seiner Industrie zu verprassen. Warum sich die Nonnen ihre Herrschaft und Capitalien aus den Händen reißen ließen; ob aus Demuth, aus Mangel an gehöriger Einsicht, oder einfältiger Gutherzigkeit, ist nicht zu bestimmen; so viel aber ist gewiß, daß seit 20 Jahren nur schön, jung, rothbackig, gesund und starke Norbertiner, als Nonnenbeichtväter, nach Doxan beordert wurden; ob dieses darum geschah, um den Nonnen ihren Cölibatrecht sauer zu machen, oder, um der hospitälen Prälatur einen Glanz dadurch zu geben, ist abermahls nicht zu enträthseln.

Bey so gestalten Dingen mußte es seiner hochwürdigen Rotundität, dem Prälaten von Doxan, höchst angelegen seyn, entweder die ganze Herrschaft zu erhalten, oder doch aus dem Feuer, so viel als möglich, zu retten; und da der Commissär, Graf v. Kolowrat, das Feuer so gut anlegte, daß man sich aller Orten, wo man nur mausen wollte, verbrannte, da dieser landesfürstliche Commissär weder überlistet noch bestochen werden konnte: so faßte man den löblichen Entschluß, die Nonnen übertölpeln zu lassen, um sie zur Annahme eines der Orden zu bereden, welche bisher von der Reformation unangetastet geblieben sind.

Zu dieser wohllöblichen Übertölpeley haben sich Herr und Frau v. Bienenberg, dann Phil. v. Clary brauchen lassen, nachdem die beyden Prälaten, von Doxan und Strahof, mit Verachtung zurück gewiesen worden. Diesen Prälatenpfiff entdeckte Ritter v. Steinsberg beyzeiten, und da noch sein Ausgang ungewiß war, ließ er diese Scenen in Nürnberg drucken, um die dummkühnen Anschläge der Prälaten zu vereiteln, und das Publicum auf ihre Seitensprünge, die kaiserl. königl. Befehle zu eludiren, aufmerksam zu machen.

Nur die Besorgniß, durch eine Ungleichheit des Styls das Ganze zu verderben, hielt mich ab, dem Werkchen einige Scenen zwischen den Nonnen und der Frau v. Bienenberg, und andern mehr – einzuschalten.

Prag, den 2. Jänner 1783.

Der Herausgeber G.

Garten in Doxan.

Erste Scene.

Der Prälat von Doxan, (auf und abgehend.)

Dich soll ich nun auf ewig verlassen, meiner Ruhe geweihter, durch meine Hände verherrlichter Garten! Was für eine bittere Erinnerung, dich jemahls gehabt, hier in dieser Laube manche Lust genossen, dort an jener Terrasse manchen herrlichen Schmaus gegeben, an jenem Springbrunnen manchmahl, von stiller Freude und geheiligten Grazien eingewiegt, eingeschlummert zu haben! Ich will mich auf jenen grünen Skarpen hinwerfen, auf jenes Jägerhaus, so ich meinem und meiner Freunde Vergnügen baute, hinblicken, und vor Wehmuth sterben. Ich unglückseliger Prälat, aus meinem Paradiese von einem freygeisterischen Fürsten vertrieben! o Jesu Maria! o heiliger Norbert!

(Sinkt nieder. Seine Einbildungskraft mahlt ihm alle seine Gastereyen und Schwelgereyen lebhaft vor; er sieht den durch seine menschenfreundliche Verwendung gestürzten Kreishauptmann, und lächelt; nun aber kehrt die traurige Scene in seine Seele zurück, da er seines Silbers, seiner Capitalien beraubt wurde; – und weint.)

Zweyte Scene.

Vertrauter Mönch, der Vorige.

Vertrauter Mönch.

(Mit einer Flasche und 2 Trinkgläsern in der Hand.)

Victoria! gnädigster Papa! Victoria, alles gewonnen, nichts verloren!

Prälat.

Gott gabs, und Gott nahms; sein Wille geschehe!

Vertr. Mönch.

Nichts nahm er, nichts. Vorerst eine Dosis Wertheimer, Euer Gnaden; und hat diese himmlische Medicin, wie sie es immer zu thun pflegt, die leidige Schwermuth von Euer Gnaden hoher Seele weggeschwemmt, dann, gnädigster Papa, einen wohlmeinenden Rath von Dero devotestem Knechte. Einen Rath, den der heilige Norbert nicht besser geben kann, der so viel werth ist, wie dieser Nectar. – Auf langes Wohlleben, Reverendissime. Klu lu lu lu lu lu. O Wertheimer! o Wertheimer!

Prälat. (Nach einigen Seufzern.)

Geh, leichtsinniger Freund! mir schmeckt nichts mehr; alles ist mit Galle vermischt. Dieser Garten, jene Lusthäuser, jene Keller, mein Pallast, meine Herrschaft, alles, alles ist verloren; und ich armseliger Prälat, – ich mit zwey Gulden täglich abgespeister Landstand, bin nichts mehr! – Alles, alles ist verloren.

Vertr. Mönch.

Nicht ein geweihter Floh einer ihrer liebenswürdigen Nonnen, gnädigster Papa. (Der Prälat trinkt, wird heiterer.) Ich erhielt eben einen Brief, daß, nachdem sich die Klosterjungfern zu BrixDie Klosteroberinn und Ältesten haben, aus einer gegründeten Verachtung der Welt, weil sie nähmlich alte Jungfern sind, und aus Liebe zur bequemen Bigotterie, mit dem wohlweisen Magistrat zu Brix, diese Finte erfunden, um die übrigen Nonnen, die sich so sehr nach der ihnen zugestandenen Freyheit sehnten, zu zwingen, noch länger in ihrem Kerker zu schmachten. O wenn doch der Landesfürst sie einzeln vernehmen ließe, liegt es ihm daran, sich der Menschheit zu erbarmen!!! entschlossen hätten, Ursulinerinnen zu werden: so hätte sie der Kaiser, wie zuvor, in ihrem Kloster gelassen. Wenn nun Euer Gnaden Dero Nonnen auch persuadiren, ein gleiches zuthun: so setzen Euer Gnaden dem Ministerium eine Brille auf die Nase, und behalten alles, wie zuvor.

Prälat.

Wirklich? (voll Freuden) ach! Du sprichst ja weiser, als Salomo! Mir fällt ein Stein vom Herzen, (hat zuvor eine Flasche ausgestochen) ich freue mich recht kindisch darüber, dem Prälaten von Strahof Nachricht davon zu geben; er und meine angesehenen Freunde, die ich so oft und so königlich bewirthet habe, und deren es bey Hof und zu Prag eine Menge giebt, werden mir beystehen, werden ihren Freund retten!

Dritte Scene.

(In der Klausur. Im Parlatorio.)

Zwo jüngere Nonnen. Electa und Michaela.

Electa.

Freu dich, liebe Schwester, der Prälat hat nichts beym Monarchen ausgerichtet. Wir dürfen hinaus. O wie will ich des Lebens genießen, mit welchen Freuden diesen Kerker fliehen, wie die verlornen Tage wieder einbringen! Ach! Schade nur für die rosenfarbnen Tage meiner Jugend! Dann, wenn ich in freyer Luft, in Wonne und Entzücken hintaumele, dann soll der aufrichtige Seufzer zu Gott Wohl und langes Leben für den Schützer aller Menschen anflehen, der mir ein zweytes Leben gab.

Michaela.

Hast Recht, liebe Schwester. Endlich werden wir dieser Gürteln, dieser Breviere, dieser Werkzeuge der Schwermuth, dieser Fesseln des Aberglaubens los werden. Der liebe Kaiser hat der beleidigten Menschheit ihr ursprünglich natürliches Recht gelten gemacht; Gott mach ihn dafür gesund; erhalt ihm sein Gesicht, erhalt ihn der Menschheit, und nie möge er den schleichenden Pfaffen trauen, die um so gefährlicher sind, je gelehrter sie sind, oder es zu seyn scheinen. Im Grunde ihres Herzens sind sie doch Feinde der Menschen und des Staats! denn sie sind Pfaffen!!! Bst! Stille! unsere Oberinn kommt, die es nicht leiden kann, wenn unser eins ein bischen vernünftig spricht.

Vierte Scene.

Oberinn. Elisabeth. Vorige.

Elisabetha.

Gelobt sey Jesus Christus!

Beyde.

In Ewigkeit. Amen.

Elisabetha.

Ach, du Gekreuzigter, was erlebten wir nicht für Zeiten! – Gott sey uns gnädig, meine Kinder, den wir jederzeit mit vereinigten Gebethern verehrten, entfernt von dem weltlichen Geräusche, von den Schlingen, die der leidige Satan † † † den schwachen Menschen legt. Und nun, du ewiger Erbarmer, sollen wir uns trennen! das ist die Strafe des Himmels, o daß Gott unsern Fürsten erleuchten, oder von der Welt nehmen möchte, der uns so in der heiligen Andacht stört; o! daß alle seine Rathgeber ewig verdammt würden!

Michaela.

Nein, das wolle Gott verhüthen, unser Landesfürst ist unser Vater, mehr, als unser Beherrscher.

Elisabetha.

Ich glaube in diesen heiligen Mauern gar eine Gotteslästerinn zu hören? Nimmt mich nicht Wunder, die Jungfer ist in einen Offizier verliebt, man spricht garstig davon; sie hat ihr Herz entweihet. Sie ist im heiligen Schaafstalle, das aussätzige, das räudige Schaf. Sie ist die Urheberinn alles Unheils unsers Klosters; die einzige Ursache der Geißel des Himmels, sie wird ewig in der Hölle brennen.

Michaela.

Daß doch die Frömmigkeit, die Andacht selbst – von allen etwas aufgeklärten Menschen immer am schlimmsten spricht.

Elisabetha.

Was plappert sie da?

Michaela.

Daß Gott mein Herz besser kenne, als sie hochwürdige Mutter.

Fünfte Scene.

(Es kommen mehrere Nonnen dazu; die Alten mit traurigen, die Jungen mit fröhlichen Gesichtern. In der meisten Nonnen Augen schimmert die Wonne, ein Resultat von der lebhaften Vorstellung künftiger Glückseligkeit, die uns zwar Natur und Religion gewähren, welche aber diese Unglücklichen dem Aberglauben bisher aufopferten. Das schärfere Auge des Menschenkenners sieht hier eine Auferstehung der Natur vormahls geschlachteter Herzen; es sieht den Nahmen des Landesfürsten, der sie, Gott ähnlich, auferweckte, – auf dem Throne der Freude, der Tugend, und der Wohlthätigkeit, mit heißen Wünschen und Segnungen überschüttet. – Doch ist diese herrliche Scene mit einem dünnen Flor von affectirter Frömmigkeit überzogen, der dem blödern Auge sie ganz entzieht, dem schärfern interessanter macht.)

Sechste Scene.

(Der Prälat von Strahof, der Prälat von Doxan, und der vertraute Mönch kommen. Jener dünne Flor verwandelt sich in grobes Tuch bey ihrer Ankunft. Die sichtbare Freude tritt ganz in ihre Herzen zurück, und man sieht um und um, Emanuelas Gesicht ausgenommen, nichts, als lauter Nonnengesichter. Einige von diesen Klosterjungfrauen küssen mit tiefster Ehrfurcht der beyden Prälaten Hände; diese aber stellen sich an, als ob sie dabey gar nichts empfänden, und doch waren darunter noch ganz junge Nonnen, und auch ganz hübsch! – Ein Wink entfernt sie auf einige Augenblicke.)

Der Prälat v. Doxan (zu seinem Collega).

Hier führe ich Ihnen Reverendissime, den vertrauten Mönch auf, der unter seinem eigenen Nahmen, wider die Aufhebung der Klöster, ein Werk drucken ließUnter diesem Titel erschien vermuthlich zu München eine Broschüre, die von dem habsburgischen Hause und vom Kaiser sehr viel Ungegründetes, Grobes, Pfäffisches enthält. Der Prälat von Strahof hat es mit Entzücken gelesen, hat es Anfangs May als ein Werk, an dem nichts auszusetzen sey, angerühmt. Darum hat man diesem dramatischen Gedichte diese Person einverleibet, welche die einzige erdichtete ist, die übrigen sind alle, und das ganze Factum, – mit andern Worten wahr!!!.

Prälat von Strahof.

Lassen Sie sich umarmen, würdigster Mann, ich bin, seitdem ich Ihr Werk gelesen, Ihr zärtlichster Freund. Ein Werk, darin kein Wort überflüssig und umsonst ist. Lauter gründliche Wahrheit. Das sollte der Kaiser lesen; dem haben Sie es recht gesagt. Darum haben sie es auch zu Wien verbothen.

Vertrauter Mönch.

Aber man hat dieses Werk jämmerlich zugerichtet. Man hat in einem Nachdruck die fürstlichen Nahmen weggestrichen, und ein Ketzer hat Noten dazu gemacht, worüber ich vor Galle zerplatzen möchte.

Prälat von Strahof.

Gott wird ihn strafen; das sind Zeiten! das sind Zeiten!

Siebente Scene. Anfangs May 1782.

(Es erscheinen alle 49 Nonnen.)

Prälat von Strahof.

Zittert, ach zittert nur, euer Schmerz ist gerecht; nun ist die Stunde gekommen, da ihr einen Kirchenraub begehen, da ihr euerm heiligsten Orden, die ihm auf ewig dargebrachten, die ihm geweihten Herzen, rauben sollet. Ihr habt wohlbedächtlich diesen Weg erwählt, die ewige Seligkeit zu erringen: denn was nützt es dem Menschen, sagt der goldene Mund, wenn er auch alle Reichthümer besäße, und die Seele darüber verloren ginge! – Man hat bisher sorgfältig und väterlich eure Schritte beobachtet, damit ihr keinen Fehltritt thun möget! nun aber wirft man euch auf's brausende Meer, euch Ärmste, die ihr das Rudern nicht versteht; die Wellen, die ihr mit euern schwachen Armen nicht zurückschlagen können werdet, werden euch verschlingen.

(Während daß der Prälat auf die zweyte Periode seiner Rede studirt, sagt)

Elisabetha, (ungefähr eine Sechzigerin, tief seufzend:)

Mein Gott, wie leicht kann unser eins verführt werden!

Prälat von Strahof.

Der Landesfürst sieht dieses nicht so gut ein, und kann es auch nicht so gut einsehen, wie wir, denn er ist nie ein Prälat gewesen: wir aber sind Prälaten. Und was würde endlich aus dem Staate werden, hätte der Kaiser keine Prälaten bey der Hand, auf deren Schultern die ganze Monarchie ruhet. Wir wissen, wie der heilige Jungfrauenstand im Himmel allen andern Tugenden weit vorgezogen, und in alle Ewigkeit verherrlichet wird, und wir wissen, wie gebrechlich dieser heilige Jungfernstand sey; denn wir sind Prälaten.

Eine Fünfzigerinn.

Ja, wohl wahr; Gott behüthe unser eins! –

Prälat von Doxan.

Daher, meine lieben Jungfern müssen wir alles anwenden, um dem Himmel und dem heiligen Norbert, dem wir unsere Herzen darbrachten, nicht untreu zu werden; denn da er bey Gott in großem Ansehen steht; so würde er uns auch untreu werden, und Gott leicht gegen uns erbittern, wesfalls wir denn ganz gewiß des ewigen Todes würden.

Die Fünfzigerinn (mit Klosterzärtlichkeit).

Ach gnädigster Papa, wir wollen alles thun, wenn wir noch ein Mittel haben, hier in diesen heiligen Mauern uns zu erhalten.

Prälat von Doxan.

Der Landesfürst, Gott erleuchte seinen Verstand, und erweiche sein Herz, hat die Klosterfrauen zu Brix in ihrem Stande gelassen, weil sie den heiligen Geist hörten, und alle einmüthig, gewiß konnte das ihnen nur der heilige Geist eingeben, Ursulinnerinnen werden wollten. Nun, wenn ihr eurem heiligen Schutzengel, wenn ihr dem heiligen Geist der sich den Brixernonnen sichtbarlich offenbarte, geneigtes Ohr zu verleihen ohnermangelt: so thut das nähmliche, und bedenket, daß ihr dadurch eure Seele von dem ewigen Feuer errettet.

Electa.

Gnädiger Papa, wenn mich der Fürst in den Orden den ich mir erwählte, nicht duldet; so verlang ich meine mir verheißene Freiheit; denn zu dem Orden der heiligen Ursula fühl' ich keinen Beruf.

Mehrere.

Ich auch nicht! ich auch nicht!

Prälat v. Strahof, (darüber erschrocken, sagt:)

Gott, im Himmel, wär es möglich, ich erstaune über euch. Der Satan muß euch verblendet haben. Wir wollen für sie ein Vater Unser bethen. (Sie bethen.) Ihr fühltet keinen Beruf, im Kloster zu bleiben? Meint ihr, daß euch der Landesfürst von eurem Gelübde lösen kann? Daß es keine Todsünde sey, nur den Wunsch, davon losgesprochen zu werden, zu äußern? Und glaubt ihr, daß es dem heiligen Vater, dem euer Heil am Herzen liegt, und der unfehlbar ist, denn er ist Statthalter Gottes, daß er es, sage ich, jemahls thun werde? Und seyd ihr nicht sträflich, wenn ihr euer Gelübde verletzet? Ich sage euch also, der ich mit dem heiligen Vater die höchste Gnade hatte, zu sprechen; und seinen heiligen Fuß zu küssen, ich sage euch, der heilige Vater will nicht euer Gelübde lösen. Nun geht von Gott und dem heiligen Norbert verlassen, wie Kain, der Mörder, und heult Verzweiflung in die Felsen der Wüsten, ihr Mörderinnen eurer Seelen! Geht, von mir und dem heiligen Vater, im Nahmen Gottes des Vaters † und des Sohnes † und des heiligen Geistes †, verflucht! Gewissensbisse mögen eure ungetreuen Herzen zerfressen, die Sünde eure Seelen umnebeln, und der heilige Norbert in euren letzten Zügen sein Antlitz von euch abwenden; der heilige Norbert, der sonst eure tugendhaften, eure unbefleckten Seelen von den Lippen eures Mundes aufgefaßt und zum Throne des Allmächtigen getragen hätte im Triumphe! – Nun aber wird der leidige Satan eure Seelen ergreifen, und das Hohngelächter der Hölle wird sie empfangen. (Hier weint der Prälat vor heiligem Eifer und – Galle.)

Die Nonnen (zittern. Eine 55zigerin sagt geängstigt:)

Ach! – wir wollen ja unserm Gotte treu bleiben ewiglich! –

Der Prälat von Doxan.

Thut es doch, und seht nur Euer Bestes vor Augen. Ihr sollt öfters in Hinkunft Duplexd. i. Doppelschmaus. haben; dürft öfters zur Ader lassenDies ist für sie eine besondere Wohlthat, weil sie dabei besser als sonst, gehalten werden., öfters unter uns speisen, ausfahren, öfters in's Parlatorium kommen, wollen Euch hübsche Bücher, als z. B. den galanten BauernIst in der Doxaner Bibliothek 20mahl gefunden worden., und dergleichen verschaffen; kurz es sollen Euch alle christlichen Freuden im vollen Maße gewährt werden. Euch die Ihr getreu Eurem Orden verbleibet. Zudem dürft ihr nur den Namen der Ursulinerinnen annehmen, und im Herzen doch immer bleiben, was Ihr jetzo seyd, und was Ihr immer gewesen. Dürft z. B. dieses Kleid des heiligen Norberts unter dem, und näher also am Herzen, unter dem Kleide der heiligen Ursula tragen: und das Äußerliche jenes Ordens nur obenhin, nur nebenbey, schlechtweg, erfüllen. Damit wird sich der Fürst besänftigen, und Euch an diesem heilsamen Wege der Seligkeit belassen. Entschließet euch also: und ihr, die ihr euch nicht entschließen werdet, zittert vor der Strafe des Himmels. Wir werden es dahin einleiten, daß ihr gezwungen werden sollet, im Kloster in unserer Gewalt zu verbleiben, und dann soll euch euer Muthwille vertrieben werden.

Eine junge Nonne.

Der Landesfürst hat es uns frey gestellt, ob wir bleiben wollen, oder nicht; und daß sich dieser Gnade der heilige Vater widersetzen sollte, er, der selbst die Klöster abschaffen läßt, und so viel Weisheit besitzet, ist, denk ich, ein bischen schwer zu glauben.

Prälat von Strahof.

Wie thöricht seyd ihr. Ihr glaubt, daß es euch der Fürst hat freystellen können: was hat denn der Landesfürst dem Himmel fürzuschreiben? Ihr gehört nicht dem Landesfürsten: ihr gehört dem Himmel. Gewalt geht freylich für Recht; aber können wir den blöden Monarchen zurechte weisen: so thun wir daran ein gutes Werk. Und über alles das, meint ihr, daß euch die gebratenen Vögel in die Mäuler fliegen werden? und daß sich die Hasen die Felle abstreichen, an den Spieß stecken, braten, zerlegen, und euch bitten werden, damit ihr sie essen möget? Nein, in der Welt werdet ihr alles mit euren Händen angreifen, und euch verschiedenen ungewohnten schweren Arbeiten unterwerfen müssen. Denn, wo wollt ihr mit einem halben Gulden hinkommen? Ihr versteht nichts von der Welt; man wird euch auf allen Seiten betrügen. Der Hunger, die Noth, und tausend euch jetzo unbekannte Bedürfnisse werden euch zur Verzweiflung bringen. Der Satan wird diese Gelegenheit nützen, und euch den Begierden der Wollüstigen ausliefern, und mit eurem jungfräulichen Kranze verwelkt auch eure Seele? (Die Jungen unterdrücken darüber ein schelmisch Lachen, die Alten machen ein Kreuz. Der Prälat räusperte sich, und lenkte nach einigen Minuten folgendermaßen wieder ein:) Wo sind die Zeiten, da noch eine heilige Maria Magdalena von Pazzi lebte? Für ihre Tugenden erhielt sie im 17. Jahre die Gabe der Weissagung und der Wunder. Mit Freude ließ sie sich von der Mutter Priorinn die Hand auf den Rücken binden, und bis auf's Blut geißeln. Im Sommer und Winter war ihr Rock aus Flicken und Lumpen zusammengesetzt, ihre Hände beständig braun gefroren. Sie schlief auf der Erde, und geißelte sich alle Nacht. Hatte dafür auch seltsame Entzückungen. Einst sah sie eine vollkommene Einheit in einer unzertrennlichen Dreifaltigkeit. Sie dachte über das Geheimniß der Menschwerdung nach, und ihre Andacht verweilte vornähmlich bey den Worten: Das Wort ward Fleisch. Sie fiel in eine Entzückung, welche von Abend um 5 Uhr, bis zum folgenden Morgen dauerte. Sie rief: das ewige Wort ist in dem Schoos des heiligen Geistes unermeßlich groß, aber in Marien Schoos ist's nur ein Pünctchen. Gott Vater, Sohn und heiliger Geist besuchten sie wechselweise. Christus vermählte sich mit ihr in Gegenwart des heil. Augustin und der heil. Catharina von Siena. Die bösen Geister warfen sie manchmahl die Treppen herunter, und ihre Keuschheit kam auch sehr auf die Probe. Der Geist der Unreinigkeit gab ihr die größten Abscheulichkeiten ein. Aber sie, beherzt genug, kam dergleichen Anfechtung zuvor. ging um ihr zu widerstehen, in den Holzstall, band ein Bündel Dornsträuche los, machte sich daraus ein Lager, entkleidete sich, und wälzte sich darauf, so lange, bis ihr ganzer Leib über und über eine Wunde war, und daß allenthalben hervorströmende Blut das Feuer auslöschte, das der böse Geist in ihr entzündet hatte. Wo ist unter euch eine M. M. Pazzi? Ihr alle seyd ausgeartet!

Die junge Nonne.

Gnädigster Papa, wir erfüllen jederzeit pünctlich, ohne Rücksicht auf irgend eine Pazzi, – unsere Ordensregel, damit ist's gut. Was die vorigen Gründe anbetrifft: so ist es wahr, daß wir in vielen Dingen unerfahren sind; daß aber die Verheißungen und Gebothe der Religion nicht stark genug sein sollten, sie allen Versuchungen entgegen zu setzen, sollte mich wundern. Gesetzt auch, eine von uns möchte der Gewalt, der Noth, der Versuchung und der Verführung unterliegen: so ist's keine vorsetzliche Sünde, so ist Gewalt von Außen und Schwäche von Innen ihr Fall, und es wird über einen Sünder, der Buße thut, viele Freude im Himmel. Daß wir mit einem halben Gulden nicht sollten leben könnenDiejenigen, so in weltliche Kosten treten, erhalten jährlich 200 Gulden., ist abermahls falsch. Es leben tausend Menschen mit noch viel weniger, freylich wohl kümmerlich; aber sorgloses Wohlleben ist ja nicht des Menschen Bestimmung. Es ist menschenfreundlicher geurtheilt, und auch wahrscheinlicher, daß uns die Noth, sollten wir einige zu befürchten haben, zwingen werde, eher zu arbeiten, als uns den Wollüsten zu ergeben. Daß wir in der Welt weniger bequem und mehr den Versuchungen ausgesetzt sein werden, ist wahr. Aber sollen wir denn nicht mit der Welt, mit dem Fleische und dem Satan streiten? Sollte das Himmelreich ohne allen Streit erobert werden können? Wir sollen hier kämpfen, und wir weichen allen Kämpfen aus: wir desertiren gleichsam aus der Schlacht, verbergen uns sorgfältig vor allen Anfällen, und wir sollten dafür im Himmel auf höhern Stufen stehen? Warum denn? Weil wir uns in gar keinen Streit einlassen wollen? Nein; vielmehr glaub ich, daß außerm Kloster die Leute mehr Gelegenheit haben, sich Verdienste zu sammeln. Das Christenthum besteht nicht im Brevierbeten, Chorquitschen und dergleichen Kinderpossen mehr, es besteht in thätiger Menschenliebe und guten Werken. Wie aber, um Christi willen, können wir diese ausüben? Wir, die wir von der Gesellschaft ganz abgerissen sind, deren Herzen, mit Unzufriedenheit angefüllt, alle Empfindungen der Menschheit verläugnen müssen; wir, von dummen, unbarmherzigen Anverwandten in einem geheiligten Kerker auf Zeit unsers Lebens gesteckt; wir, deren Handlungen alle nicht aus dem reinen Quell der Religion, sondern aus dem schwarzen Aberglauben hervorsprudeln; wir, die wir in diesen Mauern einander hassen und verfolgen, unterjocht dem Eigensinne der Oberinn; wir, die wir mit unverletzter Natur armseliger sind, als die Verschnittenen in türkischen Serailen; wie sollen wir nur die Fähigkeit haben, tugendhaft zu seyn, und den Himmel zu verdienen? Vernunft, Natur und Religion sind es, die den Fürsten bestimmten, diese Fesseln der Schwärmerey zu brechen: und weh! tausendmahl weh über euch Prälaten, wenn ihr die Befehle des liebreichen Fürsten mit feingewebten, aus Andächteleyen und falscher Politik gekneteten Lügen entkräften, und vom wahren Zwecke ableiten werdet, damit ja noch länger dieser Prälat, der zwanzig Jahre hindurch mit unsern Einkünften seine Freunde und sich selbst genähret, in dem glänzenden Prasserstande erhalten werde! Wir wollen befreyt seyn von diesen Fesseln. Wir werden euch, wenn ihr sie befestigen solltet, unaufhörlich fluchen, und der Schöpfer der Natur muß uns hören, muß euch strafen, die ihr euch wider jene heilige Natur versündiget. Er wäre ungerecht, wenn er sich so vieler wehrlosen Geschöpfe nicht erbarmte, die ihr auf ewig unglücklich zu machen sucht; die verschlossen jammern, ihre Haare zerraufen, und die Stunden ihres Daseyns verfluchen werden. Vereinigt eure Kräfte mit den meinigen, ihr lieben Schwestern, in deren Busen noch einige Funken von Menschlichkeit leben, deren Blut noch nicht kalt, deren Geist noch nicht ganz kraftlos geworden; widersetzt euch mit mir den unverzeihlichen Absichten wollüstiger, schwelgerischer Prälaten, die mit unserm Unglücke ihren Glanz erneuern, und den Landesfürsten auf das Schändlichste hintergehen wollen. Traut ihren glatten Worten und leeren Versprechungen nicht, sie würden es mit uns eben so machen, wie zu Prag bei St. G** geschieht, da den Nonnen von ihrem halben Gulden die Hälfte abgezwacket, und indem sie elend leben müssen, die Oberinn indessen die Domherren herrlich bewirthet. Ruft weh über sie, und jammert so lange, bis ihr der Prälaten Herzen erweichet, oder sie, aus Furcht, verrathen zu werden, ihre Absichten aufgeben.

(Die beyden Prälaten schlichen ganz betreten davon, alles war mit Zerstörung, Mißvergnügen, Leiden und Ängsten angefüllt.)

Achte Scene.

Nonne Emanuela, und der Prälat von Doxan.

Emanuela.

Ach, gnädigster Papa, was hab' ich für Ängsten!

Prälat.

Tröste dich, liebe Emanuela; wirst meinem Herzen immer die schätzbarste bleiben. Beste Emanuela! wo sind die süßen Augenblicke all? die schönen Sommertage, da wir oft im Garten – ach, laß uns deren vergessen.

Emanuela.

Kann man denn alles vergessen? Als ich noch ihre schönen Hündchen, deren sie immer eine Menge hatten, so rein hielte, sie uns in den Alleen vorliefen – und wir – wir – das alles vergessen? Und nun verschwindet alles auf einmahl! Ich habe ausgelebt.

Prälat.

Ich glaube nicht. Meine Freunde bey Hof sind groß. Die alten Nonnen werden mir attestiren, daß sie im Kloster bleiben wollen, einige jungen werde ich mit Versprechungen, – einige du und die Oberinn, gewinnen; und die wenigen, die sich nicht gewinnen lassen, werden nicht in Anbetracht kommen. Gib nur acht, der Hof wird auf unserer Freunde Vorstellungen – befehlen, ihr sollt Ursulinnerinnen werden, und dann, ob ich an meiner Emanuela eine Ursulinerinn oder Norbertinerinn besitze, – das ist für mich, für dich und jene Lauben im Garten, all' eins!

Emanuela.

An mir soll es nicht fehlen, der heil. Ursula viele Anhängerinnen zu verschaffen, wenn nur die Tage der Freude wiederkehren.

(Sie sieht ihn starr an, seine und ihre Augen werden naß; ihre Lippen zittern – ihre Knie wanken, – sie sinken beyde nieder, und bethen ein Vater Unser, und ein Ave Maria, daß ihnen vor Andacht der Schweiß ausbricht.)

Neunte Scene, am 23. May 1782.

(Zu Prag in der Prälatur auf dem Strahof. In der Nacht um 12 Uhr. Der Tisch ist noch seit Mittag gedeckt, einige Geistliche und einige Anverwandtinnen des Prälaten sitzen halb betrunken in der Runde; der Generalvikar präsidirt in einem braunen Überrocke mit Gold. Er ist ungefähr 5 Fuß hoch, 3 Fuß breit, trägt eine Perücke, wiegt bis 300 Pfund, ißt gerne Wildpret, und trinket eben so gern Rheinwein. Er spricht Küchenlatein mit vieler Fertigkeit, ist ein Doctor Theologiä, und folglich ein grundgelehrter Herr. Er hat zwar kein Weib, darf nichts von Ehepraktik und dergleichen Materien aus Erfahrung wissen; aber er ist doch ein Präsident beym Consistorium, wo die Ehestreitigkeiten, Hurereyen, Schwangerschaften, und physische Unfähigkeiten untersucht und beygelegt werden. Dieses thut er mit vieler Geschicklichkeit. Wo er solche erworben, ist unbekannt. Übrigens verdauet er gut, hat bis 20,000 Gulden aus apostolischen Renten zu verzehren, und man nennt ihn: Ihro bischöfliche Gnaden; ist also, wie ihr seht, ein Herr von hohem Ansehen, und unsterblichen Verdiensten.)

Eine Frau.

Sie wollten also hinaus, die Nonnen zu Pilsen? wollten nicht in ihrem Kloster bleiben? haben sich an das Consistorium, an Ihro bischöfliche Gnaden gewendet? –

Generalvikar.

Allerdings; (will aufstehen, trocknet den Schweiß von seinem Gesichte, seine Beine sind schwach, er hat ein kleines apostolisches Räuschchen, fällt in seinen Sessel zurück.) allerdings wollten sie; aber ich hab sie kriegt, die Menscher; ich hab sie ausgezahlt! –

Frau.

Wie denn, Ihr bischöfliche Gnaden?

Generalvikar.

Ich hab's halt so gedreht beim Consistorium, daß sie haben nichts ausgerichtet. Sein die Menscher so lange drinn gewest, mögen sie noch bishero darinner ihr Verbleiben haben.

Prälat von Strahof.

Noch ein Gläschen Malaga. –

Generalvikar.

Darf nicht, darf nicht. –

Prälat.

Tokayer!

Generalvikar.

Bleib schon bei meinem Magenwein.

Prälat.

Haben ja gar nichts getrunken, Euer bischöfliche Gnaden.

Generalvikar.

Zuviel ist zu viel; man bekömmt darüber Kopfschmerzen. Ja, die Menscher, die hätten gern mögen, ha, ha, ha; ihr wißts schon – die haben wir kriegt, – sie hätten freylich gern mögen – ha, ha, ha, und das Unheil reißt um sich. Neulich wollte auch ein dummer Franziscaner aus dem Kloster, und wir sollten das Gelübd lösen; ja, da werden wir gescheidt seyn, da werden wir ihm ein's hermahlen; warum ist er ein Franziscaner geworden? Ich bin Jude, spricht der Jude, und will als Jude sterben; warum nicht auch ein Franziscaner?

Frau.

Man hat sagen wollen, er wolle sich oder andere umbringen, wolle lutherisch werden.

Generalvikar.

Ha ha ha ha, – der Guardian wird ihm den Muth schon austreiben; und mag's doch; was ist an einen so dummen Mönch gelegen, ob er sich erhenkt oder nicht; besser, als daß er ein Skandal ist, und lutherisch wird.

(Endlich kommen die Bedienten, schleppen den Herrn Generalvikar in den Wagen; einige von den Geistlichen trinken Wasser, um die Hitze zu dämpfen; und so geht die Scene nach 1 Uhr Nachts aus einander.)

Alles ist wahr, und zu Prag wohl bekannt. Der arme Franziscaner verzweifelt, von seinen Vorgesetzten gepeinigt, vom Consistorium unerhört. Er hat seine Klage bey dem Gubernium bereits eingereicht, – aber was will ein armer Franziscaner, ohne aller Unterstützung, gegen ein ganzes Consistorium ausrichten? Wahr ist es, daß den Nonnen von Pilsen, Brix und Doxan so mitgespielt wurde. Den späteren Fortsetzern der Geschichte von Böhmen können diese Blätter gute Dienste leisten. Ich bin von dem Factum wohl unterrichtet, ich habe es auch mit aller Freimüthigkeit verfaßt, und ich werde alle Facta dieser Art sammeln, und mit eben dieser Freymüthigkeit bearbeiten. Das Publicum wird es mir danken und der Hof? Wenn dieser es ernstlich untersuchen ließe: so würde sich zeigen, daß dieses Blatt kein Pasquill sey, wofür man es gewiß ausschreyen wird. Aber man mag immerhin schreyen, – mag mich für einen Pasquillanten halten, ich werde dennoch fortfahren, alle Facta dieser Gattung zu publiciren. Ich bin überzeugt, daß dieser Entschluß – wenigstens den Nutzen haben wird, daß die Herren Prälaten und Bischöfe nicht so leicht etwas wider die kaiserl. königl. Verordnungen, und zur Schande der Menschheit unternehmen werden.

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