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Josephinische Curiosa

Franz Gräffer: Josephinische Curiosa - Kapitel 33
Quellenangabe
typetractate
booktitleJosephinische Curiosa
authorFranz Gräffer
firstpub1848-50
year1848-50
publisherIgnaz Klang
addressWien
titleJosephinische Curiosa
created20051021
sendergerd.bouillon
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XXX. Kaiser Joseph und Da Ponte.

Es erzählen uns die Denkwürdigkeiten des Italieners Da Ponte gar interessante Details. Lorenzo Da Ponte, 1749 zu Ceneda im Venetianischen geboren, kam mit einem Empfehlungsschreiben an Salieri nach Wien. Er hatte dichterisches Talent, und schrieb allerliebste Opertexte. Kaiser Joseph ernannte ihn zum Hofpoeten. Für Mozart schrieb Da Ponte »Figaro«, »Don Juan« &c., ein Umstand, an den sich leider kein Mensch mehr erinnert, denn die Libretti sind in den Augen des Publicums eine Gattung Nichts, und in dessen Ohren nicht minder. Nach des Kaisers Tode erfuhr der vielverdiente Poet nur Zurücksetzung und Verfolgung. Er zog von Wien fort, und ging späterhin nach London, woselbst er Theaterunternehmer wurde, und nach allerley Mißgeschicken eine italienische Buchhandlung errichtete. Man kann sagen, daß Da Ponte es sey, der den Engländern Geschmack für die italienische Literatur beygebracht. Gegen tausend Unfälle kämpfend, verließ Da Ponte England, und siedelte sich in Newyork an, italienischen Unterricht und Waarenhandel treibend. Neun und achtzigjährig starb er daselbst im Jahre 1838. Seine Memoiren ließ er italienisch erscheinen; kein Mensch aber konnte sie zu Gesichte bekommen. Spät genug erhalten wir eine deutsche Übersetzung, deren erste Hälfte jedoch häßlich genug ist. –

Lassen wir jetzt Da Ponte erzählen!

Ich schickte mich an, ganz ernstlich an die beyden Dramen für meine lieben Freunde Mozart und Martini zu denken. Was den ersten anbelangt, sah ich leicht ein, daß sein unermeßliches Genie einen ausgebreiteten, vielseitigen, erhabenen Stoff erfordere. Als ich mich eines Tages mit ihm über diesen Gegenstand unterhielt, fragte er mich, ob ich nicht vielleicht ohne zu große Mühe die Comödie von Beaumarchais, betitelt: »Die Hochzeit des Figaro« in ein Drama umarbeiten könne. – Dieser Vorschlag gefiel mir sehr wohl, und ich versprach ihm, es zu thun, es war aber eine sehr große Schwierigkeit dabey zu überwinden. – Wenige Tage früher hatte der Kaiser der Gesellschaft des deutschen Theaters die Aufführung dieser Comödie untersagt, weil sie, wie er sagte, nicht ganz anständig für ein gut gesittetes Publicum sey: wie sollte ich ihm diese nun als Drama in Vorschlag bringen? Der Baron Wetzlar both mir ein sehr anständiges Honorar für den Text, um dann die Oper in London oder in Frankreich aufführen zu lassen, wenn sie in Wien nicht erlaubt werden sollte; aber ich schlug sein Anerbiethen aus, und machte den Vorschlag, wir wollen Text und Musik so schreiben, daß durchaus niemand eine Ahnung davon habe, und dann einen günstigen Augenblick ergreifen, um sie den Directoren oder dem Kaiser selbst anzubieten, und hatte selbst den Muth, mich zu der Ausführung dieses Projects anzutragen. Martini war der Einzige, dem ich das Geheimniß mitgetheilt hatte, und er war so gutmüthig, aus Achtung für Mozart, seine Zustimmung zu geben, daß ich sein Drama erst dann beginnen sollte, wenn die Bearbeitung des »Figaro« beendigt sey. –

Ich machte mich also an das Unternehmen, wir arbeiteten Hand in Hand, so wie ich etwas vom Texte geschrieben hatte, setzte er es in Musik, und in sechs Wochen war Alles fertig. Das Glück begünstigte Mozart, das Theater hatte Mangel an neuen Partituren. Ich ergriff diese Gelegenheit, und ohne mit jemand darüber zu sprechen, both ich dem Kaiser selbst den »Figaro« an. »Wie?« sagte er, »Sie wissen doch, daß Mozart in der Instrumentalmusik ganz ausgezeichnet gut ist, er hat aber bis jetzt nur eine Oper geschrieben, und diese hatte keinen besondern Werth!« »Ich selbst,« erwiederte ich mit Unterwürfigkeit, »hätte ohne die gnädige Nachsicht Euerer kaiserlichen Majestät nur ein Drama in Wien geschrieben.« »Das ist wahr,« erwiederte er; »aber diese »Hochzeit des Figaro« habe ich auch der Gesellschaft des deutschen Theaters zu geben verbothen.« »Ich weiß es,« sagte ich, »aber da ich ein Drama für Musik, und nicht eine Comödie geschrieben habe, so mußte ich mehrere Scenen ganz weglassen und viele andere sehr abkürzen, und somit habe ich alles das weggelassen und abgekürzt, was gegen den Anstand und die Sittlichkeit ist, und was in einem Theater anstößig seyn könnte, in welchem die höchste Majestät selbst zugegen ist. Was aber die Musik anbelangt, so scheint sie mir, so weit ich sie zu beurtheilen vermag, von einer ganz außerordentlichen Schönheit.« »Gut, wenn sich die Sache so verhält, so verlasse ich mich, rücksichtlich der Musik auf Ihren guten Geschmack und auf Ihre Klugheit, in Beziehung auf die Schicklichkeit des Textes. Lassen Sie gleich die Partitur dem Copisten geben.«

Ich lief eiligst zu Mozart, aber noch hatte ich nicht geendigt, ihm diese frohe Nachricht mitzutheilen, als ihm schon ein Lakay ein Billet überbrachte, welches den kaiserlichen Befehl enthielt, sich sogleich mit der Partitur in der Burg einzufinden. Er gehorchte sogleich dem kaiserlichen Befehle, und ließ ihn einige Stücke aus der Oper hören, die dem Kaiser außerordentlich gefielen, ich darf selbst ohne Übertreibung sagen, die ihn ganz in Erstaunen setzten. Er hatte in der Musik sowohl, als in allen schönen Künsten, einen auserlesenen, guten Geschmack. Die außerordentlich gute Aufnahme, welche diese Oper in der ganzen Welt fand, und selbst heutigen Tages noch findet, ist der genügendste Beweis, daß er sich in seinem Urtheile nicht betrogen hatte.

Der Kaiser hatte den Damen von Wien ein prächtiges, schönes Fest in Schönbrunn gegeben, in dessen kleinen Theater der Director der Schauspiele eine kleine deutsche Comödie und ein italienisches Drama aufführen ließ, dessen Text auf seinen Rath von Casti geschrieben worden und das »Le parole donola Musica« (die Worte nach der Musik) betitelt war. Um sich zu überzeugen, daß es ein schlechtes Machwerk war, ohne Witz, ohne Charactere und ohne entsprechenden Inhalt, wird wohl genügen, zu wissen, daß es Niemand, als der Graf von Rosenberg, zu loben gewagt hat. Um des Erfolges sich desto mehr zu versichern, kamen sie überein, eine galante Satyre über den gegenwärtigen Theaterdichter einzuflechten, und man kann sich leicht denken, daß der Herr Casti mich darin nicht so artig behandelt hat, wie der Apelles den Antigonus! Wenn man aber die Art, wie ich mich kleidete, und wie ich meine Haare zu tragen pflegte, davon wegnimmt, so war das Übrige mehr eine Abbildung des Casti selbst, als die meinige. Er sprach unter andern Sachen von meinen Liebschaften mit den Sängerinnen des Theaters, das Schöne aber war, daß er selbst von den beyden Frauen, die in der Posse auftraten, der feurigste Anbeter und Beschützer war. Am Tage nach diesem Feste bekam der Graf, als er, als erster Kämmerer des Kaisers Joseph, demselben das Hemd darreichte, den Befehl, ihm ein Nahmensverzeichniß der Sänger und Schauspieler zu entwerfen, die aufgetreten waren, und, nach Maßgabe ihrer Verdienste, eine gewisse Anzahl von Ducaten für jeden beyzusetzen, welche sie als Beweis der höchsten Zufriedenheit von dem Regenten erhalten sollten. – Während der Kaiser sich ankleidete, schrieb der Graf die Liste, und überreichte sie ihm, als er damit fertig war. Der Kaiser durchlief sie mit einem Blicke, lächelte, und nachdem er die Feder ergriffen hatte, fügte er jeder der Zahlen des Grafen noch eine Nulle bey, so daß zehn: hundert, fünfzehn: hundertfünfzig wurden u. s. f. Indem er ihm die Liste zurückgab, fügte er bey: »Nicht der Graf von Rosenberg, sondern der Kaiser hat das Fest gegeben.« –

Gleich, nachdem die erste Vorstellung »des Baumes der Diana« statt gehabt hatte, war ich genöthigt, nach Prag zu reisen, woselbst man zum ersten Mahle den »Don Juan« von Mozart, bey der Ankunft der Prinzessinn von Toscana in jener Stadt aufführen sollte. Ich verweilte daselbst acht Tage, um die Schauspieler, die darin auftreten sollten, einzuleiten; aber bevor diese Oper noch über die Bretter ging, war ich genöthiget, nach Wien zurückzukehren, auf ein äußerst dringendes Schreiben von Salieri, in welchem er mir – ob wahr oder nicht, lasse ich dahingestellt – anzeigte, daß der »Azor« auf kaiserlichen Befehl unverzüglich zur Vermählung des Erzherzogs Franz gegeben werden solle, und der Kaiser selbst ihn beauftragt habe, mich zurückzuberufen. – Ich hatte also die Vorstellung des »Don Juan« in Prag nicht gesehen, aber Mozart gab mir sogleich Nachricht von der außerordentlich guten Aufnahme, und Guardassoni schrieb mir darüber: Es lebe Da Ponte, es lebe Mozart! Alle Theaterunternehmer, alle Virtuosen müssen Sie segnen; so lange Sie leben, wird man nichts mehr von theatralischen Erbärmlichkeiten hören. Der Kaiser ließ mich rufen, und indem er mich in den schmeichelhaftesten Ausdrücken mit Lob überhäufte, machte er mir ein Geschenk von andern hundert Zechinen, und sagte mir, daß er sehr wünsche, bald den »Don Juan« zu sehen. Mozart kam zurück, gab die Partitur augenblicklich dem Copisten, der sich sehr beeilte, die Stimmen herauszuziehen, weil der Kaiser Joseph verreisen mußte. Er kam zur Vorstellung, und soll ich es sagen? . . . Der »Don Juan« gefiel nicht! Alle – Mozart ausgenommen, – glaubten, es fehle etwas daran. Man machte Zusätze, man veränderte ganze Arien, man brachte ihn neuerdings in die Scene – und der »Don Juan gefiel nicht! Und was sagte der Kaiser davon? »Die Oper ist köstlich, ist göttlich, vielleicht selbst besser noch, als der »Figaro,« aber sie ist keine Speise für die Zähne meiner Wiener.« Ich erzählte Mozart diesen Ausspruch, der mir, ohne unruhig zu werden, erwiederte: »Man soll ihnen nur Zeit lassen, sie zu kauen.« Er betrog sich auch nicht. Auf seinen Rath veranstaltete ich, daß diese Oper häufig wiederholt wurde: mit jeder erneuerten Vorstellung nahm der Beyfall zu, und auch die Herrn Wiener, mit den schlechten Zähnen, fanden nach und nach Geschmack daran und erkannten ihre Schönheit, und räumten dem »Don Juan« den ihm gebührenden Rang unter den schönsten Opern ein, die je auf einem Operntheater aufgeführt worden sind.

Es war um diese Zeit, wenn ich nicht irre, daß die Coltellini, eine berühmte Schauspielerinn, aber schwache Sängerinn, zum zweyten Mahle nach Wien kam. Sie war die begünstigte Syrene des Sig. Casti, und folglich auch die des Grafen von Rosenberg, vom Kaiser selbst war sie wohl gelitten. Ich lasse es dahingestellt seyn, ob sie von Salieri, der größtentheils das kaiserliche Operntheater dirigirte, wirklich gedrückt und verfolgt wurde, oder ob sie es nur sich vorstellte, kurz, sie schrieb an den Kaiser einen so über alle Maßen lebhaften, selbst unverschämten Brief, daß er sogleich den bestimmten Befehl gab, die Gesellschaft der italienischen Oper aufzulösen, und zu verabschieden. Thorwart, Vice-Theaterdirector, und geschworner Feind der Italiener, kam mit größter Freude in die Opernprobe, und las ein, aus dem Lager vom Kaiser, an den Director Grafen von Rosenberg erlassenes Schreiben, mit dem ausdrücklichen Befehle, jedem von uns zu sagen, daß er gesonnen sey, am Ende der Saison das italienische Theater schließen zu lassen. Diese Neuigkeit betrübte die ganze Stadt, das ganze Gesangpersonale, und wenigstens hundert andere Personen, als: Musiker, Lampenzünder, Figuranten, Comparsen, Schneider, Maler, Billetabnehmer. Diener u. s. w., die aus dieser Anstalt ihren und ihrer Familie Lebensunterhalt bezogen. Es ging mir der kühne, gewagte Gedanke durch den Kopf, den Kaiser von seinem Entschlusse abzubringen, und irgend ein Mittel aufzufinden, daß die ganze Oper, unabhängig vom Hofe, beybehalten werden könne. Ich machte allen Damen meine Aufwartung, welche besonders unser Theater liebten, und nachdem ich einen ganz einfachen, aber überzeugend anschaulichen Plan entworfen hatte, nach welchem allerwenigstens ein Drittheil der jährlichen Kosten erspart werden mußte, ohne jedoch den Lieblingsvirtuosen den mindesten Abbruch zu thun, brachte ich in Vorschlag, eine Subscription für hunderttausend Gulden zu unternehmen, um ein Capital für den Betrieb des Theaters zu haben, und dasselbe in der kaiserlichen Bank, ohne Vergütung von Interessen, niederzulegen. Nachdem nun mit dieser Summe und mit der Einnahme von Eintrittsgeldern alle Kosten bestritten waren, legte ich klar den Beweis dar, daß ein jährlicher Gewinn von fünfundzwanzigtausend Gulden übrig bleiben müsse. In weniger als acht Tagen hatte ich auch vollständig die Unterschriften für hunderttausend Gulden. – Herr Baron von Gondar (Gontard), einer der reichsten und angesehensten Herrn von Wien, sollte die subscribirten Gelder in Empfang nehmen, und Theater-Director, ich aber Unterdirector werden.

Indessen kam der Kaiser nach Wien zurück, und ich verfügte mich unverzüglich zu ihm. Kaum hatte er mich erblickt, so nahm er mich in sein Cabinet und fragte mich, wie es mit dem Theater gehe. Euere Majestät, mit dem Theater kann es wohl nicht schlechter gehen. Der Kaiser: Aber warum? Da Ponte: Weil wir alle beklagenswerth und in Verzweiflung sind, im September unsern anbethungswürdigen Herrn zu verlieren und verlassen zu müssen; indem ich dieß sagte, perlten mir einige Thränen in den Augen, die er bemerkte, und mit einer Güte, die sich nicht mit Worten beschreiben läßt, mir sagte: nein, Sie werden ihn nicht verlieren. Da Ponte: Aber wenn das Theater nicht mehr besteht, wie viele Personen, wie viele Familien werden ihren Lebensunterhalt verlieren, und zu Grunde gehen? Der Kaiser: Aber ich darf mir nicht erlauben, große Summen auszugeben, um mich und andere zu unterhalten, und besonders in gegenwärtiger Zeit, wo ich meiner Gelder für so viele wichtigere Gegenstände bedarf. Wissen Sie wohl, daß das italienische Theater mich jährlich über zehntausend Gulden kostet? Ich kann nicht den Einen das Geld nehmen, um es Andern zu geben. Und dann . . . . und dann . . . . unsere liebe Coltellini! – Während er dieß sagte, zog ich vorsichtig einen großen, vielfach zusammengelegten Bogen Papier, Imperialfolio Format, aus meiner Tasche, ließ ihn künstlich, halb versteckt demselben sehen, damit er mich fragen sollte, was er enthalte. – Meine Absicht war gleich erreicht; er fragte mich sogleich, und ich erwiederte ihm, es wäre eine kurze Bittschrift. Der Kaiser: Kurz? Da Ponte: Sehr kurz. Der Kaiser: Auf einem Bogen Imperialfolio-Papier? Er entfaltete das Papier mit einer ziemlich ernsthaften Miene, und auf dem ganzen großen Raume waren nur diese zwey Verse von Casti:

Proposizioni ognuno farle può
Il punto sta nell' acretarle o no.

(Wenn ich nach meinem Sinn den besten Vorschlag mache: ob er genehmigt wird – ist eine andre Sache.)

Er konnte sich des Lachens nicht enthalten, und fragte mich, welche Vorschläge ich zu machen habe. Euere Majestät, erwiederte ich, ich bitte nur um die gnädigste Erlaubniß, das Theater benützen zu dürfen, so werde ich Euer Majestät und ganz Wien, mit der nähmlichen Gesellschaft wöchentlich dreymal dieselben Vorstellungen geben. Der Kaiser: Sie, sind Sie also so reich? Da Ponte: Nein Ew. Majestät. Aber hier ist das, was ich gemacht habe, seit uns die traurige Nachricht unserer Verabschiedung zugekommen ist. – Ich nahm nun aus meiner Tasche zwey andere Bogen Papier; auf einem derselben standen die verschiedenen Namen der Damen und Herrn, von denen jede und jeder sich unterzeichnet hatte, fünfhundert Gulden für eine Loge im ersten, zweyten und dritten Range zu bezahlen, und eine gewisse Summe für eine bestimmte Anzahl Eintrittskarten überhaupt, nach den Gebräuchen von London. Der andere enthielt eine genaue Berechnung der übrigen Einnahmen und der Kosten, die ich aus den Büchern des Theaters entnommen hatte. Er durchlief Alles schnell und sagte: »Wohlan, gehen Sie zu Rosenberg, und sagen Sie ihm, daß ich Ihnen das Theater überlasse.« Rosenberg empfing mich mit vieler Freude, als aber Thorwart dazukam, so wollte er unter verschiedenen Einreden Alles wieder verderben: »Ew. Excellenz, wir haben weder eine reiche Bühneneinrichtung, noch eine reiche Garderobe. Es würde dadurch ein immerwährender Streit zwischen den italienischen Sängern und den deutschen Schauspielern statthaben, man kann nicht alle Tage die Einrichtungen der Scenen ohne die größten Beschwerden hin und hertragen lassen. Ew. Excellenz, es kann nicht seyn.« Auch der Graf stimmte ihm nun bey, und sagte: »Nein, es kann nicht seyn, es kann nicht seyn.« – Ich verabschiedete mich sogleich, und so wie ich das Haus verlassen hatte, begab ich mich eiligst in die kaiserliche Burg – traf den Kaiser allein, und ohne abzuwarten, daß er zuerst mich anrede, sagte ich ganz schnaubend und außer Athem: »Eure Majestät, Thorwart sagt, es kann nicht seyn, und der Graf Rosenberg wiederholt es als Echo.« »Geben Sie mir Ihren Plan,« sagte der Kaiser alsdann. Ich überreichte ihm denselben, und er schrieb sogleich darunter: »Graf, sagen Sie Thorwart, daß es seyn kann, und daß ich das Theater für meine eigene Rechnung behalte, nach dem von Da Ponte entworfenen Plane, welchem Sie übrigens seinen Gehalt verdoppeln werden.«

Joseph.

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