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Josephinische Curiosa

Franz Gräffer: Josephinische Curiosa - Kapitel 32
Quellenangabe
typetractate
booktitleJosephinische Curiosa
authorFranz Gräffer
firstpub1848-50
year1848-50
publisherIgnaz Klang
addressWien
titleJosephinische Curiosa
created20051021
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XXIX. Curiose Feyerlichkeiten bey Josephs Geburt.

Freylich sind seitdem mehr als hundert Jahre verflossen; freylich wissen wir Alle, daß damahls und von da zurück bey solchen Festivitäten eine ganz unbekümmerte Einfalt, eine eigenthümliche Naivetät und splitternackte Natürlichkeit und Herzlichkeit sich auszusprechen pflegten; was aber die Illumination der Stadt Wien im Jahre 1741 zur Verherrlichung der Geburt des Prinzen Joseph betrifft, so sind wir der Meinung, daß bey derselben fast Unglaubliches vorgekommen sey, und wir wählen daher aus einem über 300 Seiten starken Quartbande eine Anzahl solcher Curiositäten. Auch Titel und Vorwort sind höchst ergetzlich; deßhalb mögen sie hier unabgekürzt stehen, nämlich: »Wienerische Beleuchtungen, oder Beschreibung Aller derer Triumph- und Ehren-Gerüsten, Sinn-Bildern, Und anderen sowol herrlich- als kostbar, und annoch nie so prächtig gesehenen Auszierungen, Welche bey denen zu Ehren der höchstgewünschten Geburt JOSEPHI den 13. Martii das erstemal, Und sodann Bey Allerhöchst-Ihro Majestät der Königin von Hungarn und Böheim, Ertz-Hertzogin zu Oesterreich, und vermählten Hertzogin zu Lothringen und Bar, Groß Hertzogin von Toscana, &c. Mariae Theresiae Unserer allergnädigsten Frauen, Frauen, Beseegneten Hervorgang, Den 23. und 24. April zum andert- und drittenmal, allstäts Abends, und die Nächte hindurch, nicht nur in allhiesig frohlockenden Stadt Wienn, sondern auch mancher Orten in denen herumliegenden Vorstädten angestellten allgemeinen Freudens-Bezeugungen, sowol an Geistlichen Collegien, Klöstern, und Stiften, als auch weltlichen Pallästen, und Privat-Häusern zu bewundern, und zu sehen gewesen. Cum Permissu Superiorum. Zusammen getragen, und verlegt von Johann Peter von Ghelen, Königl. Hof-Buchdruckern, und Verlegern des alhiesigen Wienerischen Diarii. Wien, gedrukt und zu finden in der Kön. Hof-Buchdrukerey im Neuen Michaeler-Haus, 1741.«

Nun folgt der.

Vorbericht.

Was für eine unglaubliche Freude und Vergnügen die den 13. Martii lauffenden Jahres 1741 um 2 Uhr in der Nacht beschehene glücklichste Geburt des Durchläuchtigsten Königl. Printzens Josephs Ertz-Hertzogs zu Osterreich, &c. &c. in denen Gemütern deren alhiesig-getreuesten Vasallen, und Inwohnern der Königl. Haupt und Residentz-Stadt Wien verursacht hat, ist um so weniger zu beschreiben möglich, als sogar einig deroselben gleichkommendes Beyspiel, womit man sie, wie durch den Schatten das Licht entwerfen könnte, ermangelt; dann obwolen bey der gleichmässig glorreichen Geburt weil. des Durchläuchtigsten Ertzherzogs Leopolds den 14. April 1716. alhier in Wien ein solcher Jubel gewesen, daß man sich etwas, so denselben übertreffen wurde, damals keines weegs vorstellen, noch einbilden können, so haben doch die gegenwärtige allgemeine Illuminations-Feyerlichkeiten, nach einhelligen Zeugnuß, aller deren, die von beyden den Augenschein eingenommen, alle vorige dergestalt überstiegen, daß man im vorstehenden Titul gantz billich hat ansetzen können, daß dergleichen annoch niemalen gesehen worden; und obwolen demnach zu einer genugsamen Erklärung aller deren meistentheils gelehrt und sinnreichen, auch fast durchgehends ungemein herrlich, kostbar, und anmütig entworffenen Vorstellungen, deren so vielfältig aller Orten in aufgemachten Gemählden zum Vorschein gekommenen treu gesinnten Glückwünschen, vielmehr ein kunstreicher Pinsel, als eilende Feder nöthig wäre, so hat man doch in gegenwärtiger Beschreibung derenselben nach Möglichkeit alles dasjenige auszudrücken sich beflissen, was immer zu der Haupt-Sach gehörig zu seyn erachtet worden, sintemalen ohnedeme die Nebenauszierungen alle anzudeuten viel zu weitläuffig gefallen seyn wurde.

Was übrigens die Ordnung anbetrift, so hat man sich zwar wol vorgenommen gehabt, das Werk in 3 Theile abzutheilen, und in dem ersten die Sinn-Bilder, deren Collegiorum, Klöstern, und Ehren-Gerüste, so an allgemeinen Gebäuden und Herrschaftlichen Pallästen zu sehen waren, und endlich in dem Dritten die Sinn-Bilder, auch lustigen Gedanken deren Particular- Wohnungen heraus zu geben, und sich in allen nach dem Alphabet zu halten, es ist aber solches Vorhaben theils auf Verlangen verschiedener deren jenigen Partheyen (welche das ihrige selbst zur gegenwärtigen Sammlung gütigst eingesendet haben) theils auch, ut varietas eò magis delectet, um damit die Abwechslung das Werk desto angenehmer machen sollte, dahin abgeändert worden, daß nämlich zwar wol die Collegia, Klöster und Stiftungen nach dem Alphabet, jedoch nicht allein, und in einer unzertrennten Folge, sondern mit verschiedenen anderweitigen Triumph-Gerüsten, und Particular-Wohnungs Sinn-Bildern untermenget herauskommen, und ausser mehr besagten Collegiis, &c. in denen übrigen keine andere Ordnung beobachtet werden solle, als wie sie von Zeit zu Zeit zu dieser Sammlung eingeschickt werden, als womit eben seria cum jocosis das Ernsthafte mit dem Lustigen noch mehr unterspicket, und denen curieusen Liebhabern ein grösseres Vergnügen, wie auch denen, welche das ihrige noch fernershin einschicken möchten, ein grösserer Antrieb, solches desto ehender zu thun, gemacht werden dörfte; da man hingegen, um damit annoch ein jeder das Seinige in diesem Werk leichtlich finden möge, auf die letzt umsonst ein Register über alle darinnen enthaltene Häuser, und Wohnungen beyfügen, auch nicht nur versprochener massen, alle Wochen einen, sondern (weilen man doch bereits eine sehr große Anzahl bey Handen hat) wenigstens wochentlich zwey Bögen mit ordentlich darauf gestellten Numeris heraus geben, und so oft ein neuer Bogen zu haben, solches Post-täglich in dem Diario publiciren wird; zu welcher einzelner Herausgebung deren, wie gedacht nach denen Numeris auf einander folgenden Bögen man von daher verleitet worden, weilen auf solche Art nicht denen, die das gantze Wercke, sondern auch denen, die davon etwann nur manchen Theil, oder Bogen haben wollen, gedienet ist, da die erstere die nach und nach wochentlich zweymal herauskommende Bögen sich bis zu Erfüllung des gantzen Werkes von Zeit zu Zeit aufheben, die andern aber sich nur dasjenige, so ihnen anständig ist, anschaffen, und das übrige hindannlassen können.

Ferners wird man zu eines jedwederen Verständnuß die Lateinische, und in andern ausländischen Sprachen verfaste Inschriften, jedoch nur in Prosa, oder ungebundener Schreib-Art verteutschen, theils weilen im widrigen durch die Verse (welche gemeiniglich um den vollkommenen Sinn des übersetzten recht, und klar auszudrücken, einige Umschreibung, auch zuweilen des Reimens halber gar einen Zusatz erheuschen) das Werke allzu groß, folgsam gar zu lang hinaus dauren wurde, theils auch, weilen man eben aus deme, wo dannoch teutsche Verse anzutreffen seyn werden, zum Unterschied wird abnehmen können, daß solche selbst in denen Original-Sinnbildern also gestanden.

Welche übrigens ihre Sinn-Bilder entweder hier gar nicht, oder doch in etwas verändert antreffen werden, müssen die Schuld hiervon nicht auf den Zusammen-trager legen, als der hierinnen nach höherer Anordnung sich richten, und dasjenige auslassen müssen, darinnen die unbeschränkte Freud die Gräntzen des schuldigsten Respects, und geziemender Ehrbarkeit überschritten, oder solche sonst bedenklich aufgenommen worden. Wo bey denen Symbolis gar kein Name, noch Haus angedeutet, sondern nur dieses Zeichen * ** stehet, bedeutet solches, daß bey diesen von denen Authoribus in dem eingeschickten Original das Ort, wo solche zu sehen waren, entweder übergangen, oder aber nach derenselben eigenen Belieben mit Fleiß nicht beygesetzet worden seyn. Unter denen obgedachten lustigen Sinn-Bildern wird man auch verschiedene (an denen zwar ein wolmeinendes Gemüt hervor-leuchtet, im übrigen aber nicht viel Sinnreiches, sondern vielmehr öfters ziemlich einfältige Ausdrückungen anzutreffen) von darumen nicht auslassen, alldieweilen doch auch diese in ihrer Gattung eines vor dem anderen schön seyn können, und davon manche denen curieusen Liebhabern deren wunderlichen Einfällen halber gefallen dörften. Deme man noch letzlich dieses beydrucken sollen, daß man nemlichen auf Begehren aus folgender Ursach gegenwärtiges Format, und Schrift zu diesem Werk genommen, alldieweilen die Anno 1716 herausgegangene Beschreibung der damaligen Illumination eben von solcher Schrift und Form gewesen, und also diejenige, welche besagt vorige Beschreibung haben, mit selber die gegenwärtige vereinbaren, folgsam beyde diesfällige Wercke, als von einerley Materie handelnd, bequem zusammen fügen können.

NB. Ost heisset überall: Oben stunde. Ust. aber heisset: Unten stunde.

J. L. v. G.

Nun also zu den Inschriften selbst:

Im goldenen Greiffen in die Himmel-Port Gassen hinaus.

Im ersten Stock.
Waren in 5. Fenstern folgende 5. illuminirte Sinn-Bilder.

1. Eine Bildhauer-Werk-Stadt voll verschiedener verfertigter Kunst-Stücken, und Werk-Zeuges. Zur Erden lagen etwelche halb ausgearbeitete Figuren herum. Etwas zur Seiten auf dem Werck-Stuhl erhoben, ware ein gantz ausgehaut kleines Knäblein. Der Bildhauer in einer Hand den Schlegel, in der anderen das Stem-Eisen haltend, betrachtete das ausgearbeitete Stuck mit verwunderter Stellung.

O. st. Das Sprich-Wort ist: Ein jedes Werck thut seinen Meister loben.
Nur kleine Frist! Hier ligt schon eins. Ich mach noch mehrer Proben.

2. Eine Kindbetterinn in einem ausgezierten Schlaf-Cabinet unter einem Baldachin im Beth liegend, und das Haupt hervor neigend. Zur rechten Seite eine Manns- und zur linken eine Weibs-Person, neben welcher ein anderes Manns-Bild stunde, betrachteten mit fröhlicher Verwunderung 3 im vollen Laufe begriffene Mägdlein, welche in Hemd gemahlen, und auf dem Haupt jede ein Ertz-Herzog-Hüttl auf hatte, diesen liefe der junge Printz ebenfalls mit einem Ertz-Herzog-Hütel auf den Haupt, in einer Hand aber den Reichs Apfel, und in der andern den Scepter haltend nach.

O. st. Es ist eine alte Sach:
Die Buben laufen den Mägdeln nach.
U. st. Diß hat sich auch heut wahr gemacht,
Weil unsre Frau ein Printzen bracht.

3. Die Königin mit der Kron auf dem Haupt, unter einem Baldachin sitzend, und den eingefaschten Printzen auf dem Schoß haltend, ringsherum der Hof-Staat. Nebenher auf einem Tischl verschiedene Cronen nebst dem Scepter auf Bölstern liegend. Darzu kamen etwelche Bauers-Leut beederley Geschlechts, deren einige in Büttlen, und Körblein unterschiedliche Bauern-Geschenke, als Lämmer, Butter, Obst und Hühner, theils auf dem Kopf, theils in denen Händen trugen, und vor dem Thron auf die Knie fallend sagten:

Ma kömma gstreng Frau Kinigin, und falla Eng zu Fiessa,
Da Richta, und die gantzi Gma Eng lassen gar schön griessa,
Sie bitta halt gar feindla hübsch, ös möchts do nix verschmeha,
Was mä da engarn kloana Kind, zbringa uns untersteha.
Globt sey der lieb HerrJesu Christ, er schenk Eng a langs Leben,
Möcht aber a dem liaben Schatz viel Glück, und Segen geben.

4. Ein Kind in der Wiegen, ruckwerts bey dem Haupt der Schutz-Engel stehend, und mit einer Hand auf den oberen Theil der Wiegen, mit der andern auf einen von weiten geflogen kommenden 2köpfigten Adler, der auf dem Kopf die Kron in einer Klaue den Reichs-Apfel, in der andern den Scepter hielte, deutend. Ober der Wiege stunden die Worte:

Felix Austria.
Beglücktes Oesterreich.

Auf den 4 Knöpfen der Wiegen waren das Hungarische, Böheimische, Tyrolische und Oesterreichische Wappen.

O. st. Kron und Scepter muß ich bringen dem heut neugebornen Kind,
Wo man thut das vivat singen, flieg ich hin als wie der Wind.

5. Der obere Jesuiter-Platz, oder Hof, mit der gewesten Triumph-Pforten der Stadt und übrigen Beleuchtungen, sonderbahr die Bühne, wo rot und weisser Wein sprunge, auch Brod und Brättel ausgeworffen und die Trompeten und Paucken gehöret wurden; unten eine Menge Leute, deren einige mit Stangen und Ampern den rinnenden Wein auffingen, einige denen andern die Krüge zerschlugen, wiederum einige voll da lagen: Auf einem andern Haus darneben schauete ein Rauchfangkehrer bey einem Rauchfang heraus, welcher mit einem Amper auf der Stangen nach dem Wein langte.

O. st. Ick pover Teifl kans auf Gäßl kän Platz finden.
Probir alt per Camin, ob mi kanns auffi winden.
Pua far! ja das is kut, kans perfetman wohl sehen,
Will ick halt ä bräf lusti seyn, e droben bleiben stehen.

Unten schlugen ihm die Leute die Stangen hinweg, und die Buben warfen mit Steinen nach ihme, sagend:

Du Kätzelmacher pack dich fort.
Sonst zeig'n wir dir ein anderes Ort,
Rinnt Wein, und wirft man Brätl aus,
So g'hörts allein zu unsern Schmaus.

In dem Chaosischen Stift im ersten Stock auf die Kärntner-Straß hinaus, in des Herrn Kriegs-Agenten Forsters Wohnung von 6.  Fenstern.

Ware von gutem Pensel auf seinen Leinwat-Wänden mit bunten Farben entworffen:

1. Ein halb gedeckter Saal, an welchem sich in perspectivischer Ordnung ein Lust-Garten anschloße: Unter der halben Bedeckung des Saals lage eine Frau, ob Dero Haupt ein Baldachin aufgespannet war. Von der Garten-Seite gegen Sie über erschienen gewaffnete Soldaten, welche dieselbe unversehens in ihrer Ruhe überfallen wollten, an dem unbedeckten Theil des Saals aber eilete Jupiter auf einem in vollem Flug begriffenen Adler, in einem zur Rechten schimmerend, zur linken aber stürmischen Gewölk herab; in der rechten Hand ein Überfluß-Horn unter die Decke des Saales schwingend, aus welchem ein Kind auf die Frau herab fiele, welche es mit entgegen aufhaltenden Schooß-Kleid empfienge. Mit der linken Hand warffe Jupiter eine Faust voll Donner-Keule auf die andringende Soldaten, davon einige zu Boden geschlagen, die andere in die Flucht gejagt wurden.

O. st. Jove disponente,
Da Jupiter ordnet.
U. st. So lohnt, und racht,
Des Himmels g'rechte Macht.

2. Ein grosses, ohne sonderem Pracht, doch wohlgebautes Gemach, oder Zimmer, in welchem zur linken Seite eine Frau sasse, und ihrem kleinen Säugling die Brust reichte. In der Mitte zeigte sich in perspectivischer Ferne des Zimmers ein angefeuerter Camin, an welchen ein einfältiger Knab auf die in einen Kessel ober dem Feuer kochende Speise fleissige Acht hielte; wo indessen sein Gespann einen von ungefähr in das Zimmer eintrettenden Artzten mit einem in die Peruque spielenden Blaß-Balg durch die zur Rechten halboffen stehende Thür abwiese:

O. st. Natura nutrice.
Da die Natur ernähret.
U. st. Hier weich der Artzte nur,
Der gütigen Natur.

3. Zeigte sich eine halbgedeckte Gallerie an einem grossen Gebäude, ausser welchem sich eine anmuthige Landschaft mit dem in Perspectiv entlegenen Parnasso, über welchen der Pegasus zu sehen war, entdeckte. Ein halbgewachsener Printz mit seinem Ertz Hertzoglichen Kleinod auf dem Haupt, und herrlicher Kleidung angethan, sasse an einem Pult zu studiren, neben sich eine kleine Hand-Bibliothec habend; zu welchem die Göttin derer freyen Künsten eintrettend, denselben liebreich bey der Hand anfassete, und nach ihren Parnassum (den Sie ihm mit der Lantzen wiese) anfrischete, und einlude:

O. st. Pallade Duce,
Da Pallas anführet.
U. st. Da grünt der zarte Zweig,
Durch Witz, und Kunst sein Reich.

4. Zwey gegen einander stehende Feld-Lager mit ihren zerschiedenen Gezelten; in der Mitten 2. Fürsten (deren einer aus dem alten Riesen-Geschlecht zu seyn schiene) in einem Zwey-Kampf verfangen, in welchem endlich der große von dem kleinen überwunden wird. In einem Perspectiv ware eine Bataille zwischen beyder Fürsten Armeen, wol abgeschildert, zu sehen, davon der kleinere Hauffen den grösseren in die Flucht triebe.

O. st. Marte favente,
Da Mars sich günstig zeiget.
U. st. Da findt das Recht sein Ziel,
Nach höchster Götter Will.

5. Ein offen freyes Feld; an beyden Seiten waren Tropheen, mit Lorber-Zweigen umflochten, zwischen welchen der haupt-Auftritt die 2. vorher beschriebene Fürsten (die einander die Hand gaben, und umarmten) machten. Längst des hinaus in Perspectiv angelegten Feldes erzeigten sich 2. Armeen in ansehentlicher Parade stehend.

O. st. Pace redeunte.
Da der Friede zuruck kehrt.
U. st. Da stellen sich dann dar,
Die goldene Friedens-Jahr.

6. Ein Baum in einer lustigen Gegend vom Land, in dessen perspectivischer Weite, und Umkreis eine reiche Ernde mit Schnittern, Garben-Bindern, und Einführungen zu bemerken ware; Unter dem Schatten sasse ein starker wohlgekleideter Bauer, in dessen Schooß der Landes-Fürst sein Haupt einem sicher und gantz ruhigen Schlaf überlieferte:

O. st. Felicitas Ingenua
Die freye Glückseligkeit.
U. st. Da schlaft im Schooß des Unterthan,
Der Fürst so glücklich heissen kan.

In dem Wirts-Haus zum schwarzen Bärn genannt nächst denen Fleisch-Bänken.

Hatte der aldasige Wirt seine Fenster mit folgendenSinnbildern auszieren lassen.

1. Ein Bär bey der Wiegen sitzend, und ein Kind einwiegend. Auf der andern Seiten auch ein Bär dem Kind die Fliegen mit einem Fliegen-Wadl vertreibend.

U. st. Ein Bär sitzt bey dem Kind, und thut es sanft einwiegen;
Ein anderer sitzt auch, und wehrt dem Kind die Fliegen.

2. Verschiedene Gäste beym Tisch sitzend, welche essen, und trinken. Etliche Bären mit umgebundenen Schurtz-Tuch gleich denen Kellnern, die Gäste bedienend.

U. st. Seyd guten Muts, wohl auf, ihr Gäst beym schwartzen Bären;
Sehr höflich ist der Wirth, und thut die Gäst nicht scheeren.

3. Lauter Bären bey einem Tisch sitzend, und die Gläser zusammstoßend, als wann sie Gesundheit trinkten.

U. st. Der Wein wachst nicht für uns, doch trinken wir heut Wein,
Und muß des kleinen Printzen, Gesundheit trunken seyn.

4. Bärn, und Gäste unter einander sich rauffend, Gläser, und Kandel zerschlagen, Tische umgekehrt, und dergleichen Verwirrung.

U. st. Ihr wollet sehen ein Illumination,
Und sehet sonsten nichts, als nur Confusion.

5. Ein Kind in einem Kinder oder Gängel-Wagen. Ein Bär an den Wagen angespannt, und das Kind hatte eine Peitschen, und triebe den Bärn. Hinter den Wagen auch ein Bär, welcher auf zwey Füssen gehend den Wagen fortschube.

U. st. Das Kind wird auch verehrt, sogar von wilden Thieren,
Sie seynd darum gantz zahm, und thun den Wagen führen.

6. Ein Bärn-Tantz von mehreren Bären, ein Polack darbey, welcher aufpfeiffet. Der Printz auf einem Bolster sitzend, und zuschauend.

U. st. Sie tantzen lustig, um dem Kind ein Freud zu machen,
Wer dieses siehet zu, der möcht vor Einfalt lachen.

In eben schon besagt Amonischen, oder sogenannt Färberischen Haus auf der Hohen Brucken im 2. Stock.

Waren weitershin bey einem Koch annoch folgende 2 Sinn-Bilder.

1. Drey bey einem Tisch sitzende Manns-Personen im essen, und trinken begriffen, denen eine Köchin auf einer Schüssel ein gekochtes Krösel auftruge.

U. st. Weg mit dem Gschnattel, bringts mir ein Krösel.
Es lebe des Printzens Frau Mutter die Resel.

2. Drey Mannspersonen, so beysammen stunden, deren der eine einen Apfel, der andere ein Glas Wein hinweg warffe, der Dritte aber Ruben asse.

U. st. Weg mit den Aepfeln, jetzt iß ich Ruben
He lusti Guraschi! Es gibt noch mehr Buben.

Im tiefen Graben nächst dem Rumor-Haus.

Bey einer Hebamme.

Waren in dreyen Fenstern folgende 3. Sinn-Bilder.

1. Ein Lebzelter-Stand, worbey 2. Bauren mit Würffeln spieleten, und da der eine nach dem Geld griffe, der andere nach ihm schluge. Ein anderer Bauer führete seinen kleinen Buben an der Hand zu dem Lebzelterstand hinzu.

U. st. S' ist selten ein Kirchtag, wos nichts gibt zu rauffen.
Jetzt will ich mein Bubn ein Lebzelten kauffen.

2. Ein Kinds-Weib, so das Koch machte, ein feindlicher Soldat aber ihr die Koch-Pfanne wegnehmen wollte, deswegen er von dem Weib mit dem Koch-Löffel auf die Hand geschlagen wurde.

U. st. Seynd die Feinde nicht so keck,
Frässen dem Kind das Koch hinweg.

3. Die Heb-Amme den Printzen auf dem Arm haltend; darneben ein Oesterreichischer Bauer stunde, und sagte:

Sopherl, ich rath Dirs, laß den Printzen nicht fallen,
Sonst mußt Du ein greuliches Straf-Geld bezahlen.

Im Hof-Schlosserischen Haus in der Nagler-Gassen.

Waren folgende Sinn-Bilder.

1. Der Name JOSEPH gleich einen 6Ekigten Stern in der Luft, von durchscheinenden Buchstaben. Herunten ein Schif mit Oesterreichischen Flaggen auf stürmender See.

O. st. Hoc Duce.
U. st. Dieser solle nur allein,
Unsrer Schiffarth Leit-Stern seyn.

2. Die Königin auf der Welt-Kugel sitzend, und den Printzen auf den Schooß habend.

O. st. Ex hoc beatam me dicent.
U. st. Kinder, und Kindes-Kinder werden mich wegen Deiner preisen,
Und die Ursach ihres Glücks und vollkommener Ruhe heißen.

3. Eine in dem Meer schwimmende Perl-Muschel. Oben die Sonne nächst einem abweichenden trüben Gewölk.

O. st. Post nubila Phoebus.
Nach Regen folgt Sonnenschein.
U. st. Schönste Muschel thu dich auf,
Alles wart mit Schmertzen drauf.

4. Cupido als ein Berg-Knapp den Printzen in einer Scheib-Truhe aus einem Berg-Werk heraus führend. In der Luft ein blühender Oel-Zweig.

O. st. Vigeat oliva pacio aetzerum tibi.
Es grüne der Oel-Zweig des Friedens für dich in Ewigkeit.
U. st. Fahr nur Cupido fahr,
Und bringe noch ein Paar.

In dem neuen Michaeler-Haus bey einem Herrn Chyrurgo in dem ersten Stock hinten hinaus auf das Breuner-Plätzlein, Waren folgende Sinn Bilder.

1. Die Königl. Hebamme, wie sie nach Hauß fuhre, in einem Perutscherl sitzend, das von 2. Krebsen gezogen ware, und die Helfferin hinten aufstunde.

U. st. Frau Sopherl reist nach Haus, ihr Arbeit ist vollbracht,
Sechs Wochen seynd nun aus, aufs neu ist sie bedacht,
Wie's in 9 Monats Zeit wird wieder zuruk gehen,
Und wir mit größter Freud ein neuen Printzen sehen.

2. Ein Zieh-Brunn, ober diesem die Königliche Cron, der Groß-Hertzog schauete in selben hinein, die Frau Sopherl zoge einen Amper in die Höhe, worinnen der Printz lage. Mercurius kame als ein Bott, die Frau Sopherl anredend mit folgenden darbey gestandenen Reimen:

Frau Sopherl ists ein Prinz? Was sollt es anders seyn?
Dann Frantz von Lotharing schaut nicht umsonst hinein.
Es seynd noch mehr darin, Frau Sopherl zieht nur an,
Ihr werd für eure Müh bekommen schon den Lohn.

Nebst der Hungarischen Cron in dem Bier-Haus im 2ten Stock

Waren folgende Sinn-Bilder.

1. Ein Weibsbild mit einem Manns-Bild Karten spielend, das Manns-Bild warffe den Eichel-Buben aus, welchen das Weibs-Bild mit der Dame stache, anbey auf dem Tisch ein Glas Wein, und eine Bratwurst lage, auch ein Katz, eine Maus fangend zu sehen ware.

U. st. Der Aichel-Bub ist schon heraus,
So stich ich mit der Dam,
Da kommt die Katz, und fangt die Maus,
Wie stehts um d' Wurst Frau Mam.

2. Eine brüttende Henn in dem Nest, der ein Bauer lauter Hertzen als Futter vorstreuete.

U. st. Die Henne voller Herrlichkeit
    Sitzt jetzo in dem Nest,
Und weil sie uns hiemit erfreut,
    So gibt man ihm das Best.

3^. Ein Lerchen fangender Jäger, dessen Netz zwar zerrissen, er aber solches wieder flickete.

U. st. Dem Jäger ist das Netz gerissen,
    Bey seinem Lerchen-Fang,
Doch wird er es ergäntzet wissen,
    Und ihm nicht werden bang.

In der Bogner-Gassen bey dem Todten Kopf.

Das österreichische und das florentinische Wappen, zwischen solchen der Printz in der Wiegen, und beyderseits die Ende des Wiegen-Bands an obige 2. Wappen gebunden.

O. st. Das ist das wahre Band,
So schützt das Vaterland.

Zwey Burger dem Printzen auf dem Weg findend.

O. st. Quem expectavimus omnes.
Den wir alle erwartet haben.

Ein Astrologus, den Calender wegwerffend.

O. st. Ich schmeiß in den Calender,
Wann es kein Printz ist,
So verlieren wir Länder.

Die Königin, als eine Bäuerin, welche auf einer Seite aus ihren Rockfalten etliche Printzessinen, auf der anderen Seiten aber einen Printzen heraus beutelte. Der Herzog, als ein Bauer sagte zu ihr:

Mein Schatz du hast dich wohl verhalten,
Beutle noch öfter aus diesen Falten.

Ein lustiger in den Himmel hinauf schauender Bauer. Oben die Sonne, darinnen der Printz.

U. st. O weils nur einmal geraht,
Das unser Frau ein Printzen hat.

Der Printz auf allerhand Waffen liegend.

O. st. Bist noch ein kleines Kind, ligst schon auf Krieges-Waffen,
Doch wirst du mit der Zeit den Frieden damit schaffen.

Drey mit Flügeln zusammen verflochtene Hertzen, auf deren jeden ein 3er stunde, und auf jedem Hertz eine brennende Kertzen aufgestecket ware.

U. st. Aus treuen Hertzen,
Verbrenne ich meine Kertzen.

Eine Hosen.

U. st. Nun können die Feinde losen,
Weil Österreich tragt Hosen.

Bey einem Schul-Meister.

1. Ein Schulmeister, welcher bey einem Tisch schriebe. Ober ihm stunde:

Da sich nun jedermann befleist auf gelehrte Sachen,
Sieht man auch eben mich tiefsinn'ge Schriften machen.

Die Schrift so er schriebe. war diese:

Weil M schon tausend ist, D fünf, CC zwey hundert
XXXX viertzig, und I eins, darum es mich nicht wundert,
Daß (o ein schlechte Kunst! und wohl geringe Sachen)
1741 zusam die Buchstabn alle machen.

2. Eine Kindsfrau, dem neugebornen Printzen also zusingend:

Heidl Pupeidl wills Printzerl nicht schweigen,
Wollen wir ihm kauffen frische Feigen,
Die er kann denen Feinden zeigen.

3. Ein Mark-Schreyer mit einem Stäberl auf die Bildnus eines gecrönten Knabens schlagend. Beyschrift:

Ihr fromme Christen kommet her,
    Ich gib euch ein Rätzel auf:
Wer glaubet ihr, ist wohl der,
    Der in der Wiegen ein Cron hat auf!
Antwort: Der Prinz.

4. Ein Schwein vor einer versperrten Thür stehend, bey welcher ein Bauer also sunge:

Ich loß schon lang als wie ein Sau,
Bis uns ein Printzen hat bracht unser Frau.

5. Ein Bauer dem andern einen Rosen Knopf (welcher neben einer schönen Rosen hervorgienge) zeigend. Beyschrift:

Schau siehst dann nicht du tummer Esel!
Ein kleines bey der großen RESEL.
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