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Josephinische Curiosa

Franz Gräffer: Josephinische Curiosa - Kapitel 25
Quellenangabe
typetractate
booktitleJosephinische Curiosa
authorFranz Gräffer
firstpub1848-50
year1848-50
publisherIgnaz Klang
addressWien
titleJosephinische Curiosa
created20051021
sendergerd.bouillon
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XXII. Joseph's Krönung zum römischen König.

Beschrieben von einem AugenzeugenVon Goethe. Hier auszugsweise..

Der Krönungstag brach endlich an, den 3. April 1764; das Wetter war günstig und alle Menschen in Bewegung. Man hatte mir, nebst mehreren Verwandten und Freunden, in dem Römer selbst, in einer der obern Etagen, einen guten Platz angewiesen, wo wir das Ganze vollkommen übersehen konnten. Mit dem frühesten begaben wir uns an Ort und Stelle, und beschauten nunmehr von oben, wie in der Vogelperspective, die Anstalten, die wir Tags vorher in näheren Augenschein genommen hatten. Da war der neuerrichtete Springbrunnen mit zwey großen Kufen rechts und links, in welche der Doppeladler auf dem Ständer, weißen Wein hüben und rothen Wein drüben aus seinen zwey Schnäbeln ausgießen sollte. Aufgeschüttet zu einem Haufen lag dort der Hafer, hier stand die große Bretterhütte, in der man schon einige Tage den ganzen fetten Ochsen an einem ungeheuren Spieße bei Kohlenfeuer braten und schmoren sah. Alle Zugänge, die vom Römer aus dahin, und von andern Straßen nach dem Römer führen, waren zu beyden Seiten durch Schranken und Wachen gesichert. Der große Platz füllte sich nach und nach, und das Wogen und Drängen ward immer stärker und bewegter, weil die Menge wo möglich immer nach der Gegend hinstrebte, wo ein neuer Auftritt erschien, und etwas Besonderes angekündigt wurde. Bey allen dem herrschte eine ziemliche Stille, und als die Sturmglocke geläutet wurde, schien das ganze Volk von Schauer und Erstaunen ergriffen. Was nun zuerst die Aufmerksamkeit Aller, die von oben herab den Platz übersehen konnten, erregte, war der Zug, in welchem die Herrn von Aachen und Nürnberg die Reichskleinodien nach dem Dome brachten. Diese hatten als Schutzheiligthümer den ersten Platz im Wagen eingenommen, und die Deputirten saßen vor ihnen in anständiger Verehrung auf dem Rücksitz. Nunmehr begaben sich die drey Churfürsten in den Dom. Nach Überreichung der Insignien an Chur-Mainz werden Krone und Schwert sogleich nach dem kaiserlichen Quartiere gebracht. Die weiteren Anstalten und mancherley Ceremonien beschäftigen mittlerweile die Hauptpersonen so wie die Zuschauer in der Kirche, wie wir andern Unterrichteten uns wohl denken konnten.

Vor unsern Augen fuhren indessen die Gesandten auf den Römer, aus welchem der Baldachin von Unteroffizieren in das kaiserliche Quartier getragen wird. Sogleich besteigt der Erbmarschall Graf von Pappenheim sein Pferd; ein sehr schöner schlankgebildeter Herr, den die spanische Tracht, das reiche Wamms, der goldene Mantel, der hohe Federhut und die gestrählten, fliegenden Haare sehr wohl kleideten. Er setzt sich in Bewegung, und unter dem Geläute aller Glocken folgen ihm zu Pferde die Gesandten nach dem kaiserlichen Quartier in noch größerer Pracht als am Wahltage. Dort hätte man auch seyn mögen, wie man sich an diesem Tage durchaus zu vervielfältigen wünschte. Wir erzählten einander indessen, was dort vorgehe. Nun zieht der Kaiser seinen Hausornat an, sagten sie, eine neue Bekleidung, nach dem Muster der alten Carolingischen verfertigt. Die Erbämter erhalten die Reichsinsignien und setzen sich damit zu Pferde. Der Kaiser im Ornat, der römische König im spanischen Habit, besteigen gleichfalls ihre Rosse, und indem dieses geschieht, hat sie uns der vorausgeschrittene unendliche Zug bereits angemeldet.

Das Auge war schon ermüdet durch die Menge der reichgekleideten Dienerschaft und der übrigen Behörden, durch den stattlich einher wandelnden Adel; und als nunmehr die Wahlbothschafter, die Erbämter und zuletzt unter dem reichgestickten, von zwölf Schöffen und Rathsherrn getragenen Baldachin der Kaiser in romantischer Kleidung, zur Linken, etwas hinter ihm sein Sohn in spanischer Tracht, langsam auf prächtig geschmückten Pferden einherschwebten, war das Auge nicht mehr sich selbst genug. Man hätte gewünscht, durch eine Zauberformel die Erscheinung nur einen Augenblick zu fesseln; aber die Herrlichkeit zog unaufhaltsam vorbei, und den kaum verlassenen Raum erfüllte sogleich wieder das hereinwogende Volk. Nun aber entstand ein neues Gedränge, denn es mußte ein anderer Zugang von dem Markte her nach der Römerthür eröffnet und ein Bretterweg aufgebrückt werden, welchen der aus dem Dome zurückkehrende Zug beschreiten sollte. Was in dem Dome vorgegangen, die unendlichen Ceremonien, welche die Salbung, die Krönung, den Ritterschlag vorbereiten und begleiten, Alles dieses ließen wir uns in der Folge gar gerne von denen erzählen, die manches Andere aufgeopfert hatten, um in der Kirche gegenwärtig zu seyn.

Auf dem Platze war jetzt das Sehenswürdigste, die fertig gewordene und mit rothgelb- und weißem Tuche überlegte Brücke, und wir sollten den Kaiser, den wir zuerst im Wagen, dann zu Pferde sitzend, angestaunt, nun auch zu Fuße wandelnd, bewundern; und, sonderbar genug, auf das Letzte freuten wir uns am meisten; denn uns däuchte diese Weise sich darzustellen, so wie die natürlichste, so auch die würdigsteÄltere Personen, welche der Krönung Franz des Ersten beygewohnt, erzählten: Maria Theresia, über die Maßen schön, habe jener Feyerlichkeit an einem Balkonfenster des Hauses Frauenstein, gleich neben dem Römer, zugesehen. Als nun ihr Gemahl in der seltsamen Verkleidung aus dem Dome zurückgekommen, und sich ihr, so zu sagen, als ein Gespenst Carls des Großen dargestellt, habe er, wie zum Scherz, beyde Hände erhoben und ihr den Reichsapfel, den Scepter und die wundersamen Handschuhe hingewiesen, worüber sie in ein unendliches Lachen ausgebrochen, welches dem ganzen zuschauenden Volke zur größten Freude und Erbauung gedient, indem es darin das gute und natürliche Ehegattenverhältniß des allerhöchsten Paares der Christenheit mit Augen zu sehen gewürdigt worden. Als aber die Kaiserinn, ihren Gemahl zu begrüßen, das Schnupftuch geschwungen und ihm selbst ein lautes Vivat zugerufen, sey der Enthusiasmus und der Jubel des Volks auf's Höchste gestiegen, so, daß das Freudengeschrey gar kein Ende finden können..

Nun verkündigte der Glockenschall, und nun die Vordersten des ganzen Zuges, welche über die bunte Brücke ganz sachte einherschritten, daß Alles gethan sey. Die Aufmerksamkeit war größer denn je, der Zug deutlicher als vorher, besonders für uns, da er gerade nach uns zuging. Wir sahen ihn, so wie den ganzen volkserfüllten Platz beynahe im Grundriß. Nur zu sehr drängte sich am Ende die Pracht; denn die Gesandten, die Erbämter, Kaiser und König unter dem Baldachin, die drey geistlichen Churfürsten, die sich anschlossen, die schwarz gekleideten Schöffen und Rathsherrn, der goldgestickte Himmel, Alles schien nur eine Masse zu seyn, die nur von einem Willen bewegt, prächtig harmonisch, und so eben unter dem Geläute der Glocken, aus dem Tempel tretend, als ein Heiliges uns entgegenstrahlte.

Der von dem Markt her ertönende Jubel verbreitete sich nun auch über den großen Platz, und ein ungestümes Vivat erscholl aus tausend und aber tausend Kehlen, und gewiß auch aus den Herzen. Denn dieses große Fest sollte ja das Pfand eines dauerhaften Friedens werden, der auch wirklich lange Jahre hindurch Teutschland beglückte.

Mehrere Tage vorher war durch öffentlichen Ausruf bekannt gemacht, daß weder die Brücke noch der Adler über dem Brunnen, Preis gegeben, und also nicht dann, wie sonst, angetastet werden solle. Es geschah dieß, um manches bey solchem Anstürmen unvermeidliche Unglück zu verhüthen. Allein um doch einigermaßen dem Genius des Pöbels zu opfern, gingen eigens bestellte Personen hinter dem Zuge her, lösten das Tuch von der Brücke, wickelten es ballenweise zusammen, und warfen es in die Luft. Hierdurch entstand nun zwar kein Unglück, aber ein lächerliches Unheil: denn das Tuch entrollte sich in der Luft, und bedeckte, wie es niederfiel, eine größere oder geringere Anzahl Menschen. Diejenigen nun, welche die Enden faßten und solche an sich zogen, rissen alle die mittleren zu Boden, umhüllten und ängstigten sie so lange, bis sie sich durchgerissen oder durchgeschnitten, und jeder nach seiner Weise einen Zipfel dieses durch die Fußtritte der Majestäten geheiligten Gewebes davongetragen hatte.

Endlich kamen auch die beyden Majestäten herauf. Vater und Sohn waren wie Menächmen überein gekleidet. Des Kaisers Hausornat von purpurfarbner Seide, mit Perlen und Steinen reich geziert, so wie Krone, Scepter und Reichsapfel fielen wohl in die Augen: denn Alles war neu daran, und die Nachahmung des Alterthums geschmackvoll. So bewegte er sich in seinem Anzuge ganz bequem, und sein treuherzig würdiges Gesicht gab zugleich den Kaiser und den Vater zu erkennen. Der junge König hingegen schleppte sich in den ungeheuren Gewandstücken mit den Kleinodien Carls des Großen, wie in einer Verkleidung, einher, so daß er selbst, von Zeit zu Zeit seinen Vater ansehend, des Lächelns sich nicht enthalten konnte. Die Krone, welche man sehr hatte füttern müssen, stand, wie ein übergreifendes Dach, vom Kopfe ab. Die Dalmatica, die Stola, so gut sie auch angepaßt und eingenäht worden, gewährte doch keinesweges ein vortheilhaftes Aussehen. Scepter und Reichsapfel setzten in Verwunderung.

Es war eben die rechte Zeit, daß ich von meinem Fenster wieder Besitz nahm; denn das Merkwürdigste, was öffentlich zu erblicken war, sollte eben vorgehen. Alles Volk hatte sich gegen den Römer zugewendet, und ein abermaliges Vivatschreien gab uns zu erkennen, daß Kaiser und König an dem Balkonfenster des großen Saales in ihrem Ornate sich dem Volke zeigten. Aber sie sollten nicht allein zum Schauspiel dienen, sondern vor ihren Augen sollte ein seltsames Schauspiel vorgehen. Vor Allen schwang sich nun der schöne schlanke Erbmarschall auf sein Roß; er hatte das Schwert abgelegt, in seiner Rechten hielt er ein silbernes gehenkeltes Gemeß und ein Streichblech in der Linken. So ritt er in den Schranken auf den großen Haferhaufen zu, sprengte hinein, schöpfte das Gefäß übervoll, strich es ab und trug es mit großem Anstande wieder zurück. Der kaiserliche Marstall war nunmehr versorgt. Der Erbkämmerer ritt sodann gleichfalls auf jene Gegend zu, und brachte ein Handbecken nebst Gießfaß und Handquele zurück. Unterhaltender aber für die Zuschauer war der Erbtruchseß, der ein Stück von dem gebratenen Ochsen zu holen kam. Auch er ritt mit einer silbernen Schüssel durch die Schranken bis zu der großen Bretterküche, und kam bald mit verdecktem Gericht wieder hervor, um seinen Weg nach dem Römer zu nehmen. Die Reihe traf nun den Erbschenken, der zu dem Springbrunnen ritt und Wein holte. So war nun auch die kaiserliche Tafel bestellt, und aller Augen warteten auf den Erbschatzmeister, der das Geld auswerfen sollte. Auch er bestieg ein schönes Roß, dem zu beyden Seiten des Sattels anstatt der Pistolenhalfter ein Paar prächtige, mit dem churpfälzischen Wappen gestickte Beutel befestigt hingen. Kaum hatte er sich in Bewegung gesetzt, als er in diese Taschen griff, und rechts und links Gold- und Silbermünzen freigebig ausstreute, welche jedesmal in der Luft als ein metallner Regen gar lustig glänzten. Tausend Hände zappelten augenblicklich in der Höhe, um die Gaben aufzufangen; kaum aber waren die Münzen niedergefallen, so wühlte die Masse in sich selbst gegen den Boden und rang gewaltig um die Stücke, welche zur Erde mochten gekommen seyn. Da nun diese Bewegung von beyden Seiten sich immer wiederholte, wie der Geber vorwärts ritt, so war es für den Zuschauer ein sehr belustigender Anblick. Zum Schlusse ging es am allerlebhaftesten her, als er die Beutel selbst auswarf, und ein jeder noch diesen Preis zu erhaschen trachtete.

Die Majestäten hatten sich vom Balkon zurückgezogen, und nun sollte dem Pöbel abermals ein Opfer gebracht werden, der in solchen Fällen lieber die Gaben rauben als sie gelassen und dankbar empfangen will. In rohern und derberen Zeiten herrschte der Gebrauch, den Hafer, gleich nachdem der Erbmarschall das Theil weggenommen, den Springbrunnen, nachdem der Erbschenk, die Küche, nachdem der Erbtruchseß sein Amt verrichtet, auf der Stelle Preis zu geben. Dießmal aber hielt man, um alles Unglück zu verhüthen, so viel es sich thun ließ, Ordnung und Maß. Doch fielen die alten schadenfrohen Späße wieder vor, daß, wenn Einer einen Sack Hafer aufgepackt hatte, der Andere ihm ein Loch hineinschnitt, und was dergleichen Artigkeiten mehr waren. Um den gebratenen Ochsen aber wurde dießmal, wie sonst, ein ernsterer Kampf geführt. Man konnte sich denselben nur in Masse streitig machen. Zwei Innungen, die Metzger und Weinschröter, hatten sich hergebrachtermaßen wieder so postirt, daß einer von beyden dieser ungeheure Braten zu Theil werden mußte. Die Metzger glaubten das größte Recht an einen Ochsen zu haben, den sie unzerstückt in die Küche geliefert; die Weinschröter dagegen machten Anspruch, weil die Küche in der Nähe ihres zunftmäßigen Aufenthaltes erbaut war, und weil sie das letztemal obgesiegt hatten; wie denn aus dem vergitterten Giebelfenster ihres Zunft- und Versammlungshauses die Hörner jenes erbeuteten Stiers als Siegeszeichen hervorstarrend zu sehen waren. Beyde zahlreichen Innungen hatten sehr kräftige und tüchtige Mitglieder; wer aber dießmahl den Sieg davon getragen, ist mir nicht mehr erinnerlich.

Wie nun aber eine Feyerlichkeit dieser Art mit etwas Gefährlichem und Schreckhaftem schließen soll, so war es wirklich ein fürchterlicher Augenblick, als die bretterne Küche selbst Preis gemacht wurde. Das Dach derselben wimmelte sogleich von Menschen, ohne daß man wußte, wie sie hinaufgekommen; die Bretter wurden losgerissen und heruntergestürzt, so daß man, besonders in der Ferne denken mußte, ein jedes werde ein Paar der Zudringenden todtschlagen. Im einem Nu war die Hütte abgedeckt und einzelne Menschen hingen an Sparren und Balken, um auch diese aus den Fugen zu reißen; ja, manche schwebten noch oben herum, als schon unten die Pfosten abgesägt waren, das Gerippe hin und wieder schwankte und jähen Einsturz drohte. Zarte Personen wandten die Augen hinweg, und Jedermann erwartete sich ein großes Unglück; allein man hörte nicht einmahl von irgend einer Beschädigung, und Alles war, obgleich heftig und gewaltsam, doch glücklich vorübergegangen.

Jeder wußte nun, daß Kaiser und König aus dem Cabinet, wohin sie vom Balkon abgetreten, sich wieder hervorbegeben und in dem großen Römersaale speisen würden. Man hatte die Anstalten dazu Tages vorher bewundern können, und mein sehnlichster Wunsch war, heute wo möglich nur einen Blick hinein zu thun. Ich begab mich daher auf gewohnten Pfaden wieder an die große Treppe, welcher die Thür des Saales gerade gegenüber steht. Hier staunte ich nun die vornehmen Personen an, welche sich heute als Diener des Reichsoberhauptes bekannten. Vier und vierzig Grafen, die Speise hervortragend, zogen an mir vorbey, alle prächtig gekleidet, so daß der Kontrast ihres Anstandes mit der Handlung für einen Knaben wohl sinnverwirrend seyn konnte. Das Gedränge war nicht groß, doch wegen des kleinen Raums merklich genug. Die Saalthüre war bewacht, indeß gingen die Befugten häufig aus und ein. Ich erblickte einen pfälzischen Hausofficianten, den ich anredete, ob er mich nicht hineinbringen könne. Er besann sich nicht lange, gab mir eins der silbernen Gefäße, die er eben trug, welches er um so eher konnte, als ich sauber gekleidet war; und so gelangte ich denn in das Heiligthum. Das pfälzische Büffet stand links, unmittelbar an der Thüre, und mit einigen Schritten befand ich mich auf der Erhöhung desselben hinter den Schranken.

Am andern Ende des Saales, unmittelbar an den Fenstern, saßen auf Thronstufen erhöht, unter Baldachinen, Kaiser und König in ihren Ornaten; Krone und Scepter aber lagen auf goldnen Kissen rückwärts in einiger Entfernung. Die drey geistlichen Churfürsten hatten, ihre Büffete hinter sich, auf einzelnen Estraden Platz genommen: Chur-Mainz den Majestäten gegenüber, Chur-Trier zur Rechten und Chur-Cöln zur Linken. Dieser obere Theil war würdig und erfreulich anzusehen, und erregte die Bemerkung, daß die Geistlichkeit so lange als möglich mit dem Herrscher halten mag. Dagegen ließen die zwar prächtig aufgeputzten aber Herrenleeren Büffets und Tische der sämmtlichen weltlichen Churfürsten an das Mißverhältniß denken, welches zwischen ihnen und dem Reichsoberhaupt durch Jahrhunderte allmählig entstanden war. Die Gesandten derselben hatten sich schon entfernt, um in einem Seitenzimmer zu speisen; und wenn dadurch der größte Theil des Saales ein gespensterhaftes Ansehen bekam, daß so viele unsichtbare Gäste auf das prächtigste bedient wurden, so war eine große unbesetzte Tafel in der Mitte noch betrübter anzusehen; denn hier standen auch so viele Couverte leer, weil Alle die, welche allenfalls ein Recht hatten, sich daran zu setzen, Anstands halber, um an dem größten Ehrentage ihrer Ehre nichts zu vergeben, ausblieben, wenn sie sich auch dermalen in der Stadt befanden.

Abends war Beleuchtung. Vor den Häusern einiger Gesandten, wo man prächtige Illuminationen angebracht hatte (der Churpfälzische zeichnete sich vorzüglich aus), war es so hell, wie es am Tage nur seyn kann. Wir bewunderten die verschiedenen glänzenden Darstellungen und die feenmäßigen Flammengebäude, womit immer ein Gesandter den andern zu überbieten gedacht hatte. Die Anstalt des Fürsten Esterhazy jedoch übertraf alle die übrigen. Man sprach von der herrlichen Erleuchtung, womit der brandenburgische Gesandte sein Quartier ausgeschmückt habe. Dieser hohe Bothschafter hatte, diesen Tag zu ehren, sein ungünstig gelegenes Quartier ganz übergangen, und dafür die große Linden-Esplanade am Roßmarkt, vorn mit einem farbig erleuchteten Portal, im Hintergrund aber mit einem wohl noch prächtigeren Prospecte verzieren lassen. Die ganze Einfassung bezeichneten Lampen. Zwischen den Bäumen standen Lichtpyramiden und Kugeln auf durch scheinenden Piedestalen; von einem Baum zum andern zogen sich leuchtende Guirlanden, an welchen Hängeleuchter schwebten. An mehreren Orten vertheilte man Brod und Würste unter das Volk und ließ es an Wein nicht fehlen.

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