Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Franz Gräffer >

Josephinische Curiosa

Franz Gräffer: Josephinische Curiosa - Kapitel 15
Quellenangabe
typetractate
booktitleJosephinische Curiosa
authorFranz Gräffer
firstpub1848-50
year1848-50
publisherIgnaz Klang
addressWien
titleJosephinische Curiosa
created20051021
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

XII. Trattners Project des Büchernachdruckes en gros; seine Umfrage; Antwort auf selbe.

An Gelehrte und Schriftsteller in Wien sendete der Buchdrucker und Buchhändler von Trattnern ein Circular mit dem Verzeichniß der zum Nachdruck projectirten Werke, betitelt: »Gehorsamste Nota« aus folgenden Zeilen bestehend:

Unterzeichneter Verleger bittet über den anliegenden Entwurf um Dero erleuchtet und patriotische Meinung, sammt Anmerkung jener Bücher, welche zu weiterer Aufklärung in jedem Fache der Wissenschaften zum Gegenstand erforderlich oder zu wünschen wären.

Wien den 3. December 1784.

Gehorsamer Diener
Edler von Trattnern.

Unter den Antworten befanden sich folgende:

P. P.

Obschon der Nachdruck auswärtiger Bücher in den K. K. Staaten geduldet ist; so bin ich dennoch überzeugt, daß es eine unleugbare und dem Fortgange der Wissenschaften höchst nachtheilige Ungerechtigkeit ist, einem Gelehrten oder auch nur einem Verleger sein rechtmäßig an sich gebrachtes Eigenthum durch Nachdruck zu rauben. Ich würde diese meine Grundsätze verläugnen, und mich als einen Handlanger bey einem öffentlichen Raube ansehen müssen, wenn ich dieß Unternehmen unterstützen, und die Gelehrten anzeigen sollte, die nach dem mir eingeschickten Plane geplündert und um ihr Eigenthum gebracht werden sollen.

Wenn Ew. Hochedelgeboren die Sache genauer überlegen wollen, so werden Sie gewiß in meine Grundsätze einstimmen, und Ihre Rechtschaffenheit wird sich gegen den Elenden empören, der den Plan zu dieser unser Vaterland entehrenden Räuberey entworfen hat.

In dieser Überzeugung bin ich

Euer Hochedelgeboren

Wien den 4. Dec. 1781.

gehorsamster
J. E. v. Born.

Ich schmeichle mir durch keine meiner Handlungen verdient zu haben, daß Euer Hochedelgeboren an mir einen Mann zu treffen hofften, der in seinen Grundsätzen mit sich selbst unübereinstimmig seyn würde. Als Euer Hochedelgeboren diesen skizzirten Plan Sr. Majestät überreichten, habe ich meine Meinung darüber mit derjenigen Freymüthigkeit eröffnet, die ich an dem Mann in Geschäften für Pflicht halte, und die von guten Regenten immer mit größerem Wohlwollen aufgenommen wird, als die vorsichtig zweysinnigen Unmaßgeblichkeiten, die für jeden Erfolg auf beyde Seiten genommen werden können.

Als Lehrer, oder wenn Sie wollen, als Schriftsteller an meinem Pulte denke ich wie der Rath am Rathstische. Wenn Nachdruck ein Beweis patriotischer Gesinnung ist, so muß es Straßenraub, durch den fremde Waare, statt sie zu bezahlen, mit Gewalt genommen wird, nicht weniger seyn. Beydes erspart dem Staate den Ausfluß der Baarschaft und aller Unterschied liegt in der Förmlichkeit des Benehmens.

Wien den 5. December 1784.

J. v. Sonnenfels.

Der beyliegende Entwurf scheint doch am Ende zum Nachtheile der Schriftsteller ausfallen zu müssen. Der Unterzeichnete bittet also um Vergebung, wenn er wider eine Gattung von Menschen nicht sprechen kann, zu welcher er selbst gehört, erbietet sich aber sonst zu allen gefälligen Diensten.

Denis.

Ich werde es mit meinen Grundsätzen von Recht und Billigkeit nie vereinigen können, Theil an einer Sache zu nehmen, die ich für eine Beeinträchtigung fremden Eigenthumes halte, so wie ich das Unternehmen, die Ausländer um ihr Eigenthum zu bringen, für die Ehre unseres Vaterlandes schlechterdings nicht patriotisch finden kann. Euer Wohlgeborn werden daher von selbst einsehen, daß ich in diesem und allen dergleichen Fällen nicht seyn kann

Dero dienstwilliger Diener
Blumauer.

Euer Wohlgeb. verlangen von mir eine patriotische Meinung über den mir zugeschickten Entwurf, sammt Anmerkungen über jene Bücher, welche zur Aufklärung in jedem Fache der Wissenschaften zu wünschen wären. Ich will Ihnen in beyden Stücken ohne Umstände willfahren. Wenn es hier bloß auf die Frage ankäme, durch welche Werke die Aufklärung befördert werden könnte, so wäre die Antwort ganz kurz: durch die besten in jedem Fache der Wissenschaften; dieses ist aber in dem beygelegten Plane nicht beobachtet worden; denn um mich nur auf ein Fach, das mich näher angeht, einzuschränken, so fehlen bey jenem der schönen Wissenschaften, außer Ramlern, Zachariä und Wielanden, alle großen und berühmten Dichter Deutschlands, als Klopstock, Kleist, Uz, Haller, Gleim, Goethe, Rabener, Weiße, Bürger, Karschin, Stollberg, Nicolai, Gellert, Hagedorn, Lichtwer, Lessing, Schlegel, Michaelis, Blum, Gökingk, Dusch, Jakobi, Hölty, Voß u. s. w. Es fehlen weiters Mendelssohns philosophische Schriften, Winkelmanns Geschichte der Kunst des Alterthums, Garves Abhandlungen und Cicero von den Pflichten, Gerards Versuch über den Geschmack, Meister über die Einbildungskraft, Bettinelli vom Enthusiasmus in den sch. K. u. Wiss, Burke von dem Ursprung unserer Begriffe vom Erhabenen, Lessings Laokoon, Du Bos, Harris, Webb, Gravina u. s. w., wofür ein paar Werke gesetzt sind, die zwar das schöne Geschlecht, nicht aber die schönen Wissenschaften betreffen.

Ist aber die Frage, ob man unter dem Vorwande der Aufklärung die besten und nützlichsten Schriftsteller nachdrucken soll, so gestehe ichs, daß ich einen so ungerechten Plan als Menschenfreund und als Schriftsteller von ganzem Herzen verabscheue.

Ich habe die Ehre &c.

Mastalier.

Mein edler Herr von Trattnern!

Ich achte den Büchernachdruck einem Straßenraube gleich. Schändliche Handlungen dergleichen jeder Straßenraub in sich ist, kann Gott selber mit aller seiner Gottesmacht nicht unschändlich machen. Ich werde mich also Ihrem Ansinnen so wenig fügen, als ich einem Unglücklichen, der da unter die Räuber gefallen, die Hände halten würde, sollte mich auch der Harambassa mit einem allerhöchsten Freybriefe dazu auffordern können. Sie will rühmen, etwas recht vaterländisches gethan zu haben, dafern Sie an Richtigkeit und Schönheit des Druckes Eckard in Altona, Bohn in Hamburg, Dietrich in Göttingen, Voß in Berlin, Reich in Leipzig, und Orell in Zürch, auch nur in weiter Entfernung erreichen werden: ich aber bilde mir ein, es so lange mit der Ehre meines Geburtslandes edel und gut zu meinen, als ich dem allverfluchten Nachdrucke widerstreite; was ich auch redlich mit Mund und Hand thun werde, so lange ich Feder und Zunge bewegen kann.

Da haben Sie über Ihr nicht einmal zweydeutiges Unternehmen die verlangte patriotische Meinung

Ihres

gehorsamen Dieners
Lorenz Leopold Haschka.

Vom Hause, den 2. Dec. 1784.

 << Kapitel 14  Kapitel 16 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.