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John Workmann wird Millionär

Hans Dominik: John Workmann wird Millionär - Kapitel 28
Quellenangabe
typefiction
authorHans Dominik
titleJohn Workmann wird Millionär
publisherHoch-Verlag GmbH
printrun11.-15. Tausend
year1952
firstpub1921
illustratorWilhelm Kelter
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20151008
projectid925df4f0
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27. Kapitel

Wieder waren drei Jahre ins Land gegangen. Für John Workmann, den Vorsitzenden des Direktoriums der Good Hope Mining Company, drei Jahre angespannter Arbeit. Gewaltig waren in diesen Jahren die Anlagen der Mining Company gewachsen. Gewaltig war die Ausbeute gestiegen, mit ihr der Kurs der Aktien.

John Workmann lebte nach dem Leitsatz: Wer nicht rastet, rostet nicht. Es gab keine Stelle des großen Betriebes der Company, die er nicht wenigstens einmal in jeder Woche persönlich besuchte. Er war wirklich der Herr dieser Minen. Er kannte jede Einzelheit des gewaltigen Triebwerkes. Er sah alles selbst und war niemals auf die Berichte seiner Untergebenen angewiesen.

Und über die Einzelheiten verlor er den Blick für das Ganze nie. Er schlug zuerst eine Finanzpolitik vor, die anfangs bei den Vertretern der Morgangruppe auf Widerstand stieß und nur in schweren Kämpfen durchgesetzt werden konnte. Aber er setzte seine Politik durch, die darin bestand, stille Reserven in größtem Umfange zu schaffen. Nur ein Teil der Gewinne wurde auf die Anteilscheine ausgeschüttet, ein anderer, nicht geringer, für fortwährende Verbesserungen und Erweiterungen in den Minen selbst investiert.

Drei Jahre angespannter Arbeit lagen hinter John Workmann. Drei Jahre, in denen der Jüngling zum Manne heranreifte. Das Leben des amerikanischen Großindustriellen, das strenuous life, das angestrengte Geschäftsleben, hatte ihn an allen Fasern gepackt und ließ ihn nur selten locker. Nur für wenige Wochen im Jahre konnte er ihm auf kurze Zeit entrinnen.

So glitt die Yacht »Mayflower«, die schöne Dampfyacht John Workmanns, in diesen Vorfrühlingstagen bei den Bahamainseln durch die Gewässer des Atlantik. Für einen Monat mußte der zweite Direktor, James Webster, einmal die Sorge für die Mining Company allein tragen. Wenigstens diese Sorge war für kurze Zeit von den Schultern John Workmanns genommen. Zu tun blieb immer noch überreichlich. Zwischen den beiden Masten der Yacht spannten sich die blanken Drähte einer Antenne, und zwei Bordfunker arbeiteten auch hier den ganzen Tag hindurch in wechselnden Schichten. Unablässig klapperten die Morseapparate in der Funkerkabine und schrieben die Telegramme von New York, Chikago und Franzisko nieder. Stundenlang arbeitete John Workmann auch hier jeden Tag mit seinen Sekretären zusammen.

Viel hatte er auch in diesen letzten drei Jahren dazugelernt. Unter anderem, daß ein großes Vermögen eine schwere Last ist, daß es besonderer Kunst bedarf, um einen großen Reichtum richtig zu verwalten. So zu verwalten, daß er in gleicher Weise seinem Besitzer wie der Allgemeinheit zum Segen gereicht.

Für Stunden wenigstens konnte er sich hier an Bord der »Mayflower« der Tagesarbeit entziehen. So saß er jetzt neben seiner Mutter unter dem Sonnensegel und blickte sinnend über die weiten blauen Fluten. Langsam verfolgte die Yacht ihren Kurs durch Tang und Kraut, die der Golfstrom hier in großen Mengen mit sich führte. Am Südhorizont erschienen in blauem Dunst die Berge von Guanahani. Spielend umschwärmten die weißen Möwen das Schiff, und nur das Geräusch der Maschinen durchbrach die Mittagsstille wie der Atem eines schlafenden Riesen. Schweigend ergriff John Workmann die Hand seiner Mutter und hielt sie lange fest. Die Erinnerung an vergangene Zeiten ging ihm durch den Sinn.

Die Mutter spürte einen festeren Druck seiner Hand.

»Was hast du, John? Woran denkst du?«

»Ich denke an einen Traum, Mutter. Es war an jenem Tage, als wir den Klub der Zeitungsjungen einweihten. Die Jungen sollten um zehn Uhr schlafen gehen, aber sie waren an jenem Tage natürlich nicht in die Betten zu bringen. Wie schliefen schließlich alle ein, wo wir gerade saßen oder lagen. Auch ich fiel auf einem Stuhl in Schlaf. Es muß keine sehr bequeme Stellung gewesen sein, denn ich wachte bald wieder auf, aber dazwischen träumte ich. Träumte so deutlich und lebhaft, daß mir der Traum noch heute vor Augen steht.

Ich sah mich damals selbst als erwachsenen Mann und träumte, daß mir große Werke gehörten, daß viele Tausende Brot und Arbeit durch mich hätten ... Siehst du, Mutter, der Traum ist in Erfüllung gegangen. Das ist es, Mutter, was mir Freude macht, was mir die Arbeit versüßt. Anderen Brot und Lebensmöglichkeiten schaffen! Andrew Carnegie hat einmal gesagt: Wer es bewirkt, daß zwei Grashalme wachsen, wo vorher nur einer wuchs, der hat nicht vergebens gelebt. Den Satz habe ich mir zum Leitspruch genommen. So will ich weiterarbeiten, Mutter, dann wird der Segen meiner Arbeit nicht fehlen.«

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