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John Workmann wird Millionär

Hans Dominik: John Workmann wird Millionär - Kapitel 26
Quellenangabe
typefiction
authorHans Dominik
titleJohn Workmann wird Millionär
publisherHoch-Verlag GmbH
printrun11.-15. Tausend
year1952
firstpub1921
illustratorWilhelm Kelter
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20151008
projectid925df4f0
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25. Kapitel

Zwei Jahre waren verstrichen, seitdem John Workmann jene Unterredung mit Pierpont Morgan hatte, die wenige Wochen später zur Gründung der Good Hope Mining Company führte. Zwei Jahre waren vergangen, seitdem die Millionen des Bankhauses Morgan in den chilenischen Anden arbeiteten und vielen tausend Händen Arbeit gaben.

An der Börse in Wallstreet wußte man es und sah der Weiterentwicklung der Dinge mit äußerster Spannung entgegen. Ein Unternehmen, an dem das Bankhaus Morgan sich in solchem Umfange beteiligte, mußte zweifellos sehr gut sein. Aber es war ein Unternehmen, von dem zwei Jahre hindurch keine einzige Aktie auf den Markt kam, so sehr man sich in Bank- und Börsenkreisen auch darum bemühte.

Der Bericht über das erste Jahr der Company war zur gegebenen Zeit erschienen und allgemein bekannt. Das erste Jahr war ja ein reines Baujahr gewesen, in dem man noch nicht an die Förderung von Golderzen denken konnte. Der Bericht gab in der üblichen Weise Mitteilung vom Fortschreiten der großen Bauten und Anlagen und schlug die Verteilung von Bauzinsen in Höhe von 5 Prozent vor. Da die Aktien noch nicht im Handel waren, blieb das jedoch eine reine Formsache. Noch existierte kein Kurs für die Anteile und konnte daher auch nach keiner Richtung hin beeinflußt werden.

Seitdem aber war ein zweites Jahr vergangen, und heute, am zweiten Donnerstag des Septembers, veröffentlichten die New Yorker Börsenblätter den Bericht der Company für das zweite Geschäftsjahr. Das zweite Jahr war bereits zum größeren Teil ein Betriebsjahr gewesen. Die Erzförderung und die Ausbeute an gediegenem Gold waren in Gang gekommen. Den großen Ausgaben für die maschinellen Einrichtungen standen jetzt auch Einnahmen für das gewonnene Gold gegenüber, und diese Einnahmen waren über alles Erwarten groß. Der Jahresbericht der Company berief die Aktionäre zur Generalversammlung und schlug die Ausschüttung einer Dividende von 30 Prozent vor.

Die Generalversammlung! Sie würde aus drei Personen zu bestehen haben. Aus John Workmann, James Webster und einem Vertreter des Bankhauses Morgan. Man würde es nicht nötig haben, einen besonderen Saal für diese Versammlung zu mieten, wenn nicht an demselben Donnerstag die Aktien der Company zum erstenmal an die New Yorker Börse gebracht und zum Handel und zur Notierung zugelassen worden wären. Schon die Vorbörse, jener inoffizielle Handel von Kontor zu Kontor, erhitzte sich an den neuen Werten. Noch bevor die offizielle Börse begonnen hatte, noch bevor ein Stück der Aktien aus den Tresors der Morganbank wirklich auf den Markt gekommen war, wurden Geschäfte in diesen Anteilen getätigt, die hoch in die Millionen gingen und bei denen die Kurse rapid auf 400 Prozent kletterten.

Um ein Uhr öffneten sich die großen Säle in Wallstreet für die Besucher der offiziellen Börse. Zu Hunderten strömten sie hinein, die Bevollmächtigten der amerikanischen Hochfinanz, die Vertreter des amerikanischen Kapitals, des amerikanischen Wirtschaftslebens. Brausendes Stimmengewirr erfüllte die weiten Räume. Auf tausend Telefonleitungen flogen die Orders für Kauf und Verkauf von allen Seiten herbei. Kupfer und Baumwolle ... Weizen und Mais ... Petroleum und Kohle ... Minen und Eisenbahnen ... Gouldwerte und Vanderbiltwerte. Die goldgeränderten Werte von Ford und Armour ... das alles war Gegenstand dieses wie im Fieberdelirium vor sich gehenden Handels. In der ersten Stunde hatten die Makler fünfhunderttausend Aktien umgesetzt und damit einen neuen Rekord für Wallstreet aufgestellt.

Aber nur langsam kam der Handel mit den Aktien der Good Hope Mining Company in Gang. Verzweifelt suchten sich die Jobber, die schon in der Vorbörse zu dreihundert verkauft hatten, durch Käufe zu jedem Preis einzudecken. Denn unaufhörlich kletterte der Kurs der Good-Hope-Aktien, ohne daß Verkäufer da waren. Von vierhundert stieg er auf 450 ... auf 470 ... 480 und erreichte um zwei Uhr mittags den Stand von 500.

Vor vierundzwanzig Monaten hatte Pierpont Morgan zu John Workmann gesagt: In zwei Jahren werden die Aktien unserer Gesellschaft 400 über Pari stehen. Fast auf Tag und Stunde genau war es eingetroffen, und jetzt begannen die Börsenvertreter der Morganbank auch mit der Abgabe von Aktien. Immer noch vorsichtig und zögernd. Immer noch so, daß der Kurs noch langsam stieg. Als die große Glocke des Börsenpalastes den Schluß der Börse kundtat, waren Aktien der Good Hope Mining Company im Nominalwerte von 15 Millionen Dollar zu einem durchschnittlichen Kurse von 520 Prozent aus den Tresors der Morganbank in den Besitz des Publikums übergegangen. Das Bankhaus Morgan begann sein in der Mining Company investiertes Kapital, nachdem es dort zwei Jahre gearbeitet und sich verfünffacht hatte, allmählich wieder hereinzuholen und für andere Unternehmungen freizumachen. Das Kapital der Morganbank hatte sich in der Mining Company verfünffacht. Aber ebenso das Kapital der anderen Partner. Nach dem Kurse, mit dem die Börse von New York an diesem Donnerstag schloß, waren die Anteile John Workmanns achtzig Millionen wert.

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