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John Workmann der Zeitungsboy

Hans Dominik: John Workmann der Zeitungsboy - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
authorHans Dominik
titleJohn Workmann der Zeitungsboy
publisherHoch-Verlag GmbH
printrun11.-15. Tausend
year1952
firstpub1921
illustratorWilhelm Kelter
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20151008
projectid8be3f044
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2. Kapitel

An dem dunkelgrauen Wintermorgen versammelten sich die Zeitungsjungen vor dem Gebäude des Zeitungsriesen und, wie alle Morgen, standen die meisten von ihnen bei dem Küchenwagen des Zeitungsriesen, welcher jedem Armen New Yorks, der es wünschte, des Morgens an dieser Stelle eine Blechtasse mit heißem Kaffee und ein Stück Brot umsonst verabreichte.

Entsetzliche Reihen des Elends kamen frostbebend aus dem Dunkel zu dem Wagen.

Fadendünn umschlossen schmierige Lumpen die Entgleisten, oftmals durch große Löcher die kältegerötete Haut zeigend.

Mit gierigen Augen spähten sie auf den Moment, wo sie den ersehnten heißen Trank, das ersehnte Stück Brot erhielten.

In ihre müden, ausgehungerten Gesichter trat ein Schimmer von neuer Lebenshoffnung, so sie mit zitternden Händen den Blechnapf voll heißem Kaffee zum Munde führten und in das Brot hineinbissen. –

Kein Laut wurde unter ihnen hörbar.

Schweigsam tauchten sie, wie Schatten einer Welt des Grauens, aus dem halbdunklen, nebelbrütenden Broadway, schweigsam verschwanden sie in demselben Nebelgrau.

Und doch – falls sie sprechen wollten – sie konnten das Grauen verkünden.

Als John Workmann zu dem Platz seiner Kameraden kam, beantwortete er ihren lauten Gutenmorgengruß mit einem stillen Nicken des Kopfes. Dann winkte er ihnen mit der Hand zum Zeichen, daß sie ihm folgen sollten.

Die Jungen waren gewohnt, John Workmann zu folgen.

Er war unter ihnen unzweifelhaft der Intelligenteste, und manch einer der Jungen hatte sich von ihm schon Rat und Auskunft geholt.

Die Jungen folgten ihm unter die Halle, welche von dem strahlenden Licht aus dem Maschinenraum erleuchtet war. Indem sich John Workmann gegen eine der mächtigen Spiegelscheiben lehnte, sagte er mit lauter Stimme, damit sie jedes Wort trotz der polternden und stampfenden Maschine hören konnten:

»Wenn einer von euch Charly Beckers noch einmal sehen will, dann kann er heute mittag nach der Schule mit mir kommen.«

»Charly Beckers wird heute sterben.«

Es war, als ob plötzlich die Winterkälte sich auf diese Schar lebensfrischer und lebensmutiger Jungens mit ihrem eisigen Hauch gelegt hätte.

Das frohe, blitzende Lächeln aus den frischen Gesichtern war verschwunden. Die Augen blickten ernst, und keiner von ihnen vermochte John Workmann etwas zu antworten.

Sie wußten alle, daß Charly Beckers krank war, aber daß er so jung sterben sollte, war für sie etwas Unfaßbares.

»Kommt ihr mit?« fragte John Workmann.

Da nickten alle Jungens mit dem Kopf, als Zeichen, daß keiner von ihnen zurückbleiben würde.

An diesem Morgen mochten sich die New Yorker darüber wundern, daß keiner der Zeitungsjungen mit dem gewöhnlichen gellenden Indianergeheul die Zeitungen ausrief, sondern daß sie mit merkwürdigem Ernst ihr Geschäft ausübten.

John Workmann hatte nur die Morgenausgabe besorgt, dann war er, so schnell ihn seine Füße trugen, zu dem kleinen Beckers geeilt.

Als er in dessen Schlafraum kroch, lag der Kleine mit Fieberwangen und weitgeöffneten Augen auf seinem Lager. Er war so schwach, daß er kaum den Kopf emporheben konnte.

»Ich bin's, Charly«, sagte John Workmann und hockte sich ganz dicht an das Lager des Kranken. – »Erkennst du mich?«

»Ja«, hauchte Charly Beckers, »ich habe schon gewartet. Kurz bevor du kamst, träumte ich von einem goldenen Engel, der durch die Tür hereinkam und mich mit sich nehmen wollte. Und dann bekam ich wieder furchtbare Angst und wachte auf. – – Gut, daß du da bist.«

John Workmann nahm die neben dem Bett stehende Medizinflasche und flößte Charly Beckers einige Tropfen zwischen die Lippen.

»Hast du noch Schmerzen?«

»Nein«, flüsterte Charly Beckers, »mir tut gar nichts weh. Ich glaube, ich werde jetzt wieder gesund.«

John Workmann versuchte zu lächeln.

»Natürlich wirst du wieder gesund, und jetzt probier mal, ob du einen von den Äpfeln essen kannst, die ich dir mitgebracht habe.«

Er gab Charly Beckers in jede Hand einen Apfel, was dieser aber nicht beachtete.

»Ich habe mir schon Sorge gemacht«, flüsterte er, »was aus meinen Sachen werden sollte. – – Weißt du, hier unter meinem Kopfkissen habe ich sieben Dollar liegen, die ich mir erspart habe. – Und dann in der kleinen Kiste dort in der Ecke habe ich allerlei Dinge, die ich gesammelt. – Da ist eine Tabakspfeife, die ich am Broadway fand. – Auch ein Notizbuch und ein Taschenmesser und sonstige Kleinigkeiten. Ich will das später alles einmal, wenn ich reich werde, gebrauchen. Sieh mal, John, dann ist es doch ganz gut, wenn man ein Taschenmesser und ein Notizbuch schon besitzt. Da braucht man es sich nicht erst zu kaufen. Und reiche Leute haben solche Sachen! – Ich denke mir, wenn man das hat, kann man auch Millionär werden. Nicht wahr?«

»Ganz gewiß, Charly. – Du wirst ein Millionär.«

»Weißt du, John«, flüsterte Charly weiter, »am meisten hätte ich mich gefürchtet, wenn man mich wie arme Leute in ein Massengrab geworfen hätte.

»Ich habe es mir immer am schönsten vorgestellt, wie der reiche Harriman in einem eigenen Grabe zu liegen, und ein großer Stein muß auf dem Hügel stehen, daß alle Leute sagen: Hier liegt Charly Beckers, der Millionär.«

John Workmann streichelte ihm die Stirn und sagte:

»Das wirst du alles haben, mein lieber Charly! Sprich nur nicht soviel, der Doktor hat es verboten.«

»War denn ein Doktor hier?«

»Ja, Charly!«

»Ein wirklicher Doktor?«

»Ein wirklicher Doktor!«

»Aber wer hat ihn bezahlt?«

»Ich habe ihn bezahlt.«

»Wieviel hat das gekostet?«

»Fünf Dollar, Charly.«

»Hm –« nachdenklich sah der kleine Knirps auf die Decke aus Sacktüchern. Dann hob er den Kopf ein wenig, blickte John Workmann dankbar an und sagte:

»Du bist ein guter Junge, John, ich schulde dir demnach fünf Dollar. Schade, den Doktor hättest du sparen können, da ich nun wieder gesund werde!«

Dann legte er sich mit dem Kopf zur Wand und schloß vor Erschöpfung die Augen.

John Workmann aber saß still neben dem Lager seines Kameraden, lauschte auf die unregelmäßigen Atemzüge und bekam Herzklopfen, wenn der Atem einmal längere Zeit ausblieb.

So kam der Mittag heran und die Zeit, wo die anderen Jungens vom Broadway noch einmal Charly Beckers sehen wollten.

Wohl an hundert Jungens waren es, die sich auf dem Hofe hinter dem Stalle versammelten und lautlos einer nach dem anderen zu dem engen Verschlag emporkletterten.

Und der kleine Sterbende wachte auf und freute sich, daß alle seine Freunde gekommen waren, ihn zu besuchen.

Jeder der Jungen schüttelte ihm die Hand und hatte ein Trostwort für ihn. –

Und Charly Beckers fühlte sich, als sei er der Präsident, und mit lächelndem Munde flüsterte er:

»Sorgt euch nicht. – Morgen bin ich wieder gesund.« –

Immer matter wurde sein Lächeln, ein müder Schatten legte sich vor seine Augen, er erkannte nichts mehr und mit einem letzten Aufflackern seiner Lebenskraft flüsterte er sterbend:

»Morgen – gesund –«

Dann versank das graue Licht des Wintertages in ewige Nacht vor seinen Augen. –

Charly Beckers war lange tot, als seine Kameraden immer noch nicht wußten, daß er nicht mehr unter ihnen weilte.

Erst als John Workmann merkte, daß die Hand des kleinen Charly, welche er hielt, kälter und kälter wurde und die Augen sich nicht mehr öffneten, beugte er sich über ihn und rief:

»Charly, willst du etwas trinken?« und nachdem er es mehrmals gerufen, ohne Antwort zu bekommen, bemächtigte sich John Workmanns eine unerklärliche Furcht.

Mit zitternden Händen nahm er die Medizinflasche und versuchte, in Charly Beckers festgeschlossenen Mund einige Tropfen zu gießen.

Umsonst.

Charly Beckers kleiner Mund, der so fröhlich plaudern konnte, war für immer verschlossen. –

»Er ist sehr kalt«, flüsterte John Workmann seinen Kameraden zu, »ich werde ihn in den Arm nehmen und ihn wärmen.«

»Es wird nichts nutzen«, sagte Harry Thomson, »als meine kleine Schwester starb – wir schliefen immer in demselben Bett – war sie auch ganz kalt. – Ich glaube, Charly Beckers ist nun im Himmel.«

Da wurde es ganz still unter den Jungen wie in einer Kirche.

Als einer von ihnen mit dem Fuß das Strohlager Charly Beckers berührte, daß es raschelte, fuhren sie erschreckt zusammen und schlichen zu ihren auf dem Hof weilenden Kameraden.

Dort standen sie eng zusammengedrängt, als brüte ein schweres Unheil über ihren Köpfen.

»Jungens!« sagte John Workmann mit tränenfeuchten Augen, »der kleine Charly ist tot. Sein letzter Wunsch war, so begraben zu werden, wie unsere Millionäre.

Ich denke, wenn wir alle mal drei Tage lang hungern und unseren Verdienst zusammenschmeißen, dann wird es dafür ausreichen, daß wir dem kleinen Charly auf einem Kirchhof in Long Island einen festen Platz kaufen und ihn in einem schönen Sarg zu Grabe tragen.

»Seid ihr alle damit einverstanden?«

In die ernsten Mienen der Jungen brachten die Worte John Workmanns wieder Sonnenschein. Jetzt hatten sie eine Pflicht an dem kleinen Charly Beckers, ihrem Kameraden, zu erfüllen!

Fast zufrieden verließen sie den Hof und begaben sich wieder zu ihrem Arbeitsplatz, zum Broadway.

John Workmann aber ging in den Raum des Toten zurück.

Nachdem er nochmals einige bange Minuten vergeblich auf ein Lebenszeichen von ihm gelauscht, begann er die Habseligkeiten – das Erbe des kleinen Charly Beckers – zusammenzupacken.

Mit fast frommer Scheu faßte er die wertlosen und doch für Charly Beckers einstmals so kostbaren Dinge an.

Wie hatte der kleine Knirps an den Sachen gehangen!

John Workmann erinnerte sich, mit welch stolzen Augen ihm Charly Beckers die Tabakspfeife und das Taschenmesser gezeigt. – Vor allem aber das Notizbuch! – Das sollte Charly Beckers' Wegweiser zum Reichtum werden.

Mit Tränen in den Augen schlug John Workmann das kleine Buch auf.

Da stand auf der ersten Seite mit ungelenken Knabenbuchstaben: »Charly Beckers« und darunter mit roter Tinte »Millionär«, auch seine Wohnung war genau angegeben.

Dieser ärmliche Stallverschlag unter dem Dache war in Charly Beckers' Phantasie sein Millionärspalast. –

Dann stand auf den nächsten Seiten genau angegeben, was Charly Beckers verausgabt und wieviel er verdient.

Mit roter Tinte hatte er auf jeder Seite seine Ersparnisse unten aufgeschrieben. – Sieben Dollar waren es auf der letzten Seite – und nun?

John Workmann schaute auf den stillen Schläfer. In seiner Kehle würgte es, am liebsten hätte er laut aufgebrüllt, daß der kleine tapfere Kerl nun tot war.

Dann erinnerte er sich, daß niemand bis jetzt bei dem Toten ein Gebet gesprochen. Es zwang ihn förmlich, das zu tun; und so kniete er bei Charly Beckers nieder und betete mit halberstickter Stimme:

»Lieber Gott – der kleine Charly war ein guter Junge. Du weißt das besser als ich, und auch, daß er keinen Vater besessen. – Nun ist er bei dir, lieber Gott. Amen!«

Dann nahm er die Hände des Kleinen und, als ob er noch hören könne, sagte er:

»Charly, du brauchst dich nicht zu sorgen, du sollst ein schönes Grab haben.«

Leise verließ er den Raum und schloß ihn ab. –

Bereits am Abend hatte er das nötigste Geld zur Hand, und als zwei Tage vergangen waren, fehlten eines Nachmittags auf dem Broadway die gesamten Zeitungsjungen, um Charly Beckers die letzte Ehre zu erweisen. –

Ein prachtvoller Leichenwagen, wie ihn die dunkle Ostseite von New York, in welcher das größte Elend und die bitterste Armut herrscht, nie gesehen, führte den Sarg des kleinen Charly Beckers durch die Straßen zum Broadway.

Eine Kapelle, welche einen feierlichen Trauermarsch spielte, schritt dem Sarg voran. Dicht hinter ihm ging John Workmann, dem in langem Zuge die Zeitungsjungen vom Broadway folgten.

Starr hingen die Augen von John Workmann an den mächtigen weißen Schleifen eines Lorbeerkranzes, die wie ein Banner von dem Sarg fast bis zum Boden hinabreichten und auf denen in großen Goldlettern gedruckt stand:

»Ihrem toten Kameraden Charly Beckers
Seine Kameraden vom Broadway!«

Und die New Yorker stauten sich zu beiden Seiten der Straßen, welche der Zug passierte und blickten mit scheuer Bewunderung auf die ärmlich gekleideten Zeitungsjungen, welche ihrem Kameraden ein so glänzendes Begräbnis zuteil werden ließen.

Als der Zug vor dem Gebäude der Zeitung langsam vorüberkam, machte der Zeitungsriese in seinen kostbaren Arbeitsminuten eine Pause. –

Die Arbeiter verließen die Maschinen, die unermüdlichen riesigen Werke standen still.

Dreimal neigte sich die Flagge am Fahnenmast des Zeitungsriesen vor dem Sarge seines Zeitungsjungen, als wäre er ein Fürst.

Von dem Broadway bis zum Fährboot, das den Sarg des kleinen Charly Beckers nach Long Island hinübersetzen mußte, standen die Menschenmassen dicht gedrängt, und zum ersten Male flüsterten sie den Namen eines späteren Gewaltigen unter ihnen von Mund zu Mund:

»John Workmann.«

Wie ein Lauffeuer ging es durch die Menschenmassen, daß John Workmann es war, der das Begräbnis zustande gebracht. Tausende von Augen sahen neugierig auf das blasse Gesicht des blondlockigen zwölfjährigen Knaben, der hinter dem Sarge schritt.

Und die wirklich Sehenden konnten auf dem Antlitz John Workmanns den Adel seiner Intelligenz wie ein prophetisches Leuchten für eine große Zukunft liegen sehen.

Als der Prediger das Gebet über der Grube gesprochen, trat John Workmann an das Grab und warf als letzte Liebestat drei Hände voll Erde auf Charly Beckers' letzte Ruhestätte. –

Dann sagte er:

»Jungens! – Stünde Charly Beckers bei uns, dann könntet ihr sehen, wie sehr er sich über das schöne Begräbnis freute, das wir ihm gegeben haben. – Für Charly Beckers danke ich euch und wünsche, daß ihr einmal ein ebenso schönes Grab bekommt wie unser Charly Beckers.«

Als John Workmann am Abend still und schweigsam seine Wohnung aufsuchte, empfing ihn seine Mutter zum ersten Male mit einer scheuen Ehrfurcht, als sei es nicht ihr Junge, sondern ein Fremder.

Eine Stunde, bevor er gekommen, hatten ihr Nachbarinnen die Abendzeitungen gebracht, und an erster Stelle konnte sie den Namen ihres Jungen lesen mit großen Buchstaben, wie sie die Zeitungen nur bei Königen, Fürsten oder großen Ereignissen gebrauchen. Und darunter die Beschreibung vom Begräbnis des kleinen Charly Beckers nebst Bildern.

Wie eine Heldentat priesen die Zeitungen John Workmanns Werk.

Die Augen voll Tränen umarmte ihn seine Mutter und rief immer wieder:

»John, mein lieber guter John!«

John Workmann aber wehrte seine Mutter sanft ab und sagte:

»Weißt du, Mutter, seit drei Tagen habe ich kaum gegessen und geschlafen. Schaffe mir jetzt Abendbrot und dann will ich mich zu Bett legen.«

Als John Workmann im Bett lag, atmete er erleichtert auf.

Er dachte an den kleinen Charly Beckers, der nun doch nach seinem Tode wie ein Millionär in einem vornehmen Grabe in Long Island lag. – Nicht unter den Sanddünen draußen am Ozean, wo man die Grabstätte statt eines Namens nur mit einem Holzpfahl bezeichnet, auf dem eine Nummer geschrieben stand. Charly Beckers konnte zufrieden sein!

Auf sein Grab kam ein Stein, auf dem ein jeder lesen konnte, daß hier Charly Becker's letzte Ruhestätte war.

Als John Workmann am nächsten Tage erwachte, begab er sich, wie stets zur gewohnten Zeit, zu seinem Arbeitsplatz.

Als er an den Schalter trat, um seine Zeitungen in Empfang zu nehmen, schob ihm der alte Beamte einen Brief zu und sagte:

»Lies den, John. Ich glaube, man kann dir gratulieren!«

Erstaunt nahm John Workmann den Brief, welcher seinen Namen trug und in einem Kuvert steckte, wie es der Zeitungsriese gebrauchte.

Aber erst, nachdem er seine Morgenausgabe in den Hoch- und Untergrundbahnen verkauft, nahm er sich Zeit, den Brief zu öffnen. Mit erstaunten Augen las er:

Werter Herr!

Im Auftrage des Mister Bennett habe ich Ihnen mitzuteilen, daß Sie heute zwischen 2 und 3 Uhr sich in seinem Büro einfinden möchten.

Hochachtungsvoll
George Tyler, Sekretär.

Zweimal las John Workmann den Brief. Dann wurde er glühend rot.

Scheu steckte er das Schreiben in seine Brusttasche und benutzte zum erstenmal in seinem Leben die Straßenbahn, um schneller nach Hause zu kommen. Er wollte seinen Anzug wechseln.

Zum ersten Male auch geschah es, daß er als »Herr« angeredet wurde. –

Und derjenige, der ihn als Herr anredete, war einer der Mächtigsten der Welt, einer der ersten Millionäre: der Besitzer der ungeheuren Maschinen, der Arbeitgeber von Tausenden von Menschen, ein König in seinem Reiche.

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