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Johann Wilhelm Ludwig Gleim: Fabeln

Johann Wilhelm Ludwig Gleim: Johann Wilhelm Ludwig Gleim: Fabeln - Der Tropfen
Quellenangabe
typefable
booktitleGleim's Gedichte (Nationalbibliothek der Deutschen Classiker, Sechster Band) II
authorJohann Wilhelm Ludwig Gleim
yearvor 1876
publisherBibliographisches Institut
addressHildburghausen und New York
titleDer Tropfen
pages66
created20010929
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Der Tropfen.

1754.

An – – –

        O Freundin, die du weiser,
Als Sokrates und Solon,
Dich selbst erkennst, wir hörten
Dich, o du Weise, sagen:
Was bin ich in den Wirbeln
Der Sonnen? Was im Raume
Der Himmel? – Hör', o höre,
Was neulich eine Muse
Mir sang, es dir zu singen!
Sie sang: Ein klarer Tropfe
Fiel hoch aus einer Wolke
Tief in das Meer, und sahe
Neptunus Reich, und sagte:
Was bin ich hier im Brausen
Der Wasserwogen? Götter!
Ein Nichts bin ich, ein Tropfe!

Schnell aber schwamm hinüber
Zu dem bescheid'nen Tropfen,
Bescheid'ner, eine Muschel,
Und trank den klaren Tropfen.

Da ward er in der Muschel
Zur allerschönsten Perle,
Ward aufgefischt und pranget
Nun in der großen Krone
Des persischen Monarchen!

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