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Johann Wilhelm Ludwig Gleim: Fabeln

Johann Wilhelm Ludwig Gleim: Johann Wilhelm Ludwig Gleim: Fabeln - Der Greis und der Tod
Quellenangabe
typefable
booktitleGleim's Gedichte (Nationalbibliothek der Deutschen Classiker, Sechster Band) II
authorJohann Wilhelm Ludwig Gleim
yearvor 1876
publisherBibliographisches Institut
addressHildburghausen und New York
titleDer Greis und der Tod
pages60
created20010929
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Der Greis und der Tod.

                        Ein Greis von acht und achtzig Jahren,
Ein armer abgelebter Greis
Mit wenigen schneeweißen Haaren,
Kam aus dem Walde, trug auf seinem krummen Rücken
Ein schweres Bündel Reis.

Ach Gott, der arme Greis!
Er mußte wohl sehr oft sich bücken,
Als er die Reiserchen im weiten Walde las?
Er hatte keinen Sohn, sonst hätte der's gethan!

Und weil von Mattigkeit er nun nicht weiter kann,
So setzt' er's ab, und als er nun da saß
Bei seinem Bündel und bedachte,
Wie viel Beschwerde, Müh' und Noth
Das Bündel Reis ihm machte,
Wie viel sein Bischen täglich Brod,
Da seufzt er, Lebens satt, und weint, und ruft den Tod:
»Befreie«, spricht er, »mich von aller meiner Noth
Und bringe mich zur Ruh'!«

Der Tod kommt an, geht auf den Rufer zu;
»Was willst du?« fragt er ihn, »du armer Alter, du!
Daß du mich hergerufen hast?
Du trägst auch eine schwere Last!«

»Ach, lieber Tod«, versetzt darauf
Der arme Greis, – »hilf sie mir auf!«

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