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Johann Heinrich Vo

Johann Heinrich Voß: Johann Heinrich Vo - Die Heumahd
Quellenangabe
titleDie Heumahd
typepoem
booktitleWerke in einem Band
authorJohann Heinrich Voß
firstpub1784
year1966
publisherAufbau Verlag
addressBerlin und Weimar
pages81-87
created20051219
sendergerd.bouillon
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Johann Heinrich Voß

Die Heumahd

(1784)

Lene
            Lieblicher pfeifst du, im Ernst, als Hänflinge. Bartel, man spricht doch
Wohl ein freundliches Wort, wo man ehrbare Jungfern vorbeigeht.
Bartel
Sitzt mein Lenchen am Baum? Ich Träumender schaute des Abends
Goldenen Rand, der zum Heun anmutiges Wetter verkündigt.
Meister Schmied hat die Sense mit neuem Öhre gerüstet;
Heute zersprang mir das alte wie Glas am verborgenen Feldstein.
Lene
Kommt doch ein Unglück selten allein! Bis zum Hemde durchwässert,
Kehrst du zurück, und dabei mit gestümmelter Sense, vom Grasmähn.
Mir hat Freude gemacht der feurige Glanz in dem Dunkeln
Und das geschäftige Hammergepink bei dem Bellen des Hundes,
Welcher im Rade des Balgs umgeht, wie der Meister gebietet.
Bartel
Hell ja strahlte die Sonn in der tauigen Kühle des Morgens;
Und bei frohem Gezwitscher der Vögelein schwangen wir Mäher
Rasch die blinkende Sens und jubelten. Doch da verduftend
Schwand an der Sonne der Tau, und vom buschigen Walle der Koppel
Oft wir den Weg zum Dorfe hinaufsahn, ob sich der Staub nicht
Hüb und ihr Jüngferchen weiß mit Harken erschient und der Frühkost,
Schnell ward düster die Luft, und gewirbelter Regen mit Donner
Prasselte, welcher die Schwade durchströmt und bald von dem Ulmbaum,
Wo wir geduckt uns drängten, in mächtigen Tropfen herabgoß.
Lene
Siehst du? Ein andermal höhne den Rat der Wetterprophetin!
Bartel
Sage mir, du von der Mutter gewitzigte Wetterprophetin
(Denn voll Reue bekenn ich die Schuld!), o sage mir diesmal,
Ob ich dem goldenen Rand und den ruhigen Wölkchen vertraun darf.
Lene
Lauter wie Gold ist jene Verkündigung. Siehe, wie klar auch
Blinkt nun jeglicher Stern und die Milchstraß oben am Himmel.
Heut da die Tropfen im Bach nicht bubbelten und zu dem Obdach
Eilig der Hahn mit den Hennen sich rettete, sagte die Mutter:
»Kinder, die Luft hat der Donner gereiniget; schärft nur die Sensen.«
Bartel
O für das tröstliche Wort muß gleich mein Lenchen belohnt sein.
Lene
Wie denn belohnt?
Bartel
                                Dank singe der bunte Stieglitz in dem Käfig,
Den ich entzogen dem Nest und ein Leibstück pfeifen gelehret.
Lene
Ward es bemerkt, daß ich lang in den artigen Vogel verliebt war?
Dank! doch singe du selbst dein neugelerntes Heulied,
Bartel, zuvor, das du eben mit Andacht pfiffst im Vorbeigehn.
Konrad sang mir die Weis und versicherte, wenn du den Mähern
Sängest das Lied, dann regt' in der Hand sich die Sense von selber.
Bartel
Hast du die Zeichen der Luft, Weissagerin, richtig gedeutet,
Wahrlich, so ist nun Stunde des Schlafs, nicht eiteles Singens:
Daß wir in tauiges Gras mit der steigenden Lerche hinausgehn.
Auch viel kräftiger tönt im Geschwirr arbeitender Sensen
Mutiger Männer Gesang mit dem Einklang harkender Mägdlein,
Wo von dem waldigen Hügel am See antwortet der Nachhall.
Lene
Sanfter Gesang im Stillen erfreut auch, sagen die Kenner.
O wie erfrischt ruht alles umher! Kaum regt sich ein Blättlein;
Nur die Abele bewegt ihr silbernes Laub in dem Wipfel.
Seitwärts blickt durch die Bäum abkühlende Wetterleuchtung
Mit sanft murmelndem Donner; und rings von den Höfen des Dorfes
Tönt die gehämmerte Sens, als tönete Glockengebeier,
Morgen ein fröhliches Fest zu verkündigen. Singe denn, Bartel,
Singe die morgende Festmelodie auf traulicher Bank hier,
Welche die Lind, im Duft gelbblühender Äste, beschattet.
Bartel
Ja du zaubertest mir, o Schmeichlerin, Herz und Gesang ab,
Wenn du, so hold anlachend, das Kinn mit dem Händchen noch einmal
Streicheltest! Komm, mein Lenchen, und küsse mich! Küsse der Mägdlein
Locken Gesang aus der Brust wie warmer Regen das Mailaub.
Lene
Bartel, die Mutter belauscht an der Tür uns! Höre, was trappt da?
Nimm dich in acht! Man schläft unruhiger, küßt man des Abends!
Sollst du nicht in das Gras mit der steigenden Lerche hinausgehn?
Bartel
Aber ein Kuß in der Helle des Tags macht lustig zur Arbeit.
Morgen demnach auf der Wiese, wie Montag hinter dem Weidicht,
Als du, den Hut zu kränzen, die lichtrot glühende Pechnelk,
Und den violigen Stendel mir brachst und gelblichen Bocksbart.
Weißt du noch, wie du schriest und nachher von Schlangen erzähltest?
Deutlich war im Gesichte die Angst; doch lachten die Mägdlein.
Lene
Singe doch endlich das Lied, du Trödeler; oder ich gehe!
Bartel
»Gutes Ding hat Weile«, so sagt Paul Ehrich im Kranzritt.
Doch daß der launische Mund, der den Kuß anlocket und abweist,
Nicht im Gesang mich störe, du Grausame, blicke mir seitwärts.
Nimm du, Mädchen, die Sens, und schlage den Takt mit dem Schlüssel.
Sensengeklirr erst macht dir ein Heulied wirklich zum Heulied.
        Im blanken Hemde gehn
Wir Bursche kühl und mähn.
Wie unsre Sense blinket,
Rauscht hohes Gras und sinket
In Schwade lang und schön.

Verbirg, o Wolkenkranz,
Die schwüle Sonne ganz,
Die flüchtig Tal und Hügel
Wie ein gewandter Spiegel
Durchstrahlt mit irrem Glanz.

Doch regne nicht; denn traun!
Fruchtschwanger blühn die Aun:
Dort ragt der Halm und nicket,
Der braune Kohl dort blicket
Krausköpfig übern Zaun.

Drum, liebe Wolke, laß
In Ruh ihr falbes Gras
Mit Harken in den Händen
Die flinken Mägdlein wenden,
Und regne sie nicht naß.

Auf, Mäher, tummelt euch!
Mäht vorwärts, gleich und gleich!
Was schärfst du dort die Sense
Und spähest wilde Gänse
Und Enten auf dem Teich?

Schau unsrer Mägdlein Schwarm,
Die mit entblößtem Arm
Des trocknen Heues Wellen
Gehäuft in Schober stellen,
Von Sonn und Arbeit warm.

Wer faul ist, Gras zu mähn,
Soll uns und ihnen schön
Das Heu mit Gabelstangen
Zur Bodenluke langen
Und unsre Kurzweil sehn.

Nur noch den Winkel hier!
Dann ruhen sie und wir
In süßem Duft am Schober
Und leeren unsren Kober
Und trinken kühles Bier.

Dicht ruhn wir und vertraut,
Juchhein und lachen laut;
Der Rosenbusch und Flieder
Wallt blühend auf uns nieder,
Die Grille zirpt im Kraut.

Lene

        Schön sind, Bartel, wie deins, nicht viel anmutige Lieder,
Die wir gedruckt heimbringen für unseren Schilling vom Jahrmarkt.
Schön auch klinget die Weis in den Klang der geschlagenen Sense,
Kräftig gesungen von dir. O gewiß, du nährtest dich reichlich,
Wenn du von Dorf zu Dorf mit Gesang und Zither umhergingst.
Schäumendes Bier auch brächte, den Krug vorkostend, ein Mägdlein.
Bartel
Und doch wird dem Gesang kein trockener Kuß zur Belohnung?
Lene
Morgen vielleicht. Nun ruhig zu Bett und träume vom Grasmähn.
Bartel
Doch was Schönes dabei; denn im Traum sind artig die Mägdlein.
Lene
Manche dürft auch im Traum unartige Wünsche verweigern.
Bartel
Gib mir zum wenigsten heute das Röselein, das dir am Busen
Wallt!... O das Blümchen ist warm und riecht mit gedoppelter Würze.
Schlafe denn wohl! Nein wahrlich! das rosenlippige Mägdlein
Wird noch heute geküßt und träumt, wie ich selber, vom Grasmähn.
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