Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Johann Christian Günther >

Johann Christian Guenther: Gedichte

Johann Christian Günther: Johann Christian Guenther: Gedichte - Schreiben an seine Leonore
Quellenangabe
titleSchreiben an seine Leonore
typepoem
year1961
isbn3-15-001295-3
sendermatthias.alonso@arcormail.de
publisherPhilipp Reclam jun. Stuttgart
authorJohann Christian Guenther
editorManfred Windfuhr
booktitleGedichte
Schließen

Navigation:

Johann Christian Guenther

Schreiben an seine Leonore

Von Breslau, Anno 1719, den 22.Dezember

Ach Kind, ach liebstes Kind, was war das für Vergnügen!
Der Himmel geb' uns doch dergleichen Nächte viel
Und lass' uns so vertraut bis an das letzte Ziel
Mit Brust und Geist vermählt in Eintrachtsbanden liegen;
Denn außer jener Welt und ohne diese Lust
Ist doch wohl der Natur kein größrer Schatz bewußt.

Wir spielen unverstört mit Redlichkeit und Küssen,
Wir haben gleichen Sinn, wir wünschen einerlei,
Sind Sklaven süßer Macht, und niemand lebt so frei;
Wir schwatzen, daß uns auch die Worte mangeln müssen,
Wir schenken uns an uns und nähmen, könnt' es sein,
Als Seelen wahrer Treu' nur einen Körper ein.

Uns darf kein Modebrief kein Ehverlöbnis stiften,
Kein Kuppler und kein Geld verbindet unsre Glut,
Dein Mahlschatz ist mein Herz, dein Herz mein Heiratsgut
Und unser beider Ruhm die Dichtkunst meiner Schriften,
In welchen Lieb' und Scherz so lange Lob gewinnt,
Als Kunst und Wissenschaft in Deutschland fruchtbar sind.

Wir haben unsern Bund die Zeit bewähren lassen;
Für dich ist auf der Welt kein beßrer Mann als ich,
Ich find auch auf der Welt kein treuer Weib als dich,
Wir müßten sonder uns das beste Leben hassen;
Da, wo ich dich nicht seh, da ist mir alles leer,
Und wenn es auch der Schwarm des größten Hofes wär'.

Versuchte mich Eugen, und böte mir der Kaiser
Für dich, du frommes Kind, Gold, Thron und Purpur an,
So spräch' ich, wie ich dir mit Wahrheit schwören kann:
Ich ehre, großer Held, die vielen Siegesreiser,
Ich weiß auch, großer Karl, was Macht und Kronen sind -
Behaltet, was ihr habt, und laßt mir nur mein Kind!

Gesegnet sei der Tag, gesegnet sei die Kammer,
Der unsern Bund gesehn, die unsern Kuß gehört!
Wer jenen durch Verdruß und die mit Fluch entehrt,
Dem mach' ein böses Weib den Ehstand vollerJammer.
Gesegnet sei auch gar der Kummer und der Neid,
Der wegen deiner Gunst mir manchen Stoß verleiht!

O könnt' ich doch, mein Kind, in allen Sprachen dichten
(So wünsch ich dann und wann wie einst Petrarchens Mund),
So tät ich deinen Wert den meisten Ländern kund,
So ließ ich jedes Volk von unsrer Liebe richten;
Die Klügsten würden sehn, wie zärtlich meine Treu',
Wie redlich meine Brust, wie rein dein Herze sei.

Ich tu, so viel ich kann, dein Denkmal auszubreiten,
Um bei der späten Welt durch deinen Ruhm zu blühn;
Wie mancher wird noch Trost aus meinen Liedern ziehn,
Wie manchen wird mein Vers zur süßen Regung leiten!
So merk ich, wenn mein Mund der Alten Arbeit liest,
Daß unsre Liebe schon vordem gewesen ist.

Was hat wohl unser Wunsch mehr auf der Welt zu suchen,
Und welches Glück ist noch wohl unsers Neides wert?
Wenn mir des Himmels Huld dich vollends ganz gewährt,
So wüte Feind und Groll, so mag der Spötter fluchen;
Drei Dinge sind mein Trost: Gott, Wissenschaft und du;
Bei diesen seh ich stets den Stürmen ruhig zu.

 << Scherzhafte Gedanken ueber die Rosen  Der von der Weisheit gefundene und belohnte Flei§,als dem wohledlen.... >>