Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Jean de La Fontaine >

Jean de La Fontaine: Fabeln

Jean de La Fontaine: Jean de La Fontaine: Fabeln - Wie Simonides von den Göttern beschützt wurde
Quellenangabe
typefable
authorLa Fontaine
titleWie Simonides von den Göttern beschützt wurde
senderLorelies.Kuhn@t-online.de
created20011112
Schließen

Navigation:

La Fontaine

Wie Simonides von den Göttern beschützt wurde

Drei Dinge gibt's, die nie man hoch genug kann preisen:
Gott, die Geliebte und den Herrn.
Malherbe sagt's einmal, und ich bekenn' mich gern
zu diesem Ausspruch unsres Weisen.
Wohl kitzelt feines Lob und nimmt die Herzen ein,
oft ist der Schönen Gunst der Preis für Schmeichelein.
Hört, welch ein Preis dafür von Göttern zu gewinnen.
Simonides fiel's einstmals ein,
eines Athleten Lob im Lied zu singen. Beim Beginnen
fand er zu trocken gleich, zu arm den Gegenstand:
des Ringers Sippe war fast gänzlich unbekannt,
ein dunkler Ehrenmann sein Vater – kurz, ein schlichter
und dürft'ger Stoff für einen Dichter.
Anfangs sprach der Poet von einem Helden zwar
und lobte, was an ihm nur irgend war zu loben;
bald aber schweift' er ab, und zu dem Zwillingspaar
Kastor und Pollux hat er schwungvoll sich erhoben.
Er preist die beiden als der Ringer Ruhm und Hort,
zählt ihre Kämpfe auf, bezeichnet jeden Ort,
wo jemals sie gestrahlt im Glanze hellsten Lichtes.
Der beiden Lob – mit einem Wort,
zwei Drittel füllt es des Gedichtes.
Bedungen hatten ein Talent als Preis die zwei;
jetzt kommt der Biedermann herbei,
zahlt ihm ein Drittel nur und sagt ihm frank und frei,
es würden ihm den Rest Kastor und Pollux zahlen.
»Halt dich nur an die zwei, die hell am Himmel strahlen!
Allein, daß du nicht meinst, ich sei
dir gram – besuche mich zu Tisch. Gut sollst du speisen;
auch die Gesellschaft ist nicht schlecht,
's ist meine Sippe – ist dir's recht,
so wolle mir die Ehr' erweisen.«
Simonides sagt zu; vielleicht befürchtet er,
außer dem Geld auch noch die Ehre dranzugeben.
Er kommt; man speist, läßt ihn hoch leben,
und froh und munter geht es her.
Da meldet ihm ein Sklav', es hätten an der Pforte
zwei Männer augenblicks zu sprechen ihn begehrt;
er eilt hinaus, es bleibt am Orte
die Sippe schmausend ungestört.
Das Götterzwillingspaar, das er im Lied gepriesen,
sie sind's und bringen eine Mahnung ihm als Lohn:
Forteilen mög' er schnell aus diesen
unsel'gen Hallen, die mit nahem Einsturz drohn.
Und bald erfüllte sich die Schreckenskunde:
Ein Pfeiler wankt, es stürzt das Dach,
das ungestützte, schlägt zugrunde
das Eß- und Trinkgerät und mit furchtbarem Krach
die Dienerschaft im Festgemach.
Noch mehr. Als Rache für die Götter, die geschmähten,
und den betrogenen Poeten
zerquetscht ein Balken beide Beine dem Athleten.
Verletzt oder verstümmelt gar
kehrt heim der Gäste bunte Schar.
Fama verbreitete die Mär auf ihren Reisen,
die Welt verdoppelt nun, ihm Achtung zu erweisen,
den Sold des Dichters, der der Götter Lieblich war.
Und jedermann aus höheren Kreisen
ließ jetzt durch ihn für Honorar
in Versen seine Ahnen preisen.
Was lehrt die Fabel uns? Zuerst, mein' ich, daß man
das Lob der Himmlischen zu weit nie treiben kann;
ferner, daß mit dem Schmerz und ähnlich ersten Sachen
Melpomene versteht manch gut Geschäft zu machen;
endlich, daß unsere Kunst man schätze ohne Unterlaß.
Die Großen ehren sich, wenn sie uns Gunst erweisen;
als Freunde pflegte man zu preisen
die im Olymp und im Parnaß.
 << Die Grille und die Ameise 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.